Fernmeldeturm Jakobsberg

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Fernmeldeturm Jakobsberg
Bild des Objektes
Basisdaten
Ort: Porta Westfalica
Land: Nordrhein-Westfalen
Staat: Deutschland
Höhenlage: 235 m ü. NHN
Koordinaten: 52° 14′ 29,3″ N, 8° 56′ 12,2″ O
Verwendung: Fernmeldeturm, Rundfunksender, Kiosk, Aussichtsturm
Zugänglichkeit: Sendeturm öffentlich zugänglich
Besitzer: Deutsche Funkturm
Turmdaten
Bauzeit: 1974–1978
Betriebszeit: seit 1979
Gesamthöhe: 142 m
Aussichts­plattform: 23 m
Daten zur Sendeanlage
Letzter Umbau (Sender): Mai 2006
Wellenbereich: Band II, Band III, Band IV+V
Rundfunk: Hörfunk, Fernsehen
Sendetypen: UKW, DAB+, DVB-T2 HD, Richtfunk, Mobilfunk,
Positionskarte
Fernmeldeturm Jakobsberg (Nordrhein-Westfalen)
Fernmeldeturm Jakobsberg
Fernmeldeturm Jakobsberg
Lokalisierung von Nordrhein-Westfalen in Deutschland

Der Fernmeldeturm Jakobsberg (interne Bezeichnung: Funkübertragungsstelle Minden 2) steht auf dem 235,2 m ü. NHN[1] hohen Jakobsberg in der ostwestfälischen Stadt Porta Westfalica. Der 142 Meter hohe Fernmeldeturm gehört der Deutschen Funkturm (DFMG), einer Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom mit Sitz in Münster.

Der Turm wurde primär als Richtfunk-Relaisstation für das Telefon-Fernnetz sowie das Fernseh-Übertragungsnetz errichtet. Zusätzlich beherbergt er heute neben Einrichtungen für den Mobilfunk mehrere Sendeanlagen für die Verbreitung des öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunks. Diese umfassen den Hörfunk in analoger (FM auf Ultrakurzwelle/Band II) und digitaler (DAB+ auf Band III) Technik sowie das Fernsehen im Digitalstandard DVB-T2 HD auf Band IV/V.

Mit seinem exponierten Standort am Weserdurchbruch zwischen Wiehen- und Wesergebirge ist der Turm – neben dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal – prägend für die Silhouette der Porta Westfalica. Auf dem Kamm der Bergkette verläuft der Europäische Fernwanderweg E11.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bismarckbund errichtet an dieser Stelle 1902 einen Bismarckturm. Außerdem entstanden in der Nähe des Turms eine Gaststätte und eine Falknerei, die den Zweiten Weltkrieg nicht überstanden hat. Die Gaststätte hatte bis in die 1990er Jahre Bestand, hohe Kosten für die nötige Entwässerungsanlage machten dann den Betrieb unwirtschaftlich.

Anfang der 1950er Jahre baute der damalige NWDR federführend das neue Medium Fernsehen auf. Die von der Rundfunkanstalt benötigte Übertragungsstrecke Hamburg–Köln wurde von der Deutschen Bundespost geplant und betrieben. Dazu war eine Relaisstation zwischen den beiden Türmen in Mellendorf nördlich von Hannover und auf der Hünenburg bei Bielefeld nötig.[2] Die Bundespost beabsichtigte, hierfür den Bismarckturm zu nutzen, der sich aber baulich nicht für die Installation der neu entwickelten FREDA-Richtfunkgeräte (Frequenzmodulierte Dezimeterwellen-Anlage) nebst Hornantennen eignete. So wurde der Bismarckturm 1952 abgerissen und das Grundstück der Bundespost zur Verfügung gestellt, die im selben Jahr einen genormten Typenturm errichten ließ.

Auf dem neuen Richtfunkturm wurde am 1. April 1953 die vom Bismarckbund unterhaltene Aussichtskanzel eröffnet. Schon dieser Fernmeldeturm wurde, wie sein Nachfolger, im Volksmund Langer Jakob genannt. Zu dem Turm, der durch eine asphaltierte Straße von Hausberge zu erreichen war, entwickelte sich reger Ausflugsverkehr. Da er in den 1970er Jahren den gestiegenen technischen Anforderungen nicht mehr genügte, wurde er 1979 außer Betrieb genommen und abgerissen.

Der heutige Fernmeldeturm Jakobsberg wurde dann von 1974 bis 1978 erbaut[3] und ist ein Typenturm „FMT 2/73“ (Fernmeldeturm Typ 2 mit Modifikationen von 1973) der Deutschen Bundespost. Am 28. September 1978 fand das Richtfest statt. Auch dieser Turm hat eine Besucherplattform, die in 23 Metern Höhe liegt und weiterhin durch den Bismarckbund betrieben wird. Nur der Fernmeldeturm Bredstedt auf dem Stollberg in Schleswig-Holstein besitzt eine ähnliche, öffentlich zugängliche Plattform.

Ab 1999 war auf dem Fernmeldeturm Jakobsberg das Amateurfunkrelais DB0MIN installiert. Es sendete im 70-cm-Band auf 439,375 MHz. Der Standort wurde 2016 vom Verband der Funkamateure in Telekommunikation und Post gekündigt und die nach Minderheide umgesetzte Anlage wird seit Ende 2017 als Mindener Stadtrelais weiter betrieben.[4]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vom Bismarckbund an der Porta Westfalica e.V. betriebene Aussichtsplattform des Fernsehturmes erlaubt in der Zeit von April bis Oktober einen ungehinderten Weitblick von bis zu 50 km. Am Fuße des Turmes befindet sich der Bismarck-Gedenkraum, in dem Ausstellungsstücke die wechselhafte Geschichte des Turmes zeigen sowie in erster Linie an Otto von Bismarck erinnern. Seit 2016 ist der angrenzende Kiosk wieder in Betrieb.[5]

Sendeanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1979 wurde der Turm offiziell in Betrieb genommen. Neben dem (analogen) Fernseh-Rundfunksender wurden Richtfunkstrecken zum Sender Teutoburger Wald (Bielstein) sowie die beiden Türme in Mellendorf bzw. auf der Hünenburg bei Bielefeld betrieben. Der analoge Fernsehsender wurde am 29. Mai 2006 im Zuge der Einführung des (damals neuen) digitalen Fernseh-Standards DVB-T abgeschaltet.

Heute sind auf dem Jakobsberg, neben den Einrichtungen für Richtfunk, insgesamt fünf Rundfunksender installiert: drei für digitales Fernsehen im aktuellen Standard DVB-T2 HD mit jeweils einem Bouquet von fünf Fernsehprogrammen, einer für den digitalen Hörfunk DAB+ (Programmpaket DR Deutschland mit 13 Programmen)[6] sowie in analoger Technik ein Sender für Radio Westfalica.

Vom Sender Wittekindsberg auf der gegenüberliegenden Seite des Tals – der WDR nennt ihn Sender Bad Oeynhausen[7] – werden analog die fünf WDR-Hörfunk-Programme 1 Live, WDR 2, WDR 3, WDR 4, WDR 5, der Deutschlandfunk sowie im digitalen Standard DAB+ das Hörfunk-Programmpaket Radio für NRW mit insgesamt 13 Programmen ausgestrahlt.

Frequenzen und Programme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Analoger Hörfunk (UKW)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Jakobsberg wird folgendes Programm gesendet:

Programm Region Frequenz
(MHz)
ERP
(kW)
Radio Westfalica Minden-Lübbecke 95,7 0,5

Digitales Radio (DAB / DAB+)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Digitaler Hörfunk im DAB+-Standard wird seit dem 1. September 2013 ausgestrahlt.[8] Die Verbreitung des bundesweiten Multiplexes erfolgt in vertikaler Polarisation im Gleichwellennetz (Single Frequency Network) mit anderen Sendern.

Block Programme
(Datendienste)
ERP 
(kW)
Antennen- diagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
Gleichwellennetz (SFN)
5C
DRDeutschland
(D__00188)
DAB+ Block der Media Broadcast: 4 ND V

Digitales Fernsehen (DVB-T / DVB-T2)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ostwestfalen-Lippe erfolgte die Umstellung auf den DVB-T2-Standard mit HEVC Bildcodierung am 25. April 2018. Optional lassen sich zusätzliche im WDR-Angebot und bei Freenet TV connect als Verknüpfung enthaltene Programme über eine Internetverbindung wiedergeben, falls das Empfangsgerät HbbTV (ab Version 1.5) unterstützt (WDR via IP: ARD-alpha HD, BR FS Süd HD, hr-fernsehen HD, rbb Berlin HD und SR Fernsehen HD). Das kostenpflichtige private Programmangebot von Freenet TV wird von den Standorten Bielefeld (Hünenburg) und Hannover (Telemax) ausgestrahlt.

Folgende DVB-T2-Bouquets werden übertragen:

Kanal Frequenz
(MHz)
Multiplex Programme im Multiplex ERP
(kW)
Antennen-
diagramm

rund (ND)/
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
SFN mit
26 514 WDR Mux 2 5 ND H Bielefeld (Hünenburg), Minden (Jakobsberg), Teutoburger Wald (Bielstein)
31 554 WDR Mux 1 (BI / SI)Anm. 5 ND H Bielefeld (Hünenburg), Minden (Jakobsberg), Teutoburger Wald (Bielstein)
33 570 Gemischter Multiplex von ZDF und freenet TV 5 ND H Bielefeld (Hünenburg), Minden (Jakobsberg), Teutoburger Wald (Bielstein)
Anm. gemeinsamer Multiplex für die Regionen OWL und Südwestfalen

Sendeparameter

Verwendet von (HD-Programme pro Mux) Modulations-
verfahren
Coderate FFT-Modus Guard-
intervall
Pilottöne Datenrate
[Mbit/s]
ZDF (5) 64-QAM 3/5 16k extended 19/128 Pilot Pattern 2 22,0
WDR Mux I (5) 64-QAM 1/2 16k extended 19/256 Pilot Pattern 2 19,5
WDR Mux II (5) 64-QAM 1/2 16k extended 19/128 Pilot Pattern 2 18,2

Analoges Fernsehen (PAL)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Umstellung auf DVB-T am 29. Mai 2006 diente der Sendestandort weiterhin für analoges Fernsehen.

Kanal Frequenz
(MHz)
Programm ERP
(kW)
Sendediagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
23 487,25 VOX 0,125 D H
26 511,25 ZDF 300 D H
54 735,25 NDR Fernsehen Niedersachsen 20 D H
57 759,25 WDR Fernsehen Bielefeld 300 D H

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise)
  2. Die große Richtfunkverbindungsstrecke vom Norden zum Süden auf fernsehmuseum.info, abgerufen am 7. Juli 2019
  3. Daten von homepage Senderfotos owl, abgerufen am 4. September 2012.
  4. Geschichte auf db0min.de, abgerufen am 7. Juli 2019
  5. Stadt Porta Westfalica: Fernsehturm Porta Westfalica. Abgerufen am 22. Mai 2016.
  6. Minden (Jakobsberg) auf tvhelfer.de, abgerufen am 7. Juli 2019
  7. UKW – das analoge Radio, Senderstandorte, Frequenzen und Programme auf wdr.de, abgerufen am 11. Juli 2019
  8. [1] PM Media Broadcast vom 26. August 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fernmeldeturm Jakobsberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien