Fettammer

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Als Fettammer wird ein gemästeter Ortolan bezeichnet.

Der Ortolan, ein etwa sperlinggroßer Singvogel, wird gefangen und im Dunkeln oder nach Entfernen seiner Augen etwa 14 Tage lang gemästet. Die Dunkelheit verwirrt den Tag- und Nachtrhythmus des Vogels, so dass er ständig frisst. Er erreicht dann etwa das Dreifache seines ursprünglichen Gewichts. Er wird in Armagnac ertränkt und in einem speziellen kleinen Topf in Fett gegart.

Zum Essen wird der Vogel komplett in den Mund genommen und zerkaut. Dabei stülpt sich der Esser eine Serviette über den Kopf. Zum einen soll die Serviette den Duft nah an Mund und Nase halten, zum anderen gilt es als manierlicher, Tischnachbarn nicht mit dem Anblick und den entstehenden Geräuschen zu belästigen.

Ortolane galten bereits in der Antike als Delikatesse. Da der Bestand an Ortolanen stark zurückgegangen ist und der Vogel unter Artenschutz steht, ist der Fang und Verzehr in Europa heute verboten. In Frankreich ist der Verzehr in wohlhabenden Kreisen dennoch verbreitet.

Alternativ werden auch andere kleinere Singvögel ähnlich zubereitet, da sie einfacher und günstiger zu beschaffen sind. Tierschützer sehen darin eine Tierquälerei. Je nach Staat liegt darin möglicherweise auch ein Verstoß gegen das Tierschutzrecht.

Populärkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Staffel 3, Folge 6 ("The Third Ortolan") der Fernsehserie Billions serviert Wylie Dufresne die illegale Spezialität.
  • In Succession Staffel 1, Folge 6 wird zur Feier eines hohen Zahltages und als Machtbeweis ein Ortolan im Restaurant gegessen.
  • In der Serie Hannibal Staffel 2, Folge 11 ("Wangenrot") serviert Hannibal Lecter William Graham die Delikatesse als Teil eines Initiationsritus und zur Verdeutlichung seiner Weltsicht.
  • In der Zeichentrickserie American Dad Staffel 4, Folge 1 ("Der Soldat Steve Smith") verlangt Roger von Francine, einen Ortolan für ihn zuzubereiten.
  • In der Serie Brooklyn Nine-Nine Staffel 1, Folge 16 ("Hier springt einem das Niveau aus jedem Winkel entgegen") wird der Verzehr von Ortolanen als Delikatesse erwähnt.
  • Im Krimi "Rotes Gold: Ein kulinarischer Krimi. Xavier Kieffers zweiter Fall" von Tom Hillenbrand serviert der imaginäre Pariser Bürgermeister Francois Allégret der Hauptfigur, dem Luxemburger Koch Xavier Kieffer, einen Ortolan. Dieser symbolisiert nach Ansicht Allégrets die "Seele Frankreichs". Durch den Verzehr soll Kieffer beweisen, dass er in kulinarischen Dingen ein Franzose ist, "kein Deutscher oder Belgier".[1]
  • Im Computerspiel "Call of Duty: WWII" erzählt der SS- und Polizeiführer Heinrich der Protagonistin Camille "Rousseau" Denis davon, dass er sich zwar nach seiner Ausreise aus Paris zurück nach Deutschland sehne, aber das französische Essen vermissen werde. Dabei schildert er detailliert und für ihn genussvoll die Zubereitung des Ortolans als Fettammer.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • E. Chancerin (Hrsg.): Larousse Ménager, dictionnaire illustré de la vie domestique, Paris, o. J.
  • Georges-Marc Benamou: Le dernier Mitterrand, Paris 2005 ISBN 2-266-15166-5. (Umstrittener Bericht u. a. über Mitterrands Ortolan-Mahl.)
  • Liz Alderman: Chefs Fight for Songbird – NYT, 2014-10-13

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hillenbrand, Tom: Rotes Gold : ein kulinarischer Krimi : Xavier Kieffers zweiter Fall. 1. Aufl. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2012, ISBN 978-3-462-04412-6.