Felsenberg-Berntal

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Naturschutzgebiet Felsenberg-Berntal

IUCN-Kategorie IV – Habitat/Species Management Area

Berntal, Blick vom Herxheimer Felsenberg

Berntal, Blick vom Herxheimer Felsenberg

Lage Bad Dürkheim, Herxheim am Berg und Kallstadt, Vorderpfalz, Rheinland-Pfalz, Deutschland
Fläche 3 km²
Kennung NSG 7332-203
WDPA-ID 318388
Geographische Lage 49° 30′ N, 8° 10′ OKoordinaten: 49° 30′ 2″ N, 8° 9′ 59″ O
Felsenberg-Berntal (Rheinland-Pfalz)
Felsenberg-Berntal
Einrichtungsdatum 1954 (Teilgebiet) bzw. 2000

Das Naturschutzgebiet Felsenberg-Berntal im Landkreis Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz) befindet sich an einem Ausläufer des östlichen Pfälzerwalds, der sogenannten Haardt, zur Rheinebene hin. Das etwa 300 Hektar große Gebiet wurde durch Rechtsverordnung vom 20. Dezember 1999[1] ab Januar 2000 unter Schutz gestellt. Es besteht aus dem Felsenberg und dem Berntal. Ein Teilbereich bei Herxheim stand bereits ab 1954 als NSG Felsberg unter Schutz.[1] Die Herxheimer Karsthöhle in einem der Berghänge ist für archäologische und biologische Funde bekannt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von Süden über das Berntal zum Riff auf dem Felsenberg

Das Naturschutzgebiet umfasst Teile der Gemarkungen Leistadt in der Stadt Bad Dürkheim sowie Herxheim und Kallstadt in der Verbandsgemeinde Freinsheim. Die Flurbezeichnungen sind von West nach Ost Weidenhof, Felsenberg und Gauberger Hohl.

Das Berntal mit dem Felsenberg erstreckt sich über eine Länge von 1,2 km innerhalb der westlichen Bruchzone des Oberrheingrabens zunächst von Südwesten in Richtung Nordosten und dann weiter nach Osten. Es verläuft zwischen der Landesstraße 517 (Leistadt–Weisenheim am Berg) im Westen und der Deutschen Weinstraße (Bundesstraße 271 Kallstadt–Herxheim am Berg) im Osten, wobei es an beide Straßen grenzt. Eine Bruchstufe im Nordwesten, der Abhang des Felsenbergs, ist besonders stark ausgeprägt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Felsenberg Herxheim

Der Name Felsenberg erklärt sich selbst. Mit Berntal ist Bärental gemeint; in den zum großen Teil aus tertiärem Kalkstein der sogenannten Unteren Wiesbaden-Formation[2] bestehenden Hängen hatte das versickernde Regenwasser Hohlräume ausgewaschen, die früher Bären als Unterschlupf dienten.[3]

Hauptsächlich in den 1960er und 1970er Jahren wurden die meisten Weinberge an den Hängen des Berntals mangels Rentabilität aufgegeben und verbuschten in der Folgezeit. Im Jahr 2000 wurde das gesamte Berntal unter Naturschutz gestellt, wie dies bereits 1954 mit dem Felsenberg an der nördlichen Talflanke geschehen war. Pflegemaßnahmen der Bad Dürkheimer Kreisgruppe der Pollichia bewirkten, dass Gebüsche zurückgedrängt wurden und die Brachevegetation durch Mahd und Beweidung sich hin zu Magerrasen entwickelte. Das Berntal wurde zum künstlichen Trockental, dessen Niederschlagswasser seit den 1980er Jahren in die Kanalisation der Landesstraße 517 Richtung Bad Dürkheim abgepumpt wird.

Biotope[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologie, Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiblicher Mauerfuchs-Schmetterling
Orchidee im NSG

Den Rand des Berntals nach Nordwesten und Norden bildet ein natürliches Felsband aus Kalk. Daran schließt eine von tertiären Verwitterungsformen geprägte Kalkfelsplatte an. Hier sind Trockenrasen erhalten, die nach ihrem Bewuchs Kopflauch-Pfriemengras-Steppenrasen genannt werden.

Bei den Biotoptypen handelt es sich im Wesentlichen um Schlehen-Liguster-Gebüsche und ruderal geprägte Magerrasen auf ehemaligem Rebland. Auf den meisten Pflegeflächen wurden Hochstamm-Obstbäume gepflanzt, bei denen es sich um alte, im Bestand bedrohte Regionalsorten handelt.

Im Naturschutzgebiet gibt es Vögel, die andernorts eher selten sind, so Zaunammer, Heidelerche und Steinschmätzer. Bei den Pflanzen fallen z. B. der Blaugrüne Faserschirm und verschiedene Orchideenarten auf. Auf dem Kalkfelsband kommt der Felsen-Goldstern (Gagea bohemica) vor, ein besonders schutzwürdiges Liliengewächs. Das Vorkommen ist insofern ungewöhnlich, als diese Art normalerweise auf kalkarmen Substraten wächst. Am südlichen Rand finden sich von Menschenhand errichtete Steinhaufen, sogenannte Pocheln.

Herxheimer Karsthöhle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingang zur Karsthöhle

Die größte Höhle wird „Herxheimer Karsthöhle“ genannt[4] und liegt ungefähr 200 m nordöstlich des sichtbaren Felsenbands in der Nähe der Bundesstraße 271. Bei einer Grundfläche von etwa 45 m² umfasst sie rund 60 m³ Raum. Sie ist in zwei Bereiche geteilt, die durch Kriechgänge miteinander verbunden sind. Insgesamt ist die Höhle niedrig und kann nicht aufrecht betreten werden. Ihr Alter wird auf fünf Millionen Jahre geschätzt.[3] Neben diesen zwei Höhlenkammern vermuten Geologen ein ganzes „Höhlensystem“. Anlass hierfür bietet eine geomagnetische Prospektion, die zusammen mit einem Geophysiker 2006 durchgeführt wurde.

Mitte des 19. Jahrhunderts hatte ein Herxheimer in der Höhle kleinere archäologische Funde gemacht, 1873 führte dann der Historiker Christian Mehlis erste Grabungen durch, die weitere kleine Fundstücke erbrachten, so Ringe und Schnallen aus Metall. In den 1960er Jahren schütteten Anlieger den Höhleneingang zu, weil sie spielende Kinder gefährdet sahen. 1998 wurde auf betreiben des Ortshistorikers Eric Hass die Höhle wieder geöffnet und erforscht.[3]

2012 wurde die Höhle samt ihrer direkten Umgebung mit einer Fläche von 2914 m² als Naturdenkmal ausgewiesen.[2] Aus Sicherheitsgründen und um weitere mögliche Funde zu schützen, ist der Höhleneingang verschlossen; die Höhle darf nur mit Genehmigung der zuständigen Behörde, der Kreisverwaltung von Bad Dürkheim, betreten und weiter erforscht werden.

Welche Menschen die Höhle einst als Unterschlupf genutzt haben, ist im Dunkel der Geschichte verborgen; eine knöcherne Pfeilspitze, in den 1930er Jahren durch den Winzer Wilhelm Gabel gefunden, ermöglichte die früheste Datierung; der Tierknochen wurde 2005 an der Universität Kiel mit der Radiokohlenstoffdatierung auf etwa 4000 Jahre bestimmt.[5] Da keine DNA-Analyse in Auftrag gegeben wurde, ist die Tierart nicht bekannt. Spätere Nutzer waren vermutlich römische Soldaten, die in der Höhle und in der unmittelbaren Umgebung einige Geldmünzen hinterlassen haben.

In der Höhle wurden schon etwa 20 niedere Tierarten entdeckt, die an das Leben in Höhlen angepasst sind. Am meisten Aufsehen erregten die im Jahre 2008 gefundenen Exemplare der noch wenig beschriebenen[6] Weißen Höhlenassel (Trichoniscus helveticus), die ein Krebstier ist, sowie eines Doppelschwanzes, der zur Überklasse der Sechsfüßer gehört. Die Klassifizierung des Doppelschwanzes als Dilura campodea meinerti erfolgte im Herbst 2009 in der spanischen Stadt Valencia.[4] Die Weiße Höhlenassel stellte sich als Erstfund für die Region der Pfalz heraus und wurde deutschlandweit zwischen 1993 und 2008 erst in neun Höhlen festgestellt.[5]

Felsenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die südliche Flanke des Felsenbergs fällt steil ab und bietet dadurch den bekannten, weithin sichtbaren Blick auf das Karstgestein. Auf der nördlichen Seite steigt das Land weiter leicht an, und daher ist die Bruchkante gut zu Fuß zu erreichen. In diesem Bereich existiert allerdings eine seltene Tier- und Pflanzenwelt, die sehr empfindlich auf Begehungen durch Wanderer reagiert. Nach Einschätzung des Vereins für Naturforschung und Landespflege Pollichia ist sie akut bedroht. Er beklagt, immer mehr Besucher würden in die gesperrten Bereiche des 50 Hektar großen Gebietes vordringen.[7].

Daher wurde das Gebiet um des Plateau des Felsenbergs im August 2020 für Wanderer gesperrt.Wahrscheinlich wird es einige Jahre dauern, bis sich die Natur wieder erholt hat und die Sperrung evtl. wieder zurückgenommen werden kann.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Naturschutzgebiet Felsenberg-Berntal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Landkreis Bad Dürkheim: Rechtsverordnung über das Naturschutzgebiet „Felsenberg-Berntal“. (PDF) 20. Dezember 1999, abgerufen am 3. Februar 2016.
  2. a b Jürgen Link: „Karsthöhle“ ist Naturdenkmal. In: Grünstadter Wochenblatt. Grünstadt 26. Juli 2012.
  3. a b c Eric Hass: Ein 4000 Jahre alter Knochen. In: Landkreis Bad Dürkheim (Hrsg.): Heimatjahrbuch 2011. Verlag Englram Partner, Haßloch/Pfalz 2010, ISBN 978-3-926775-63-4, S. 148–157.
  4. a b Die Rheinpfalz: Karsthöhle als Fundgrube. Lokalausgabe Bad Dürkheimer Zeitung 10. Februar 2010.
  5. a b Erstfund in der Pfalz. In: Amtsblatt der Verbandsgemeinde Freinsheim. Nr. 44, 13. November 2008, S. 11 (freinsheim.com [PDF; 1,1 MB; abgerufen am 17. Dezember 2010]).
  6. Erhard Fritsch: Die Höhlen des Rettenbachtales bei Bad Ischl – 1. Teil. In: Naturkundliche Station der Stadt Linz (Hrsg.): Apollo. Folge 44, 1976, S. 6 (PDF auf ZOBODAT [abgerufen am 7. Dezember 2011]).
  7. Besucher zertrampeln Naturschutzgebiet in Bad Dürkheim. In: www.swr.de. SWR Aktuell, abgerufen am 28. August 2020.