Fernleihe

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Die Fernleihe ist eine Dienstleistung von Bibliotheken, am Ort nicht vorhandene Literatur (Bücher und Aufsatzkopien) aus anderen Bibliotheken im Rahmen des Leihverkehrs zu besorgen. Meist ist dieser Service kostenpflichtig. Manche Bibliotheken bieten ihren Benutzern diesen Service kostenlos an und tragen selbst die Kosten, viele erhebe jedoch einen pauschale Gebühr pro Bestellung, die je nach Bibliothek zwischen 1,50 und 6 € liegt. Die Bibliotheken unterscheiden dabei zwischen:

  • gebender Fernleihe (auch: aktive Fernleihe, AFL), wobei Bücher aus der eigenen Bibliothek an fremde Bibliotheken ausgeliehen werden, die diese wiederum an ihre eigenen Benutzer ausleihen.
  • nehmender Fernleihe (auch: passive Fernleihe, PFL), wobei Bücher aus fremden Bibliotheken für die eigenen Benutzer ausgeliehen werden.

Regeln[Bearbeiten]

Die näheren Bedingungen für den Leihverkehr werden in verschiedenen nationalen und internationalen Regelwerken festgelegt. Für den Leihverkehr innerhalb Deutschlands ist dies die Leihverkehrsordnung (LVO) der Kultusministerkonferenz, für den in Österreich die Österreichische Fernleiheordnung (ÖFLO) bzw. die „Empfehlung zur Abwicklung von Fernleihe und Dokumentenlieferung in Österreich“ der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare. Für den weltweiten Leihverkehr stehen die Verfahrensrichtlinien des internationalen Dachverbandes IFLA zur Verfügung. Die genannten Regelwerke haben keinen Gesetz- oder Verordnungscharakter, sondern sind Empfehlungen, die ggfls. örtlich per Verwaltungsvorschrift in Kraft gesetzt werden.

Es kann z. B. nicht alles über die Fernleihe bestellt werden; so ist im Deutschen Leihverkehr die Bestellung von Unterhaltungsromanen, Büchern, die rein praktische Fertigkeiten vermitteln (Bastelanleitungen, Kochbücher u. ä.), Reiseführern usw. ausgeschlossen. Der Hintergrund ist, dass der Leihverkehr primär der wissenschaftlichen Aus- und Fortbildung dient und deshalb nicht belastet werden soll durch Bestellungen von Literatur, die normalerweise im Bestand der lokalen Öffentlichen Bibliothek vorhanden ist.

Weiterhin sind oftmals von der Fernleihe ausgeschlossen: Loseblattsammlungen (man kann hinterher nur sehr schwer kontrollieren, ob das Exemplar nach der Ausleihe noch vollständig ist), AV-Materialien wie Sprachkurse, DVDs, Hörbücher, CDs, außerdem alte oder sehr wertvolle Bücher (Verlustgefahr) oder Bücher von großem Format (z. B. große Atlanten oder Bildbände: Versandproblem). In der Regel auch ganze Bände von Zeitschriftenjahrgängen, hier ist dann nur die Kopie eines Aufsatzes möglich.

Um eine Fernleihe aufzugeben, muss sich der Interessent an eine Bibliothek (z. B. Öffentliche Bibliothek oder Universitätsbibliothek) in seiner Umgebung wenden. Diese Bibliothek übernimmt in der Regel die nötigen Recherchearbeiten, leitet die Bestellung weiter und stellt das Material nach dessen Eingang dem Nutzer zur Verfügung. In manchen Verbünden kann der Interessent jedoch selbst nach Einrichtung eines Fernleihkontos in seiner Heimatbibliothek über den Verbundkatalog eine Online-Fernleihe veranlassen. Die genauen Benutzungsbedingungen (Leihfristen, Ausleihe außer Haus oder nur in den Räumen der Bibliothek) legt in der Regel jedoch die Bibliothek fest, der das bestellte Material gehört.

Die Dauer bis zur Erfüllung einer Bestellung ist sehr unterschiedlich und hängt von mehreren Faktoren ab:

  • der Anzahl der besitzenden Bibliotheken (diese werden meist automatisiert nacheinander abgefragt)
  • der Entleihbarkeit in den angefragten Bibliotheken
  • der Arbeitsbelastung bei den gebenden Büchereien (große Büchereien erhalten jeden Tag Dutzende Bestellungen auf ihre Medien)

Im Durchschnitt stehen dem Nutzer einer mittleren Öffentlichen Bibliothek bestellte Medien nach etwa 1,5 bis 2 Wochen zur Verfügung.

Eine schnellere, aber kostenintensivere Alternative zur traditionellen Fernleihe bieten Dokumentenlieferdienste (z. B. Subito). Diese liefern direkt an den Endnutzer, meist innerhalb weniger Tage, manchmal sogar innerhalb von 24 Stunden. Allerdings ist dieser Service deutlich teurer als die klassische Fernleihbestellung (der Versand eines Artikels kostet mindestens 6,50 Euro).

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Gantert / Rupert Hacker: Bibliothekarisches Grundwissen. 8., vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Saur, München 2008, S. 269–276
  • Petra Hauke: Leihverkehr. In: Konrad Umlauf / Stefan Gradmann (Hrsg.) Lexikon der Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Bd. 2, Hiersemann, Stuttgart 2014, S. 539

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Fernleihe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen