St. Johann Baptist und Heilig Kreuz

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St. Johann Baptist und Heilig Kreuz

Die Filial- und Wallfahrtskirche St. Johann Baptist und Heilig Kreuz[1] in Westerndorf am Wasen bei Rosenheim ist eine Barockkirche, deren auf kreisrundem Grundriss erbauter Hauptraum von einer gewaltigen Zwiebelkuppel gekrönt wird. Das Dach gilt als „Deutschland größtes Zwiebeldach“[2] und zählt zu den „größten freitragenden Holzkuppelkonstruktionen Europas“[3].

Baugeschichte und Architektur[Bearbeiten]

Turm und Zwiebeldach
Kanzel und Stuckarbeiten

Die Baugeschichte von St. Johann Baptist und Heiligkreuz fällt in die Jahre 1648 bis 1691. Weil die gotische Vorgängerkirche baufällig war, wurde 1648, unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg, auf Weisung von Pfarrer Kaspar Waldherr mit den Planungen begonnen. Den Entwurf der Kirche besorgte Constantin Pader, Bausachverständiger des Geistlichen Rates in München.[4]

1668, nach zwanzigjährigem Vorlauf, wurde mit dem Bau begonnen, die Bauleitung hatte der Schlierseer Maurermeister und Stuckateur Georg Zwerger. 1670 oder 1671 wurde die Kirche, möglicherweise an ein älteres Patrozinium anknüpfend, Johannes dem Täufer geweiht – daneben hat sich der Name des Vorgängerbaus „Heilig Kreuz“ bis heute gehalten. Die endgültige Fertigstellung erfolgte 1691.

Der Grundriss des Hauptraums ist außen kreisrund (Durchmesser 20 m), innen mithilfe zweischaliger Wände kreuzförmig. Die Zwiebelkuppel erreicht eine Höhe von 20 m, der Innenraum ist 11 m hoch. Das ursprünglich mit Holzschindeln, heute mit Naturschiefer gedeckte Dach wird von einer eisenfreien Holzkonstruktion getragen. Der viereckige Unterturm stammt vom Vorgängerbau und ist 22 m hoch, die Höhe des achteckigen Aufbaus beträgt 11 m, die Höhe der Turmzwiebel 12 m. Damit ist der Turm über 40 m hoch.

Die Farbgebung des Innenraums ist sehr zurückhaltend. Die Stuckarbeiten wurden zum Teil in Modeltechnik ausgeführt – hierbei gießt man den Mörtel in Formen, ähnlich wie den Teig bei der Herstellung von Weihnachtsgebäck. Das Rankenwerk besteht aus Ton. Die drei Altäre wurden von Andreas Leisberger (Aibling) entworfen, die Altarfiguren von Blasius Maß (Rosenheim) geschaffen. Die Empore ist eine Ergänzung von 1758.

Der steil emporstrebende Innenraum mit seinem Ruhpoldinger Marmorboden, den drei dunkel gehaltenen, ernst wirkenden Altären und den freundlichen Stuckarbeiten, vor allem aber die fast orientalisch anmutende Architektur in malerischer Lage vor den bayerischen Alpen machen die Westerndorfer Kirche zu einem Kleinod bayerischer Barockarchitektur.

Trivia[Bearbeiten]

In einer Szene des Films Das kann doch unsren Willi nicht erschüttern von 1970 ist die Kirche im Hintergrund zu sehen.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter von Bomhard, Sigmund Benker: Kirche St. Johann Baptist / Heilig Kreuz. Westerndorf am Wasen. Reihe „Kleine Kunstführer“, Regensburg 2011 (Schnell & Steiner), ISBN 978-3-7954-4425-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Auf www.kirchenfuehrungen-rosenheim.de heißt die Kirche „St. Johann Baptist“ bzw. „Filial- und Wallfahrtskirche St. Johann Baptist und Heilig Kreuz“, auf kirchenamwasen.de „Johann Baptist / Heilig Kreuz“, auf www.touristinfo-rosenheim.de „Heilig Kreuz“ bzw. „St. Johannes Baptist“.
  2. Zitat von www.touristinfo-rosenheim.de.
  3. Zitat von kirchenamwasen.de.
  4. Gemäß Kathrin Müller: Die Wallfahrtskirche Weihenlinden. Baugestalt und Ikonographie im historischen Kontext, Magisterarbeit an der Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München, München 2005, S. 50, zählt die Westerndorfer Kirche zu den „gesicherten Pader-Bauten“.
  5. Filmszene auf YouTube. Abgerufen am 21. Juli 2012.

47.82222222222212.078333333333Koordinaten: 47° 49′ 20″ N, 12° 4′ 42″ O