Filippo Paulucci

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Filippo Paulucci

Marquis Filippo Paulucci (* 11. September 1779 in Modena; † 25. Januar 1849 in Nizza) war ein italienischer Soldat und Politiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen derer Marquis Paulucci

Er entstammte einem alten italienischen Adelsgeschlecht. Sein Vater Joseph (Giuseppe), gebürtig aus Pesaro, war Gesandter des Herzogs von Modena[1] und starb 1785 als Wirklicher Geheimer Rat Kaiser Josephs II. in Modena, die Mutter Claudia war eine geborene Gräfin Scutellari aus Parma.[2][3] Die Marchesa Claudia Paolucci war eine Palastdame am modenesischen Hofe,[4] zuletzt bei der Erzherzogin Maria Beatrix von Österreich-Modena.[5] Amilcare Paulucci war sein älterer Bruder.[6]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Ausbildung am Jesuitenkolleg trat Paulucci 1793 in den Militärdienst Piemonts ein. Später diente er in der französischen dann der österreichischen Armee. 1801 trat er als Oberst in den Dienst der italienischen Streitkräfte. Im Jahr 1805 war er Kommandant der Festung Cattaro. Nach einem kurzen Aufenthalt in Frankreich war er ab 1807 in russischen Dienste. Für Russland führte er 1807 Verhandlungen mit dem serbischen Woiwoden Kara Georgi. Er kämpfte auf russischer Seite im Russisch-Türkischen und Russisch-Schwedischen Krieg. Am 22. Juni 1808 erfolgte seine Beförderung zum Generalmajor. Auch wurde ihm der Orden des Heiligen Georg IV. Klasse verliehen.

Ab 1810 kommandierte er dann als Stabschef ein georgisches Korps. Am 6. Juli 1811 wurde er Oberkommandierender in Georgien. 1812 erhielt er für die Eroberung Dagestans den Heiligen Georgs Orden III. Klasse. Im gleichen Jahr übernahm er die Funktion als Generalgouverneurs des Baltikums in Riga. Diese Funktion hatte er bis zum 31. Dezember 1829.

1813 wurde er bei der livländischen Ritterschaft immatrikuliert, 1814 bei der kurländischen und 1817 bei der estländischen, als kaiserlich russischer General en chef, Generaladjutant des Kaisers und Generalgouverneur der Ostseeprovinzen. Sein unehelicher Sohn Hamilcar Paulucci, Hauptmann im k.k. Ingenieurcorps, erhielt 1829 den sachsen-coburg-gothaischen Adels- und 1830 zu Coburg den Freiherrenstand. Dieser wurde ihm 1838 vom österreichischen Kaiser in Wien als ein ausländischer anerkannt. Aus seiner Ehe mit Wilhelmine Franziska von Koskull (1777–1824)[7] hatte er noch einen ehelichen Sohn, Alexander Nikolai Marquis Paulucci, auf Troitzkoje bei Odessa, kaiserlich russischer Kammerherr, der 1890 die russische Anerkennung des Marquistitels erhielt.[8]

1830 ging er wieder nach Italien und trat in den sardischen Dienst ein. Folgend wurde er Gouverneur von Genua, Generalinspekteur der sardischen Truppen und Staatsminister.

In der lettischen Hauptstadt Riga wurde ihm zu Ehren des Paulucci-Denkmal errichtet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Civil- und Militär-Oberbefehlshaber zur Zeit der kaiserl. Russischen Regierung über Ehstland und Reval. In: Das Inland, 13. Juni 1855, Nr. 24, Sp. 374
  • C. Bornhaupt: Entwurf einer geographisch-statistisch-historischen Beschreibung LIv- Ehst-und Kurlands, Wilhelm Ferdinand Häcker, Riga 1855, S. 79–80
  • Русские портреты XVIII и XIX столетий. 2013, S. 195 (französisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Filippo Paulucci – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Münchner Zeitungen, von denen Kriegs-, Friedens- und Staatsbegenheiten, 1754, S. 548.
  2. Conversations-Lexicon, Band 2, 1825, S. 346.
  3. Annuaire historique et biographique des souverains, Band 1, Teil 4, 1846 (Digitalisat)
  4. Calendario di Corte in Modena, Modena 1795, S. 21.
  5. Almanacco di Corte, Modena 1821, S. 119.
  6. Biographie Paulucci delle Roncole, Amilcare Ambrosio
  7. Genealogisches Taschenbuch der deutschen gräflichen Häuser. 21. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1848, S. 366.
  8. GHdA, Adelslexikon Band X, Limburg an der Lahn 1999, S. 204 f.