Felix Klein (Diplomat)

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Felix Klein (* 25. Januar 1968 in Darmstadt) ist ein deutscher Jurist und Diplomat. Er ist auf Völkerrecht spezialisiert und seit 2018 Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Vater, Hans Klein, in den 1950er Jahren Geiger im Philharmonischen Orchester in Sibiu, lebte mit seiner Familie seit 1967 in Darmstadt. Zu seiner Verwandtschaft gehören der Journalist Fritz Klein und der Historiker Fritz Klein junior.

Felix Klein besuchte das United World College in Duino bei Triest. Er fügte seinem von 1987 bis 1992 absolvierten Studium der Rechtswissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der Freien Universität Berlin[1] ein Masterstudium an der London School of Economics an und absolvierte von 1994 bis 1996 in Bonn die Ausbildung für den höheren Auswärtigen Dienst an der Aus- und Fortbildungsstätte des Auswärtigen Amtes („Diplomatenschule“). 2001 promovierte er mit der Arbeit „Eherecht und Ehewirklichkeit in Kamerun“ an der Universität St. Gallen zum Dr. iur. Neben Deutsch spricht er Französisch, Englisch, Italienisch und Spanisch.

Er begann seine Karriere im Auswärtigen Amt in Bonn als Referent für die Beziehungen zu den südamerikanischen Ländern Peru, Bolivien und Ecuador, war dann auf Auslandsstationen als Rechts- und Konsularreferent in Jaunde/Kamerun sowie als stellvertretender Generalkonsul in Mailand tätig und arbeitete seit 2007 im Außenministerium selbst: Referent im Personalreferat höherer Dienst im Auswärtigen Amt in Berlin, Stellvertretender Generalkonsul und Referent für Kultur und Wirtschaft am Deutschen Generalkonsulat in Mailand, Stellvertretender Leiter des Südosteuropareferats im Auswärtigen Amt, Persönlicher Referent und Leiter des Büros des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes Peter Ammon und zuletzt Leiter des Personalreferats höherer Dienst im Auswärtigen Amt.

Ab März 2014 war Klein Sonderbeauftragter für Beziehungen zu jüdischen Organisationen und Antisemitismusfragen im Auswärtigen Amt. Im April 2017 kamen Experten und Politiker zu dem Schluss, dass es der Bevölkerung an Einsicht in das Problem des Antisemitismus fehle.[2] Als im Januar 2018 die Einführung der Position eines Antisemitismus-Beauftragten[3] verabschiedet wurde, schlug der Zentralrat der Juden in Deutschland Klein vor. Sein Amt ist im Bundesinnenministerium angesiedelt. Klein will dazu beitragen, dass die Probleme des Antisemitismus deutlich sichtbarer werden. Er ist seit Mai 2018 im Amt.[4]

Seit August 2020 betreibt er als Antisemitismus-Beauftragter eine eigene Website.[5]

Debatten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik Kleins an Achille Mbembes geplantem Auftritt bei der Ruhrtriennale 2020

Nach der Einladung des Historikers und Politikwissenschaftlers Achille Mbembes als Eröffnungsredner der Ruhrtriennale 2020 und dem Vorwurf antisemitischer Äußerungen gegen diesen durch Klein kam es zu einer Kontroverse.[6] Am 30. April erklärten 37 jüdische israelkritische Wissenschaftler und Künstler ihre Solidarität mit Mbembe und forderten die Abberufung von Klein aus seinem Amt.[7][8][9] Am 1. Mai starteten Wissenschaftler aus dem In- und Ausland, die auf den Gebieten Geschichte des Antisemitismus und Nationalsozialismus, des Kolonialismus und Rassismus in ihren unterschiedlichen Ausprägungen sowie in der Genozid-Forschung tätig sind, einen Aufruf mit dem Titel „Solidarität mit Achille Mbembe“, der Mbembes Kritikern – darunter Klein – eine Kampagne vorwirft, die ihn „ohne Beweise, unter Zuhilfenahme manipulativ verzerrter Zitate und Inhalte desavouieren“ solle.[10]

Zwölf jüdische oder zivilgesellschaftliche Organisationen in Deutschland reagierten umgehend auf die Kritik gegen den Bundesbeauftragten. In einem offenen Brief an Bundesinnenminister Horst Seehofer sprachen sich u. a. die Jüdische Gemeinde zu Berlin, der jüdische Sportverband Makkabi Deutschland und die Amadeu Antonio Stiftung für den Verbleib von Felix Klein als Beauftragten der Bundesregierung aus. Auch Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats, wies die Vorwürfe gegen Felix Klein als „ungerechtfertigt und inakzeptabel“ zurück.[11] Der Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER), Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, erklärte, die Debatten gingen „am wirklichen Problem“ vorbei. Damit werde Antisemiten nicht nur Vorschub geleistet, sondern „in fataler Weise“ ignoriert, in welcher schwierigen Situation Europas Juden derzeit seien. Er solidarisierte sich mit Felix Klein: „Wir Juden in Europa sind dankbar, ihn an unserer Seite zu wissen.“[12]

700 afrikanische Intellektuelle verteidigten Mbembe gegen die Vorwürfe in einem Brief an Merkel und forderten ebenfalls die Entlassung von Klein.[13]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Felix Klein ist in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Magdalene Artelt verheiratet und hat drei Kinder, von denen zwei aus seiner ersten Ehe stammen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Interview mit Dr. Felix Klein, abgerufen am 29. Mai 2019
  2. „Antisemitismus ist kein Problem der Juden, sondern der Gesellschaft“
  3. Pressemitteilung des BMI
  4. Martin Niewendick: Regierungsbeauftragter Klein: „Judenhass hat auch ein hässliches islamistisches Gesicht“. In: Welt Online. 19. April 2018, abgerufen am 20. April 2018.
  5. Website des Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus. Abgerufen am 5. August 2020.
  6. SZ 1. Mai 2020: "Kampagne"[1]
  7. Berliner Zeitung am 9. Mai 2020:Antisemitismus: Der Streit um den Philosophen Achille Mbembe erreicht die Politik. Abgerufen am 9. Mai 2020.
  8. Call on German Minister Seehofer. Abgerufen am 9. Mai 2020.
  9. Schaden für die MeinungsfreiheitSZ 18. Mai 2020, abgerufen am 24. Mai 2020
  10. Solidarität mit Achille Mbembe. Abgerufen am 9. Mai 2020 (deutsch).
  11. Zentralrat der Juden in Deutschland K.d.ö.R: »Ungerechtfertigt und inakzeptabel«. 4. Mai 2020, abgerufen am 13. Mai 2020.
  12. Europäische Rabbinerkonferenz verteidigt Felix Klein. Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt: „Wir Juden in Europa sind dankbar, ihn an unserer Seite zu wissen.“ In juedische-allgemeine.de 31. Juli 2020.
  13. Schaden für die MeinungsfreiheitSZ 18. Mai 2020, abgerufen am 24. Mai 2020