Festung Reuenthal

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Artilleriewerk Reuenthal Eingang

Die Festung Reuenthal (Armeebezeichnung A 4263) war eine Grenzbefestigung der Schweizer Armee. Sie liegt in der Schweizer Gemeinde Full-Reuenthal im Kanton Aargau.

Artilleriewerk Reuenthal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Artilleriewerk liegt nördlich von Reuenthal, auf einer Anhöhe oberhalb des Rheins gegenüber dem deutschen Städtchen Waldshut.

Die Anlage wurde von 1937 bis 1939 erbaut und war das erste Artilleriewerk, das vor dem Zweiten Weltkrieg an der Schweizer Nordfront einsatzbereit war. Ein etwa 600 m langes Stollensystem verbindet die beiden Geschützstände, Bunker 1 und Bunker 2, mit Werkeingang , Munitions- und Materialmagazin, Sanitätstrakt, Kommandoräumen und Telefonzentrale, Essraum, Küche und Truppenunterkünften. Später wurde ein rund 300 m langer Fluchtstollen mit Notausstieg unter dem Bunker Ost (Aussenverteidigung) erstellt, und bis Ende 1941 kamen drei verbunkerte Aussenbeobachter dazu.

Das Werk war während des Zweiten Weltkriegs fast dauernd besetzt. Kriegsmobilmachung und Vereidigung der Artilleristen erfolgten am 29. August 1939. Anfänglich für eine Besatzung von 90 Mann erbaut, erfolgte bis Juni 1944 eine Erhöhung auf 150 Mann. Durchschnittlich waren etwa 100 Soldaten in Reuenthal stationiert. Am 30. Oktober 1942 erfolgte ein Besuch von General Henri Guisan.

Die Hauptbewaffnung stellten zwei 7,5 cm Befestigungskanonen 1938 L 30 (eingeführt 1938, Rohrlänge 30 Kaliber) dar, wofür 8000 Granaten mit den notwendigen Ladungen und Zündern in der Festung eingelagert waren. Die halbautomatischen Geschütze konnten jeweils bis zu 20 Schuss pro Minute abfeuern. Die Festung hat einen eigenen Operationssaal, eine Küche und mehrere oberirdische Bunker zur Aussen- und Nahverteidigung.

Das Werk hatte den Auftrag, eine gegnerische Rheinüberquerung unterhalb des Stauwehrs Albbruck-Dogern zu verhindern, da dort in den Sommermonaten bei niedrigem Wasserstand eine Durchwatung des Rheins einfach war. Von den 56 vorausberechneten Zielen lagen 48 bei diesem Übergang, sechs Ziele auf deutschen Zufahrtsstrassen von den Höhen des Hotzenwaldes in das Rheintal, und zwei Ziele auf schweizerischen Anhöhen. Gesamthaft lagen 29 Ziele auf deutschem und 27 Ziele auf schweizerischem Gebiet. Das kürzeste Ziel, der westlichste Punkt des Fullerfelds am Rhein, war 1280 m nah, das weiteste berechnete Ziel (Kirche Hochsal) lag 9100 m entfernt.

Die Festung wurde 1988 nach der Inbetriebnahme des AKW Leibstadt ausgemustert und die Geheimhaltung aufgehoben.[1]

Die Festung gehörte zum Einsatzraum der Grenzbrigade 5 und wurde von folgenden Einheiten belegt:

  • 1939–1943: Festungsartilleriedetachement 253 (Fest Art Det 253), unterstellt dem Grenz-Füsilierbataillon 253
  • 1943–1951: Festungsartilleriekompanie 95 (Fest Art Kp 95), direkt unterstellt der Grenzbrigade 5
  • 1952–1961: Festungskompanie 95 (Fest Kp 95), unterstellt der Festungsabteilung 21
  • 1962–1977: Festungskompanie II/21 (Fest Kp II/21).

Sperrstelle Reuenthal-Full[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infanteriebunker «Bettlerküche» A 4265

Die Sperrstelle gilt als militärhistorisches Denkmal von nationaler Bedeutung.[2] Sperrstelle und Artilleriewerk befinden sich in einem grossen Mäander des Rheins um Full-Reuenthal, der kurz nach der Aaremündung beginnt. Sie sperrt mit den in der Nachkriegszeit erbauten drei Strassenbarrikaden und sechs Unterständen die Zufahrtsstrassen Richtung Reuenthal von Leibstadt, Leuggern und Felsenau. Im Fuller Feld, einen Kilometer hinter dem Rheinbogen, wurden 1938/39 drei Maschinengewehrbunker erstellt.

Neben dem Artilleriewerk gehören folgende Anlagen zur Sperrstelle:

  • Infanteriebunker «Fullfeld-Ost» mit zwei Maschinengewehren (Mg) A 4243
  • Infanteriebunker «Reuenthal-Schulhaus» mit 3 Mg A 4244 (abgebrochen)
  • Infanteriebunker «Fullfeld-West» mit 3 Mg A 4245
  • Infanteriebunker «Fullfeld-Rhein» mit 2 Mg A 4246
  • Infanteriekanonengarage «Reservoir» A 4564
  • Infanteriebunker «Bettlerküche» A 4265, Baujahr 1941 .
  • Sanitätshilfsstelle «Immenholz» A 4271
  • Unterstand F 5153
  • Kompaniekommandoposten F 5192, Atomschutzunterstand (ASU), Baujahr 1983
  • Unterstand F 5197
  • Artilleriebeobachter «Wandfluh»
  • Beobachtungsposten «Stier»
  • Geländepanzerhindernis «Reuenthal-Nagelfluh» T 2243, Baujahr 1939 .[3]
  • Geländepanzerhindernis (GPH) «Reuenthal-Bettlerküche» T 2244, Baujahr 1938

Sperrstelle Bernau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leichtstand «Strahler» A 4247

Die Sperrstelle Bernau liegt am Rheinufer bei Bernau (Gemeinde Leibstadt) südwestlich von Reuenthal. Sie sicherte das Rheinufer und das Stauwehr des Rheinkraftwerks Albbruck-Dogern mit mehreren Anlagen:

  • Infanteriebunker «Strahler» A 4247: Lmg, Beobachter
  • Beobachter Bernau (abgebrochen)
  • Infanteriebunker «Stauwehr» A 4248: Mg (Februar 2007 abgebrochen)
  • Infanteriebunker «Station»: Mg
  • Infanteriebunker «Grossäcker Ost»: 2 Mg
  • Infanteriebunker «Grossäcker West»: 2 Mg

Sperrstelle Felsenau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sperrstelle Felsenau befindet sich im Weiler Felsenau (Gemeinde Leuggern) östlich von Reuenthal und besteht aus:

  • Infanteriebunker «Steinbruch» A 4261: 24-mm-Tankbüchse, 3 Lmg
  • Infanteriebunker «Wald» A 4262: 24-mm-Tankbüchse, Lmg
  • Unterstand F 5150
  • Schienenhindernisse T 2236

Festungsmuseum Reuenthal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Artilleriewerk wird heute vom Verein Militär- und Festungsmuseum Full-Reuenthal als Festungsmuseum betrieben. Dem Verein gehört auch das Schweizerische Militärmuseum Full.

Neben der wieder instandgestellten Armierung und Ausrüstung des Artilleriewerks werden in der Festung zahlreiche Exponate aus der europäischen Militärgeschichte des 20. Jahrhunderts gezeigt. Zusätzlich widmet sich eine alle zwei Jahre ändernde Sonderausstellung im ehemaligen Sanitätstrakt einem speziellen Thema.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Vögeli, Willy Marques, Thomas Hug: Festungsmuseum Reuenthal. Verein Festungsmuseum Reuenthal, Zürich 1989.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sperrstelle Reuenthal-Full – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Festung Oberland: A4263 Artilleriewerk Reuenthal
  2. Silvio Keller, Maurice Lovisa, Patrick Geiger: Militärhistorische Denkmäler im Kanton Aargau. VBS, Bern 2006.
  3. Festung Oberland: Reuenthal-Full

Koordinaten: 47° 36′ 14″ N, 8° 12′ 7″ O; CH1903: 657406 / 272845