Fernspeisung

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Fernspeisung ist ein Begriff aus der Elektrotechnik. Er bezeichnet die Energieversorgung von entfernten Systemen (meist Verstärker, LNBs, Mess- oder Kommunikationsgeräte) über Leitungswege, die eigentlich der Signalübertragung dienen. Dabei wird ausgenutzt, dass das Nutzsignal als Wechselspannung übertragen wird. Die zur Energieversorgung überlagerte Gleichspannung hat keinen Einfluss auf das Nutzsignal. Das Signal wird an beiden Enden der Leitung über eine Kapazität (Kondensator) geführt. Dadurch wird eine Beschädigung der Signalübertragungskomponenten auf beiden Seiten verhindert.

In der allgemeinen Elektrotechnik wird hierfür auch häufig der Begriff Phantomspeisung als Synonym verwendet, das ist jedoch falsch. Die Phantomspeisung stammt aus der Tontechnik und weicht vom hier dargestellten Prinzip ab, indem eine dritte Ader für die Energieversorgung genutzt wird.

Einige Anwendungsbeispiele der Fernspeisung aus verschiedenen Gebieten der Elektrotechnik:

Computertechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Power over Ethernet-Technik kann unter anderem auch Fernspeisung zum Einsatz kommen. So kann man z. B. WLAN-Accesspoints und VoIP-Telefone über die Datenadern mit Energie versorgen.

Hochfrequenztechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich der Hochfrequenztechnik bezeichnet der Begriff Fernspeisung die Einspeisung einer Versorgungsspannung für ein aktives Element, zum Beispiel eine Antenne. Antennensignalverstärker an ungünstig gelegenen Stellen (Beispiele: Autoantenne, Kabelfernsehverstärker im Keller, Satellitenantenne auf dem Dach) werden über die Antennenleitung mit Energie versorgt. Die Versorgung kann dabei entweder vom Empfangsgerät oder von einem zwischengeschalteten Fernspeisegerät übernommen werden. Separate Einspeiseelemente werden in Anlehnung an die innere Schaltung als Bias-Tee bezeichnet.

Nachrichtentechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim analogen Telefon wird das Endgerät vom Amt über die zwei Sprechadern (fern-)gespeist; Schnurlostelefone und Modems machen davon keinen Gebrauch. Das unterscheidet diese von Ortsbatterie-gespeisten, sehr alten Telefonen und Feldtelefonen, deren deutlichstes Erkennungsmerkmal der Kurbelinduktor zur Erzeugung der Rufwechselspannung ist.

Bei ISDN-Teilnehmeranschlüssen werden der Leitungsabschluss (NTBA) und ggf. auch ein Endgerät über die Telefonleitung mit Energie versorgt.

Tontechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Kondensatormikrofon enthält immer auch einen Verstärker, der mit Energie versorgt werden muss. Anstelle einer Batterie im Mikrofon kann dafür die Phantomspeisung oder Tonaderspeisung eingesetzt werden.

Der Mikrofon-Anschluss eines Computers oder einer Soundkarte stellt eine für Elektretmikrofone ausreichende Speisespannung zur Verfügung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Görne: Tontechnik. 1. Auflage, Carl Hanser Verlag, Leipzig, 2006, ISBN 3-446-40198-9
  • Andres Keller:Breitbandkabel und Zugangsnetze. Technische Grundlagen und Standards, Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg 2011, ISBN 978-3-642-17631-9.
  • Erwin Hölzler, Dietwald Thierbach (Hrsg.):Nachrichtenübertragung. Grundlagen und Technik, Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg 1966.
  • Christian Diedrich:Profibus PA. Instrumentierungstechnologie für die Verfahrenstechnik, 2. Auflage, Oldenbourg Industrieverlag GmbH, München 2006, ISBN 978-3-8356-3056-7.
  • Otfried Georg:Telekommunikationstechnik. Handbuch für Praxis und Lehre, Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg 2000, ISBN 978-3-642-63105-4.
  • Wolf-Dieter Haaß:Handbuch der Kommunikationsnetze. Einführung in die Grundlagen und Methoden der Kommunikationsnetze. Springer Verlag, Berlin Heidelberg 1997, ISBN 3-540-61837-6.
  • H.H. Meinke, F.W. Gundlach:Taschenbuch der Hochfrequenztechnik. Band 3 Systeme, Springer Verlag, Berlin Heidelberg 1997, ISBN 978-3-540-54716-7.
  • Peter Welzel:Datenfernübertragung. Einführende Grundlagen zur Kommunikation offener Systeme, Friedrich Vieweg & Sohn Verlag, Wiesbaden 1986, ISBN 978-3-663-00129-4.