Fidor Bank

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  Fidor Bank AG
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Staat DeutschlandDeutschland Deutschland
Sitz München
Rechtsform Aktiengesellschaft
Bankleitzahl 700 222 00[1]
BIC FDDO DEMM XXX[1]
Gründung 2009
Website www.fidor.de
Geschäftsdaten 2018[2]
Bilanzsumme 1.470.520.000 Euro
Einlagen 1.294.033.000 Euro
Kundenkredite 107.154.000 Euro
Mitarbeiter 347
Leitung
Vorstand Boris Joseph (CEO)
Pascal Cirelli (CFO/CRO)
Stefan Spannagl (COO/CIO)[3]
Aufsichtsrat Jean-Yves Forel[3]

Die Fidor Bank AG ist eine Direktbank mit Sitz in München (Deutschland). Zu den Geschäftsfeldern gehört das klassische Bankgeschäft mit Privatkunden (Business-to-Consumer). Geschäftskunden (Business-to-Business), denen im Rahmen von „Banking-as-a-Service“ die Nutzung der Fidor-Plattform, diverse Prozesse und eine Banklizenz angeboten werden, wird über die Tochtergesellschaft Fidor Solutions AG abgewickelt. Die Fidor Bank gehört zur französischen Groupe BPCE.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2003 gründete der ehemalige Vorstandschef der Direkt Anlage Bank, Matthias Kröner, zusammen mit dem ehemaligen Privatkundenvorstand der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank, Martin Kölsch, die Kölsch Kröner & Co. AG.[5]

Im Jahr 2006 erfolgte zunächst die Umfirmierung in den Namen Fidor AG und 2009 dann in den heutigen Namen Fidor Bank AG.[6] Der Name Fidor leitet sich dabei aus dem Lateinischen ab und kann mit "mir wird vertraut" übersetzt werden.[5] Entstanden im Kontext der Finanzkrise, wollte die Fidor Bank der etablierten Bankenbranche das neue Konzept einer digitalen Community-Bank, die über die sozialen Medien stark mit ihrer Klientel interagiert und deren Anregungen aufnimmt und umsetzt, entgegenstellen.[7]

Im Mai 2009 wurde der Fidor Bank AG durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine Vollbanklizenz gemäß § 32 KWG (Gesetz über das Kreditwesen) erteilt.[8]

Im Jahr 2016 übernahm die französische Bankengruppe BPCE die Fidor Bank AG für rund 100 Mio. Euro.[9][10] Mit dem Kauf der Fidor Bank AG verfolgte die BPCE das Ziel, ihre digitale Transformation voranzutreiben und mit ihrem Privatkundengeschäft in Europa zu expandieren.[11] Mit dem gewonnenen Kapital wollte die Fidor Bank AG weiter wachsen, insbesondere durch die Expansion ins Ausland.[12]

Im Herbst 2018 wurde bekannt, dass die Bankengruppe BPCE den Verkauf der Fidor Bank AG erwägt.[13] Nachdem die Verhandlungen über mehrere Monate nur schleppend verlaufen waren, erklärte Matthias Kröner im April 2019 „in beiderseitigem Einvernehmen“ seinen Rücktritt als CEO.[9] Seine Nachfolge trat im Juli desselben Jahres Boris Joseph an.[3]

Die Fidor Bank wurde mehrfach mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, so zum Beispiel als Innovator des Jahres 2019 durch das Wirtschaftsmagazin brand eins.[14][15]

Tochtergesellschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fidor Bank AG hat Stand 2020 drei Tochtergesellschaften:[16]

  • Fidor Factory GmbH – steuert und betreibt den Kundendienst
  • Fidor Solutions AG – Geschäftskundenbetreuung und Dienstleister für kundenzentrierte und strategische Infrastruktur
  • Efficient Scale GmbH – E-Commerce-Marktplatz

Produkte und Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März des Jahres 2010 begann die Bank ihr Kontoangebot für Privat- und Geschäftskunden. Das Smart-Girokonto ergänzt das klassische Kontoangebot mit Internet-Payment, bargeldlosem Zahlen via Apple Pay und weiteren Banking-Angeboten: Neben Sparbrief, Kreditkarte, Ratenkredit und Anlagen in Fremdwährungen ist auch der Handel mit virtuellen Währungen wie Bitcoin möglich. Über die eigene Fidor-Online-Community ist die Kommunikation der Kunden untereinander und mit Bankmitarbeitern möglich.

Im letzten Quartal 2015 brachte die Bank eine PayPass-fähige Debitkarte von MasterCard auf den Markt sowie eine hochgeprägte Kombikarte, die MasterCard, Maestro-Card und PayPass in einer Karte vereint.

Das Angebot an Geschäftskunden umfasst ein Geschäftskonto, eine PrePaid-Kreditkarte sowie Finanzierungsprodukte. Auf Wunsch können Kontonutzer aus verschiedenen Crowdfinanzierungsangeboten für Unternehmen oder einzelne Projekte wählen. Die insbesondere für Geschäftskunden oftmals wichtige HBCI-Funktionalität wird nicht angeboten.

Fidor arbeitet mit diversen Handelsplattformen für Kryptowährungen zusammen, wie zum Beispiel mit bitcoin.de oder kraken.com.[17]

Am 12. Mai 2016 gab die Telefónica Deutschland Holding ihre Partnerschaft mit der Fidor Bank bekannt, um ihren Kunden ein Smartphone-Konto anzubieten.[18] Das Angebot namens „O2 Banking“ konnte per Videochat eröffnet werden.[19] Die mobile Banking-App war dabei seit Juli 2016 für Android und iOS abrufbar,[20] damit Nutzer auf ihr Girokonto zugreifen konnten. Diese unterstützte dabei zum Beispiel Apple Pay und bot Sicherheitsfeatures wie Push-Benachrichtigung für Echtzeitüberweisung an. Für die Nutzung der Debit Mastercard erhielten O2-Kunden zudem Highspeed-Datenvolumen als Bonus. Das Bankkonto inklusive Debit Mastercard war dabei kostenlos.[21] Ab dem 1. November 2019 erhob die Fidor Bank ein monatliches Kontoführungsentgelt. Kunden, die allerdings mehr als zehn Transaktionen pro Kalendermonat ausführten, erhielten einen Aktivitätsbonus in gleicher Höhe wieder gutgeschrieben.[22]. Am 30. April 2020 wurde bekannt gegeben, dass Telefónica die Partnerschaft mit Fidor beendet und das Angebot „O2 Banking“ mit der Comdirect Bank fortführt.[23][24]

Als eine voll-digitalisierte Bank wickelt die Fidor Bank all ihre operativen Tätigkeiten durch ihre Zentralverwaltung in München ab. Darüber hinaus ist keine weitere „physische“ Filiale erforderlich, denn der Kunde steht mit der Bank ausschließlich per Website, E-Mail, Chatbot, App oder Telefon in Kontakt.[25]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stammdaten des Kreditinstitutes bei der Deutschen Bundesbank
  2. Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 2018. Fidor Bank AG, abgerufen am 23. Januar 2020.
  3. a b c Impressum – Fidor Bank. In: fidor.de. Abgerufen am 20. November 2019.
  4. Fidor Gruppe zieht Bilanz: 10 Jahre Banklizenz – 10 Jahre Innovationsführerschaft und Wachstum. (PDF; 233 KB) Presseinformation. In: fidor.de. 4. März 2019, abgerufen am 28. August 2020.
  5. a b Fidor Bank AG: Das traut sich keiner. (PDF) Abgerufen am 30. Oktober 2019.
  6. Marina Vogt: Fidor Bank – Die Bank der Zukunft? Management Circle, 28. Juni 2016, abgerufen am 30. Oktober 2019.
  7. Fidor Bank AG: Fidor Gruppe zieht Bilanz: 10 Jahre Banklizenz – 10 Jahre Innovationsführerschaft und Wachstum. (PDF) Fidor Bank AG, 4. März 2019, abgerufen am 30. Oktober 2019.
  8. Fidor Bank AG: Fidor AG erhält Vollbanklizenz. Abgerufen am 30. Oktober 2019.
  9. a b Meike Schreiber: Kröner verlässt die Fidor-Bank. In: Süddeutsche Zeitung. 1. April 2019, abgerufen am 30. Oktober 2019.
  10. Elisabeth Atzler, Katharina Schneider: Ritterschlag für deutsches Fintech. In: Handelsblatt. 28. Juli 2016, abgerufen am 8. August 2019 (kostenpflichtig).
  11. Bundesanzeiger. Abgerufen am 30. Oktober 2019.
  12. Anne-Katrin Schade: Französische Großbank schluckt Fintech-Pionier. Gründerszene, 29. Juli 2016, abgerufen am 30. Oktober 2019.
  13. Ann-Sophie Crecelius: Französische Bank BPCE erwägt Verkauf der Internetbank Fidor. FINANCE Magazin, 1. Oktober 2018, abgerufen am 30. Oktober 2019.
  14. Fidor Bank mehrfach ausgezeichnet. Pressemitteilung. In: presseportal.de. Fidor Bank AG, 18. Mai 2017, abgerufen am 12. November 2019.
  15. Die innovativsten Unternehmen Deutschlands | 2019. Abgerufen am 30. Oktober 2019.
  16. Company. In: fidor.com. Abgerufen am 25. März 2020 (englisch).
  17. Axel Kannenberg: „Express-Handel“: Bitcoin.de kooperiert mit Onlinebank Fidor. In: heise.de. 23. Februar 2015, abgerufen am 8. Januar 2018.
  18. Girokonten und Onlinebanking: Wo das Girokonto günstig ist – und sicher. In: Stiftung Warentest. 17. August 2020, abgerufen am 13. September 2020.
  19. Megabyte statt Zinsen: Telefónica startet mobiles Bankkonto für O2. In: ariva.de. 12. Mai 2016, abgerufen am 5. April 2019.
  20. Stefanie Seidlitz: Komplett mobiles Bankkonto in Kooperation mit Fidor Bank AG: Telefónica Deutschland startet O2 Banking. In: blog.telefonica.de. 25. Juni 2016, abgerufen am 20. Oktober 2017.
  21. Pressemitteilung Telefónica Deutschland und Fidor Bank AG – o2Banking erhält renommierten Finanz-Award 2019. (PDF; 59,1 KB) In: fidor.de. 11. Juli 2019, abgerufen am 15. August 2020.
  22. Fidor Bank AG passt ihr Gebührenmodell an. (PDF; 83,7 KB) Pressemitteilung. In: fidor.de. 28. August 2019, abgerufen am 30. Oktober 2019.
  23. Alexander Geckeler: Mobiles Bankkonto: O2 Banking startet mit neuem Partner in die Zukunft. Pressemitteilung. 29. April 2020, abgerufen am 30. April 2020.
  24. Axel Kannenberg: Telefónicas „O2 Banking“ wechselt Bankpartner – Kontoumzug nötig. In: heise online. 30. April 2020, abgerufen am 30. April 2020.
  25. Bundesanzeiger. Abgerufen am 30. Oktober 2019.

Koordinaten: 48° 8′ 58,5″ N, 11° 33′ 23,5″ O