Festung Europa

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Festung Europa (englisch fortress Europe) war während des Zweiten Weltkriegs der von Joseph Goebbels etablierte und den Nationalsozialisten genutzte Begriff für den vom Deutschen Reich besetzten Teil Europas.[1] Seit den 1990er Jahren wird er in kritischer Absicht verwendet, um die Abschottungspolitik der EU insbesondere beim Asyl- und Einwanderungsrecht zu beschreiben.[2][3][4] In diesem kritischen Sinne nutzen ihn unter anderem Journalisten,[5] Politikwissenschaftler sowie politische Aktivisten aus dem No Border Netzwerk, von Amnesty International[6] sowie der Initiative Pro Asyl,[7] aber auch die Bundeszentrale für Politische Bildung.[8] Im Jahr 2003 brachte die britische Musikgruppe Asian Dub Foundation eine Single mit dem Titel „Fortress Europe“ heraus, deren Liedtext fordert: „Tear down the walls of fortress europe.“[9]

In jüngerer Zeit wird der Begriff vermehrt von Vertretern rechtspopulistischer, rechtsradikaler und rechtextremistischer Parteien und Gruppierungen verwendet - in explizit affirmativer Weise als Forderung nach dem Ausbau europäischer Grenzsicherungsmaßnahmen.[10][11][12] Im Zuge der Flüchtlingskrise in Europa 2015 wurde der Begriff unter anderem von Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner verwendet, um ein zukünftiges, strikteres Sicherungssystem an den Außengrenzen der Europäischen Union zu beschreiben.[13] Festung Europa ist auch der Name einer islamfeindlichen Bewegung aus dem Umfeld von Pegida.[14] Sie wurde am 23. Januar 2016 in Prag gegründet. Ihre Sprecherin ist Tatjana Festerling, ihr Manifest die Prager Erklärung. Die Initiative unterstützt rechtsextreme Milizen an der bulgarischen Außengrenze.[15] Im Juni 2018 stellte der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder in einem Gastbeitrag für die die Zeitung Die Welt fest: „Früher war der Begriff 'Festung Europa' nur negativ besetzt. Das ändert sich. Die Bürger wollen heute ein sicheres Europa, das ihre kulturelle Identität schützt. Europa muss endlich wieder in der Lage sein, sich besser vor den Veränderungen und Wirren der Welt zu schützen.“[16]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stichwort Festung Europa, in: Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus. 2. Aufl., Berlin : Walter de Gruyter, 2007, S. 232f
  2. Basso-Sekretariat Berlin (Hrsg.): Festung Europa auf der Anklagebank: Dokumentation des Basso-Tribunals zum Asylrecht in Europa. Westfälisches Dampfboot, Münster 1995.
  3. Nicholas Busch: Baustelle Festung Europa: Beobachtungen, Analysen, Reflexionen. Drava, Klagenfurt 2006.
  4. Corinna Milborn: Gestürmte Festung Europa. Einwanderung zwischen Stacheldraht und Ghetto. Das Schwarzbuch. Styria, Graz 2006.
  5. Festung Europa, Bundeszentrale für politische Bildung
  6. "Festung Europa" | Amnesty International. Abgerufen am 6. Juli 2018.
  7. Festung Europa. (proasyl.de [abgerufen am 23. Juni 2018]).
  8. Bundeszentrale für politische Bildung: Festung Europa | bpb. Abgerufen am 7. August 2018.
  9. Asian Dub Foundation - Fortress Europe Songtext. Abgerufen am 6. Juli 2018.
  10. Bezahldienst PayPal friert Konto der Identitären ein. In: Der Tagesspiegel Online. 14. Juni 2017, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 6. Juli 2018]).
  11. Volksstimme Magdeburg: AfD will Festung Europa. Abgerufen am 6. Juli 2018.
  12. n-tv Nachrichten: Weniger Teilnehmer kommen als erwartet. In: n-tv.de. (n-tv.de [abgerufen am 6. Juli 2018]).
  13. APA, red:"Tausende Flüchtlinge kamen in der Nacht aus Kroatien nach Slowenien" derstandard.at vom 23. Oktober 2015
  14. Christian Jakob: Neues rechtsextremes Bündnis in Dresden: Zittern vor Wut. In: Die Tageszeitung: taz. 4. Oktober 2016, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 6. Juli 2018]).
  15. Christian Jakob: Rechtsextreme Milizen in Bulgarien: Auf Flüchtlingsjagd. In: die tageszeitung. 8. April 2016 (taz.de [abgerufen am 28. August 2016]).
  16. 9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.06.2018 - Perlentaucher. Abgerufen am 23. Juni 2018.