Feuertempel

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Münze von Ardaschir I. mit der Darstellung eines Feueraltars[1]
Zwei Feueraltäre bei Naqsch-e Rostam, Fars, Iran
Feuertempel in Yazd
Tschak Tschak: im Schrein

Ein Feuertempel (persisch آتشکده, Āteschkadeh; in Indien Agiary) ist der Verehrungsort im Zoroastrismus.

Ein Feuertempel besteht normalerweise aus einer Halle mit verschiedenen kleinen Räumen, deren heiligster das Heilige Feuer beherbergt. Hier vollziehen Priester und Gläubige Rituale und singen Gesänge. Die wichtige Rolle, die das Feuer in den iranischen Religionen stets spielte, wandelte sich dabei im Laufe der Zeit. Im heutigen Mazdaismus bzw. Zoroastrismus gilt Feuer als reinigende Kraft, und wird mit der Wahrheit (Asha: Recht, Ordnung) identifiziert, und entsprechend mit dem Amesha Spenta Asha Vahishta assoziiert. Es gibt drei Grade des Feuers: Atash Dadgah, Atash Adaran und Atash Behram, wobei letzteres das heiligste ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Feueraltäre wurden vielleicht schon von den Achämeniden erbaut, doch handelt es sich wohl meist um unüberdachte Heiligtümer auf künstlichen Erhebungen. Es wurde davon ausgegangen, dass man den Geist Gottes (Ahura Mazda) nicht in einen Raum schließen könne. Beispiele fanden sich am Pontos (so Herodot) und in Kappadokien (so Strabon).

Der wohl älteste überdachte Feuertempel findet sich bei Kuh-e Chwadscha aus seleukidischer oder frühparthischer Zeit, wo das Feuer wohl in einem innersten Heiligtum untergebracht war. Vor allem aus sassanidischer Zeit sind dann große Feuertempel wie das Atur Gushnasp auf dem Tacht-i Suleiman bekannt. Nach der islamischen Eroberung Persiens wurden die meisten Feuertempel im Laufe der Zeit zerstört oder in Moscheen umgewandelt. In neuerer Zeit wurden auch in Iran mehrere Feuertempel rekonstruiert, da der Zoroastrismus dort heute geduldet wird. 1978 wurde in Isfahan ein moderner Feuertempel[2] erbaut.

Das Zentrum des iranischen Zoroastrismus ist heute Yazd. Dort wurde 1934 auf einem Grundstück indischer Parsen ein Feuertempel errichtet, dessen Feuer aus Ardakan stammen und seit 470 n. Chr. nicht erloschen sein soll.[3] In den Bergen der Umgebung befinden sich mehrere zoroastrische Pilgerstätten (Seti Pir; von pir „Alter, weiser Mann“). Die heilige, in einem Hügel befindliche Tropfsteinhöhle Pir-e Sabz (auch, lautmalend die herabfallenden Wassertropfen dort beschreibend, Tschak Tschak genannt; daneben auch Tschāhak-e Ardakān)[4] liegt etwa 55 Kilometer in nordöstlicher Richtung von Yazd entfernt nahe der Stadt Ardakan.

Die sieben berühmten Feuertempel der Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den sieben o.g. genannten Feuertempeln handelt es sich um gelöschte Feuerstellen, deren Andenken bei heutigen Zoroastriern besonders gepflegt wird. Unter den Sassaniden gab es zudem noch drei große „Reichsfeuer“, die für die Könige von besonderer Bedeutung waren. Heute gibt es im Iran noch einige Feuertempel, deren Feuer laut zoroastrischer Tradition niemals gelöscht worden sind, z.B. in Yazd.

Feuertempel in Yazd. Besucherraum, Feuer hinter einer Glasscheibe

Die oben genannten Feuerstellen standen mit sieben höchsten Geistern im Reich des Lichts bzw. von Feuern und mit sechs Sternzeichen bzw. Monaten in einem Zusammenhang:

  1. Barzisavah (Feuer zur Ehre von Ahura Mazda)
  2. Vohufrayana (Feuer zur Ehre von Menschen und Tieren)
  3. Urvazischta (Feuer zu Ehre von Pflanzen)
  4. Vazischta Feuer von Donner bzw. Azarrachsch (Blitz-Feuer, Rachsch ist Name des Pferdes von Rostam)
  5. Spandscharusch (Riesenfeuer)
  6. Nava Vihara = Nau Bahar (Feuer im Neuen Frühling vorher Neuer Balch)
  7. Spanischta = Spanta Heiliges Feuer, Feuer des Zoroasters

Die sechs Sternbilder sind:

  1. Vohu manah, Bahman: Guter Gedanke (Bahman = Wassermann)
  2. Aša vahišta, Ordibehešt: Beste Wahrhaftigkeit/Rechtschaffenheit (Ordibehešt = Stier)
  3. Xšathra vairya, Šahrivar: Herrschaft (Šahrivar = Jungfrau)
  4. Spenta armaiti, Esfand: Heiliger Gedanke, Heilige Demut/Frömmigkeit (Esfand = Fische)
  5. Haurvatat, Ḫordad: Reife, Ganzheit (Hordad bzw. Chordad = Zwillinge Wohlbefinden)
  6. Ameretat, Amordad: Unsterblichkeit (Amordad bzw. Mordad = Löwe)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sina Vodjani und Gabriele von Kröcher: Zarathustra. Membran International, Hamburg 2006, ISBN 978-3-86562-739-1, S. 16 f., 26 f. und 46–69.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Feuertempel in Yazd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Feuertempel in Tschak Tschak – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. In Niyasar bei Kāschān und in der Nähe von Fīrūzābād stehen „Feuertempel des Ardaschir“; Sina Vodjani und Gabriele von Kröcher, S. 78–87
  2. Sina Vodjani und Gabriele von Kröcher, S. 54–67
  3. Sina Vodjani und Gabriele von Kröcher, S. 62–67
  4. Sina Vodjani und Gabriele von Köcher, S. 66–77