Film- und Fernsehwissenschaftliches Kolloquium

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Das Film- und Fernsehwissenschaftliche Kolloquium (FFK) ist eine fachwissenschaftliche Tagung im deutschsprachigen Raum, die seit 1988 jedes Jahr an einer anderen Universität veranstaltet wird.

Das FFK bietet Medienwissenschaftlern die Möglichkeit, aktuelle Forschungsarbeiten und -ergebnisse zu präsentieren. Es wird kein übergreifendes Rahmenthema gesetzt, um das gesamte Spektrum der medienwissenschaftlichen Forschung einzugliedern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Film- und Fernsehwissenschaftliche Kolloquium fand zum ersten Mal 1988 in Münster statt. Seitdem wird es jedes Jahr von einer anderen Universität ausgerichtet. Obwohl im Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquium bewusst auf ein einheitliches Rahmenthema verzichtet wird, lassen sich immer wieder gewisse Thementendenzen ausmachen. Bereits in den ersten Jahren war eine verstärkte Präsenz empirischer und historisch-hermeneutischer Analysen auszumachen. Diese standen im Gegensatz zu der vorher dominierenden strukturalistischen Methodik. Vor allem die Filmanalyse stand am Anfang des Kolloquiums im Mittelpunkt. Erst 1990 rückte die Fernsehforschung in den Fokus der Wissenschaftler. So kurz nach dem Mauerfall referierten vor allem die Medienwissenschaftler aus der ehemaligen DDR über die bewusstseinsformierende Rolle des Fernsehens. Außerdem beschäftigte man sich mit der Vorgeschichte der Medien und der dispositiven Struktur des Kinos, sowie mit der Zuschauerwahrnehmung und der Blickstrukturierung. Auch der Dokumentarfilm wurde 1990 zum Forschungsgegenstand.[1]
In Weimar weiteten sich die Beiträge von der Film- und Fernsehwissenschaft auf die gesamte Medienwissenschaft aus. Dazu trugen auch Vortragende aus anderen Fachbereichen bei.[2] Nach der Jahrtausendwende wandten sich die Wissenschaftler verstärkt anderen Schwerpunkten zu. 2002 beschäftigten sich die Vortragenden unter anderem mit der Fotografie, der Rezeptionsforschung, sowie dem Video und den digitalen Medien.[3] Dieser Trend setzte sich auch im folgenden Jahr fort. Nicht zuletzt die massenmediale Durchdringung der Gesellschaft warf ethische und medienpädagogische Fragen auf. Auch wenn die namensgebenden Wurzeln des Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquium nie vergessen wurden, bewegten sich die Themen bis Anfang des 21. Jahrhunderts immer mehr von ihnen weg.[4][5]
Nun rücken die Ursprünge wieder in den Vordergrund. 2005 wurden auf dem FFK in Mannheim Überlegungen zum Autorenkino vorgestellt.[6] In Hildesheim untersuchten die Vortragenden Spezifika des Films unter neuen Gesichtspunkten. Seit 2009 ist das Film- und Fernsehwissenschaftliche Kolloquium nicht nur eine Plattform für wissenschaftliche Arbeiten. In einem seither jährlich stattfindenden Plenum gibt es die Möglichkeit zur Diskussion für den sogenannten akademischen Mittelbau. Im Rahmen des Plenums können Fragen zum Selbstverständnis und zur Zukunft der Medienwissenschaft erörtert werden. Das Film- und Fernsehwissenschaftliche Kolloquium wird jedes Jahr von einer anderen Universität ausgerichtet.[7][8]

Selbstverständnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als viele große Tagungen ist das Film- und Fernsehwissenschaftliche Kolloquium ein Event, das ohne Satzung und ohne Trägerschaft von jeweils anderen Organisationsteams realisiert wird; es handelt sich um einen nicht institutionalisierten Selbstläufer. Jedes Jahr wird das FFK von einer anderen Stadt und Universität im deutschsprachigen Raum ausgerichtet, so dass es immer neu entsteht und die verschiedensten Einflüsse und aktuellen Entwicklungen in der Medienlandschaft und rund um den Veranstalter einbeziehen kann. Da das Kolloquium mit Kosten und Aufwand verbunden ist, wird das FFK meist von freiwilligen Helfern, engagierten Studenten und mit Unterstützung von Sponsoren vorbereitet.[9] Offizieller Veranstalter ist jeweils das medienwissenschaftliche Institut der Universität.

Die Tagung ist prinzipiell zugangsoffen, wer sich anmeldet, darf auch vortragen. Dies bietet vor allem den noch nicht etablierten Jungwissenschaftlern die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, wenig diskutierte Themen zu behandeln und Fuß in der wissenschaftlichen Arbeit zu fassen.[10] Das FFK fördert die interdisziplinären und generationsübergreifenden Vernetzungen im individuellen oder institutionellen Rahmen.[11] In einer hierarchiefreien Ebene[12] ist ein problemloser Austausch und eine Selbstverständigung der Teilnehmer rund um das Thema Medien möglich.[13] Die allgemeine Offenheit der Tagung kommt vor allem durch dieses Ziel zustande, jungen Kollegen ein Forum zu öffnen, um laufende Arbeiten, also „works in progress“, und noch unfertige Ergebnisse vortragen zu können. So entsteht ein Werkstattcharakter.[14]
Nicht nur die Zulassung aller Teilnehmer gehört zum Selbstverständnis des FFK, auch die thematische Ungebundenheit ist kennzeichnend. Es wird ein Einblick in die Breite der laufenden Forschungsarbeiten geboten[15] und ein Themenspektrum umspannt, dass weit über den engen Raum der allgemeinen film- und fernsehwissenschaftlichen Fragen hinausgeht[16], wobei Film und Fernsehen noch immer den Kern darstellen. Die thematisch breit gefächerte Tagung gibt einen Einblick in die Auseinandersetzung mit medialen Themen und bietet eine Pluralität an Ansätzen, welche die Komplexität des Phänomens Medien gut widerspiegeln. Akademische Grenzziehungen werden dank des FFK überschritten.[17] Damit fließen auch Inspirationen aus der Politikwissenschaft, Kunstwissenschaft, Philosophie und praktischen Medienarbeit mit ein[18], außerdem aus der Soziologie und Literaturwissenschaft[19]. Durch den bewussten Verzicht auf ein Rahmenthema ist es möglich, die ungefilterte Repräsentanz der Medienwissenschaft wiederzugeben.[20] Dabei wird auf die Bereitschaft und Fähigkeit der Teilnehmer vertraut.

Publikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das FFK-Journal ist die 2016 ins Leben gerufene Online-Publikationsform, die aus dem FFK hervorgegangen ist. Hier erhalten die Vortragenden des FFK die Möglichkeit, ihre im Rahmen des Kolloquiums vorgestellten Forschungsthemen und -projekte der Film-, Fernseh- und Medienwissenschaft in Aufsatzform einzureichen; die Texte werden im Rahmen des Open Access Journals publiziert und so zur Diskussion gestellt.

Übersicht der stattgefundenen Kolloquien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1988 Münster
  • 1989 Berlin
  • 1990 Marburg
  • 1991 Mannheim
  • 1992 Hannover
  • 1993 Berlin
  • 1994 Potsdam
  • 1995 Hildesheim
  • 1996 Weimar
  • 1997 Bochum
  • 1998 Kiel
  • 1999 Bonn
  • 2000 Göttingen
  • 2001 Braunschweig
  • 2002 Paderborn
  • 2003 Marburg
  • 2004 Hamburg
  • 2005 Mannheim
  • 2006 Göttingen
  • 2007 Paderborn
  • 2008 Weimar
  • 2009 Passau
  • 2010 Hildesheim
  • 2011 Zürich
  • 2012 Erlangen
  • 2013 Marburg
  • 2014 München
  • 2015 Mannheim
  • 2016 Bayreuth
  • 2017 Hamburg
  • 2018 Bochum
  • 2019 Potsdam

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heller, Heinz-Bernd/ Felix, Jürgen: 3. Film- und Fernsehwissenschaftliches Kolloquium / Marburg '90. Akten. Münster: MAkS Publikationen 1993. S. 5.
  2. Neitzel, Britta (Hrsg.): FFK 9 : Dokumentation des 9. Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquiums an der Bauhaus- Universität Weimar. Weimar : Univ.--Verl., 1997. S. 7.
  3. Nolte, Andrea: Mediale Wirklichkeiten. Dokumentation des 15. Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquiums, Universität Paderborn, März 2002. Marburg: Schüren 2003. S. 5.
  4. Röwekamp, Burkhard/ Pohl, Astrid/ Steinle, Matthias:. Medien / Interferenzen. Dokumentation des 16. Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquiums, Philipps-Universität Marburg, März 2003. Marburg: Schüren 2003. S. 5.
  5. Hissnauer, Christian/ Jahn-Sudmann, Andreas (Hrsg.): Medien – Zeit – Zeichen. Dokumentation des 19. Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquiums 2006. Marburg: Schüren 2006. S. 9.
  6. Kallwies, Nicole/ Schütz, Mariella (Hrsg.): Mediale Ansichten. Dokumentation des 18. Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquiums, Universität Mannheim 2005. Marburg: Schüren 2005. S. 7 f.
  7. Kallwies, Nicole/ Schütz, Mariella (Hrsg.): Mediale Ansichten. Dokumentation des 18. Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquiums, Universität Mannheim 2005. Marburg: Schüren 2005. S. 7 f.
  8. Frisch, Simon/ Raupach, Tim (Hrsg.): Revisionen – Relektüren – Perspektiven. Marburg: Schüren 2012.
  9. http://www.zfmedienwissenschaft.de/index.php?TID=44@1@2Vorlage:Toter Link/www.zfmedienwissenschaft.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (12. Dezember 2012)
  10. Neitzel, Britta (Hrsg.): FFK 9 : Dokumentation des 9. Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquiums an der Bauhaus- Universität Weimar. Weimar : Univ.--Verl., 1997. S. 7.
  11. Archivlink (Memento des Originals vom 11. Januar 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ffk2012.de (12. Dezember 2012)
  12. http://www.zfmedienwissenschaft.de/index.php?TID=44@1@2Vorlage:Toter Link/www.zfmedienwissenschaft.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (12. Dezember 2012)
  13. Röwekamp, Burhard /Pohl, Astrid / Steinle, Matthias /Wierth-Heining, Mathias (Hrsg.): Medien / Interferenzen. Dokumentation des 16. Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquiums, Philipps-Universität Marburg, März 2003. Marburg: Schüren 2003. S. 5.
  14. Heller, Heinz B. und Felix, Jürgen (Hrsg.): 3. Film- und Fernsehwissenschaftliches Kolloquium / Marburg '90. Akten. Münster: MAkS Publikationen 1993. S. 5–6.
  15. Neitzel, Britta (Hrsg.): FFK 9 : Dokumentation des 9. Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquiums an der Bauhaus- Universität Weimar. Weimar : Univ.-Verl., 1997. S. 7.
  16. Nolte, Andrea (Hrsg.): Mediale Wirklichkeiten. Dokumentation des 15. Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquiums, Universität Paderborn, März 2002. Marburg: Schüren 2003. S. 5.
  17. Hißnauer, Christian / Jahn-Sudmann, Andreas (Hrsg.): Medien – Zeit – Zeichen. Dokumentation des 19. Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquiums 2006..Marburg: Schüren 2006. S. 9.
  18. Neitzel, Britta (Hrsg.): FFK 9 : Dokumentation des 9. Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquiums an der Bauhaus- Universität Weimar. Weimar : Univ.-Verl., 1997. S. 7.
  19. Röwekamp, Burhard /Pohl, Astrid / Steinle, Matthias /Wierth-Heining, Mathias (Hrsg.): Medien / Interferenzen. Dokumentation des 16. Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquiums, Philipps-Universität Marburg, März 2003. Hrsg. v. Marburg: Schüren 2003. S. 5.
  20. Heller, Heinz B. und Felix, Jürgen (Hrsg.): 3. Film- und Fernsehwissenschaftliches Kolloquium / Marburg '90. Akten. Münster: MAkS Publikationen 1993. S. 5–6.