Felix Fechenbach

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Felix Fechenbach 1921
Gedenkstein von August Berlin im Kleinenberger Wald
Grab in Rimbeck

Felix Fechenbach (* 28. Januar 1894 in Mergentheim; † 7. August 1933 im Kleinenberger Wald zwischen Paderborn und Warburg) war ein deutscher politischer Journalist und Dichter. Seine Pseudonyme waren Rudolf Franke und Nazi Jüsken. Er wurde von den Nationalsozialisten ermordet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Felix Fechenbach wurde 1894 als Sohn des Bäckers Noe Fechenbach geboren und besuchte die jüdische Elementarschule und dann die Realschule. Diese verließ er vor dem Abschluss und absolvierte danach eine kaufmännische Ausbildung in einer Schuhwarenhandlung Würzburgs, die er 1910 abschloss. In dieser Zeit wurde er auf Rat seines älteren Bruders Siebert Mitglied des Zentralverbandes der „Handlungsgehilfen und -gehilfinnen Deutschlands“, einer sozialdemokratischen Angestelltenorganisation. 1911 verlor er seine Arbeitsstelle in Frankfurt am Main, nachdem er an einer innerbetrieblichen Tarifauseinandersetzung teilgenommen hatte - es ging um eine unbezahlte Verlängerung der Arbeitszeit. Danach lebte er von kurzfristigen Erwerbstätigkeiten und widmete sich vor allem - wiederum unter Einfluss seines Bruders - der Arbeit in der sozialdemokratischen Jugendorganisation, der Gewerkschaft und der Sozialdemokratischen Partei selbst.[1]

Zwischen 1912 und 1914 arbeitete er im Münchner Arbeitersekretariat und gründete 1914 die „Jugend-Sektion“ der SPD. Im Herbst 1914 wurde er zum Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg eingezogen. Nach seiner Verwundung Anfang 1915 in den Vogesen war Fechenbach zuerst im Schreibdienst und anschließend im Münchner Traindepot eingesetzt. Dort kam er in Kontakt mit Kurt Eisner und wurde zum Pazifisten.

Zum Ende des Krieges nahm er seine politische Aktivität wieder auf und beteiligte sich an der Novemberrevolution in Bayern. Als Kurt Eisner im Zuge dieser Revolution am 8. November 1918 nach dem Sturz der Wittelsbacher-Monarchie und der Ausrufung des Freistaats der Bayerischen Republik vom Münchner Arbeiter- und Soldatenrat zum bayerischen Ministerpräsident gewählt worden war, holte er Fechenbach als seinen Sekretär in die Staatskanzlei. Bis zu Eisners Ermordung im Februar 1919 war Fechenbach Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrats sowie des provisorischen Nationalrates in Bayern. Fechenbach schrieb für Zeitungen im In- und Ausland.

Im Jahre 1922 wurde Fechenbach wegen angeblichen Landesverrats Opfer einer Kampagne, die als „Fechenbach-Affäre“ bezeichnet wird. An der Spitze der Anti-Fechenbach-Kampagne stand damals der den Alldeutschen nahestehende nationalistische katholische Publizist jüdischer Herkunft Paul Nikolaus Cossmann. Fechenbach wurde vom Münchner Volksgericht zu elf Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Auch Artikel zur Kriegsschuld Deutschlands waren Prozessgegenstand. Fechenbach musste aber auf Grund des öffentlichen Drucks gegen das Urteil nur bis zu seiner Begnadigung 1924 im Zuchthaus bleiben. Nach seiner Freilassung betrieb sein Anwalt Philipp Löwenfeld ein Wiederaufnahmeverfahren, das mit der Aufhebung des Urteils durch das Reichsgericht endete. 1925 schloss sich Fechenbach der zionistischen sozialdemokratischen Bewegung Poale Zion an. 1926 unternahm Fechenbach eine Reise nach Palästina und berichtete in mehreren Artikeln in sozialdemokratischen Zeitungen begeistert von dem kleinen Land. [2]

Die Jahre bis 1929 arbeitete Fechenbach in Berlin beim Dietz-Verlag und recherchierte dort Reportagen für die sozialdemokratische Tageszeitung Vorwärts (1925–1929). Er unterstützte auch die „Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde“, unter anderem als Autor und Puppenspieler von politischen Kasperltheaterstücken („Roter Kasper“).

Von 1929 bis 1933 arbeitete Fechenbach in Detmold als Redakteur beim SPD-Organ Volksblatt und war im Widerstand gegen die Nationalsozialisten aktiv. Da er über Informanten in der lippischen NSDAP verfügte, konnte er immer wieder Interna über die Absichten und Skandale der Partei veröffentlichen. Diese unter dem Pseudonym „Nazi-Jüsken“ verfassten Glossen führten zu starken Anfeindungen. Nach der lippischen Landtagswahl am 15. Januar 1933 wurde ihm von den Nazis Redeverbot erteilt, am 11. März 1933 wurde er festgenommen und in so genannte „Schutzhaft“ überführt.

Am 7. August wurde Felix Fechenbach auf dem Transport von Detmold in das KZ Dachau im Kleinenberger Wald zwischen Paderborn und Warburg „auf der Flucht erschossen“. Den Befehl zum Transport hatte der von den Nationalsozialisten zum Regierungschef in Lippe ernannte Hans-Joachim Riecke gegeben, der persönlich Fechenbach verfolgt hatte. Der Tat verdächtigt wurden vier SA- und SS-Männer aus Detmold: Friedrich Grüttemeyer, 1969 verurteilt wegen "Beihilfe zum Mord" zu einer Zuchthausstrafe von vier Jahren[3], Paul Wiese, 1948 verurteilt wegen „vorsätzlichen Totschlags“ zu einer Zuchthausstrafe von fünf Jahren[4], Karl Segler, dem keine Beteiligung nachgewiesen werden konnte und Josef Focke, der nie gefasst wurde[5]. Die Rolle Rieckes konnte nie ganz aufgeklärt werden. Ihm konnte der Befehl zum Mord nicht nachgewiesen werden, ein Strafverfahren gegen ihn wurde 1970 eingestellt.[6] Tatsache war aber, dass Riecke den Mörder Paul Wiese einige Monate später als seinen persönlichen Fahrer eingestellt hatte. Offensichtlich eine Belohnung für den Mord.[7]

Das Grab von Felix Fechenbach befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Rimbeck.

Fechenbach war seit 1926 in zweiter Ehe mit Irma Epstein (1895–1973) verheiratet. Sie und die drei gemeinsamen Kinder Kurt (geb. 1927), Lotti (geb. 1928) und Hanni (geb. 1931) überlebten die Zeit des Nationalsozialismus durch Flucht zunächst in die Schweiz und von dort in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo Irma in der Nähe von Philadelphia als Krankenschwester arbeitete.[8]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Detmold (Felix-Fechenbach-Berufskolleg) und Leopoldshöhe wurden Schulen nach ihm benannt; in Detmold, München, Oerlinghausen und Würzburg tragen Straßen seinen Namen; die Stadt Würzburg hat ihr Veranstaltungszentrum im Stadtteil Grombühl in „Felix-Fechenbach-Haus“ umbenannt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Haus der Freudlosen - Bilder aus dem Zuchthaus. J. H. W. Dietz Nachf., Berlin 1925.
Neuausgabe: Königshausen & Neumann, Würzburg 1993, ISBN 3-88479-851-0.
Neuausgabe: Mit einem Beitrag von Robert W. Kempner und einem Nachwort von Peter Steinbach. Andreas Haller, Passau 1987, ISBN 3-88849-017-0.
  • Das Felix Fechenbach-Buch. Herausgegeben zu seinem Gedenken und mit einer Einleitung von Walther Victor. Nachwort Oskar Maria Graf, Eichenverlag, Arbon 1936.
    • daraus: Die Lebensgemeinschaft. Märchen, Tierfabel. In: „Es wird einmal...“ Soziale Märchen der 20er Jahre. Hg. Bernd Dolle (-Weinkauff) u. a., Weismann, München 1983, ISBN 3-921040-29-9, S. 16–17 (Biographie im Anhang).
  • Der Puppenspieler. Ein Roman. E. & K. Scheuch, Zürich 1937.
Neuauflage unter dem Titel Der Puppenspieler. Ein Roman aus dem alten Würzburg. Hrsg. Roland Flade und Barbara Rott. Enthält Roland Flade: Leben und Tod Fechenbachs, sowie Barbara Rott: Felix Fechenbach und das Puppenspiel, Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 1988.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftliche Sekundärliteratur:

  • Hermann (Kurt) Schueler: Felix Fechenbach 1894 - 1933. Die Entwicklung eines republikanischen Journalisten. Bonn 1980. Hochschulschrift der Universität Bonn, Dissertation der Philosophischen Fakultät 1980.
  • Hermann Schueler: Auf der Flucht erschossen. Felix Fechenbach 1894–1933. Eine Biographie. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1981, ISBN 3-462-01487-0. Neuauflage in Warburger Schriften (Band 8.1). Hermes, Warburg 1995, ISBN 3-922032-08-7.
  • Peter Steinbach (Hrsg.): „Das Schicksal hat bestimmt, dass ich hierbleibe“. Zur Erinnerung an Felix Fechenbach (1894–1933). Mit der Zusammenstellung der Artikel von „Nazi-Jüsken“. Wissenschaftlicher Autoren-Verlag, Berlin 1983, 157 S., ISBN 3-88840-209-3. (Enthält Werke von und über Felix Fechenbach.)
  • Sabine Klocke-Daffa (Bearb.): Felix Fechenbach, 1894–1933, Journalist, Schriftsteller, Pazifist. Symposium zum 100. Geburtstag. 28. und 29. Januar 1994 in Detmold. Landesverband Lippe - Institut für Lippische Landeskunde – und Kreis Lippe, Detmold 1994, 162 S., ISBN 3-9802787-4-3. (Mit einem Vorwort von Lotti Fechenbach und einem Beitrag von Imanuel Geiss.)
  • Ingrid Schäfer: Irma Fechenbach-Fey – Jüdin, Sozialistin, Emigrantin 1895–1973. Institut für Lippische Landeskunde, Lemgo 2003, ISBN 3-936225-12-5.
  • Jürgen Hartmann: Die Erinnerung an Felix Fechenbach in deutschen Exilzeitungen 1933–1945. In: Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte. 2/2005, S. 38–45, Volltext (PDF; 1,9 MB).
  • Jürgen Hartmann: Felix Fechenbach – ein sozialistischer Zionist? In: Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte. 6/2008, S. 25–28, Volltext (PDF; 1,1 MB)
  • Frank Meier Hrsg: Felix Fechenbach Lesebuch. Nachwort von Frank Meier (Nylands Kleine Westfälische Bibliothek 20,), Bielefeld 2009, ISBN 978-3-89528-751-0 (hier sind neben etlichen kürzeren Arbeiten des Autors auch Texte über Felix Fechenbach von Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky und Oskar Maria Graf enthalten, außerdem das NSDAP-Flugblatt gegen Fechenbach).
  • Verschiedene Beiträge über Fechenbach in Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte. Nr. 15/2013[9]

Literatur der 1920er und 1930er Jahre:

  • Max Hirschberg; Friedrich Thimme: Der Fall Fechenbach - juristisches Gutachten. Mohr, Tübingen 1924.
  • Kurt Hiller: Es werde Recht! - Rettet Fechenbach! Ein positiver Vorschlag. G. Müller, Berlin 1924.
  • Gerhart Pohl: Deutscher Justizmord - Das juristische und politische Material zum Fall Fechenbach zugleich die Antwort der deutschen Intellektuellen an die deutsche Republik. Mit Beiträgen von Johannes R. Becher; Otto Flake; Friedrich Wilhelm Foerster u. a. und juristischen Feststellungen von Arnold Freymuth; Friedrich Kitzinger; Eduard Kohlrausch ... Erich Oldenburg, Leipzig 1924.
  • Paul Dreifus; Paul Mayer: Recht und Politik im Fall Fechenbach. Ernst Rowohlt, Berlin 1925.
  • Arnold Freymuth: Das Fechenbach-Urteil. Eine Untersuchung, im Auftrag des Republikanischen Richterbundes veranstaltet. Mit einem Vorwort von Friedrich Thimme. Verlag d. Neuen Gesellschaft, Berlin 1928.
  • Nachruf auf Felix Fechenbach, „unseren Genossen“, in Der Jüdische Arbeiter, Wien 18. August 1933[10]

Belletristisches:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Felix Fechenbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Felix Fechenbach – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hermann Schueler: Auf der Flucht erschossen. Felix Fechenbach 1894–1933. Eine Biographie. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1981, ISBN 3-462-01487-0, S. 16-20.
  2. S. Nachruf in der Jüdische Arbeiter, Wien.
  3. Landesarchiv NRW, Abteilung OWL, D 21 C Nr. 2717-2728
  4. Landesarchiv NRW, Abteilung OWL, D 21 C Nr. 4337-4339
  5. Ulrich Pfaff: Einer bleibt verschwunden. Verfahren gegen letzten Mörder von Felix Fechenbach eingestellt. In: Lippische Landeszeitung. 1. April 2007 (fechenbach.de [abgerufen am 24. Juli 2016]).
  6. Landesarchiv NRW, Abteilung OWL, D 21 C Nr. 2108-2110
  7. Wigbert Benz: Hans-Joachim Riecke, NS-Staatssekretär. Vom Hungerplaner vor, zum „Welternährer“ nach 1945. wvb, Berlin 2014, ISBN 978-3-86573-793-9, S. 24–27 und 115f.
  8. Robert M.W. Kempner, "Felix Fechenbach - ein Märtyrer der Justizgeschichte", in: Felix Fechenbach, Mein Herz schlägt weiter. Neuausgabe Passau 1987, S. 61-68 (65).
  9. http://www.rosenland-lippe.de
  10. online