Feuerland (Berlin)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Feuerland bezeichnete der Volksmund Mitte des 19. Jahrhunderts die industrielle Keimzelle Berlins. Sie lag in der Oranienburger Vorstadt im heutigen Ortsteil Mitte.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gegend nordöstlich des Oranienburger Tores, zwischen der Chausseestraße, der Berliner Zollmauer (entlang der heutigen Torstraße), der Gartenstraße und der Liesenstraße siedelten sich viele Betriebe der aufstrebenden Metallindustrie, besonders des Maschinenbaus an.

Borsigs Maschinenbau-Anstalt an der Chausseestraße, Gemälde von Karl Eduard Biermann (1847)

1847 waren auf diesem eng begrenzten Gebiet 33 metallverarbeitende Betriebe mit über 3000 Beschäftigten ansässig.

Bezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Publizist Robert Springer belegt die Bezeichnung 1854 in der Zeitschrift Die Gartenlaube: „Das originellste Gepräge aber erhält dieser Stadttheil durch die Menge der Fabriken, fast ausschließlich Maschinenwerkstätten und Metallgießereien. Wohin man das Auge richtet, erblickt man thurmhohe, zugespitzte Schornsteine; ein weites Gebiet, bedeckt mit Obelisken, die der Pharao der Industrie erbauet hat. Der berliner Volkswitz nennt daher diese Gegend das „Feuerland,“ denn jene Essen sprühen Funken und athmen schwarzen Rauch aus, wie die Feuerstätten des Vulkans.“[1]

Von der Oranienburger Vorstadt sind weitere, weniger volkstümliche Bezeichnungen bekannt. Im Berliner Volks-Kalender von 1855 hieß sie „Birmingham der Mark“,[2] nach der englischen Industriestadt Birmingham. Überliefert ist auch „Schmiede des Cyclop“;[3] die mythischen Kyklopen schmiedeten im Inneren von Vulkanen Waffen.

Nachgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schwerindustriellen Betriebe stellten ihre Produktion ein oder zogen aus dem beengten Gebiet bis in die 1880er-Jahre an den damaligen Stadtrand, zunächst nach Gesundbrunnen und Moabit, in einer zweiten Welle nach 1900 weiter nach Spandau oder Reinickendorf (Borsigwalde). Straßennamen wie Borsigstraße, Pflugstraße, Schwartzkopffstraße und Wöhlertstraße sowie einzelne verbliebene Gebäude erinnern an diese Zeit. Eine Informationstafel an der Ecke Chaussee-/Tieckstraße ist dem Feuerland gewidmet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Robert Springer: A. Borsig’s Maschinenbau-Anstalt in Berlin. In: Die Gartenlaube, 1854, S. 288–290, online
  2. Ingo Materna, Wolfgang Ribbe: Brandenburgische Geschichte, Berlin 1995, S. 437, online
  3. Stadtarchiv der Hauptstadt der DDR: Berliner Geschichte, Ausgabe 8, 1987, Snippet

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 52° 32′ 0″ N, 13° 23′ 0″ O