Fehler

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Anzeige eines Fehlers? Ob eine Uhr außer Betrieb ist oder welche falsch anzeigt, ist auf dem Foto nicht entscheidbar.
Beispiel für ein fehlerhaftes Formular (fehlender vordefinierter Raum für die Angabe des Kalenderdatums) und für fehlerhafte Befüllung des Formulars (der Unterstrich vor „den“ ist eigentlich für den Ort der Ausstellung gedacht)

Ein Fehler ist die Abweichung eines Zustands, Vorgangs oder Ergebnisses von einem Standard, den Regeln oder einem Ziel.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Standard kommen insbesondere Normen in Frage. Normen sind rechtliche, soziale, sprachliche oder technische Vorgaben oder der in Arbeitsanweisungen geregelte Arbeitsablauf, von denen tatsächlich abgewichen wird. Diese Normen müssen vorher feststehen und den Beteiligten bekannt sein, sonst liegen keine fehlerhaften Normabweichungen vor. Werden sie im Idealfall eingehalten, besteht Konformität mit Normen oder Regeln. Abweichungen hiervon sind statistisch als Fehler messbar. Fehler betreffen nicht nur Handlungen wie Kunstfehler oder Gussfehler, sondern auch Zustände wie Herzfehler oder Materialfehler. Fehler ist auch das, was einer Sache bzw. einer Gegebenheit fehlt, etwa eine fehlende Rohrleitung oder fehlende Informationen. Der Fehler steht jedoch auch für die Abweichung eines gemessenen Wertes vom wahren Wert oder von der Fehlertoleranz. George A. Miller definierte Fehler deshalb im Jahre 1960 als alle Abweichungen des Ist-Zustandes vom Soll-Zustand.[1] Der Ist-Zustand, etwa das tatsächlich erzielte Arbeitsergebnis, wird mit dem Soll-Zustand (hier die Arbeitsaufgabe) verglichen, statistische Abweichungen sind Fehler. Deshalb kann ein Fehler auch dadurch definiert werden, dass eine Handlung oder ein Messergebnis nachträglich einer Beurteilung unterzogen wird.[2] Selbst hierbei kann es zu Beurteilungsfehlern kommen.

Fehler betreffen alle Lebensbereiche, sind jedoch in manchen besonders salient, wie beispielsweise in der Schule,[3] im Straßenverkehr oder im Arbeitsprozess. Fehler liegen allen Worten aus seiner Wortfamilie wie Scheitern, Schwachstelle, Störung, Täuschung oder Versagen zugrunde. Jeder Unfall (etwa Straßenverkehrsunfall) oder jeder Unglücksfall (Arbeitsunfall, Haushaltsunfall, Sportunfall) ist ein plötzliches Ereignis, das erheblichen Schaden an Menschen oder Sachen verursacht und weiteren Schaden zu verursachen droht;[4] beide sind auf vorangegangene Fehler zurückzuführen. Sie sind mit negativen Hinweisreizen (Angst, Ärger, Scham) verbunden, so dass man Fehler zu vermeiden oder zu verheimlichen sucht (Unfallflucht).

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Worte „Fehler“, „fehl“, „fehlen“ oder „falsch“ wurzeln auf Betrug/Täuschung (lateinisch falla -Substantiv- oder lateinisch fallere -Verb-).[5] Hermann Weimer wies bereits 1925 darauf hin, dass „bei weitem nicht alles, was falsch ist, ein Fehler“ sein muss.[6][7]

Fehlerursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Menschen liegen den Fehlerursachen überwiegend psychologische Ursachen zugrunde. Hierzu gehören insbesondere zu geringe oder fehlende Aufmerksamkeit, Konzentration oder Motivation sowie Ablenkung, Monotonie, Müdigkeit oder Stress. Die Arbeitskurve (Lernkurve) gibt deutliche Hinweise auf physiologische Fehlerpotenziale (Arbeitsbelastung, Ermüdung). Ursachen maschineller Fehler sind auf Bedienfehler, mangelnde Wartung oder Instandsetzung, überhöhte Arbeitsintensität, nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch, Abnutzung, Verschleiß oder Materialermüdung zurückzuführen.

Diese Fehlerursachen können schließlich auch danach unterteilt werden, ob sie in der Umwelt der handelnden Person oder innerhalb der Person liegen:[8]

Diese externen (Umfeld) und internen Fehlerquellen können isoliert oder auch kombiniert auftreten.

Fehlerarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Fehleranalyse gab es viele Versuche, die Fehlerarten zu systematisieren. So gibt es die Einteilung in strukturelles/mechanisches/sonstiges Versagen, Informationsfehler, Diagnosefehler, Zielfehler, Strategiefehler, Prozedurfehler und Ausführungsfehler.[9] James Reason klassifizierte 1990 die Fehler nach unbeabsichtigt (Aufmerksamkeitsfehler), vergesslich (Gedächtnisfehler), fehlerhaft (regelbasierte Fehler) und beabsichtigt (Verstoß gegen Routine, Ausnahmeverstoß, Sabotage).[10]

Bei der Fehleranalyse unterscheidet man allgemein folgende Fehlerarten:

  • Ein systematischer Fehler liegt vor, wenn Normen oder Messgeräte falsch oder ungenau sind und die - eigentlich objektiv richtigen - Arbeitsergebnisse hiervon abweichen. Ist beispielsweise eine Waage falsch justiert, können die Gewichte der gewogenen Gegenstände nicht genau bestimmt werden. Diese Fehler entstehen durch gesetzmäßige Zusammenhänge einer Handlung, die auf fehlerhafte Normen trifft. Die Fehlerhäufigkeit liegt hierbei sehr hoch, im Extremfall bei 100 %. Die Fehlerbehebung setzt bei der übergeordneten Fehlerquelle an und führt zur Beseitigung einer Vielzahl von fehlerhaften Messungen.
  • Ein zufälliger Fehler tritt ohne gesetzmäßigen Zusammenhang durch Zufall auf und beruht auf dem Fehlverhalten durch menschliche Fehler, technische Defekte oder maschinelle Fehlfunktionen. Um letztere handelt es sich, wenn Maschinen oder sonstige Apparate nicht aufgabenkonform funktionieren. Die Fehlerhäufigkeit ist bei zufälligen Fehlern tendenziell wesentlich geringer als bei systematischen Fehlern. Die Fehlerbehebung ist dagegen schwieriger als bei systematischen Fehlern, weil jedes einzelne Fehlerobjekt eine andere Fehlerursache haben kann.

Verkettungen von Fehlern in einem Zusammenhang werden Fehlerkette genannt; sie können zu einem Zusammenbruch ganzer Systeme führen,[11] z. B. Flugzeugabsturz oder weiträumiger Stromausfall.

Die Folgen eines Fehlers sind in der Regel unerwünscht. Daher werden Fehler häufig – aber nicht ausschließlich – nach der Schwere der Fehlerauswirkungen klassifiziert. Nach dem Fehlerausmaß unterscheidet man zwischen

Entscheidend für die Fehlererkennung ist, wer die Fehler entdeckt, entweder der Handelnde selbst oder ob Fehler erst bei der Kontrolle auffallen. Lediglich 20-30 % der Fehlerarten sind nach der Pareto-Verteilung für 70-80 % aller Fehler verantwortlich.[12]

Fehler in einzelnen Fachgebieten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einzelnen Fachgebieten gibt es andere Fehlerarten, wie etwa in der Pädagogik oder Mathematik. Die Pädagogik kennt Reproduktionsfehler (mangelnder Abruf gelernter Inhalte), Verständnisfehler (Verständnisschwierigkeiten), Anwendungsfehler (mangelnde Anwendung von vorhandenem Wissen in neuen Situationen) oder Kommunikationsfehler (Missverständnisse). Die numerische Mathematik definiert den Fehler anders als die Umgangssprache. Danach liegt ein Fehler vor, wenn durch den Verstoß gegen Rechenregeln, die Verwendung von falschen Gleichungen oder eine falsche mathematische Schlussfolgerung ein unbrauchbares Ergebnis entsteht. Auch die Abweichung eines Näherungswerts von einem - meist unbekannten - wahren Wert ist ein Fehler.[13]

Alltag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häufige Alltagsfehler sind Denkfehler, Druckfehler, Fat-Finger-Fehler, Rechenfehler, Rechtschreibfehler, Hörfehler, Sprechfehler oder Tippfehler. Sie alle können zu groben Fehlern werden, wenn sie unentdeckt bleiben und Schäden auslösen. Wahrnehmungsfehler sind Mängel der Fähigkeit, aus sensorischen Informationen ein umfassendes und adäquates Abbild von Eigenschaften der physikalischen und sozialen Umwelt abzuleiten.[14]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberstes Ziel der Produktion von Gütern und Dienstleistungen ist die Vermeidung von Fehlproduktion, um die Produkt- und Dienstleistungsqualität nicht zu beeinträchtigen und Fehlerkosten zu verhindern. Dies trägt sowohl zur Produktsicherheit als auch zur Kundenzufriedenheit bei und setzt eine möglichst hohe Arbeitsqualität voraus. Die Null-Fehler-Strategie zielt auf eine möglichst fehlerfreie Produktion ab, bei der kein Ausschuss erzeugt werden soll und daher keine Nacharbeit notwendig wird. Die früheren DIN ISO 8402 und DIN 55350 beschrieben den Fehler als „Nichterfüllung einer festgelegten Forderung“. Darunter fallen Fehlerarten wie der Planungsfehlschluss, die Fehlentscheidung, Konstruktionsfehler oder Fehlbesetzung.

Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rechtswissenschaft befasst sich einerseits mit Fehlern in der Rechtsetzung (z. B unbewusste Gesetzeslücken), anderseits mit solchen der Rechtsanwendung (z. B Verfahrensfehler).

Im Recht ist jede Abweichung von einer Rechtsnorm als Fehler anzusehen. Im Zivilrecht ist die Sorgfalt eine Verhaltensnorm, von der Fahrlässigkeit und Vorsatz fehlerhaft abweichen. Das Strafrecht oder Nebenstrafrecht bedroht die im Straftatbestand oder in Ordnungswidrigkeiten zum Ausdruck kommenden Verhaltensfehler mit Strafe.

Zivilrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein ärztlicher Behandlungsfehler wird vermutet, wenn sich ein allgemeines Behandlungsrisiko verwirklicht hat, das für den Behandelnden voll beherrschbar war und das zur Verletzung des Lebens, des Körpers oder der Gesundheit des Patienten geführt hat (§ 630h Abs. 1 BGB). Alle beratungsintensiven Berufe beinhalten das Risiko der Falschberatung. Der Reiseveranstalter ist verpflichtet, die Reise so zu erbringen, dass sie die zugesicherten Eigenschaften hat und nicht mit Fehlern behaftet ist, die den Wert oder die Tauglichkeit zu dem gewöhnlichen oder nach dem Reisevertrag vorausgesetzten Nutzen aufheben oder mindern (§ 651c Abs. 1 BGB).

Ein Produkt hat einen Fehler, wenn es nicht die Sicherheit bietet, die unter Berücksichtigung aller Umstände, insbesondere seiner Darbietung, des Gebrauchs, mit dem billigerweise gerechnet werden kann oder des Zeitpunkts, in dem es in den Verkehr gebracht wurde, berechtigterweise erwartet werden kann (§ 3 Abs. 1 ProdHaftG). Wird durch den Fehler eines Produkts jemand getötet, sein Körper oder seine Gesundheit verletzt oder eine Sache beschädigt, so ist der Hersteller des Produkts verpflichtet, dem Geschädigten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen (§ 1 Abs. 1 ProdHaftG).

Verwaltungsrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Verwaltungsakt ist nichtig, soweit er an einem besonders schwerwiegenden Fehler leidet und dies bei verständiger Würdigung aller in Betracht kommenden Umstände offensichtlich ist (§ 44 Abs. 1 VwVfG). Ein schwerwiegender Fehler macht den Verwaltungsakt schlechterdings unerträglich, ihn also „mit tragenden Verfassungsprinzipien oder der Rechtsordnung immanenten wesentlichen Wertvorstellungen unvereinbar erscheinen lässt [...]. Die an eine ordnungsgemäße Verwaltung zu stellenden Anforderungen müssen in einem so erheblichen Maße verletzt sein, dass von niemanden erwartet werden kann, den Verwaltungsakt als verbindlich anzuerkennen“.[15] Zu unterscheiden ist der bloß unrichtige, der rechtswidrige und der unwirksame Verwaltungsakt. Unrichtige Verwaltungsakte beinhalten die in § 42 VwVfgG aufgezählten Fehler (Schreibfehler, Rechenfehler und ähnliche offenbare Unrichtigkeiten).

Strafrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Straftat ist gekennzeichnet durch die Tatbestandmäßigkeit, Rechtswidrigkeit und Schuld. Der Kern des Schuldvorwurfs besteht darin, dass der Täter rechtswidrig gehandelt hat, obwohl er seinen Anlagen und Umständen entsprechend fähig war, normgemäß zu handeln.[16] Erfüllt er mithin durch sein schuldhaftes Fehlverhalten eine bestimmte Strafnorm, so droht ihm Strafe.

Mathematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rundungsfehler sind geplante Abweichungen, wissentlich in Kauf genommen.

In der Statistik gibt es Fehler 1. und 2. Art, zufällige Fehler und Stichproben- oder Standardfehler.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fehler und ihre Folgen können auch durch Fehlfunktionen wie technische Defekte verursacht werden. In diesem Fall wird der Fehler nicht durch Menschen verursacht, die ein System oder ein Gerät benutzen und bedienen, sondern sie entstehen bei Produktion und/oder Konstruktion (Konstruktionsfehler). Vielfach sind technische Fehler deshalb im weiteren Sinne wiederum auf menschliche Fehler in der Konstruktionsphase oder im Produktionsprozess zurückzuführen. Die Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA) versucht alle möglichen Fehler, die Fehlerfolgen und möglichen Fehlerverkettungen systematisch zu erkennen und zu bewerten, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Die digitale Datenübertragung verwendet Fehlerkorrekturverfahren.

Physik und Messtechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Messabweichung und Messgeräteabweichung

Die klassische Physik setzt für die verwendeten physikalische Größen eindeutige wahre Werte voraus. Ziel der Messtechnik ist es, die Werte dieser Größen mit abschätzbarer Annäherung zu ermitteln. In aller Regel verbleibt aber eine Abweichung von dem Wert, der mit der Definition der betrachteten speziellen Größe übereinstimmt. Die Bezeichnung jeder Art von Messabweichung als Fehler geht auf Carl Friedrich Gauß zurück und wurde bis in das Jahr 1983 beibehalten.[17] Dabei wird der Begriff in unterschiedlichen Bedeutungen verwendet.[18]

Im Sinne der Definition des Begriffs Fehler als „Nichterfüllung einer Anforderung“ gilt der Fehler nur für unzulässige Realisierungen, wie sie durch technische Unzulänglichkeiten einer Messeinrichtung oder einer Maßverkörperung entstehen können.[19] Nur „grobe“ Messabweichungen, die von falscher Handhabung oder offensichtlichen Mängeln der Messgeräte herrühren, können korrekt als Messfehler bezeichnet werden.[20]

Auch bei zulässigen Realisierungen, bei denen nichts Regelwidriges eingesetzt oder Defektes verwendet wird, wird nicht der wahre Wert gemessen. Die Abweichungen sind aber keine Fehler im Sinne dieses Begriffs. Zur Unterscheidung ist nach zehnjähriger Diskussion[17] die Sprachbildung in der deutschsprachigen Normung, insbesondere in der Grundlagennorm zur Messtechnik DIN 1319, auf die Bezeichnung Messabweichung umgestellt worden mit einer Bedeutung, die im zugehörigen Hauptartikel behandelt wird. Im Sprachgebrauch wird vielfach diese Messabweichung gemeint, wenn von Messfehler geredet wird. Aber selbst international ist festgelegt: „Messabweichung sollte nicht mit Fehler verwechselt werden.“[21]

Das Wort Fehler wird in der Messtechnik allerdings in Verbindung mit anderen Wörtern noch weiterhin verwendet (Fehlerrechnung, Fehlergrenze, Fehlerfortpflanzung).

Software[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Programmfehler

Fehler im Zusammenhang mit Software entstehen durch

  • Mangelhafte, nicht aufgabenadäquate Programmspezifikation,
  • Denkfehler beim Programmieren, vergessene Fälle,
  • Mangelhafte Ergonomie (Bedienbarkeit),
  • Fehlerhaften Dateninput (z. B. falsche Bedienung oder andere Anwendungsfehler): Ein Programm kann nur bei korrektem Input auch ein korrektes Output liefern. Neben dieser Kernfunktion, welche oft dem EVA-Prinzip folgt, muss ein robustes Programm aber auch alle voraussehbaren Fehleingaben behandeln. Dabei sollen dem Anwender sachdienliche, möglichst eindeutige, für den Anwender verständliche Hinweise in Form von Fehlermeldungen dazu gegeben werden, was er falsch macht bzw. wo die Ursache der Fehleingabe liegt. Diese Fehlermeldungen können optisch auf dem Bildschirm, (zusätzlich) akustisch oder fortlaufend in einem gleichzeitig fortlaufendem Fehlerprotokoll erfolgen.

Linguistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Linguistik versteht unter Fehler die Abweichung von einer verbindlichen Sprachregel und unterscheidet Kompetenzfehler als grundsätzliche Unsicherheit oder Wissenslücke; Performanzfehler dagegen zeigen ein Scheitern an Umsetzungsschwierigkeiten. Sichtbare Fehler sind äußerlich erkennbar, verdeckte Fehler bleiben zunächst verborgen; produktiver Fehler ist ein durch eigenes Sprechen wahrnehmbarer Fehler, rezeptiver Fehler dagegen ein Hörfehler.[22] Die Fehlerlinguistik untersucht Fehler beim Sprechen und Lesen.

Ästhetik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch im Bereich von Ästhetik und Kunst erfolgen Urteile über „richtig“ und „falsch“. Ein in seiner Originalität einzigartiges neues Kunstwerk kann von der Norm oder den Erwartungen abweichen und in die Kritik geraten. Die Einstufung als Fehler stößt in diesem Bereich jedoch vollends an seine Grenze. „Fehler“ erlangen hier oft einen besonderen Reiz: von der Blauen Mauritius bis zum Schönheitsfleck von Cindy Crawford, von den „falschen“ Farbsetzungen und Überzeichnungen moderner Künstler bis hin zu den „falschen“ Tönen im Jazz. Was als Fehler bezeichnet wird und was nicht, entspringt hier einem subjektiven Urteil.

Sport und Spielen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einem Spiel oder im Sport ist ein Fehler ein Spielzug oder eine Handlung, die normalerweise eine Niederlage oder eine Minderung des Gewinns verursacht. Ein Fehler kann spielentscheidend sein, aber oft auch durch andere Handlungen ausgeglichen werden. Der Schach-Großmeister Savielly Tartakower behauptet in seinen Tartakowerismen: „Die Existenz des Schachspiels wird allein durch die Existenz von Fehlern gerechtfertigt“.[23]

Fehleranalyse und Fehlerbereinigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgabe der Fehleranalyse und Fehler-Ursachen-Analyse ist es, entstandene Fehler statistisch zu erfassen, Fehlerquellen zu systematisieren und sie im Rahmen einer Fehlerquote darzustellen. Diese Gliederungszahl hilft bei der Beurteilung der Fehlermengen. Das Fehlermanagement hat für die Aufdeckung und Behebung von Schwachstellen sowie die Unterbrechung der Fehlerfortpflanzung zu sorgen, wodurch künftige Fehlerpotenziale verringert oder völlig ausgeschlossen werden können. Die Fehlerbereinigung trägt zur Beseitigung aufgetretener Fehler bei. Eine Fehlerkultur schließlich soll zum richtigen Umgang mit Fehlern sorgen. Dabei spielt das Lernen aus Fehlern eine wichtige Rolle. Es konzentriert sich auf die Fehlerursachen und entwickelt im Qualitätsmanagement Strategien zur Fehlervermeidung. Der Umgang mit Fehlern ist ein wesentliches Merkmal einer nachhaltigen Betriebsführung und damit wirtschaftlichen Erfolges.[24]

Fehler selbst sind nur ausnahmsweise versicherbar. Beim Verstoßprinzip der Vermögensschadenhaftpflichtversicherung tritt der Versicherungsfall bereits bei vorkommenden Fehlern ein und nicht erst, wenn der Fehler einen Schaden verursacht hat. Bei allen anderen Versicherungen muss erst ein Versicherungsschaden nachgewiesen werden.

Vermeidungsstrategien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kontrolle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch detektive Kontrolle sollen entstandene Fehler aufgedeckt werden. Sie kann im Hinblick auf den Kontrollumfang als Stichprobenkontrolle oder Totalkontrolle durchgeführt werden. Ist sie in einzelne Ablaufabschnitte eines Arbeitsprozesses integriert, kann sie Fehlerketten verhindern. Die Ergebnisse systematischer Kontrollen können zur Fehleranalyse beitragen, die zur Fehlerprävention genutzt werden kann.

Controlling[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Controlling unterscheidet man bei der Analyse von Abweichungsursachen drei Fehlerarten:

  • Planungsfehler: hier wird die Umweltsituation falsch beschrieben. Dies kann durch falsche Annahmen von Marktentwicklungen, falsche Annahmen über Kosten- oder Ertragsfunktionen oder ähnliches beruhen.
  • Realisationsfehler: dies kann durch unbeabsichtigtes Fehlverhalten aber auch durch beabsichtigtes (Prinzipal-Agent-Theorie) entstehen.
  • Auswertungsfehler durch Messfehler, Fehlbuchungen, falsche Interpretationen oder ähnlich verursachte Fehler.

Ziel beider Arten ist es, entdeckte Fehler zu bereinigen, aber aus Fehlern künftig zu lernen.

Fehlerforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fehlerforschung ist ein interdisziplinäres Fachgebiet, das sich mit der Erforschung von Denk-, Planungs- und Handlungsfehlern befasst. Als erster Psychologe versuchte James Sully bereits im Jahre 1881, Wahrnehmungsfehler und Erinnerungsfehler (bzw. Illusionen) zu klassifizieren[25] und kognitive Erklärungsprinzipien dafür zu finden.[26] Bereits Sigmund Freud trug mit den von ihm geprägten Begriffen Fehlleistung (1901)[27] und Fehlhandlung (1935)[28] zur Fehlerforschung bei. Fehlleistungen sind demnach das Versprechen, Vergessen, Verschreiben, Verhören, Verlieren, Vergreifen oder Verlegen bei Gegenständen. Typische Fehlhandlungen etwa der Küchenarbeit sind Begießen, Bespritzen oder Beflecken. Fehlleistungen und Fehlhandlungen sind Leistungen oder Handlungen, die unter dem Einfluss unbewusster Konflikte als Störfaktoren das ursprünglich beabsichtigte Ziel verfehlen oder doch nur in entstellter Weise erreichen, und dabei unbewussten Wünschen zum Durchbruch verhelfen.[29] Die Fehlerkunde und Fehlerforschung brachte 1926 Hermann Weimer mit seinen fehlerkundlichen und fehlerpsychologischen Schriften in den Mittelpunkt. Der Umgang mit Fehlern und das Lernen aus Fehlern werden beim Lernen durch Einsicht, Lernen durch Versuch und Irrtum und dem Problemlösen thematisiert.

Kreative Fehler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fehler haben nicht immer negative Folgen, auch wenn der Begriff insgesamt negativ konnotiert ist. So führte ein Navigationsfehler von Christoph Kolumbus im Oktober 1492 zur Entdeckung Amerikas. Alexander Fleming machte im September 1928 zu Beginn der Sommerferien den Fehler, seinen Arbeitsplatz nicht aufzuräumen. Nach seiner Urlaubsrückkehr musste er feststellen, dass im Labor eine vergessene Agarplatte mit einem Schimmelpilz (lateinisch Penicillium notatum) überzogen war, der ihn zur Erfindung des Penicillins anregte. Auch die Erfindungen von Teflon (Juli 1941), Post-it (1974) und Viagra (März 1998) beruhten auf vorangegangenen Forschungsfehlern.[30]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Weingardt: Fehler zeichnen uns aus. Transdisziplinäre Grundlagen zur Theorie und Produktivität des Fehlers in Schule und Arbeitswelt. Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2004, ISBN 3-7815-1276-2.
  • Ulrich Frey: Der blinde Fleck. Kognitive Fehler in der Wissenschaft und ihre evolutionsbiologischen Grundlagen. Ontos-Verlag, Heusenstamm u. a. 2007, ISBN 978-3-938793-51-0.
  • Philip B. Crosby: Quality is free: the art of making quality certain. McGraw-Hill, New York 1979, ISBN 0-07-014512-1.
  • John Taylor: Introduction to Error analysis: The Study of Uncertainties in Physical Measurements. (dt. „Fehleranalyse“). 2. Auflage. Univ Science Books, 1997, ISBN 0-935702-75-X. (auf dem Titel des Buchs ist ein Foto vom Eisenbahnunfall am Gare Montparnasse 1895)
  • Manfred Drosg: Der Umgang mit Unsicherheiten: Ein Leitfaden zur Fehleranalyse. 1. Auflage. Facultas, 2006, ISBN 3-85076-748-5.
  • Rolf Dobelli: Die Kunst des klaren Denkens. 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen. Hanser, München 2011, ISBN 978-3-446-42682-5.
  • Klaus Horsten: Richtig Fehler machen! So wird Falsches gut. 1. Auflage. Edition Imperfekta, Wien 2014, ISBN 978-3-200-03588-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikiquote: Fehler – Zitate
 Wiktionary: Fehler – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. George A Miller/Eugene Galanter/Karl H. Pribram, Plans and the Structure of Behavior, 1960, S. 59 ff.
  2. Gabriele Steuer, Fehlerklima in der Klasse, 2014, S. 17
  3. Gabriele Steuer, Fehlerklima in der Klasse, 2014, S. 12
  4. RGZ 71, 189
  5. Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 1999, S. 255 f.
  6. Hermann Weimer, Psychologie der Fehler, 1925, S. 1
  7. Otto Neumaier (Hrsg.): Was aus Fehlern zu lernen ist in Alltag, Wissenschaft und Kunst, 2010, S. 10 ff.
  8. Petra Badke-Schaub/Gesine Hofinger/Kristina Lauche (Hrsg.), Human Factors: Psychologie sicheren Handelns in Risikobranchen, 2008, S. 51
  9. Jens Rasmussen, Human Errors: A Taxonomy for describing human malfunctions in Industrial relations, August 1981, S. 311–333
  10. James Reason, Human Error, 1990, S. 115 ff.
  11. Die Theorie von der Fehlerkette. auf: erklaert.de
  12. Gerd F. Kamiske, Die Hohe Schule des Total Quality Management, 1994, S. 313
  13. Karl-Heinz Kompenhans, Wirtschaftsmathematik mit Kleinrechnern, 1978, S. 3
  14. Ludger Schmidt/Christopher M. Schlick/Jürgen Grosche (Hrsg.), Ergonomie und Mensch-Maschine-Systeme, 2008, S. 448
  15. BVerwG, Urteil vom 9. September 2014, Az.: 1 C 10.14
  16. Gerlinda Smaus, Das Strafrecht und die Kriminalität in der Alltagssprache der deutschen Bevölkerung, 1985, S. 58
  17. a b Walter Geiger/Willi Kotte, Handbuch Qualität. Vieweg, 2008, S. 388 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  18. Susanne Heinicke: Aus Fehlern wird man klug. Eine Genetisch-Didaktische Rekonstruktion des Messfehlers. Logos, Berlin 2012, ISBN 978-3-8325-2987-1, S. 88 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  19. Rainer Parthier: Messtechnik: Grundlagen und Anwendungen der elektrischen Messtechnik für alle technischen Fachrichtungen und Wirtschaftsingenieure. Vieweg und Teubner, 2010, S. 52 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  20. Franz Adunka: Messunsicherheiten: Theorie und Praxis. Vulkan, Essen 2007, S. 44 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  21. Burghart Brinkmann: Internationales Wörterbuch der Metrologie: Grundlegende und allgemeine Begriffe und zugeordnete Benennungen (VIM), Deutsch-englische Fassung ISO/IEC-Leitfaden 99:2007. Beuth, 2012; in Definition 2.16 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  22. Gerhard Helbig/Lutz Götze/Gert Henrici/Hans-Jürgen Krumm (Hrsg.), Deutsch als Fremdsprache, Band 2, 2001, S. 988
  23. Alexei Suetin, Typische Fehler, 1980, S. 28
  24. dradio.de, Deutschlandfunk, Pisaplus, 23. Oktober 2010, Moderation: Kate Maleike: Schwerpunktthema: Versuch macht "kluch" - Von der Fehlerkultur in Schulen und Unternehmen in Deutschland (24. Oktober 2010)
  25. James Sully, Outlines of Psychology, 1884, S. 8 ff.
  26. James Sully, Outlines of Psychology, 1884, S. 17 ff.
  27. Sigmund Freud, Zur Psychopathologie des Alltagslebens, 1901, S. 268
  28. Sigmund Freud, Die Feinheit einer Fehlhandlung, in: GW XVI, 1932-1939, S. 37 ff.
  29. Christian Müller (Hrsg.), Lexikon der Psychiatrie, 1989, S. 292
  30. Martin Weingardt, Fehler zeichnen uns aus, 2004, S. 28–30
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