Fensterbau

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Burj Dubai, Vorhangfassade im Bau
Schnitt eines Fenstereinbaus nach RAL-Montage
Vorhangfassade fast nur aus Glas

Fensterbau ist ein technisches Geschäftsfeld, dessen Ziel es ist Fenster, Fensteranlagen sowie Vorhangfassaden für Gebäude zu realisieren. Hierzu zählen auch Haustüren und Haustüranlagen. Der Fensterbau umfasst aufgrund der unterschiedlichen zu verwendenden Materialien in einem komplexen System von der Herstellung bis zum Einbau verschiedene technische Disziplinen. Vor allem zu nennen sind hier das Glaserhandwerk, Dichtungstechnik, Elektrotechnik, Montage sowie je nach verwendetem Rahmenmaterial Metallbau, Kunststofftechnik oder das Tischlerhandwerk.

Fenster werden entweder einzelgefertigt oder aus vorgefertigten Profilen nach Maß oder in Serie hergestellt. Vorhangfassaden werden in der Regel aus speziellen, technisch sehr aufwendigen Systemen erstellt und bestehen aus einem gerasterten Pfosten-Riegel-Trägersystem sowie verschiedensten gläsernen oder geschlossenen Fassadenelementen, den sogenannten Füllungen. Teilweise sind Rollläden, Sonnenschutzanlagen, Lüftungsanlagen oder Photovoltaikanlagen integriert.

Systeme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundsätzlich ist bei allen Fenstersystemen eines gleich: Sie bestehen aus Profilen für Rahmen und Flügel, einer Füllung sowie einer Reihe von Beschlägen und Bauteilen für die technischen Funktionen. Balkontüren werden heute meist mit Standardfensterprofilen gefertigt; bei Haustüren sind die verwendeten Profile nur unwesentlich anders. Die Montage ist mit Ausnahme von größeren Pfosten-Riegel-Systemen (wie beispielsweise bei Schaufensteranlagen oder Vorhangfassaden) bei allen Fenstersystemen gleich. Der Fensterrahmen wird in die vorbereitete Maueröffnung eingesetzt, verdübelt, ausgeschäumt und abgedichtet. Danach werden die vorgefertigten Flügel inkl. Verglasung oder eine Festverglasung eingebaut. Die technischen Anforderungen beim Einbau besteht darin, ein Verziehen der Rahmen beim Verdübeln und Ausschäumen zu verhindern, eine dichte Verbindung zu den benachbarten Bauelementen herzustellen sowie den Wasserablauf, der vielfach auch durch das Innere der Profile erfolgt, zu gewährleisten. Maßgeblich sind hierbei die Forderungen der Gütegemeinschaft Fenster und Haustüren e. V., der sogenannten RAL-Montage.[1]

Neben einer Reihe von Normen und Richtlinien für alle Aspekte des Fensterbaus vom Glas bis zum Schallschutz[2] werden alle wesentlichen Anforderungen zu Fenster und Türen in der DIN-EN-14351 behandelt.
Hier wird wegen der unterschiedlichen Materialeigenschaften nach den verschiedenen Rahmensystemen unterschieden.[3]

Holzfenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Holzfenstern bestehen die verwendeten Profile aus Holz, meist Vollholz, mit seinen guten statischen Eigenschaften. Der Nachteil von Holzfenstern ist ihr Gewicht und ihre begrenzte Witterungsbeständigkeit. Eine Sonderform sind dabei Holz-Aluminium-Fenster. Im wesentlichen Holzfenster, die durch ein außenliegendes Aluminiumprofil zusätzlich gegen Verwitterung geschützt sind.

Kunststofffenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Kunststofffenster bestehen aus einem stranggepressten Kunststoffprofil, meist aus PVC, in welches aus statischen Gründen fast immer ein Stahlkantrohr, ein stählernes U-Profil oder ein L-Profil eingearbeitet wird. Ohne diese Armierung ist die Steifigkeit relativ gering und damit die Flügelweite des Fensters begrenzt. Früher waren Dreikammerprofile mit einer Fensterrahmen-Bautiefe von 50 mm verbreitet; heute (2015) verkaufte Fenster haben oft Fünfkammerprofile und 70 mm Rahmen-Bautiefe. Letztere haben einen besseren Wärmedurchlasswiderstand und können auch Dreifachglas-Scheiben aufnehmen. Um die Anforderungen der "EnEV 2014"[4] an Fenster in Neubauten zu erfüllen, sind Rahmentiefen von über 70 mm erforderlich.

Aluminiumfenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aluminiumfenster bestehen aus stranggepressten Aluminiumprofilen. Sie sind besonders leicht, ausreichend stabil und witterungsbeständig.

Stahlfenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stahlfenster bestehen aus gewalzten Stahlprofilen und kommen neben gestalterischen Gründen zum Einsatz, wenn besondere Anforderungen an die statische Belastbarkeit erfüllt werden müssen.

Fassaden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorhangfassaden oder Fensteranlagen aus einem Pfosten-Riegel-System stellen eine Besonderheit dar. Hierbei werden Pfosten in der Regel aus Aluminium oder Stahl an den Decken befestigt und mit Querriegeln zu einem Raster verbunden. In die Felder werden dann Verglasungen, geschlossenen Füllungen oder Fensterflügel eingesetzt. Grundsätzlich ist es auch möglich, komplett vorgefertigte Elemente, die über mehrere Geschosse reichen, zu montieren. Diese Methode kommt vor allem bei größeren Bauprojekten zum Einsatz und gehört zum Nonplusultra im Fensterbau.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wirtschaftszweig Fensterbau teilt sich in drei Ebenen mit unterschiedlichen Protagonisten. Zum einen gibt es teilweise sehr große industrielle Unternehmen, die Fensterprofile herstellen. Die bekanntesten sind neben anderen Schüco oder VEKA. In der nächsten Ebene befindet sich eine Vielzahl von mittelständischen Unternehmen, die entweder Fenster aus den Fertigprofilen der bekannten Hersteller fertigen oder beispielsweise als Tischlereibetrieb auch alle Rahmenkomponenten selber herstellen. Für die Montage vor Ort kommen häufig noch kleinere spezialisierte Montagefirmen oder Ich-AGs als Subunternehmen zum Einsatz. Daneben gibt es eine Reihe von Zulieferern für die Fensterindustrie, die Beschläge, Gläser oder Dichtungen herstellen. Unternehmen aus dem Bereich Fensterbau gehören zur IHK und sind in unterschiedlichen Verbänden organisiert.

Laut einer Studie des VFF (Verband Fenster + Fassade) aus dem Jahr 2011 gibt es in der deutschen Fenster- und Fassadenbranche inklusive aller nachgelagerten Industriezweige rund 58.000 Betriebe mit ca. 300.000 Mitarbeitern. Sie erwirtschaften pro Jahr insgesamt rund 34 Milliarden Euro.[5]

Historische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der immer komplexer werdenden Anforderungen an Fenster und der damit notwendig werdenden Spezialisierung entwickelte sich der Fensterbau ab ca. 1950 vor allem mit Einführung von Kunststoffen als Fensterrahmen-Material aus Teilbereichen des Glaser- und Tischlerhandwerkes zu einem eigenständigen Geschäftsfeld.

Berufsbild Fensterbauer im deutschsprachigen Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist Fenster- oder Glasfassadenbauer ein anerkannter Lehrberuf mit drei Jahren Lehrzeit. Die Ausbildung endet mit der Gesellenprüfung, die vor der Handwerkskammer abgelegt wird. Eine Meisterprüfung ist nach sechsjähriger Gesellenzeit möglich.[6] Seit 2006 gibt es zusätzlich den Ausbildungsberuf des Kunststofffensterbauers.[7]

In Österreich ist eine vergleichbare Ausbildung die des Glasbautechnikers mit drei bis vier Jahren Lehrzeit.[8]

In der Schweiz erfolgt die Ausbildung zum Schreiner/in (EFZ) Schwerpunkt Bau/Fenster sowie als Weiterbildung oder Zusatzqualifikation durch den Schweizerischen Fachverband Fenster- und Fassadenbranche (FFF) zum Fensterbauer/in mit den Schwerpunkten „Avor“, „Produktion“ und „Montage“.[9]

Neben den genannten ermöglichen eine ganze Reihe anderer Ausbildungsberufe eine Beschäftigung im Fensterbau. Die Planung leisten Architekten, Bauingenieure sowie spezialisierte Fachplaner.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. RAL Gütegemeinschaft Fenster und Haustüren e. V.: Leitfaden zur Planung und Ausführung der Montage von Fenstern und Haustüren für Neubau und Renovierung. Verbands der Fenster- und Fassadenhersteller, März 2014, abgerufen am 15. Mai 2015.
  2. DIN-Normen. Bundesarbeitskreis Altbauerneuerung e.V., abgerufen am 15. Mai 2015.
  3. Ulrich Sieberath, Christian Niemölle: Kommentar zur DIN EN 14351-1 Fenster und Türen. ift Rosenheim, abgerufen am 15. Mai 2015.
  4. www.enev-online.com
  5. Verband Fenster + Fassade: Fenster- und Türenbranche: Aktuelle Gesamtzahlen für Europa. 7. April 2015, abgerufen am 15. Mai 2015.
  6. BERUFENET - Berufsinformationen einfach finden. Abgerufen am 6. September 2017.
  7. Artikel von Alfons Oebbeke: Der Kunststofffensterbau erhält seinen eigenen Ausbildungsberuf. baulinks, 27. März 2006, abgerufen am 15. Mai 2015.
  8. Glasbautechnik (Modullehrberuf). Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft, abgerufen am 19. Mai 2015.
  9. Fensterbau Aufbauwissen. FFF, abgerufen am 10. Juni 2015.