Festspiele Mecklenburg-Vorpommern

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Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern sind ein sommerliches Musikfestival, das seit 1990 jährlich an Spielorten im ganzen Land Mecklenburg-Vorpommern stattfindet. Es ist eines der größten Festivals dieser Art in Europa.

Über 120 vorwiegend klassische Konzerte finden jährlich von Frühjahr bis Herbst an über 80 teils außergewöhnlichen Spielstätten statt, z.B. in Parks, Schlössern, Burgen und Gutshäusern, backsteingotischen Kirchen, Industriebauten und Scheunen.[1] Der zehntägige Festspielfrühling Rügen[2] im März sowie die Advents- und Neujahrskonzerte sind weitere wichtige Säulen des Festspieljahrs.

Bestritten wird das Festival von qualitativ hochwertigen und bekannten Künstlern. In den vergangenen Jahren waren etwa Daniel Hope, Hilary Hahn, Nigel Kennedy, Martha Argerich, Matthias Schorn, Anne-Sophie Mutter, Kent Nagano, Viviane Hagner, Igor Levit, Julia Fischer, Hélène Grimaud, Gustavo Dudamel und Janine Jansen zu Gast.

Im Festspielsommer 2017 wurde mit rund 82.000 Konzertgängern ein neuer Besucherrekord für das Festival aufgestellt.[3]

Gründungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1990 gründete Matthias von Hülsen die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Das Gründungskonzert fand im gleichen Jahr am 13. Mai im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin statt. Mitbegründer waren unter anderem Justus Frantz, Hasso von Senden, Irene Schulte-Hillen, Werner Stegemann, Pastor Michael Bunners, Pastor Pilgrim, Anneliese Hoge, Merten Drevs und Bärbel Kleedehn. Der Verein der Festspiele führte diese bis zum Jahr 1995 als Gründungsorganisation durch. Im selben Jahr wurde aus rechtlichen und organisatorischen Gründen eine Durchführungsgesellschaft (gGmbH) gegründet. Der Verein bleibt Besitzer des Logos, wird Förderverein der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern und unterstützt als „Festspielfreunde“ die Arbeit des gesamten Organisationsteams durch Anwerbung und Pflege von Mitgliedern, Beiratsarbeit und Akquisition von Spendengeldern.

Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Matthias von Hülsen war Geschäftsführer und künstlerischer Leiter bis September 2002. Am 1. Oktober 2002 wurde Sebastian Nordmann sein Nachfolger als Intendant bis zum 31. Dezember 2008. Am 1. Januar 2009 übernahm Matthias von Hülsen erneut die Gesamtleitung als geschäftsführender Intendant und leitete die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern bis zum 31. Dezember 2013. Seit dem 1. Januar 2014 ist Markus Fein geschäftsführender Intendant des Festivals, der bereits im November 2013 das erste von ihm zusammengestellte Programm vorstellte.

Programmreihen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Junge Elite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Programmreihe „Junge Elite“ treten jedes Jahr junge Künstler auf. Seit 1995 ist die Reihe tragende Säule des Festspielprogramms. Am Ende der Saison erhalten drei junge Künstler der Reihe „Junge Elite“ die Festspielpreise „WEMAG-Solistenpreis“, „BMW-Publikumspreis“ und „NORDMETALL-Ensemblepreis“. 2016 wurde erstmals der „Christine Kühne-Preis“ verliehen. Die Preisträger kehren dann in den folgenden Jahren zurück und geben Preisträgerkonzerte.

Musik aus MV[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2005 präsentieren die Festspiele in der Reihe „Musik aus MV“ einerseits das kulturelle Erbe des Landes, andererseits Ensembles aus Mecklenburg-Vorpommern, die sie meistens in Kombination mit Festspielpreisträgern oder anderen Künstlern einladen, darunter die Norddeutsche Philharmonie Rostock, das Landesjugendorchester MV, das Landesjugendjazzorchester MV und viele mehr. Ein wichtiger Teil der „Musik aus MV“ ist die Musiktradition des Hofes zu Ludwigslust am Ende des 18. Jahrhunderts. In mehreren Konzerten – vom Kammerkonzert bis zum Chor-Orchesterkonzert – wird das Kulturleben dieser Zeit mit einem „Fest für die Ludwigsluster Klassik“ wiederbelebt.

Unerhörte Orte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Konzertreihe „Unerhörte Orte“ fand 2015 zum ersten Mal statt. Sie bietet architektonische und musikalische Entdeckungsreisen und präsentiert Musik an ungewöhnlichen Orten. An Spielstätten, in denen zumeist noch nie klassische Musik erklang, erleben die Besucher Konzertprogramme, die unmittelbar auf die Besonderheiten der Orte eingehen und deren Geschichte in sensibler Weise beleuchten. Gespräche und Führungen zu den Orten ergänzen das musikalische Programm.

Sommercampus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2005 führen die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit der Hochschule für Musik und Theater Rostock die Konzerte des Sommercampus durch. Das Besondere ist, dass die Studenten hier im Rahmen der Internationalen Meisterkurse die Möglichkeit haben, nicht nur von renommierten Dozenten zu lernen, sondern auch eine Woche lang mit einem professionellen Orchester zu proben und im Rahmen der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern zu konzertieren. Nach vielen Jahren mit der Polnischen Kammerphilharmonie unter ihrem Chefdirigenten und Gründer Wojciech Rajski, wurde der Sommercampus 2015 erstmals von der Norddeutschen Philharmonie Rostock, ebenfalls unter Leitung von Wojciech Rajski, begleitet.

„360°...“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2014 gibt es zahlreiche neue, vom Intendanten Markus Fein konzipierte Programmreihen. Dazu gehören unter anderem die dreitägigen Reihen „360°...“ und die „Pavillons der Jahrhunderte“, die sich jedes Jahr einer neuen Gattung bzw. unterschiedlichen Epochen widmen. „360°...“ findet rund um Schloss Ulrichshusen statt und drehte sich bereits um das Streichquartett (2014, mit dem Artemis Quartett, dem Belcea Quartet u. a.), die Viola (2015, mit Nils Mönkemeyer u. a.), das Klavier (2016, mit Igor Levit) und das Schlagzeug (2017, mit Alexej Gerassimez).

„Pavillons der Jahrhunderte“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Pavillons der Jahrhunderte“ nehmen jeweils eine Epoche in den Fokus: Beleuchtet wurden bislang die Romantik und die Wiener Klassik (2014), die Zukunft und das Jahr 1808 (2015), die Moderne u. a. mit Kent Nagano und der Barock mit der Akademie für Alte Musik Berlin (2016) und zuletzt das Mittelalter mit dem Ensemble amarcord (2017).

Weitere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Programmreihen der Festspiele waren und sind beispielsweise „Landpartie“, „Orchesterkonzerte“, „Bothmer-Musik“ sowie „Mäck & Pomm – Das Kinder- und Familienprogramm“.[4]

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern verleihen verschiedene Preise an die herausragendsten Künstler der Saison sowie für die innovativste Spielstätte.

  • Der WEMAG-Solistenpreis wird von den Festspielen gewählt und ist mit 5.000 € dotiert. Er wird seit 2008 von der WEMAG ermöglicht.
  • Der BMW-Publikumspreis geht an einen vom Publikum ausgewählten Künstler oder Ensemble und ist mit 5.000 € dotiert. Er wird seit 2016 von BMW ermöglicht.
  • Der NORDMETALL-Ensemblepreis ist für das beste Ensemble der jungen Talente und wird mit 10.000 € dotiert.
  • Der Christine Kühne-Preis geht an herausragende Nachwuchstalente und ist mit 10.000 € dotiert. Er wird von der Klaus-Michael Kühne Stiftung ermöglicht.
  • Der Nordkurier-Spielstättenpreis geht an den besten Veranstaltungsort und ist mit 5.000 € dotiert. Der Preis wird vom Nordkurier gestiftet.[5]

Solistenpreisträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ensemblepreisträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikumspreisträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christine Kühne-Preisträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spielstättenpreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preisträger in Residence[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 2006 ehren die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern jedes Jahr einen ganz besonders herausragenden Künstler mit dem Titel „Preisträger in Residence“. Dieser Künstler ist sowohl als Solist bei unterschiedlichen Konzerten zu erleben als auch in Kammermusikprojekten wie dem Preisträger-Projekt und dem Friends-Projekt, die er selbst gestaltet. Die Residence gibt dem jeweiligen Künstler die Möglichkeit, Wunschprojekte zu realisieren, zu denen er auch andere Künstler einladen kann. Somit hat er einen künstlerischen Einfluss auf die Programmgestaltung der Saison.

Der erste Preisträger in Residence 2006 war der britische Geiger und ECHO-Klassik-Gewinner Daniel Hope, der bereits seit 1997 zu den Preisträgern der Festspiele gehörte. Im folgenden Jahr war die deutsche Violinistin Julia Fischer Preisträgerin in Residence. Sie spielte bereits im Alter von 13 Jahren eines ihrer ersten Konzerte im Rahmen der Festspiele MV. Im Jahr 2008 war der deutsche Cellist Daniel Müller-Schott Preisträger in Residence. Er war der erste Solisten-Preisträger der Festspiele MV nach Gründung der internationalen Kammermusikreihe „Junge Elite“ 1995 und seitdem jedes Jahr Gast der Festspiele. Als vierte Preisträgerin in Residence präsentierte die Geigerin Viviane Hagner 2009 in 13 Konzerten ihr breites musikalisches Repertoire. Es folgten der ungarische Trompeter Gábor Boldoczki (2010), der chinesische Cellist Li-Wei Qin (2011), die Geigerin Veronika Eberle (2012), der österreichische Klarinettist Matthias Schorn (2013) und der Pianist Igor Levit (2014). 2015 war mit dem französischen Streichquartett Quatuor Ebène erstmals ein Ensemble als Preisträger in Residence zu erleben. Zuletzt prägten die norwegische Geigerin Vilde Frang (2016) und der deutsche Schlagzeuger Alexej Gerassimez (2017) das Programm. 2018 kommt diese Ehre Kit Armstrong zuteil.

Spielorte und Spielstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispielhaft einige Festspielorte nach Regionen, die durch das Festival bereits bespielt wurden:[6]

Mecklenburgische Seenplatte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordwestmecklenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rostock und Landkreis Rostock[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurhaus in Heiligendamm

Schwerin und Ludwigslust-Parchim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorpommern-Greifswald[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Zinzow

Vorpommern-Rügen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außerhalb von MV[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Spielstätten der Festspiele MV, abgerufen am 4. Oktober 2017
  2. Festspielfrühling Rügen, abgerufen am 4. Oktober 2017
  3. NDR Radiophilharmonie beschließt Festspiele MV, abgerufen am 4. Oktober 2017
  4. Programmschwerpunkte, abgerufen am 4. Oktober 2017
  5. Spielstättenpreis geht nach Mestlin, abgerufen am 4. Oktober 2017
  6. Spielstätten der Festspiele MV, abgerufen am 4. Oktober 2017