Feigenwespen

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Feigenwespen
Weibliches Exemplar von Blastophaga psenes

Weibliches Exemplar von Blastophaga psenes

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Unterordnung: Taillenwespen (Apocrita)
Teilordnung: Legimmen (Terebrantia)
Überfamilie: Erzwespen (Chalcidoidea)
Familie: Feigenwespen
Wissenschaftlicher Name
Agaonidae
Walker, 1848
Sexualdimorphismus bei Blastophaga psenes
Pleistodontes frogatti

Die Feigenwespen (Agaonidae) sind eine Insektenfamilie aus der Überfamilie der Erzwespen (Chalcidoidea), von denen rund 35 Arten bekannt sind. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre Eier in die Blütenstände von Feigen-Arten ablegen und damit gleichzeitig die Bestäubung der Blüten besorgen. Diese Symbiose nützt den Feigenwespen, indem Eier und Larven in den Blütenständen bzw. später den Früchten geschützt sind und Nahrung finden. Üblicherweise besteht eine sehr enge Beziehung zwischen Feigenwespen- und Ficus-Arten. Es gibt aber auch viele Feigenvarietäten mit Selbstbefruchtung.

Bestäubung der Echten Feige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Echte Feige (Ficus carica), deren Früchte als Feigen frisch und getrocknet im Handel sind, wird von der einzigen europäischen Art Blastophaga psenes besucht. Die Echte Feige bildet aber nur langgrifflige, fertile weibliche Blüten darum ist zu ihrer Bestäubung die Bocks-Feige nötig. Sie hat sowohl kurzgrifflige, sterile weibliche (Gallblüten) als auch teilweise männliche Blüten in der Nähe des Ostiolums (distale, durch Schuppen-, Hochblätter verengt Öffnung). Allerdings ist dies komplizierter da die Bocks-Feige drei Generationen von Blütenständen auf derselben Pflanze entwickelt (Vorfeigen; Profichi, Sommerfeigen; Fichi, Mammoni und Nachfeigen; Mamme), nur bei den Vorfeigen wird viel Pollen durch die vorhandenen männlichen Blüten produziert, bei den Nachfeigen gibt es keinen und bei den Sommerfeigen nur wenig, weil bei den Sommer- und Nachfeigen die männlichen Blüten mehr oder weniger degeneriert sind.[1][2]

Die trächtigen Feigenwespen (Foundress) dringen durch die Öffnung in den Blütenstand der Bocks-Feige ein, dabei verlieren sie die Flügel und auch teilweise Beine und Antennen. Danach bohren die Weibchen mit ihrem Legestachel (Ovipositor) Löcher in die Fruchtknoten der Gallblüten und legen ihre Eier ab, nach der Eiablage stirbt das Weibchen. Durch die Eiablage bilden sich aus den Blüten Gallen (Psenocarp) in denen sich die Larven von dem Fruchtknoten und der Samenanlage ernähren, aus denen zuerst die wenigen ungeflügelten, fast blinden Männchen schlüpfen. Nach dem Schlüpfen bohren die Männchen Zugänge in benachbarte Gallen um die darin befindlichen Weibchen zu begatten. Dann bohren sie auch Löcher in die Fruchtwand um den Sauerstoffgehalt zu erhöhen, dies begünstigt die Entwicklung der weiblichen Larven als auch der männlichen Blüten, dann sterben die Männchen.[3] Die Weibchen gelangen durch die Fruchtknotenwand heraus und dann auf dem Weg durch das Ostiolum ins Freie und werden, falls vorhanden, mit dem Pollen der männlichen Blüten beladen (sammeln mit Haarkranz; Coxal Comb, speichern in der Pollentasche; Corbicula). Sie fliegen nun zu anderen Bocks-Feigen und den Echten Feigen welche sie bestäuben wenn sie Pollen beladen sind, können aber hier keine Eier ablegen. Eine Eiablage ist nicht möglich, weil die Weibchen mit dem Legestachel den Fruchtknoten hier wegen der langen Griffel nicht erreichen können. Dies wurde bei den ersten Versuchen Feigen in Kalifornien anzubauen übersehen.[4] Ein Teil der Weibchen geht dabei zugrunde, während die anderen wieder die Bocks-Feigen aufsuchen um dort ihre Eier abzulegen. Ende Jahr entwickeln sich in den Nachfeigen die Larven der nächstjährigen Generation, diese überwintern und schlüpfen im Frühling dann wieder aus.

Gattungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Elsa Franke, Reinhard Lieberei, Christoph Reisdorff: Nutzpflanzen. 8. Auflage, Thieme, 2012, ISBN 978-3-13-530408-3, S. 212.
  2. Abraham H. Halevy: Handbook of Flowering. Band 6, CRC Press, 1989, ISBN 0-8493-3916-2, S. 343.
  3. Dieter Helm: Einführung in die Biologie. 2. Auflage, Lulu, 2010, ISBN 978-1-4461-3050-6, S. 131 f.
  4. V. H. Resh, R. T. Cardé: Encyclopedia of Insects. Academic Press, 2003, ISBN 978-0-08-054605-6, S. 922.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das moderne Tierlexikon. Band 3, Verlagsgruppe Bertelsmann, 1981, DNB 800921933.
  • P. H. List, L. Hörhammer: Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Band: Chemikalien und Drogen (CI–G). 4. Auflage, Springer, 1973, ISBN 978-3-642-80621-6, S. 991.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Agaonidae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien