Fiene Scharp

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Fiene Scharp (* 1984 in Berlin) ist eine deutsche Künstlerin, deren Arbeiten sich in Grenzbereichen von Zeichnung, Installationen und Kleinobjekten bewegen. Auch Videokunst und Fotografie tauchen wiederholt in ihrem Werk auf.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgewachsen in Berlin studierte Fiene Scharp nach dem Abitur von 2004 bis 2009 Kunst an der Universität der Künste Berlin und Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2007 schloss sie mit dem Bachelor of Arts in der Klasse der Künstlerin Ursula Neugebauer. Nach einem Semester in der Klasse der Gastprofessorin Alicja Kwade studierte sie ab 2008 in der Klasse von Gregor Schneider, wo sie im April 2012 als Meisterschülerin abschloss und für ihren Abschluss mit dem Meisterschülerpreis des Präsidenten der UdK Berlin[1] ausgezeichnet wurde. Ihre Werke waren unter anderem in Ausstellungen an der Akademie der Künste in Berlin[2], im Kunsthaus Graz, in London und in der thematisch angelegten Ausstellung Rasterfahndung - Das Raster in der Kunst nach 1945 im Kunstmuseum Stuttgart zu sehen. Seit 2013 wird sie von der Galerie 401 Contemporary vertreten.

Fiene Scharp lebt und arbeitet in Berlin. Sie ist mit dem Filmemacher Ingo J. Biermann verheiratet.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während ihres Studiums bei der UdK-Professorin Ursula Neugebauer hatte Fiene Scharp im Juli 2007 ihre erste Einzelausstellung im Studio des Neuen Berliner Kunstvereins[3]. Dort stellte sie drei Arbeiten aus, die sich mit den Grenzen der körperlichen Wahrnehmung von Innen- und Außenraum beschäftigten. In ihren Objekten, Haarzeichnungen und Videoarbeiten geht es der Künstlerin im Wesentlichen um haptisch-visuelle Erfahrungen.

Die aus Wachs, Fett und menschlichem Haar gefertigten Objekte „changieren in ihrer filigranen Beschaffenheit zwischen Anziehung und Abstoßung“[4]. Fiene Scharp appliziert feine Härchen auf organische Materialien oder Lebensmitteln, so dass der Eindruck entsteht, diese wüchsen aus den Dingen heraus. Fiene Scharps Gebrauch von Haar fordert die Überschreitung der Grenzen von Betrachter und Objekt heraus: Der Anblick reizt, die Dinge zu berühren, erzeugt aber auch „einen Moment des Ekels. Die Haare verleihen den Objekten ein unerwartet biomorphes, bisweilen auch erotisches aber insgesamt befremdliches Eigenleben“[4]. Mit diesen Formen spielt die Künstlerin mit der Wahrnehmung von Weichheit und Festigkeit, von körperlicher und lebloser Erscheinung, von Anziehung und Abstoßung. So entlockt Scharp dem Betrachter „sublime und verborgene Empfindungen“[4].

Fiene Scharps surrealistisch angehauchte Objekte erinnern laut dem Kunstmagazin Art „ein wenig an Robert Gobers wächserne Mädchensandale, aus dessen Sohle fieses Männerhaar sprießt“[5]. So sind auch in Fiene Scharps aus Alltagsgegenständen zusammengesetzten Kleinobjekten an ungewohnten Stellen Haare angebracht und scheinen so aus einer frisch ausgepackten Butter oder einer vertrockneten Zitrone zu wachsen. Fiene Scharps Arbeiten mit Haut und Haar „konfrontieren uns tastend mit unserer Körperlichkeit, ihren Grenzen, Durchlässigkeit, Integrität und Auflösung“, schreibt etwa das österreichische Kunstportal CastYourArt.com[6].

Keines der Kleinobjekte, Zeichnungen und Haarinstallationen Fiene Scharps trägt einen Titel, genannt wird stattdessen üblicherweise nur das Material, aus dem das jeweilige Werk hergestellt wurde.

Video- und Filmarbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch ihre Videoarbeiten spielen mit dem Moment der Sinneserweiterung. So sieht man in ihrem Video Haarreif ein Handgelenk, dem linear feine Haare appliziert werden. Im NBK-Studio wurde diese Videoarbeit senkrecht von oben auf ein Podest projiziert, so dass Assoziationen zum Schmuckstück geweckt und Grenzen von Körperlichkeit und Dinglichkeit reflektiert werden. Im Video Streicheln, das auf Fiene Scharps Internetseite zu sehen ist, scheinen zwischen zwei Fingen eingespannte Härchen elektrisch konnotierte Geräusche zu erzeugen.

Die Haut, an der man den Zustand der Getrenntheit wie auch der Durchlässigkeit und der Oberfläche zum Berühren und Fühlen erlebt, spielt neben Haar eine wichtige Rolle in den Arbeiten Fiene Scharps. Die Videoarbeit, Außer mir, die ebenfalls im NBK-Studio zu sehen war, zeigt, wie Metallbuchstaben in Haut eingedrückt werden und dann das Verblassen der Druckspuren. Dieses Video wurde auf die Fensterfront der Galerie projiziert, um anhand dieser Fläche die Grenze von Außen- zu Innenraum, von Körper und Objekt zu thematisieren.

Das Moment der Zeit, des Eingriffs, der Veränderung ist auch Thema der beiden Videoarbeiten Hinter Spiegeln und Intimität die im März 2009 im Frauenmuseum Berlin zu sehen waren.[7] Die beiden synchron nebeneinander ausgestellten Videos zeigten das Polieren einer Eisfläche mit den Handflächen und die Rasur eines Fells. Die Geräusche von Schaben, Schrubben und Polieren unterstreichen die immer gleichen Bewegungsabläufe, bis aus den rauen Strukturen jeweils eine glatte oder eine spiegelnde Oberfläche wird.

Haarzeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2009 arbeitet Fiene Scharp an sogenannten Haarzeichnungen, die sich im Grenzbereich von Zeichnung und Objektkunst bewegen. Diese meist großformatigen Werke sehen auf den ersten Blick aus wie Zeichnungen, doch beim näheren Hinschauen wird deutlich, dass hier in kleinteiliger Arbeit zentimeter- oder gar millimeterkurze, teils auf den ersten Blick gar nicht sichtbare, Härchen in strengen Mustern angeordnet wurden. Später arbeitete sie an der Universität der Künste Berlin als Meisterschülerin in der Klasse von Gregor Schneider des Weiteren an Installationen, die diese angeordneten Haare in Bewegung versetzen, wenn sich der Betrachter den Werken nähert.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2014 out of focus, galerie trois points, Montréal
  • 2013 Kultur: Stadt, Akademie der Künste Berlin[3]
  • 2012 Rasterfahndung - Das Raster in der Kunst nach 1945, Kunstmuseum Stuttgart [8]
  • 2012 Anschlüssel – London/Berlin, Centre for Rent Drawing, London
  • 2011 Bosch Young Talent Show, Stedelijk Museum, s’-Hertogenbosch
  • 2011 unspontaneous, Kunsthalle am Hamburger Platz, Berlin
  • 2010 Minimum/Maximum, Galerie Al Riwaq Art Space, Manama, Bahrain
  • 2010 Brilliant Volume, Universität der Künste Berlin
  • 2010 Aufbau. Klasse Schneider Bremerhaven, Kunsthalle Bremerhaven
  • 2009 delikat, Einzelausstellung mit Esther Glück, Frauenmuseum Berlin
  • 2009 Material Evidence, loop - raum für aktuelle kunst, Berlin
  • 2008 mit Haut und Haar, Stadthalle Detmold
  • 2007 mit Haut und Haar, Einzelausstellung im NBK-Studio, Berlin

Videos und Filme (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2013 Dinosaubär (Radialsystem) - 4 Min. 20 Sek, mit IJ.Biermann
  • 2013 The Astronaut's Ark - 5 Min. (Ausstellungsversion) / 10 Min. (Festivalversion), mit IJ.Biermann und Kai Miedendorp
  • 2012 Normannenstraße - 14 Min. (35mm, Filminstallation und Kurzfilm), mit IJ.Biermann (Co-Regie) und Kai Miedendorp (Kamera)
  • 2007 Streicheln - 30 Min. 43 Sek (Loop)
  • 2007 Außer mir - 01’07’55 (projiziert auf halbdurchlässiges Schaufenster)
  • 2007 Haarreif - 12 Min.
  • 2006 Hinter Spiegeln - 13 Min. 23 Sek.
  • 2006 Intimität - 5 Min. 36 Sek.
  • 2006 Blöße - 30 Min.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Meisterschülerpreis des Präsidenten der UdK Berlin
  2. Informationsseite zur Ausstellung Kultur: Stadt, zum Film The Astronaut‘s Ark.
  3. a b Ausstellungsarchiv des NBK-Studio im Neuen Berliner Kunstverein
  4. a b c Zitiert nach: Katja Albers in der Pressemitteilung des Neuen Berliner Kunstvereins, Juni 2007
  5. a b Artikel über Haare in der zeitgenössischen Kunst von Sandra Danicke im Art-Magazin, (abgerufen am 19. Januar 2011)
  6. Zitiert nach: Wolfgang Haas, Janima Nam, Fiene Scharp - mit Haut und Haar bei castyourart.com am 6. Januar 2010 (aufgerufen am 19. Januar 2011)
  7. Ausstellung Delikat im Frauenmuseum Berlin
  8. Rasterfahndung im Kunstmuseum Stuttgart.
  9. Rasterfahndung - Das Raster in der Kunst nach 1945 beim Wienand Verlag Köln
  10. Buch Hair'em Scare'em beim Die Gestalten Verlag