Festung Lichtenau

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Innenhof der Feste

Die Festung Lichtenau ist eine ehemalige Wehranlage der Nürnberger Burgherren im Markt Lichtenau in Mittelfranken.

Geschichte der Festung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Festung und der Markt Lichtenau (Matthäus Merian: Topographia Franconiae, 1648)

Die Festung Lichtenau geht auf eine mittelalterliche Wasserburg zurück. 1406 kaufte Nürnberg den Ort und die Burg Lichtenau von Friedrich II. von Heideck. Durch die Lage Lichtenaus als taktischer Vorposten der Reichsstadt Nürnberg innerhalb des Territoriums der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach kam es in der Geschichte häufig zu Spannungen und zu Zerstörungen während kriegerischer Auseinandersetzungen. Der Rat der Stadt war nun zum ersten Mal im Besitz eines Territoriums, in dem ihm auch die hohe Gerichtsbarkeit und somit die Landeshoheit zustand. Offenbar kam der Rat aber zu der Überzeugung, besser jemanden zur Tarnung vorzuschieben, um Mißhelligkeiten mit den Burggrafen zu vermeiden. So wurde ein Teil des Gebiets an das "Reiche Almosen", eine Stiftung des Nürnberger Bürgers Burkhard Seiler, verkauft, Markt, Burg und Gericht Lichtenau aber an den Ratsherrn Heinrich Rummel. Die Familie Rummel war durch Fernhandel zu großem Reichtum gelangt, sie saßen im Rat der Stadt und wandten große private Mittel für den Ausbau Lichtenaus auf.

Im Ersten Markgrafenkrieg 1449 zog Albrecht Achilles in Lichtenau ein, verheerte das Land und eroberte die Burg, die erst 1453 zurückgegeben wurde. Der Markgraf beanspruchte die Landeshoheit im Pflegamt Lichtenau, die wiederum der Rat demonstrativ behauptete. So beschloss der Markgraf 1498, die Hinrichtung eines gefangenen Übeltäters in Lichtenau stattfinden zu lassen, und bot dazu die Burgmannschaft und die Bauern in kriegsmäßiger Ausrüstung auf. Der Hügel nördlich des Orts, wo weithin sichtbar der Galgen errichtet wurde, trägt noch heute den Namen Galgenberg. Im Zuge des Zweiten Markgrafenkriegs wurde die Burg 1553, obwohl kampflos übergeben, von Albrecht Alcibiades vollkommen zerstört.

Nordfassade des Hauptgebäudes

Die Reichsstadt Nürnberg ließ daraufhin, für insgesamt 194.000 Gulden eine völlig neue Anlage (von Wolf Jacob Stromer[1], wohl nach älteren Plänen des Baumeisters Antonio Fazzuni) errichten. Auf Grund der großen Zerstörungen zog sich der Bau bis 1630 hin. Kaum ein Jahr später wurde die Festung von den kaiserlichen Truppen belagert und Georg Scheurl übergab die Festung, wieder ohne Gegenwehr, an den kaiserlichen Feldherren Tilly, der sie aber nicht beschädigte. Der letzte große Angriff auf die Feste erfolgte 1688, durch einen Überfall der Truppen des französischen „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. Die Franzosen forderten den Pfleger Johann Friedrich Haller von Hallerstein zur Übergabe auf. Dieser durchbrach jedoch die Tradition der kampflosen Übergabe und widersetzte sich, woraufhin die Franzosen die Erstürmung aufgaben.

1806 fiel Lichtenau, wie Nürnberg und ganz Franken, an das Königreich Bayern, worauf hin die Festung als Gefängnis genutzt wurde. In dieser Zeit amtierte auf Lichtenau u.a. Ludwig von Redwitz (1779–1848) als Zuchthausdirektor und es wurde ihm hier 1823 der später als Dichter bekannte Sohn Oskar von Redwitz geboren.

Die Festung Lichtenau ist ein Glanzstück der Renaissancebaukunst, auch wenn sie militärisch gesehen zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung nicht mehr den aktuellen Entwicklungen des Festungsbaus entsprach und durch ihre Lage im Tal nicht gut gegen Belagerungsartillerie zu verteidigen war.

Nach grundlegender Sanierung wird die Feste heute vom Freistaat Bayern als Außenstelle des Staatsarchivs Nürnberg genutzt. Der Innenhof und die Wallplattformen sind tagsüber zur Besichtigung zugänglich. Einmal jährlich im Juli organisiert der Heimatverein das Burgfest. Bei diesem Fest, das auch Jugendliche aus der weiteren Region anzieht, ist an zwei Tagen die Burg für die Bürger zugänglich.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Festung Lichtenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2009/2797/pdf/MGFN_7_2003_2_pro04.pdf

Koordinaten: 49° 16′ 43″ N, 10° 41′ 13″ O