Felsen-Leimkraut

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Felsen-Leimkraut
Silene rupestris2.JPG

Felsen-Leimkraut (Atocion rupestre)

Systematik
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Nelkengewächse (Caryophyllaceae)
Unterfamilie: Caryophylloideae
Tribus: Sileneae
Gattung: Leimkräuter (Silene)
Art: Felsen-Leimkraut
Wissenschaftlicher Name
Atocion rupestre
L.

Das Felsen-Leimkraut (Atocion rupestre, früher Silene rupestris) ist eine Pflanzenart, die innerhalb der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae), die vor 2001 zur Gattung der Leimkräuter (Silene) gezählt wurde, inzwischen aber einer eigenen Gattung angehört.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Felsen-Leimkraut ist eine ausdauernde, aber nur kurzlebige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 25 cm. Ihr am Grunde oft verzweigter Stängel ist kahl oder schwach behaart, aber nicht klebrig. Die Laubblätter sind gegenständig angeordnet. Die einfachen Blattspreiten sind länglich-lanzettlich; die unteren enden stumpf, die oberen enden spitz und sind blau-grün.

Die Blütezeit liegt zwischen Juli und August. Der Blütenstand ist ein lockeres, meist reichblütiges Dichasium mit lang gestielten Blüten. Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig. Der Kelch ist zehnnervig, kreiselförmig und 4 bis 7 mm lang. Die eiförmigen Kelchzähne sind fast halb so lang wie die Kelchröhre. Die fünf weißen oder rosafarbenen Blütenkronblätter sind 6 bis 9 mm lang; die Platte ist verkehrtherzförmig mit einer tiefen Ausrandung. Es sind drei Griffel vorhanden.

Die 5 bis 6 mm lange Kapselfrucht ist länglich-eiförmig und in den Kelch eingeschlossen. Der unbehaarte Karpophor ist ein Viertel so lang wie die Kapselfrucht. Die Samen besitzen eine körnig-raue Oberfläche. Eine mittelgroße Pflanze trägt etwa 40 Kapselfrüchte mit je 30 nierenförmigen Samen.[1]

Das Felsen-Leimkraut ist diploid mit einer Chromosomenzahl von 2n = 24.[2][3]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet des Felsen-Leimkrautes ist auf Europa beschränkt. Molekularphylogenetische Untersuchungen bestätigen eine nähere Verwandtschaft mit nordamerikanischen Arten nicht.[4] Sie kommt in Skandinavien und in den Gebirgen Mittel- und Südeuropas vor. In Skandinavien ist sie weit verbreitet in Norwegen (nördlich bis 70°N), Schweden, Finnland und im angrenzenden nordwestlichen europäischen Teil Russlands. Weiter kommt sie in Süddeutschland (Schwarzwald und Allgäu), in den Alpenländern Österreich, Schweiz und Slowenien, in Norditalien (außer in den Alpen auch im nördlichen Apennin), in Frankreich (außer in den Alpen und Pyrenäen auch im Zentralmassiv und in den Vogesen), in Korsika, im nördlichen (Pyrenäen und Kantabrisches Gebirge) und im südöstlichen (Sierra Nevada) Spanien,[5] im südöstlichen früheren Jugoslawien und im nördlich-zentralen Rumänien (im Rodnaer Gebirge in den Ostkarpaten) vor.[2][6] Der Fundort in Tschechien ist unsicher, die Funde in Sardinien und West-Sibirien beruhen auf Irrtum.[2]

In den Alpen gedeiht sie meist in Höhenlagen zwischen 800 und 2900 Meter und bevorzugt die Silikatgebiete. In den Allgäuer Alpen steigt es von 1250 m Meereshöhe (am Bärgündele in Bayern) bis zu 2300 m an anderer Stelle auf.[7]

Auf nährstoffarmen, kalkarmen, aber basenreichen Böden wächst das Felsen-Leimkraut in lichtoffenen Silikatfelsspalten, auf Felsgrus, an Erdanrissen, an Wegen, an vom Menschen beeinflussten Störstellen. Sie ist eine Kennart der Ordnung Sedo-Scleranthetalia.[3] Im Schwarzwald ist sie eine Charakterart des Sileno-Sedetum, in den Alpen des Sclerantho-Sempervivetum.[3] Sie kommt aber auch in Gesellschaften des Verbands Androsacion vandellii vor.[3]

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstbeschreibung von Silene rupestris erfolgte 1753 durch Carl von Linné.[8] Gestützt auf molekularphylogenetische Untersuchungen wurde das Fels-Leimkraut 2001 zusammen mit vier anderen Arten als Atocion rupestre (L.) Oxelman in der Gattung Atocion Adans. von Silene abgetrennt.[9][4] Ein weiteres Synonym ist Cucubalus saxatilis Lam.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arthur Oliver Chater, Stuart Max Walters, John Robert Akeroyd: Silene L. In: T. G. Tutin, N. A. Burges, A. O. Chater, J. R. Edmondson, V. H. Heywood, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. 2., überarbeitete Auflage. Volume 1: Psilotaceae to Platanaceae. Cambridge University Press, Cambridge/New York/Melbourne 1993, ISBN 0-521-41007-X, S. 209–210 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Hans-Christian Friedrich: Silene rupestris. In: Karl Heinz Rechinger (Hrsg.): Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Pteridophyta, Spermatophyta. Begründet von Gustav Hegi. 2., völlig neubearbeitete Auflage. Band III. Teil 2: Angiospermae: Dicotyledones 1 (Phytolaccaceae – Portulacaceae). Paul Parey, Berlin/Hamburg 1979, ISBN 3-489-60020-7, S. 1115–1118 (erschienen in Lieferungen 1959–1979).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Otti Wilmanns, S. Rupp: Silene rupestris, das Felsen-Leimkraut, als Glazialrelikt im Schwarzwald. In: Mitteilungen des Badischen Landesvereins für Naturkunde und Naturschutz, Neue Folge. Band 9, 1966, S. 381–389 (zitiert nach Hegi).
  2. a b c Jaakko Jalas, Juha Suominen (Hrsg.): Atlas Florae Europaeae. Distribution of Vascular Plants in Europe. 7. Caryophyllaceae (Silenoideae). Akateeminen Kirjakauppa, The Committee for Mapping the Flora of Europe & Societas Biologica Fennica Vanamo, Helsinki 1986, ISBN 951-9108-06-8, S. 84–85. (Vorschau).
  3. a b c d Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 362–363.
  4. a b Bengt Oxelman, Magnus Lidén, R. K. Rabeler, Magnus Popp: A revised generic classification of the tribe Sileneae (Caryophyllaceae). In: Nordic Journal of Botany. Band 20, Nr. 6, 2000 (publ. 2001), S. 743–748 DOI: 10.1111/j.1756-1051.2000.tb00760.x (PDF-Datei).
  5. S. Talavera: Silene. In: Santiago Castroviejo, Manuel Laínz, G. López González, P. Montserrat, Félix Muñoz Garmendia, Jorge Paiva, L. Villar (Hrsg.): Flora Ibérica. Plantas vasculares de la Península Ibérica e Islas Baleares, Vol. II. Platanaceae-Plumbaginaceae (partim). Real Jardín Botánico, CSIC, Madrid 1990, ISBN 84-00-07034-8, S. 381–382.
  6. Silene rupestris im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  7. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 477.
  8. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 421, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D1%26issue%3D%26spage%3D421%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D
  9. Magnus Lidén, Magnus Popp, Bengt Oxelman: A revised generic classification of the tribe Sileneae (Caryophyllaceae). In: Nordic Journal of Botany. Band 20, Nr. 5, 2000 (publ. 2001), S. 513–518 (versehentlich veröffentlichte Entwurfsfassung mit gültigen nomenklatorischen Änderungen; Umkombination auf S. 517), DOI: 10.1111/j.1756-1051.2000.tb01595.x

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Felsen-Leimkraut – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien