Fernsehprediger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Joel Osteen, Lakewood Church
Der Guatemaltekische Prediger Cash Luna

Bei Fernsehpredigern, im christlichen Bereich auch Televangelisten (Kofferwort aus „Television“ und „Evangelist“) genannt, handelt es sich um Prediger, die das Massenmedium Fernsehen benutzen, um ihre Glaubensvorstellungen als Botschaften zu verbreiten.

Christentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charakteristikum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Sendungen von Fernsehpredigern bestehen aus religiösen Ansprachen mit Appellcharakter. Unterbrochen werden diese durch kommerzielle Werbeblöcke oder musikalische Darbietungen. Viele Televangelisten verweisen auf Wunder und bringen diese in Zusammenhang mit den Spenden der Gläubigen. Demnach wächst jedes Wunder aus einem Samen, als Grundmetapher des "Prosperity Gospel".[1]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordamerika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Aufkommen der Hörfunks in den Vereinigten Staaten in den späten 1920er Jahren folgten bald Übertragungen von Gottesdiensten. Christliche Missionare sahen im Radio die Möglichkeit, Menschen zum Christentum zu bekehren und gleichzeitig Gläubige mit Bibelauslegungen zu erreichen. Klassische Missionssender waren Family Radio WYFR, das Bible Broadcasting Network (BBN), HCJB in Quito, Ecuador, und andere. Bekannte Radioprediger waren Charles Edward Fuller, Herbert W. Armstrong (1892–1986) und Charles Coughlin.

Als das Fernsehen zunächst in den USA in den späten 1940er Jahren eingeführt wurde, folgten bald erste Missionssendungen. Pioniere waren Billy Graham, Rex Humbard (1919–2007),[2] Harold Camping und der römisch-katholische Bischof Fulton John Sheen.[3] In den 1960er bis 1980er Jahre gewannen die oft stundenlangen Programme der Televangelisten deutlich an Einfluss auf das religiöse Leben der USA. Bekannte Vertreter waren Pat Robertson, Jimmy Swaggart, Oral Roberts, Robert Schuller, Gene Scott, Jerry Falwell, Jim Bakker und Peter Popoff (die beiden letztgenannten wurden wegen Betruges bzw. finanzieller Unregelmäßigkeiten verurteilt). Im 21. Jahrhundert waren oder sind Ted Haggard, Joel Osteen, Benny Hinn, Marcus Lamb, John Hagee und Joyce Meyer (als eine der wenigen Fernsehpredigerinnen) besonders erfolgreich

Einige amerikanische Fernsehprediger besitzen selbst TV-Stationen (z. B. Christian Broadcasting Network, Daystar Television Network, Familyradio). Dadurch gelingt es ihnen, Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen, insbesondere im sogenannten Bible Belt. Durch kontinuierliche Spendenaufrufe sammeln sie erhebliche finanzielle Mittel.

Südamerika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Südamerika spielen pfingstlerische Fernsehprediger ebenfalls eine große Rolle und treten in Konkurrenz zur traditionell starken römisch-katholischen Kirche. Die bekanntesten Fernsehprediger in Brasilien sind Edir Macedo (Universal Church of the Kingdom of God), Silas Malafaia (Assemblies of God), Valdemiro Santiago (World Church of the Power of God), Ana Paula Valadão und André Valadão (beide Igreja Batista da Lagoinha). Der Kirchenchef und Unternehmer Edir Macedo besitzt mit RecordTV sein eigenes Sendernetzwerk in Brasilien.

Afrika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In afrikanischen Ländern sind Fernsehprediger nach US-amerikanischem Vorbild aktiv. Nigeria gilt als eines der Länder mit zahlreichen Freikirchen und Televangelisten. Chris Oyakhilome (Pastor Chris) betreibt mit seiner Christ Embassy drei Satelliten-Fernsehsender, die Aufnahmen seiner Predigten, Wunderheilungen und Teufelsaustreibungen in Nigeria, Südafrika und Großbritannien übertragen. Forbes schätzte sein Vermögen im Jahr 2011 auf 30 bis 50 Millionen US-Dollar[1]. Temitope Balogun Joshua ist ebenfalls mit seinem eigenen Fernsehkanal aktiv und laut Forbes der drittreichste Prediger Nigerias.

Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Europa ist das Phänomen des Fernsehpredigers wenig verbreitet, Fernsehsender wie Bibel TV, K-TV oder ERF Fernsehen erreichen täglich nur wenige zehntausend bis hunderttausend Zuschauer und agieren ferner weniger an die Person eines Predigers gebunden als vergleichbare Sender in den USA. Der polnische Fernsehsender TV TRWAM, der ebenso wie der Radiosender Radio Maryja von Tadeusz Rydzyk gegründet wurde, erreicht eine Einschaltquote von 0,15 %. Das Konzept der amerikanischen Fernsehformate übernimmt seit 1995 God TV. Das Netzwerk ist weltweit aktiv.

Islam[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Yusuf al-Qaradawi hat eine wöchentliche Sendung auf al-Dschasira. Bild im Januar 2018

In muslimischen Ländern werden die religiösen Sendungen von Predigern der salafistische Sunniten dominiert. Aber auch Schiiten oder Aleviten treten als “Televangelisten” auf. Einer der populärsten sunnitischen Gelehrten, der fast wöchentlich die Gelegenheit zu sprechen hat, ist Yusuf al-Qaradawi (al-Dschasira in der Sendung Asch-Scharia wa al-Haja). Sehr beliebt ist auch der Ägypter Amr Khaled (kein Gelehrter), der unter anderem bei dem Islam-Sender Iqra des Arab Radio and Television Network auftritt. Weitere Gelehrte sind u. a. 'Umar 'Abd al-Kafi und die Theologieprofessorin Suad Salih. Die Aufzeichnungen einiger Gelehrten werden auch auf CD, DVD oder MC vertrieben.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die US-Moderatorin Rachel Maddow hat eine Matrix von Fernsehpredigern und deren Vergehen erstellt.[4] Die Band Genesis kritisierte mit ihrem Lied „Jesus He Knows Me“ (1991, auf dem Album „We Can’t Dance“) das finanzielle Gebaren der Fernsehprediger, ebenso Iron Maiden mit dem Song "Holy Smoke" (1990 auf "No prayer for the dying"). Auch Frank Zappa thematisierte dies mit seinen Liedern "Jesus Thinks You're a Jerk", "Dumb All Over" und "Heavenly Bank Account".

Die Spielfilme Glory! Glory!, Salvation!, Pass the Ammo und Pray TV parodieren das Geschäft mit Fernsehpredigen. Die Kirche Our Lady of Perpetual Exemption war eine eingetragene Kirche, die vom Satiriker John Oliver gegründet worden war, um das Geschäft mit Fernsehpredigen zu kritisieren. Der Dokumentarfilm Marjoe entlarvt das Geschäft als Scharlatanerie.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Quentin J. Schultze: Televangelism and American Culture: The Business of Popular Religion. Wipf and Stock Publishers, Eugene 2003.
  • Pradip Ninan Thomas, Philip Lee (Hrsg.): Global and Local Televangelism. Palgrave Macmillan, New York 2012.
  • Steve Bruce: Pray TV. Televangelism in America. Taylor & Francis Group 2019.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Deutsche Welle (www.dw.com): Wohlstandsprediger: Das Geschäft mit dem Glauben | DW | 22.05.2017. Abgerufen am 4. Februar 2019 (deutsch).
  2. Nachruf (Memento vom 29. September 2007 im Internet Archive) bei CNN (archive.org)
  3. Famous Male Televangelists. Abgerufen am 4. Februar 2019 (englisch).
  4. Die Televangelist Infidelity Matrix