Fest-noz

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Fest-noz
Fest-noz

Fest-noz (fest = bretonisch für „gesellige Zusammenkunft mit Spiel und Tanz“ / noz = bretonisch für „Nacht“; Plural Festoù-Noz) ist der Name für volkstümliche Tanzveranstaltungen mit Tänzen aus der Bretagne, welche meist abends oder nachts stattfinden. Der Begriff wurde von Loeiz Ropars geprägt.

Das Fest-noz ist seit Dezember 2012 auf der Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO geführt.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Zusammenkunft „fest noz“ existierte nur in der bäuerlichen Tradition der Region Haute-Cornouaille (Carhaix, Huelgoat, Châteauneuf-du-Faou, Pleyben), welche sich in ihrer Art von den heutigen Tanztreffen unterschied (im Bretonischen heißt Fest ursprünglich „gouel“). Das bretonische „fest“ meint „Zusammenkunft, Gemeinschaft, Verbundenheit, Spaß“: Die Freude, zusammen zu sein nach gemeinsamer Arbeit (manchmal noch auf dem Hof selbst), auch zu einer Hochzeit, beim Singen, beim Tanzen und Wettspielen. Die Begleitung zum Tanz war das gemeinsame Singen (bzw. zwei Sänger im Kreis der Tänzer im Wechselgesang), keine Instrumente. Diese „Zusammenkunft“ in der alten Tradition war noch bis Ende der 1920er Jahre lebendig, in Maël Carhaix, Rostrenen sogar bis 1935, Ende der 30er dann verschwunden. Das „fest“ war nur noch eine Erinnerung, jedoch lebendig bei P. Huiban, R. Le Béon und Ropars selbst, welche als junge Animateure die bretonische Kultur ihrer Region wiederbeleben wollten und ihr in verschiedenen Aktionen Geltung verschafften. Am 30. Oktober 1955 fand das erste Mal ein Tanztreffen im „neuen Stil“ unter dem Titel „fest noz“ statt. Seit 1957 (im Rahmen des Festival de Cornouaille) hat sich der Titel „fest noz“ für das bretonische Tanz-Revival durchgesetzt. Loeiz Ropars stammt aus Poullaouen (Bretagne) und beeinflusst durch seine Arbeit maßgeblich das Revival der bretonischen Tänze und Sprache.

Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung Bal Folk verbreitet. Seltener als das Fest-noz ist das tagsüber veranstaltete fest-deizh.

Die Tänze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Besonderheit der bretonischen Tanzkultur im Vergleich zu den sprachlich verwandten keltischen Gebieten (Schottland, Irland, Wales) sowie im westeuropäischen Vergleich insgesamt steht mit dem Tanztyp der Reihen- und Kettentänzen in Verbindung: Tänze dieses Typs sind ansonsten in Westeuropa, anders als etwa in Südosteuropa, sehr selten (geworden), sie erfreuen sich hoher Popularität auf den Tanzfesten: Auf den Festoù-Noz können diese Tänze von bis zu über tausend Teilnehmern getanzt werden, was eine besondere Dynamik entwickeln kann, da zudem die bretonischen Tänze keine Betonung auf Tanzfiguren (wie die Contra-Tänze), sondern auf Schrittkombinationen haben, welche rhythmisiert sind. Je mehr Tänzer, desto erlebensreicher ist dieser rhythmische Akzent. Die Reihenform (also Tanznachbarn dicht an dicht) unterstützt dies.

Je nach Region und Musikgruppe wird eine Auswahl des bretonischen Tanzrepertoires getanzt. Einige bekannte bretonische Tänze heißen:

  • An-dro
  • Hanter-dro
  • Dañs Plin
  • diverse Gavotten (wie Dañs Fisel, Gavotte de Montagne und Kost ar c’hoat)
  • Suite de Loudéac
  • Rond de St-Vincent
  • La Ridée 6-temps / Laridé 8-temps
  • Kas a-barh
  • Maraîchine

Paartänze, wie Walzer, Mazurka, Polka oder Schottische werden beim Fest-Noz weniger bis gar nicht getanzt.

Die Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Musik, die beim Fest-Noz zu hören ist, teilt sich in zwei Typen auf:

Vokal 
Tanzmelodien werden dabei in der Form eines Wechselgesangs (Kan ha diskan nach Art des Call & response) gesungen, bei der sich entweder ein Sängerpaar (oder ein Vorsänger mit der Gruppe) beim Gesang abwechseln. Die Texte können in bretonischer oder französischer Sprache sein. Da der Kan ha diskan bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts hauptsächlich im Zentrum der westlichen Bretagne gepflegt wurde, einer Region, in der die bretonische Sprache am stärksten bewahrt wurde, sind viele Texte in bretonisch. Der Gesang ist heute auch tanzbegleitend in französischer Sprache zu erleben.
Instrumental 
Die traditionelle Instrumentierung in einigen Regionen ist ein Duo aus der bretonischen Schalmei (Bombarde) und dem bretonischen Dudelsack Binioù Kozh („alter Dudelsack“ = Dudelsack nach alter Art). Beide Instrumente haben die Eigenschaft sehr laut und durchdringend zu sein und können daher auch ohne elektrische Verstärkung zur Beschallung im Freien und zu mittelgroßen Tanzgesellschaften gut eingesetzt werden. Beide Instrumente spielen die meist traditionell überlieferten Titel auch im Stil des Kan ha diskan, wobei die Bombarde den Part des Vorsängers einnimmt.

Eine andere Möglichkeit ist die Kombination von Violine und Akkordeon, welche in wieder anderen Regionen während des 19. Jahrhunderts gepflegt wurde.

Das Wechselspiel zwischen den Sängern bzw. Instrumenten ist ein charakteristisches Merkmal, welches zur Dynamik der Stücke beiträgt und auch den Musikern regelmäßige kurze Erholungspausen (gerade beim Spiel der Bombarde) ermöglicht.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Folk-Revival der 1970er Jahre haben die Festoù-Noz überall in und außerhalb der Bretagne Zulauf. An Festivals, wie vor einigen Jahren in dem bretonischen Dorf Kerlouan (Nordküste), beteiligen sich alljährlich tausende Tanzbegeisterte.

Die Fest-Noz-Musik wurde in dieser Zeit weiterentwickelt. Nicht nur Einflüsse von Rock-, Jazz- und Popmusik wurden aufgenommen, sondern auch weltmusikalische Einflüsse aus dem arabischen Raum, dem Balkan, Afrika und Südamerika haben sich in der Fest-Noz-Musik eingegliedert. Zu den bekannten Namen der Fest-Noz-Musik gehören Skolvan, Carré Manchot, Karma, Bleizi Ruz, Kornog, Ar Re Yaouank, Hamon-Martin Quintett, Sonerien Du und Loened Fall. Auch in Deutschland gibt es die Möglichkeit, bretonisch zu tanzen (z. B. in Folkclubs) und zu den Konzerten einiger deutscher Livebands wie An Erminig.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jean-Michel Guilcher: La tradition populaire de danse en Basse-Bretagne. Nouvelle édition, augmentée d'illustrations et d'un avant-propos. Coop-Breizh u. a., Spézet u. a. 1995, ISBN 2-903708-59-2.
  • Yves Guilcher: La danse traditionnelle en France. D'une ancienne civilisation paysanne à un loisir revivaliste. FAMDT édition, Saint-Jouin-de-Milly 1998, ISBN 2-910432-17-3.
  • Corina Oosterveen: 40 bretonische Tänze. Mit ihrem kulturellen Hintergrund. Verlag der Spielleute Hofmann & Co. KG, Brensbach 1995, ISBN 3-927240-32-X (Dazu existiert eine Begleit-CD der Gruppe La Marmotte: Nous les ferons danser.).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fest-noz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. UNESCO Intangible Heritage Lists: Repräsentative Liste, RL=00707, englisch, abgerufen am 13. Dezember 2012.