Festung Franzensfeste

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Festung Franzensfeste

Die Franzensfeste in der Gemeinde Franzensfeste im heutigen Südtirol (Italien) wurde von 1833 bis 1838 unter Kaiser Ferdinand I. erbaut und nach Kaiser Franz I. von Österreich, dem Monarchen der Planungsphase, benannt. Sie sollte die wichtige transalpine Verkehrsverbindung durch das Wipptal über den Brenner nach Norden sichern. Sie gilt als einziges reines Beispiel der neupreußischen Befestigungskunst auf k.-u.-k.-österreichischem Boden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Festung, Detail
Garnisonskirche

1832 wurde Ingenieurgeneralmajor Franz von Scholl mit dem Entwurf beauftragt. Die Bauleitung erhielten Oberstleutnant Karl von Martony und die Hauptleute Magdlich von Magddenau und Lazarus von Manula. Am 17. Juni 1833 wurde der Präsidialerlass zum Bau unterzeichnet.

Die Bauphase war äußerst kostenintensiv. Das größte Problem war die Materialbeschaffung. Lehm und Kalk konnten aus der näheren Umgebung herangeschafft werden. Das Granitvorkommen bei Spinges reichte jedoch nicht aus und so griff man auf Granit zurück, das aus Terenten im mittleren Pustertal herbeigeschafft werden musste. Je nach Jahreszeit waren zwischen 3200 und 4600 Mann am Bau tätig. Die Barackenlager zogen sich bis nach Sterzing hoch und sie wurden von Ruhrepidemien heimgesucht. Letztlich kostete der Bau schätzungsweise 2,6 Millionen Gulden, was zum Teil in der Verwendung des teuren Granits begründet lag. Aufgrund des Preises soll Kaiser Franz I. zynisch gesagt haben, er habe eine Festung aus Silber anzutreffen erwartet.[1]

Zur Einweihung am 18. August 1838 erschienen Kaiser Ferdinand I., Erzherzog Johann von Österreich, Graf Friedrich von Wilczek, Fürstbischof Bernhard Galura, 4000 Mann der Tiroler Landstände, 700 Tiroler Landesschützen sowie einige Veteranen aus der Zeit des Tiroler Freiheitskampfes.[1]

Die Anlage kam nie in die Situation, sich als „unüberwindbare Alpenfestung“ zu beweisen, wie sie Erzherzog Johann konzipiert hatte. Eine Friedensbesatzung zog erst 1846 ein. Für sie wurde eine bombensichere Garnisonskirche im neugotischen Stil errichtet, vor deren Eingang zwei Standbilder von Radetzky und Heß standen. Als Erzherzog Johann 1848 in Frankfurt zum deutschen Reichsverweser gewählt wurde, gab er seinen Posten als Generalgeniedirektor ab, und die Franzensfeste verlor ihren größten Gönner.[1]

Das Bauwerk mit seinem eingeschlossenen Militär-Haltepunkt (Bahnhof) wurde nie in kriegerische Ereignisse verwickelt. Es sollte ursprünglich mit 90 Geschützen bestückt werden und konnte im Kriegsfall eine Garnison von 1000 Mann aufnehmen. Im Frieden reichten 70 Soldaten für den Betrieb. Der Höhenbereich mit in den Felsen gebauten Kavernen diente der Lagerung der Munition und dem Bestreichen der Verkehrswege mit Geschützen. Im Talbereich wurden die Kasernen untergebracht. Eine in den Felsen gebaute gedeckte „ewige Stiege“ führte mit 433 Stufen von den Talwerken zu den Höhenwerken.

Im Jahr 1889 wurde auf der Franzensfeste ein kleiner Obelisk aufgestellt, der einen geodätischen Fixpunkt markiert. An dieser Stelle treffen ein Breitengrad und ein Meridian aufeinander. Die Urmarke liegt auf 736,4520 Meter über Adria.[2]

Am 7. November 1918 besetzten bayerische Truppen die Festung. Sie zogen jedoch bereits am 11. November 1918 wieder ab.[3]

Nach 1930 wurden von der italienischen Armee rund um die Festung neue moderne kleine Bunkeranlagen gebaut, um die Sperre zu verstärken. 1939 erfolgte der Baubeginn des unmittelbar an die Festung heranreichenden Franzensfester Stausees. Ab 1940 wurde am nahe gelegenen Ochsenbühel eine neue unterirdische Großfestung erbaut, die die Franzensfeste ablösen sollte. Jedoch wurde ab 1942 der Festungsbau aufgrund der politischen Entwicklung ganz aufgegeben. Die deutsche SS soll die Festungen noch als Depot für Raubgüter genutzt haben. Um die Festung ranken sich Gerüchte um tatsächlich erfolgte Goldtransporte der italienischen Nationalbank im Zweiten Weltkrieg.

Ab 19. Juli 2008 war die Festung einer von mehreren Schauplätzen der europäischen Biennale für zeitgenössische Kunst Manifesta7.[4]

Vom 9. Mai bis 30. Oktober 2009 fand in der Festung die Landesausstellung 2009 mit dem Titel Labyrinth :: Freiheit statt, die von den Ländern Südtirol, Tirol und Trentino ausgerichtet wurde und eine großzügige Kombination aus Dokumentationen, Kunstwerken und Ruhezonen darstellte.[5]

2013 übergab der italienische Staat die Festung in das Eigentum des Landes Südtirol, das bereits in den Jahren 2007–2008 die Baulichkeiten gesichert und öffentlich zugänglich gemacht hatte.[6] 2017 wurde die Franzensfeste in die Südtiroler Landesmuseen eingegliedert[7] und 2019 ein Konzept für einen neuen „historisch-politischen Parcours“ vorgelegt, der ein „unschuldiges Sprechen über Regionalität“ überwinden und auf die „reflexive Aneignung von territorialen Ausgangspunkten, Handlungsräumen und Konfliktzonen“ abstellen will.[8][9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christoph Hackelsberger: Die k.k. Franzensfeste: ein Monumentalwerk der Befestigungskunst des 19. Jahrhunderts. Berlin, Deutscher Kunstverlag 1986, ISBN 978-3-422-00795-6.
  • Flavio Schimenti, Laura Facchinelli: Fortezza-Franzensfeste: Die Festung, die Eisenbahn, das Dorf – La fortificazione, la ferrovia, il paese. Gemeinde Franzensfeste, Vahrn 1998.
  • Dario Massimo: Die Franzensfeste. Verlag A. Weger, Brixen 2007, ISBN 978-88-88910-45-1 (mit englischer Übersetzung; auf deutsch und italienisch).
  • Josef Rohrer: Die Franzensfeste: Für einen Feind, der nie kam – Geschichte eines imposanten Bauwerks. Amt für Bau- und Kunstdenkmäler, Bozen 2008. (online)
  • Hannes Obermair: Cartografie del cosmo regionale – un modulo espositivo per il progettando Museo storico-politico del Sudtirolo/Alto Adige. In: Beatrice Borghi (Hrsg.): La storia siamo noi: Eredi e protagonisti della storia. Studi offerti a Rolando Dondarini. Minerva, Argelato (Bologna) 2020, ISBN 978-88-332-4320-7, S. 97–123.
  • Hannes Obermair: Kartographien des Regionalen – ein Dauerausstellungsmodul für das Landesmuseum der Franzensfeste in Südtirol. In: Rainer Wenrich, Josef Kirmeier, Henrike Bäuerlein, Hannes Obermair (Hrsg.): Zeitgeschichte im Museum. Das 20. und 21. Jahrhundert ausstellen und vermitteln (= Kommunikation, Interaktion, Partizipation, Band 4). kopaed verlagsgmbh, München 2021, ISBN 978-3-96848-020-6, S. 55–76.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Festung Franzensfeste – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Ludwig Walther Regele: Gibraltar am Eisack (= Arx. Burgen und Schlösser in Bayern, Österreich und Südtirol. Band 1). 1998, S. 25–31.
  2. Josef Rohrer: Die franzensfeste. Für einen Feind, der nie kam. Geschichte eines imposanten Bauwerks. Hrsg.: Autonome Provinz Bozen-Südtirol, Amt für Bau- und Kunstdenkmäler. Bozen Juli 2008, S. 30 (Online [PDF; 2,0 MB; abgerufen am 12. Juli 2013]).
  3. Lexikon 1. Weltkrieg (Memento des Originals vom 27. Dezember 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lexikon-erster-weltkrieg.de Chronik des Ersten Weltkrieges.
  4. Weiterführende Informationen im Netzauftritt der Manifesta7. Abgerufen am 11. August 2008.
  5. Presseinfo zu Labyrinth :: Freiheit. Abgerufen am 21. August 2009.
  6. Franzensfeste: Land ist nun Eigentümer der Festung. Pressedienst der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, 18. Dezember 2013, abgerufen am 17. Mai 2014.
  7. Grünes Licht für Franzensfeste als 10. Landesmuseum. Südtirol Online, 6. Dezember 2016, archiviert vom Original am 8. Dezember 2016; abgerufen am 7. Juli 2017.
  8. Geschichte musealisieren? Neue Südtiroler Tageszeitung, 20. Juni 2019, abgerufen am 27. Juli 2019.
  9. Hannes Obermair: Kartographien des Regionalen – ein Dauerausstellungsmodul für das Landesmuseum der Franzensfeste in Südtirol. In: Rainer Wenrich, Josef Kirmeier, Henrike Bäuerlein, Hannes Obermair (Hrsg.): Zeitgeschichte im Museum. Das 20. und 21. Jahrhundert ausstellen und vermitteln (= Kommunikation, Interaktion, Partizipation, Band 4). kopaed verlagsgmbh, München 2021, ISBN 978-3-96848-020-6, S. 75.

Koordinaten: 46° 46′ 39,1″ N, 11° 37′ 48,3″ O