Felicitas Thun-Hohenstein

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Felicitas Thun-Hohenstein (* 15. Januar 1964 in Klagenfurt) ist eine österreichische Kunsthistorikerin und Professorin am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften an der Akademie der bildenden Künste Wien und designierte AusstellungsmacherKuratorin des Österreich-Beitrags 2019 bei der 58. Biennale von Venedig. Sie ist zudem Autorin und Herausgeberin zahlreicher Publikationen, Initiatorin und Leiterin des Cathrin-Pichler-Archivs für Wissenschaft, Kunst und kuratorische Praxis und Kuratoriumsmitglied des Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Ihre Forschungsfelder beinhalten Kunst der Moderne, Gegenwartskunst, arts-based research, feministische Theorie und Kunstpraxis sowie Körper- und Raumproduktion.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2001 promovierte Thun-Hohenstein mit ihrer Arbeit Emanzipation und Expansion der Druckgraphik im Werk von Dieter Roth. Die Habilitation (Vom kartographischen Blick zum synchronistischen Erfahren. Zur Performanz von Raumwelten in der Kunst.) folgte 2005. 2009 war sie Gastprofessorin am Departement of History of Art and Architecture auf der University of California in Santa Barbara.

Im Zentrum ihrer Forschungen steht die Perspektive des Performativen, welche besonders dynamische Prozesse (sowohl zwischen den Menschen als auch zwischen den Menschen und ihrer Umgebung) untersucht und gegenwärtige Herausforderungen der Kunst behandelt. Dabei sollen neue Methoden, Vermittlungsverfahren und Sprachen entwickelt werden, die das transformative und politische Potential der Kunst festhalten. "Das Denken gegen das Denken" soll gefördert werden.[1]

Gemeinsam mit dem russischen Performance-Künstler Fyodor Pavlov-Andreevich stellte sie 2016 bei den Wiener Festwochen in „Fyodor's Performance Carousel“ eine Gruppe junger aufstrebender einheimischer und internationaler KünstlerInnen vor, u. a. Sebastian Alvarez, Pêdra Costa, Yingmei Duan, Alexander Felch, Andrés Knob, Roberta Lima, Evamaria Schaller und Anna Vasof.

Im Kunstraum Niederoesterreich kuratierte sie die Werkschau, die das umfangreiche Schaffen der Performance-Künstlerin Martha Wilson zeigte. The Two Halves of Martha Wilson’s Brain beleuchtete sowohl ihre künstlerischen Arbeit, als auch ihre Tätigkeit in dem von ihr 1976 gegründeten Buchladen und Kunstraum Franklin Furnace Archive, Inc.[2]

Auf der 58. Biennale von Venedig präsentiert Thun-Hohenstein die Künstlerin Renate Bertlmann, die als erste Frau in der österreichischen Geschichte den Pavillon alleine bespielt. Einen „mutigen Schritt“ nannte der ehemalige Kulturminister Gernot Blümel diese Entscheidung bei der Pressekonferenz in Venedig. Thun-Hohenstein widersprach: „Das war nicht mutig. Das war höchst notwendig.“[3] Discordo ergo sum (lat. ich widerspreche, also bin ich) – eine Umdeutung von René Descartes Grundsatz Cogito ergo sum – lautet die dreiteilige Installation Bertlmanns: Die vom Büro VlayStreeruwitz geplante, fast im Raum schwebende weiße Ausstellungsarchitektur zeigt großformatige Plakate, die wie ein filmischer Rückblick durch Bertlmanns Œuvre führen. Die 312 Messer-Rosen im Garten des Pavillons bestehen aus zerbrechlichem Glas und wirken wie eine Armee der Zärtlichkeit, die dem Zorn ihrer Umgebung (z. B. Wetterbedingungen) ausgesetzt sind. Die Fassade signiert die Künstlerin wie eine Leinwand mit dem Schatten ihres Lebensmottos amo ergo sum (lat. ich liebe, also bin ich). Der Ausstellungskatalog im Taschenbuchformat beinhaltet Texte der spanischen Architekturtheoretikerin Beatriz Colomina, der französischen Schriftstellerin Hélène Cixous, der Senior Kuratorin für Internationale Kunst (Performance) der Tate Gallery of Modern Art Catherine Wood, des Kunstwissenschaftlers und Sexualforschers Peter Gorsen, der Architektin Lina Streeruwitz, der Kunsthistorikerin Maria Vogel und der Künstlerin selbst. Zudem ist ein Source Book (engl. Quellenbuch) mit bis dato unveröffentlichtem Material (z. B. Skizzen, Tagebucheinträge, Textauszüge, Notizen etc.) enthalten.

Thun-Hohenstein lebt und arbeitet in Wien.

Kuratierte Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2008 SynChroniCity, Österreichischer Beitrag auf der 11. Kairo Biennale
  • 2010 Hans Weigand, Deep Water Horizon an der University Art Gallery San Diego
  • 2012 Roberta Lima, Aesthetics of Risk, curated by_vienna 2012, Galerie Charim, Wien
  • 2014 Self-Timer Stories im Museum der Moderne Salzburg
  • 2014 Self-Timer Stories im Austrian Cultural Forum New York
  • 2014 Self-Timer Stories im MUSAC – Museo de Arte Contemporáneo de Castilla y León
  • 2016 Pro(s)thesis in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien, co-kuratiert von Berenice Pahl
  • 2016 Albert Mayr. Orchestrated View, Neuer Kunstverein Wien
  • 2016 Painting is not the Issue, Neuer Kunstverein Wien
  • 2016 Toni Schmale. Feuerbock, Neuer Kunstverein Wien
  • 2016 Elisabeth von Samsonow. Transplants, Zeitkunst Niederösterreich, Krems
  • 2016 Fyodor’s Performance Carousel, Wiener Festwochen, Wien
  • 2017 Material Traces in der Charim Galerie, Wien
  • 2017 Feminicities in der Solyanka State Gallery, Moskau
  • 2017 Yingmei Duan, Neuer Kunstverein, Wien
  • 2018 The Two Halves of Martha Wilson’s Brain, Kunstraum Niederösterreich, Wien
  • 2019 Renate Bertlmann, Discordo Ergo Sum, Österreichischer Pavillon, Biennale di Venezia, 2019

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Renate Bertlmann, Discordo ergo sum (Kat.), Verlag für moderne Kunst, Wien, 2019 ISBN 978-3-903269-59-0
  • The Curator as…, Hg. mit Sabine Priglinger, Schlebrügge, Wien, 2017 ISBN 978-3-903172-03-6
  • Pro(s)thesis (Kat.), Hg. mit Berenice Pahl, Eigenverlag, 2017
  • Self-Timer Stories (Kat.), Schlebrügge, Wien 2015 ISBN 978-3-902833-76-1
  • Performing the Sentence – Research and Teaching in Performative Fine Arts, Hg mit Carola Dertnig, Publication Series of the Academy of Fine Arts Vienna, vol. 13, 2014
  • Performanz und ihre räumlichen Bedingungen: Perspektiven einer Kunstgeschichte, Böhlau, Wien, 2012 ISBN 978-3-205-78791-4
  • Synchronicity (Kat.), Walther König, Köln, 2009
  • Dieter Roth: Druckgrafik und Bücher – Prints and Books 1949–1979, Oktogon, Köln, 1998 ISBN 978-3-89611-048-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hedi Grager: Felicitas Thun-Hohenstein: denken gegen das denken. Parnass Verlag Ges.m.b.H., 2. Mai 2019, abgerufen am 31. Juli 2019.
  2. The Two Halves of Martha Wilson’s Brain. Abgerufen am 31. Juli 2019.
  3. Barbara Unterthurner: 312 Rosen in Venedig: Schöne Waffen für Instagram. Abgerufen am 31. Juli 2019 (dt).