Ferdinand Deppe

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Ferdinand Deppe: San Gabriel Mission, 1832

Ferdinand Deppe (* 1794 in Berlin; † 1861 in Charlottenburg) war ein deutscher Kunstgärtner, Naturforscher, Sammler, Händler und Maler. Er ist der Entdecker des Krausschwanzmoho und des nach ihm benannten Glücksklee in Mexiko. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Deppe“.

Werdegang[Bearbeiten]

Für seine Teilnahme an den Befreiungskriegen 1813–1815 wurde er mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.

Danach setzte er seine Ausbildung in den Gärten von Graz, Wien, Kassel und München fort, um anschließend seine gärtnerische Tätigkeit in Berlin fortzuführen. Sein älterer Bruder Wilhelm Deppe war im Berliner Zoologischen Museum (heute Museum für Naturkunde) als Registrar tätig. Er war es auch, der 1830 Preis-Verzeichniss der Säugethiere, Vogel, Amphibien, Fische und Krebse, welche von den Herren Deppe und Schiede in Mexico gesammelt worden, und bei dem unterzeichneten Bevollmächtigten in Berlin gegen baare Zahlung in Preuss. Courant zu erhalten sind publizierte. Dieses Werk enthielt auch einige für die Wissenschaft neue Vogelarten und eine neue Gattung mit Namen Dives für den Trauerstärling.

Als Jakob Wilhelm Karl von Witzleben 1837 verstarb, kauft Ferdinand Deppe sein Anwesen, das an den Lietzensee grenzte. Zu Ehren des Verstorbenen nannte er es Witzleben, ein Name der heute noch eine S-Bahn-Station in Berlin-Charlottenburg ziert.[1] Zusammen mit dem Kunst- und Handelsgärtner und Feueiveisicherungsdirektor Heinrich Ohse betrieb er bis 15. September 1844 eine Handelsgärtnerei. Nach dem Ausstieg Ohses führte er diese alleine weiter.[2]

Expeditionen[Bearbeiten]

Expeditionsteilnehmer[Bearbeiten]

Die Expedition nach Mittelamerika bestand aus dem Baron Sebastian Albert von Sack, Initiator und Finanzier der Expedition und (Förderer u. a. von Wilhelm Müller), seinem Diener, (der nach der Ankunft in Mittelamerika an Gelbfieber) verstarb, dem Mitarbeiter des Zoologischen Museums Berlin Häberlein, der vorab nach Kolumbien reiste, und Deppe. Baron von Sack beabsichtigte bis Oktober 1825 in Mexiko (Stadt) zu bleiben und von dort aus Guatemala, Nicaragua (Cartegena) und ab dem ersten Quartal 1826 Kolumbien, Chile und Peru zu erforschen

Expedition nach Mexiko[Bearbeiten]

Deppe, der auf Initiative des Finanziers der Expedition, Baron von Sack teilnahm, brach im Oktober 1824 von England über Jamaika nach Mexiko auf und traf Mitte November 1824 in Alvarado, (Mexiko), ein. Deppes Forschungsreise begann Mitte Dezember 1824 und endete mit der Verschiffung des Großteils der Sammlung nach Deutschland und seiner Abreise aus Mexiko im März/April 1827 sowie seiner Weiterreise nach Kalifornien. Deppe verfasste Reiseberichte wovon der letzte im Januar 1827 bei Martin Lichtenstein in Berlin eintraf.

Von 1828 bis einschließlich 1830 erforschte er mit Christian Julius Wilhelm Schiede u. a. den Bundesstaat Veracruz, da beide beabsichtigten, mit den Funden zu handeln. Diederich Franz Leonhard von Schlechtendal beschrieb Pflanzen aus deren Sammlungen. Kurz vor Ende der Expedition entdeckte er zwischen dem 1. und 3. September 1826 zwischen Tehuacán und Teotepec unbekannte Nachtschatten-Arten und Kakteen.

Teile seiner Sammlung wurden an das Zoologische Museum in Berlin verschickt und dort bearbeitet. 1863 beschrieb der damalige Direktor des Museums, Wilhelm Peters unter anderen Deppes Hörnchen (Sciurus deppei) und benannte dies nach ihm.[3]

1828 entstand auch eine Skizze Deppes der San Gabriel Mission (Kalifornien), die er 1832 in ein Ölgemälde auf Leinwand umsetzte. Es ist das erste Gemälde, das von den zahlreichen kalifornischen Missionen entstand und befindet sich heute im Bestand der Santa Barbara Mission Archive Library.

Expedition nach Kalifornien[Bearbeiten]

Internationale Bedeutung hat seine 1836 zusammengetragene Sammlung von Korbarbeiten der in Kalifornien lebenden Indianer, die sich im Ethnologischen Museum in Berlin-Dahlem befindet.[4]

Expedition nach Hawaii[Bearbeiten]

1837 sammelte Deppe drei Exemplare des Krausschwanzmoho in den Hügeln auf der Insel Oʻahu, der letzte Nachweis des von John Gould im Jahre 1860 erstmals wissenschaftlich beschriebenen Vogels.

Sammlung[Bearbeiten]

Die von der Expedition zusammengetragenen Sammlungsstücke befinden sich im Museum für Naturkunde (Berlin) und wurden frühzeitig u.a. von William Swainson, Johann Georg Wagler, Charles Lucien Bonaparte, John Gould, Heinrich Gustav Reichenbach, Hermann Schlegel und Philip Lutley Sclater gesichtet.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  •  Ferdinand Deppe: Verzeichniss der Topf- und Land-Rosen von Ferdinand Deppe auf Witzleben in Charlottenburg bei Berlin. E. Haenel, Berlin ca 1846-1854.
  •  Ferdinand Deppe: Verzeichniss einer auserlesenen Sammlung der neuesten und allerneuesten Georginen oder Dahlien von Ferdinand Deppe auf Witzleben in Charlottenburg bei Berlin. E. Haenel, Berlin ca 1846-1854.

Literatur[Bearbeiten]

  • Carl Nicolaus Röding: Columbus: amerikanische Miscellen. Bd. 1, Hamburg 1826, Neuester Reisebericht aus Mexico. Nach den Mitteilungen des Herrn Professor Lichtenstein zu Berlin, S. 280-318
  • Erwin Stresemann: Ferdinand Deepe's travels in Mexico, 1824-1829. In: The Condor, an international journal of avian biology, 1954, S. 86-92 Online-Ausgabe (PDF; 553 kB)
  • Ulf Bankmann: Zwischen Pazifik und Lietzensee - Ferdinand Deppe, Gärtner und Sammler für die Berliner Museen. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, 1995 (1999), 4, S. 566-579
  •  Martin Hinrich Lichtenstein: Ferdinand Deppe's Reisen in Kalifornien. In: Zeitschrift für Erdkunde als vergleichende Wissenschaft, mit Aufnahme ihrer Elemente aus der Naturwissenschaft, Geschichte, Statistik. Bd. 7, 1847, S. 383-390 (online, abgerufen am 10. April 2015).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ferdinand Deppe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Wissenswertes zum Gartendenkmal Lietzenseepark
  2. Anzeige in Allgemeine Gartenzeitung aus dem Jahre 1844
  3. Bo Beolens, Michael Grayson, Michael Watkins: The Eponym Dictionary of Mammals. Johns Hopkins University Press, 2009; S. 106–107; ISBN 978-0-8018-9304-9 (Google Books)
  4. Indianer Nordamerikas (Memento vom 12. April 2005 im Internet Archive)