Fettabscheider

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Verordnung über Fettabscheider vom 10. April 1940 (Deutsches Reich)
obere Beschaffenheit der Schachtsohle eines Probenahmeschachtes
Einbauarbeiten eines Probenahmeschachtes ins Erdreich

Fettabscheider trennen Fette und Öle vom Abwasser. Das fett- und ölhaltige Schmutz- und Spülwasser aus Küchen der Gastronomie, Hotellerie oder Gemeinschaftsverpflegung muss über einen Fettabscheider entsorgt werden. Fettabscheideranlagen reinigen gewerbliche Abwässer vor, bevor das Wasser in die Kanalisation abfließt.

Fett schwimmt aufgrund seiner geringeren Dichte auf, sammelt sich auf der Oberfläche und kann entnommen werden. Das öl- und fettfreie Abwasser fließt in den Abwasserkanal. Da sich in der Anlage auch die Fließgeschwindigkeit des Abwassers verringert, sinken schwere Feststoffe (Essensreste) zu Boden und setzen sich im Schlammfang ab.

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klassischer Fettabscheider zur Komplettentsorgung. Er funktioniert nach dem Prinzip der Phasentrennung: Fett schwimmt oben. Feststoffe sinken nach unten. In der Mitte das Wasser.

Die meisten Fettabscheider funktionieren nach dem Schwerkraftprinzip[1], d. h. der Dichteunterschied von Fett und Wasser führt zu einer Phasentrennung, während schwerere Feststoffe zum Boden sinken.

Fettabscheider bestehen aus einem Einlauf mit Prallwand oder ähnlicher Vorrichtung zur Beruhigung des Wassers, einem Ablauf, der das Wasser unterhalb der Fettschicht entnimmt, und dem zentralen Fettsammelraum, auf dessen Boden sich auch Sinkstoffe absetzen, sofern keine separate Kammer als Schlammfang vorgeschaltet ist. Weiterhin bedarf es nach dem Fettabscheider einer Möglichkeit zur Entnahme von Proben, z. B. in Form eines Schachtes.

Im Abwasser emulgierte Fette und Öle (Emulsion) passieren einen Fettabscheider, der ausschließlich nach dem Schwerkraftprinzip arbeitet, meist ungehindert. In Regionen sowie für Betriebe, für welche niedrige Abwassergrenzwerte für Öle und Fette gelten, kann eine weitergehende Abwasserbehandlung hinter dem Fettabscheider erforderlich sein. Durch den Einsatz einer Spalt- oder Flotationsanlage lassen sich die Grenzwerte dauerhaft und sicher unterschreiten.

Es gibt Fettabscheider für den Einbau ins Erdreich und Anlagen, die frei aufgestellt werden.

Anforderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fettabscheider für den Erdeinbau sind außerhalb von Gebäuden in der Nähe der Anfallstelle des Schmutzwassers einzubauen. Wenn eine Leerung durch Saugfahrzeuge vorgesehen ist, muss der Einbauort mit dem Saugschlauch zu erreichen sein. Fettabscheider müssen frostfrei eingebaut oder aufgestellt werden.

Die Aufstellung von Fettabscheideranlagen in Räumen, in denen Speisen zubereitet werden, ist aus hygienischen Gründen nicht zugelassen.

Mobile Fettabscheideranlagen sind nur für fliegende Bauten wie Verkaufsstände oder auf Festen zugelassen.

Fettabscheider, die sich unterhalb der Rückstauebene befinden, müssen mit einer Hebeanlage (mit Rückstauschleife) an die Kanalisation angeschlossen sein.

Der Einbau von Fettabscheidern ist genehmigungspflichtig.

Die Nenngröße (NS; früher: NG) einer Fettabscheideanlage richtet sich nach DIN 4040 bzw. der Menge des anfallenden Schmutzwassers und wird in Litern pro Sekunde gemessen.

Hat die Zulaufleitung oberhalb der Abscheideranlage auf einer Länge von 10 m keine entlüftete Anschlussleitung, so ist nach DIN EN 1825-2 bzw. DIN 4040 die Zulaufleitung möglichst nah am Fettabscheider mit einer zusätzlichen Lüftungsleitung im Querschnitt des Zulaufrohres (DIN EN 1825-1) zu versehen, die bis über das Dach zu führen ist. Anschlussleitungen von mehr als 5 m Länge zur entlüfteten Hauptzulaufleitung sind gesondert zu entlüften.[2][3]

Die Lüftungsleitungen der Zuleitung und gegebenenfalls des Fettabscheiders können zu einer Sammellüftung zusammengeführt werden, an welche jedoch nicht die Lüftungsleitung einer Hebeanlage (DIN EN 12056-4) oder sonstige Lüftungen (DIN 1986-100) angeschlossen werden dürfen.[1]

Komplett- oder Teilentsorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fettabscheider zur Teilentsorgung, System Praktika: Fett und Feststoffe werden in handlichen Kunststofftonnen gesammelt.

Komplettentsorgung: Die Intervalle zur Entleerung müssen nach DIN 4040-100 festgelegt werden. Hiernach sind klassische Fettabscheider mindestens alle vier Wochen durch ein Entsorgungsunternehmen komplett zu entleeren, reinigen und anschließend mit Frischwasser aufzufüllen – bei nicht ausreichendem Schlammfangvolumen oder Fettsammelraum in kürzerem Turnus. In der Praxis erfolgt die Leerung häufig wesentlich seltener. Nach Rücksprache mit der zuständigen Behörde sind auch erweiterte Entleerungsintervalle zulässig.[4] Moderne Fettabscheider haben einen Festanschluss für die Entsorgungsleitung. Die Leitung wird innerhalb des Gebäudes fest installiert und endet mit einer Kupplung an der Gebäudeaußenseite. Meist ist die Kupplung zusammen mit einer Fernbedienung in einem Auf- oder Unterputzkasten untergebracht, bei vollautomatischen Fettabscheidern erfolgt die Entsorgung automatisiert. Die Fettabscheiderinhalte können so unauffällig von einem Tankwagen aufgenommen werden.

Teilentsorgung: Innerhalb des Gebäudes aufgestellte Fettabscheider ermöglichen teilweise das getrennte Abfüllen von Fett und Schlamm in Kunststofffässer. Der Betreiber kann die konzentrierte Reststoffe dann bei Bedarf selbst entsorgen. Durch die bedarfsgerechte Entsorgung sind die Betriebskosten in der Regel geringer als bei Komplettentsorgung per Tankwagen. Die Menge des Entsorgungsgutes wird bei diesem Verfahren im Vergleich zur Komplettentsorgung auf rund zehn Prozent reduziert. Fette und der Feststoffe können bei Fettabscheidern mit Teilentsorgung auch in eine zentrale Nassmüllentsorgung geleitet werden. Die separierten Stoffe werden dann zusammen mit anderen Essensabfällen in einen zentralen Sammelbehälter gesaugt.

Entsorgungsleitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liegt der Fettabscheider an einem Ort, der für das Entsorgungsfahrzeug schlecht zugänglich ist, kann eine Saugleitung zu einem besser geeigneten Standort fest installiert werden.

Für das Saugrohr wird ein freier Querschnitt von mindestens 50[2] bis 65 mm empfohlen.[5]

Zum Anschluss des Saugschlauchs des Entsorgungsfahrzeugs kann beispielsweise eine Perrot-Kupplung[6] oder eine Klauenkupplung vorgesehen werden.

Gesetzliche Vorschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schachtdeckel eines unterirdischen Fettabscheiders

Der Einsatz von Fettabscheideranlagen wird durch die Normen DIN EN 1825-1 und DIN EN 1825-2 sowie den nationalen Anhang DIN 4040-100 geregelt. Sie gilt für Betriebe mit gewerblicher Essensausgabe wie beispielsweise Gaststätten, Hotels, Großküchen und Imbissstuben, in denen fetthaltiges Abwasser anfällt.

Nach DIN 4040-100 soll alle fünf Jahre eine Inspektion des Abscheiders durchgeführt werden.

DIN 4040-100 fordert im Gegensatz zur DIN EN 1825 einen getrennten Schlammraum und macht feste Vorgaben zu notwendigen Mindestvolumina von Schlammfang, Fettsammelraum und Fettabscheider insgesamt sowie für die Mindestoberfläche des Fettabscheider-Raumes, während nach DIN EN 1825 bei hydraulischem Nachweis auch eine Unterschreitung dieser Werte möglich ist.

Bei industriellen Lebensmittelverarbeitern (Molkereien, Käsereien, Fischverarbeitung, Spülbetriebe, Küchenabfall-Aufbereitungsanlagen) fällt Abwasser mit einem hohen Anteil emulgierter Fette/Öle an. Dieses Abwasser wird in Fettabscheideranlagen nach dem Schwerkraftprinzip nicht immer effektiv behandelt. Eine weitergehende Abwasserbehandlung kann erforderlich werden.

Übersicht der gesetzlichen Vorschriften[7][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Technische Bestimmungen:

  • DIN EN 1825-1, Abscheideranlagen für Fette – Teil 1: Bau-, Funktions- und Prüfgrundsätze, Kennzeichnung und Güteüberwachung; Deutsche Fassung EN 1825-1:2004
  • DIN EN 1825-2, Abscheideranlagen für Fette – Teil 2: Wahl der Nenngröße, Einbau, Betrieb und Wartung; Deutsche Fassung EN 1825-2:2002
  • DIN 4040-100, Abscheideranlagen für Fette – Teil 100: Anforderungen an die Anwendung von Abscheideranlagen nach DIN EN 1825-1 und DIN EN 1825-2
  • DIN EN 1717, Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen in Trinkwasser-Installationen und allgemeine Anforderungen an Sicherheitseinrichtungen zur Verhütung von Trinkwasserverunreinigungen durch Rückfließen – Technische Regel des DVGW
  • DIN 1986-100, Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke – beschreibt den grundsätzlichen Einsatzfall und einige Randbedingungen
  • DWA – DVWK – M 767, Abwasser aus der fleischverarbeitenden Industrie
  • DWA – DVWK – M 768, Abwasser aus der Fischindustrie

Rechtliche Bestimmungen:

Verwertung von Fettabscheiderinhalten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fettabscheider werden durch Saugfahrzeuge geleert, welche die Fettabscheiderinhalte anschließend zu Verwertungsstellen befördern. In Biogasanlagen oder Klärwerken können die Fette zur Wärme- und Stromerzeugung verwendet werden.[8] Abgetrenntes Öl kann als Substrat für die Biodieselherstellung genutzt werden.[9] Für die Extraktion der hochwertigen Ölfraktion aus Fettabscheidern existieren verschiedene Methoden. Die besten Ergebnisse lassen sich mit Zentrifugen erreichen.

Ein neueres Forschungsprojekt (2016–2018) kommt zu dem Schluss, dass eine kombinierte Nutzung von Fettabscheiderinhalten zur Biodiesel- und Biogaserzeugung aus ökologischer Sicht ähnlich gut und unter gewissen Annahmen besser ist als eine Nutzung ausschließlich zur Biogaserzeugung.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Mültner: Biologische Fettabscheider-Nachbehandlung. In: IHKS-Fachjournal: 2005/06. download
  • Marco Eulenstein: Fettabscheider in der Praxis. In: IHKS-Fachjournal: 2004/05. download

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Fettabscheider – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Fettabscheider – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Planungshandbuch Fettabscheider der Firma Kessel, abgerufen im März 2017
  2. a b Dipl.- Ing. (FH) Wilfried Jurthe: Informationen Fettabscheider. In: Kanalreinigung-Woertz.de
  3. Merkblatt Fettabscheider, Stadt Düsseldorf. In: Duesseldorf.de
  4. Fettabscheider: Funktion, Wartung und Bedeutung für die Kreislaufwirtschaft. In: Sonderabfallwissen. 1. September 2021, abgerufen am 4. November 2021.
  5. Das Planungshandbuch Abscheidetechnik der Firma Kessel empfiehlt Nenngröße DN 65. Seite 334
  6. Zubehör für die Sammelgruben – Perrot-Absaugung. In: LKT-Luckau.de
  7. Aktuelle Vorschriften für Fettabscheider
  8. ReFood GmbH & Co. KG: Wie werden Fettabscheiderinhalte verwertet? Abgerufen am 3. November 2021.
  9. Thomas Lichtmannegger MSc, Carolina Kinzel, Wolfgang Müller, Anke Bockreis: Energetische Nutzung von Fettabscheiderinhalten – Potenzial zur Erzeugung von Biodiesel und Biogas. In: Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaft volume 70, pages 172–178 (2018). Abgerufen am 3. November 2021.
  10. Dipl.-Ing. Julika Knapp, Thomas Lichtmannegger Msc, Dr. Sabine Robra, Dipl.-Biol. Dr. techn. Carolina Kinzel, Univ.-Prof. Dr.-Ing. Anke Bockreis: Bioenergie aus Speisefetten, Potential gemischt erfasster Fettabfälle als Ressource für Biodiesel. Abgerufen am 4. November 2011.