Festung Düsseldorf

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Die Festung Düsseldorf war ein seit dem Mittelalter mehrfach erweitertes Befestigungswerk, das die Stadt Düsseldorf bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts schützte.

Erste Fortifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Düsseldorf um 1288

Nach der gewonnenen Schlacht von Worringen 1288 suchte Graf Adolf V. von Berg nach Wegen, seine Macht am Rhein zu festigen. Er erhob Düsseldorf zur Stadt und ließ sie mit einem Ringwall, Doppelgraben und einem Palisadenzaun befestigen. Ursprünglich umfasste die Wehranlage ein nur 38 000 m² großes Stadtgebiet, wobei die Burg der Grafen von Berg in dieser Phase noch außerhalb der Umwehrung lag und selbst nur durch einen Wassergraben bewehrt war, der von der Düssel gespeist wurde. Die Holz-Erde-Anlage wurde später sukzessive durch eine Stadtmauer ersetzt. Überregional wirtschaftende Handwerker und Händler siedelten sich jedoch kaum an. Hier war die Konkurrenz der benachbarten international agierenden Handelsstädte Köln und Duisburg zu mächtig. Auch machte das 1259 von Konrad von Hochstaden gewährte Kölner Stapelrecht den Standort Düsseldorf für Händler unattraktiv. So bestand die Bevölkerung der jungen Stadt anfangs vor allem aus Bauern, die die umgebenden Felder bewirtschafteten. Der bürgerliche Mittelstand wurde in dieser Zeit vornehmlich aus gräflichen Beamten gebildet. Nach dem Tode Graf Adolfs V. ließ das Interesse des Hauses Berg am Ausbau und der Befestigung Düsseldorfs nach. Das Haus Berg nutzte mal Altenberg, mal Bensberg und mal Schloss Burg an der Wupper als gräfliche Residenz. Dennoch prosperierte Düsseldorf stetig.

Zweite und dritte Stadterweiterung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon in den folgen Jahrzehnten erwies sich das Stadtgebiet für die rasch größer werdende städtische Bevölkerung als zu klein. Im 14. Jahrhundert expandierte die Stadt nach Osten, wo ab 1335 eine aufblühende Vorstadt entstand.[1] Im großen Abendländischen Schisma hatte Wilhelm II. von Berg die Seite von Papst Urban VI. unterstützt. Hierfür erhob ihn König Wenzel 1380 in den Herzogstand. Als Herzog Wilhelm I. von Berg wählte er Düsseldorf zur Residenzstadt und forcierte dessen Ausbau und Befestigung. Bereits 1384 wurde die östliche Vorstadt in den zweiten Mauerring einbezogen. Mit der Residenzwahl hatte Wilhelm I. Düsseldorf noch 1380 zur Münz- und Zollstätte erhoben und so einen Konflikt mit dem Erzbistum Köln ausgelöst, das den alleinigen wirtschaftlichen Machtanspruch auf den Rheinlauf zwischen Andernach bis Rees inklusive des Leinpfads erhob. Ab 1394 wurde Düsseldorf nochmals nach Süden beträchtlich ausgebaut. Am Ende des 14. Jahrhunderts zählte Düsseldorf 2100 Einwohner. Davon lebten 1200 Einwohner innerhalb der Stadtmauern. Auch die Süderweiterung wurde bald darauf von einer Mauer umzogen. Damit wurde eine Fläche von etwa 225 000 m² eingefasst.[2] Bis 1908 sollte diese Stadtgrenze Bestand haben. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts war Düsseldorf über fünf Haupttore zu betreten. Namentlich waren das das Ratinger, das Flinger-, das Berg-, das Rhein- und das Zolltor. Zusätzlich gesichert wurde die Umwehrung durch eine heute nicht mehr bekannte Anzahl von Türmen. Die Ecktürme wiesen einen quadratischen Grundriss auf, während die Seitentürme einen halbrunden Grundriss hatten, der stadtseitig offen war.

Bastionärer Ausbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Einführung von Pulverwaffen im 14./15. Jahrhundert waren die konventionellen mittelalterlichen Befestigungswerke aus Türmen, Toren und Mauern rasch veraltet. Düsseldorf versuchte schon im 15. Jahrhundert, seine Stadtmauer durch vorgelagerte Erdwerke behelfsmäßig zu schützen.[3] 1511 ist das erste Bollwerk, vermutlich ein Rondell, urkundlich bezeugt.

Zwischen 1538 und 1543 war Düsseldorf die Hauptstadt der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg. Drohende Auseinandersetzungen mit dem deutschen Kaiser Karl V. um Erbansprüche auf das Herzogtum Geldern veranlassten Johann III., Herzog von Jülich-Kleve-Berg, mit dem Ausbau der Stadt zur Festung zu beginnen. Folglich beschloss der Düsseldorfer Landtag bereits 1538 den Status der Stadt als Landesfestung.[4] In der ersten Phase wurden rasch weitere Rondelle an Stelle der Türme vor die mittelalterliche Stadtmauer gebaut, die dann sukzessive durch moderne Bastionen ersetzt wurden. Es entstanden neben der Bastion Elisabeth Augusta am Eiskellerberg noch die Mühlen-, auch die Friedrichs- oder Fridericusbastion am Friedrichsplatz, die Flingerbastion sowie die Berger Bastion am Carlsplatz. Nach Vorbild der Festung Jülich wurde ebenfalls noch in der ersten Ausbauphase im Süden der Stadt eine Zitadelle angelegt, die ein repräsentatives Schloss in deren Zentrum haben sollte, zunächst jedoch als einfaches, von einem Trockengraben umwehrtes Erdwerk ausgeführt wurde. Auch nach der Niederlage des Hauses Jülich-Kleve-Berg gegen Karl V. ging der Festungsausbau ungemindert weiter. Um 1570 geriet der Ausbau aus finanziellen Gründen ins Stocken und wurde zunächst eingestellt. Die Befestigungsanlage verfiel zunehmend und erfüllte nur noch unzureichend ihre Funktion. Erst 1590 waren wieder Geldmittel für die Instandhaltung und den weiteren Ausbau vorhanden, die Maßnahmen kamen aber nur unzureichend in Gang.

Düsseldorf im Jahre 1609

Die Festung Düsseldorf im Dreißigjährigen Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der steigenden Gefahr durch politische Unruhen in der Region wurden die Befestigungsanlagen stetig verbessert.[5] Nachdem Herzog Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg durch den Vertrag von Xanten im November 1614 mit dem Herzogtum Berg auch Düsseldorf zugesprochen bekommen hatte, forcierte er den weiteren Ausbau der Festung. Während des Dreißigjährigen Krieges und des Niederländischen Freiheitskriegs blieb Düsseldorf neutral. Dennoch kam die Stadt 1630 unter schweren Beschuss, da in Düsseldorf spanische Soldaten einquartiert waren. Herzog Wolfgang Wilhelm gelang es, weiterhin die Neutralität zu bewahren, indem er den Abzug der Spanier und die Schleifung anderer Festungen im Herzogtum zusagte. Düsseldorf behielt seine Festungsanlagen und baute diese weiter aus. Im Schwedenkrieg forderte die kaiserliche Seite Wolfgang Wilhelm 1634 auf, seine Neutralität aufzugeben. Im Gegenzug sollte Düsseldorf von den Spaniern Mittel erhalten, seine Festung weiter zu verstärken. Das betraf besonders den Bau eines linksrheinischen Forts. Einen Rückschlag erfuhr der Ausbau noch im selben Jahr, als ein Blitz den Pulverturm zerstörte. Bei der Explosion wurden neben zahlreichen Häusern auch die Kirche St. Lambertus und das Düsseldorfer Schloss in Mitleidenschaft gezogen.[6] Da die umgebenden Orte und Ackerflächen am Niederrhein und im Bergischen Land weitgehend von durchziehenden Truppen und marodierenden Banden verheert worden waren, suchten immer mehr Flüchtlinge Schutz in der Festung Düsseldorf. Durch den plötzlichen Bevölkerungszuwachs durch die Flüchtlinge und durch einquartierte Garnisonen kam es zu Versorgungsengpässen für die Menschen innerhalb der Mauern, zumal durch die zerstörte landwirtschaftliche Infrastruktur kaum noch Lebensmittel in die Stadt gelangten. Mehrfach brachen Seuchen aus. Der Graben der um 1641 fertiggestellten Zitadelle in der Südstadt wurde benässt. Zudem erhielt sie zwei Bastionen zur Neustadt hin: die Bastionen Diemantstein am Spee’schen Graben sowie St. Thomas, in die das Haus des Gouverneurs integriert wurde. Auch der Rheinhafen (heute Schulstraße) bekam mit der Spee’schen Bastion ein modernes Festungswerk. In diesem Rahmen erfolgte auch der Ausbau der Bastionen Elisabeth Augusta und Fridericus sowie der Flinger und der Berger Bastion. Zwischen die Bastionen wurden in das Grabenwerk Ravelins gebaut und zusätzliche Gräben angelegt. Am Rheinufer und vor den Bastionen entstanden vorgelagerte Lünette.

Barocke Residenzfestung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1758 Düsseldorf, Plan der Stadt mit den Festungsbauten, der Extension und dem linksrheinischen Brückenkopf

Der im Rheinland unter dem Namen Jan Wellem bekannte Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz wählte bei seinem Amtsantritt 1690 Düsseldorf als neue Residenz, da er in Düsseldorf aufgewachsen war und das Heidelberger Schloss im Jahr zuvor von den Truppen Ludwig XIV. zerstört worden war. Jan Wellem plante die Modernisierung Düsseldorfs zur barocken Residenzstadt und ließ seinen Festungsbaumeister Michael Cagon Pläne für einen massiven Ausbau (Extension) der Festung entwickeln. Zunächst ließ er die bestehenden Festungswerke grundlegend modernisieren. Auf dem linken Rheinufer, im Einflussbereich von Kurköln, ließ er das Fort Düsselburg errichten, das jedoch erhebliche Baumängel aufwies und im Februar 1716 bei einem Rheinhochwasser mit Eisgang irreparabel beschädigt wurde. Im selben Jahr verstarb Jan Wellem, dessen Pläne für eine große Extension, die bogenförmig von der Flinger Bastion zum Rheinufer verlaufen sollte, konnten nun nicht mehr verwirklicht werden. Wellems Bruder Karl III. Philipp von der Pfalz verlegte seine Residenz von Düsseldorf nach Mannheim. Aufgrund einer drohenden Auseinandersetzung mit Preußen ließ er dennoch die Düsseldorfer Festung zwischen 1733 und 1739 von Festungsdirektor Fremelle weiter verstärken. Gegenüber den ursprünglichen Plänen Jan Wellems fiel der Ausbau jedoch deutlich minimierter aus. Der weiterhin als „Extension“ bezeichnete Ausbau schuf eine befestigte Linie, die die älteren Festungswerke an der Ecke Königsallee/Königsstraße mit der Zitadelle in der Südstadt verband. Es entstanden vier neue Werke, die Bastion Christianus zwischen der Bazar- und der Grabenstraße, weiterhin die Bastion Anna an der Ecke Benrather- und Kanalstraße, die Bastion Petrus an der Ecke Königsallee und Karl-Theodor-Straße sowie die Bastion Paulus an der Kasernenstraße. Eine kleine Brücke, das sogenannte Stadtbrückchen, verband die Bastionslinie mit der Stadt. Zwischen der Extension und der Zitadelle entstand eine Reihe weiterer kleinerer Werke. Durch die Extension hatte der nördlich gelegene, ältere Festungsabschnitt zwischen der Flinger- und der Bergerbastion seine fortifikatorische Bedeutung eingebüßt. Statthalter Graf Johann von Goltstein ließ diesen Abschnitt schleifen, um Platz für die neue Carlstadt zu schaffen.

Schleifung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Contregardeabschnitt der Festung Düsseldorf im Hof des Schumannhauses Düsseldorf während einer Ausgrabung

Nach dem Frieden von Lunéville 1801 wurde Düsseldorf zusammen mit den seit 1794 besetzten linksrheinischen Gebieten dem französischen Staatsgebiet zugeschlagen. Damit verlor der Düsseldorfer Festungsring seinen fortifikatorischen Nutzen und wurde bis 1811 niedergelegt. Auf der freiwerdenden Fläche erbaute der Gartenarchitekt Maximilian Friedrich Weyhe ab 1803 den neuen Hofgarten. Einige nach der Schleifung übrig gebliebene Festungselemente verschwanden im Laufe des 19. Jahrhunderts aus dem Stadtbild, kommen bei Tiefbauarbeiten jedoch immer wieder zu Tage.

Denkmalpflege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bereich der Festung Düsseldorf ist ein Bodendenkmal nach dem Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler im Lande Nordrhein-Westfalen als das Bodendenkmal D 17 in die Denkmalliste der Stadt Düsseldorf eingetragen. Tiefbauarbeiten in diesem Bereich müssen archäologisch begleitet werden und sind an die Denkmalbehörden zu melden.

ArcheoPoint[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zugang zum ArcheoPoint im U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee

Bei archäologisch begleiteten Großbauprojekten konnte die Festung Düsseldorf an zahlreichen Stellen in der Düsseldorfer Innenstadt von Archäologen untersucht und dokumentiert werden. Besonders beim Bau der Wehrhahn-Linie oder dem Umbau des Kö-Bogens wurden erhebliche Abschnitte des Bodendenkmals unwiederbringlich zerstört. Als Ausgleichsmaßnahme war bereits zu Beginn des U-Bahnbaus der Erhalt beispielhafter Festungsteile geplant worden. Dazu wurden während der Bauarbeiten aussagekräftige Festungselemente transloziert und in einem eigens eingerichteten Schauraum, dem ArcheoPoint, im U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee unter dem Zugang Königsallee ausgestellt. Der mit einem Kostenaufwand von etwa 1.5 Millionen Euro errichtete Ausstellungsraum wurde am 11. September 2016 eröffnet. Die Dauerausstellung kostet keinen Eintritt und ist täglich von 10 bis 18 Uhr zugänglich.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Architekten- und Ingenieurverein Düsseldorf (Hrsg.): Düsseldorf und seine Bauten, Düsseldorf 1904.
  • Cordula Brand, Arne Schmidt-Hecklau, et al.: Bastionsmauer "unterm Deckel" auf dem Gelände des Breidenbacher Hofes in Düsseldorf, in: Archäologie im Rheinland 2006, Stuttgart 2007, 191–193.
  • Melanie Eigen, Andreas Kupka: Großbauprojekt Stadtbahn Wehrhahnlinie in Düsseldorf – Bastionsohr in der Grube, in: Archäologie im Rheinland 2014, Stuttgart 2015, 201–203.
  • Dirk Herdemerten et al.: Vermutet und gefunden: Reste der neuzeitlichen Befestigung in der Düsseldorfer Königsallee, in: Archäologie im Rheinland 2003, Stuttgart 2004, 170–171.
  • Andreas Kupka: U-Bahn-Archäologie in Düsseldorf. In: Archäologie im Rheinland 2008, Stuttgart 2009, 154–155.
  • Andreas Kupka, Martin Voller-König: "ArcheoPoint" – ein archäologischer Schauraum zur Festungsgeschichte Düsseldorfs. In: Archäologie im Rheinland 2016, Stuttgart 2017, 242–244.
  • Christian Ihde, Andreas Kupka, Iris Reuter: Großbaustellen-Archäologie in Düsseldorf, in: Archäologie im Rheinland 2010, Stuttgart 2011, 200–202.
  • Edmund Spohr: Düsseldorf. Stadt und Festung, Düsseldorf 1978.
  • Edmund Spohr: Die städtebaulichen Konsequenzen der Schleifung der Festung Stadt Düsseldorf, in: Deutsche Gesellschaft für Festungsforschung e.V. (Hrsg.), Das Ende der Festungen. Aufgelassen – geschleift – vergessen?, Festungsforschungen Bd. 1, 76–115.
  • Heinrich Walgern: Die Königsallee in Düsseldorf in: Udo Mainzer (Hrsg.), Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege, Bd. 29, Köln/Kevelaer 1983, 153–170.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Lau: Geschichte der Stadt Düsseldorf. Von den Anfängen bis 1815, 2. Düsseldorf 1921. S. 11, Nr. 22.
  2. Spohr 1978. S. 18.
  3. Hugo Weidenhaupt: Düsseldorf. Band 1, Düsseldorf 1988. S. 193.
  4. Spohr 1978. S. 24.
  5. Spohr 1978. S. 32.
  6. Spohr 1978. S. 32.
  7. Kupka 2017. S. 242–244.