Fememord

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Als Fememord bezeichnet man einen politischen Mord an einem echten oder vermeintlichen Verräter aus den eigenen Reihen, der organisiert aufgrund einer Feme begangen wurde. Der Begriff wird insbesondere für die ersten Jahre der Weimarer Republik angewandt. Anfang Dezember 1925 wurden die Morde an über zwanzig Mitgliedern rechtsextremer Gruppen bekannt gemacht.

Begriffsabgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feme (von mittelniederdeutsch veime = Strafe) bezeichnete im Sprachgebrauch rechtsextremer Untergrundbewegungen die Tötung von „Verrätern“, die – als Gruppenmitglieder oder als Außenstehende – von Waffendepots oder anderen Geheimnissen wussten und diese angezeigt hatten bzw. damit drohten. Mitunter wird der Begriff auch für die politischen Morde an demokratischen Politikern wie Matthias Erzberger (1921), Karl Gareis (1921) und Walther Rathenau (1922) sowie das gescheiterte Attentat auf Philipp Scheidemann (1922) durch Mitglieder der Organisation Consul gebraucht.[1] Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Hans-Helmuth Knütter sind diese Morde aber ebenso wie die politischen Morde von links von den eigentlichen Fememorden zu unterscheiden.[2] Ähnlich unterschied ein Reichstagsausschuss 1926 Fememorde von anderen politischen Morden, indem er die Verwendung des Begriffs auf die von einer Gruppe geplante Ermordung von Geheimnisverrätern beschränkte, aber unter Einbeziehung ähnlicher Verbrechen, die von linksextremen Gruppierungen begangen worden waren.

Opferzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahezu alle Fememorde ereigneten sich in den unruhigen Anfangsjahren der Weimarer Republik, die 1923 ihren Höhepunkt erreichten, als Inflation (bis hin zur Hyperinflation), alliierte Ruhrbesetzung, Hitlerputsch und separatistische Bestrebungen das Deutsche Reich erschütterten. Insgesamt fielen bis 1924 fast 400 politische Gegner[3][4] rechtsradikalen und nationalsozialistischen Attentaten der Organisation Consul, des Bund Wiking, der Schwarzen Reichswehr, der Sturmabteilung Roßbach, der bayerischen Einwohnerwehr und deren Nachfolgeorganisationen zum Opfer.

Reaktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erste, der versuchte, das Phänomen systematisch und für ganz Deutschland zu erforschen, war der Statistiker Emil Julius Gumbel, der 1922 die Schrift Vier Jahre politischer Mord vorlegte (später fortgeschrieben unter dem Titel: Vom Fememord zur Reichskanzlei). Gumbel war wegen dieser Studie schweren Drohungen ausgesetzt.

Die polizeilichen und gerichtlichen Untersuchungen der Femeverbrechen verliefen schleppend, die Mörder, soweit sie identifiziert wurden, kamen mit geringen Strafen oder sogar mit Freispruch davon. Die offenbaren Mängel in der Rechtsverfolgung beschäftigten während der Weimarer Zeit mehrere Parlamente: 1920 setzte der Bayerische Landtag einen eigenen Untersuchungsausschuss ein, um das Femeverbrechen an dem Reichswehrsoldaten Hans Dobner zu untersuchen. 1924 wurde im Preußischen Landtag der Untersuchungsausschuss „Politische Morde“ eingesetzt, zwei Jahre später ein weiterer Untersuchungsausschuss. Auf Antrag der SPD sollte im Januar 1926 ein Untersuchungsausschuß des Reichstags, unter der Bezeichnung „Feme-Organisationen und Fememorde“ diese Verbrechen und ihr politisches Umfeld in Parteien, Reichswehr und Justiz aufklären.[5] Das Vorhaben wurde von Anfang an durch die rechtslastige parlamentarische Mehrheit, die verweigerte Kooperation der bayerischen Justizbehörden[6] und nicht zuletzt durch die damalige Unentschlossenheit der SPD selbst [7] behindert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emil Julius Gumbel: Vom Fememord zur Reichskanzlei. Mit einem Vorwort von Walter Fabian, Heidelberg, Lambert Schneider 1962
  • Ulrike Claudia Hofmann: „Verräter verfallen der Feme!“ Fememorde in Bayern in den zwanziger Jahren. Böhlau, Köln u. a. 2000, ISBN 3-412-15299-4 (Zugleich: Bamberg, Univ., Diss., 1998/99).
  • Irmela Nagel: Fememorde und Femeprozesse in der Weimarer Republik. Böhlau, Köln u. a. 1991, ISBN 3-412-06290-1 (Kölner historische Abhandlungen 36), (Zugleich: Köln, Univ., Diss., 1989).
  • Bernhard Sauer: Schwarze Reichswehr und Fememorde. Eine Milieustudie zum Rechtsradikalismus in der Weimarer Republik. Berlin, Metropol 2004, ISBN 3-936411-06-9 (Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin – Reihe Dokumente, Texte, Materialien 50).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. So zum Beispiel Detlef Wienecke-Janz (Hrsg.): Die Chronik. Geschichte des 20. Jahrhunderts bis heute. Chronik Verlag, Gütersloh/München 2006, S. 152 f. und 156.
  2. Hans-Helmuth Knütter: Fememorde. In: Carola Stern, Thilo Vogelsang, Erhard Klöss und Albert Graff (Hrsg.): dtv-Lexikon zur Geschichte und Politik im 20. Jahrhundert. dtv, München 1974, Bd. 1, S. 252.
  3. Statistiker Emil Gumbel - Rechnen gegen den Terror von Daniel Furth, Spiegel Online 27.4.2012
  4. Emil Julius Gumbel: Das rechte Auge von Benjamin Lahusen, Zeit Online 9.2.2012
  5. Reichstagsprotokolle, 1924/28,5 Debatte am 23. Januar 1926
  6. Reichstagsprotokolle, 1924/28,5 Debatte am 11. November 1926
  7. Heinrich August Winkler, Geschichte des Westens, Die Zeit der Weltkriege 1914-1945, 3. Auflage 2016, C.H.Beck, München 2011, ISBN 978 3 406 59236 2