St. Johann Baptist und Heilig Kreuz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
St. Johann Baptist und Heilig Kreuz

Die barocke Wallfahrtskirche St. Johann Baptist und Heilig Kreuz[1] in Westerndorf am Wasen bei Rosenheim ist eine Filialkirche der Pfarrei Pang des Dekanates Rosenheim. Der auf kreisrundem Grundriss erbaute Hauptraum wird von einer gewaltigen Zwiebelkuppel gekrönt. Das Dach gilt als „Deutschland größtes Zwiebeldach“[2] und zählt zu den „größten freitragenden Holzkuppelkonstruktionen Europas“[3].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turm und Zwiebeldach

Die Baugeschichte von St. Johann Baptist und Heiligkreuz fällt in die Jahre 1648 bis 1691. Weil die gotische Vorgängerkirche baufällig war, wurde 1648, unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg, auf Weisung von Pfarrer Kaspar Waldherr mit den Planungen begonnen. Den Entwurf der Kirche besorgte Constantin Pader, Bausachverständiger des Geistlichen Rates in München.[4]

1668, nach zwanzigjährigem Vorlauf, wurde mit dem Bau begonnen, die Bauleitung hatte der Schlierseer Maurermeister und Stuckateur Georg Zwerger. 1670 oder 1671 wurde die Kirche, möglicherweise an ein älteres Patrozinium anknüpfend, Johannes dem Täufer geweiht – daneben hat sich der Name des Vorgängerbaus „Heilig Kreuz“ bis heute gehalten. Die endgültige Fertigstellung erfolgte 1691.

Bauwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenansicht
Blick gegen die Orgelempore

Der Grundriss des Hauptraumes ist außen kreisrund (Durchmesser 20 m), innen mithilfe zweischaliger Wände kreuzförmig. Die Zwiebelkuppel erreicht eine Höhe von 20 m, der Innenraum ist 11 m hoch. Das ursprünglich mit Holzschindeln, heute mit Naturschiefer gedeckte Dach wird von einer eisenfreien Holzkonstruktion getragen. Die Dachspitze ziert ein Dachknauf mit einem doppelarmigen Kreuz als Wetterfahne. Der viereckige Unterturm stammt vom Vorgängerbau und ist 22 m hoch, die Höhe des achteckigen Aufbaus beträgt 11 m, die Höhe der Turmzwiebel 12 m. Damit ist der Turm über 40 m hoch. Auf der Turmspitze ist eine Turmkugel mit Wetterfahne und doppelarmigem Kreuz zu sehen.

Die Farbgebung des Innenraums ist sehr zurückhaltend. Die Stuckarbeiten wurden zum Teil in Modeltechnik ausgeführt. Das Rankenwerk besteht aus Ton. Die Empore ist eine Ergänzung von 1758. Der Fußboden ist aus Ruhpoldinger Marmor.

Einrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hochaltar

Die drei Altäre wurden von Andreas Leisberger (Aibling) entworfen, die Altarfiguren von Blasius Maß (Rosenheim) geschaffen.

Der Hochaltar ist ein viersäuliger Ädikula-Altar mit gesprengtem Schweifgiebel. Im zentralen Schrein steht eine Marienfigur mit Kind auf einer von einer Schlange umwundenen Mondsichel. Assistenzfiguren sind links Johannes der Täufer, rechts Johannes der Evangelist.

Der linke Seitenaltar ist der Kreuzaltar mit einer zentralen Kreuzigungsgruppe (um 1642). Assistenzfiguren sind links der hl. Josef, rechts der hl. Joachim. Im Aufsatz steht eine Halbfigur der hl. Helena.

In der rechten Apsis steht der dem hl. Antonius geweihte Antoniusaltar. Zentralfigur ist der hl. Antonius, dem das Jesuskind erscheint. Assistenzfiguren sind links der hl. Leonhard, rechts der hl. Florian. Im Aufsatz steht eine Halbfigur des hl. Florian. Auf dem Altartisch steht ein Rokoko-Schrein mit der Statue des Ecce homo.

Die Kanzel mit reicher in Schwarz und Gold gefasster Schnitzerei stammt von 1675/80. Auf dem Schalldeckel stehen Statuen König Davids mit Harfe und musizierender Engel. Am horizontalen Zugang von der Sakristei zeigen Brüstungsgemälde Jesus den Guten Hirten und die vier Evangelisten.

Über dem südlichen Sakristeiportal ist eine gotische Pietà als gefasste Schnitzfigur (um 1520) angebracht. Zur weiteren Einrichtung gehören zwei frühklassizistische Beichtstühle von 1794 und ein freistehendes, barockes Weihwasserbecken aus rotem Marmor. Die Gemälde des Kreuzweges mit den bewegten Darstellungen stammen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Der steil emporstrebende Innenraum mit seinem Ruhpoldinger Marmorboden, den drei dunkel gehaltenen, ernst wirkenden Altären und den freundlichen Stuckarbeiten, vor allem aber die fast orientalisch anmutende Architektur in malerischer Lage vor den bayerischen Alpen machen die Westerndorfer Kirche zu einem Kleinod bayerischer Barockarchitektur.

Friedhofskapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegenüber dem Westportal steht die Friedhofskapelle, die ehemalige Toranlage des Friedhofs. Sie wurde gleichzeitig mit der Kirche von denselben Meistern erbaut. An der südlichen Innenwand zeigt ein volkstümliches Gemälde von 1691 einen vor einem Beinhaus betenden Ritter, der von sich aus den Gräbern erhebenden Skeletten mit verschieden Geräten vor bewaffneten Verfolgern geschützt wird. In der nördlichen Innennische ist eine Ölbergszene aus stoffgekleideten Gliederpuppen, (z. T. aus dem 18. Jahrhundert) aufgebaut.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter von Bomhard, Sigmund Benker: Kirche St. Johann Baptist / Heilig Kreuz. Westerndorf am Wasen. Reihe „Kleine Kunstführer“, Regensburg 2011 (Schnell & Steiner), ISBN 978-3-7954-4425-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wallfahrtskirche Heilig Kreuz (Westerndorf am Wasen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Auf www.kirchenfuehrungen-rosenheim.de heißt die Kirche „St. Johann Baptist“ bzw. „Filial- und Wallfahrtskirche St. Johann Baptist und Heilig Kreuz“, auf kirchenamwasen.de „Johann Baptist / Heilig Kreuz“, auf www.touristinfo-rosenheim.de „Heilig Kreuz“ bzw. „St. Johannes Baptist“.
  2. Zitat von www.touristinfo-rosenheim.de.
  3. Zitat von kirchenamwasen.de.
  4. Gemäß Kathrin Müller: Die Wallfahrtskirche Weihenlinden. Baugestalt und Ikonographie im historischen Kontext, Magisterarbeit an der Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München, München 2005, S. 50, zählt die Westerndorfer Kirche zu den „gesicherten Pader-Bauten“.

Koordinaten: 47° 49′ 20″ N, 12° 4′ 42″ O