Filmfest Hamburg

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Das Filmfest Hamburg ist ein jährlich stattfindendes Filmfestival in Hamburg. In elf festen Sektionen und weiteren, jährlich wechselnden Themenschwerpunkten zeigt es jeden Herbst etwa 130 Filme als Welturaufführung, Europapremiere oder deutsche Erstaufführung. Das Programmspektrum reicht von cineastisch anspruchsvollen Arthouse-Filmen über Fernsehfilme bis hin zum innovativen Mainstreamkino.

Als Plattform für kulturellen Austausch und Dialog innerhalb der Filmbranche und mit den Kinofans wird ein Großteil der Filme von den Filmschaffenden persönlich in Hamburg vorgestellt. Zahlreiche Rahmenveranstaltungen begleiten die Filmvorführungen. Die jährliche Gesamtbesucherzahl liegt bei rund 40.000.

Das Festival unter der Leitung von Albert Wiederspiel feierte 2017 sein 25-jähriges Bestehen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon in den 1950er Jahren gab es verschiedene Veranstaltungen zum Thema Film in Hamburg. So unter anderem Hamburger Filmtage, Filmwochen oder die Kinotage. Diese wurden von der Hamburger Filmwirtschaft zusammen mit verschiedenen deutschen Verleihfirmen organisiert und ausgerichtet.

Im Jahr 1968 taten sich einige junge Filmemacher zusammen, um die 1. Hamburger Filmschau zu organisieren. Ein Wochenende, das als Film-Happening in die Geschichte des jungen deutschen Films eingegangen ist.

In den 1970er Jahren gründeten mehrere Programmkinos aus ganz Deutschland die Arbeitsgemeinschaft Kino e. V. (AG Kino) mit Sitz in Hamburg. Seit 1974 richtete die Arbeitsgemeinschaft die Hamburger Kinotage aus.

Im Jahr 1979 wandten sich bekannte Filmschaffende aus München, unter ihnen Hark Bohm, Werner Herzog, Volker Schlöndorff und Wim Wenders, in der sogenannten Hamburger Erklärung gegen die Fremdbestimmung des deutschen Filmes durch Gremien, Anstalten und Interessengruppen. Sie initiierten zugleich das Filmfest der Filmemacher.

Am 29. Oktober 1979 gründete ein Zusammenschluss Hamburger Filmemacher das Hamburger Filmbüro e. V. Ab 1986 veranstaltete das Hamburger Filmbüro das vielbeachtete Europäische Low Budget Film Forum, an der viele damals noch unbekannte Regisseure wie Derek Jarman, Stephen Frears oder Lars von Trier teilnahmen.

Um Kräfte zu bündeln und die immer knapper werdenden öffentlichen Gelder sinnvoller einzusetzen, schlossen sich das Low Budget Film Forum und die Kinotage gegen Ende des Jahres 1991 zusammen. Unter den Gründungsmitgliedern waren u. a. die AG Kino e.V. und das Hamburger Filmbüro e. V. Gemeinsam wurde die Ausrichtung des Filmfests Hamburg beschlossen. Im Jahr 1992 fand das Filmfest Hamburg erstmals unter der Leitung von Rosemarie Schatter statt.

Zwei Jahre später löste sie der Filmproduzent Gerhard von Halem als Festivalleiter ab. Das Hamburger Festival war – trotz gewisser Bezüge zu den früheren Veranstaltungen – doch etwas völlig anderes. Das Hauptaugenmerk lag zwar nach wie vor auf den Themen Junges Kino oder Unabhängige Filme, aber die Atmosphäre rund um das Filmfest Hamburg wurde immer stärker vom Glanz und Glamour großer Stars geprägt.

Im Jahr 1995 übernahm Josef Wutz die Festivalleitung. Unter seinem Einfluss wurde das Festival kontinuierlich ausgebaut und etablierte sich weit über Hamburgs Grenzen hinaus. Darüber hinaus bot das Festival fortan auch Hamburger Fernsehproduktionen eine eigene Sektion innerhalb des Festivalprogramms. Auch die sogenannten Neuen Medien erhielten eine Präsentations- und Diskussionsplattform beim Filmfest Hamburg.

2003 wurde Albert Wiederspiel Leiter des Filmfests Hamburg. Seitdem wird das Angebot des internationalen Films stetig erweitert. 2012 feierte das Filmfest Hamburg sein 20-jähriges Jubiläum und präsentierte sich mit 148 Filmen aus 44 Ländern in sieben verschiedenen Kinos. Begleitend erschien im September 2012 ein reich bebildertes Buch mit Geschichten und Anekdoten rund um Stars und Sternchen, Filme und Gäste, Kinos und Publikum während 20 Jahren Filmfest Hamburg.

Sektionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Festivalprogramm besteht aus folgenden Sektionen:

  • Freihafen: Deutsch-europäisch koproduzierte Filme stehen im Wettbewerb um den „Hamburger Produzentenpreis für Europäische Kino-Koproduktionen“.
  • Veto!: Seit 2015 geben sich die Dokumentar- und Spielfilme in dieser Sektion für den politischen Film beim Filmfest Hamburg mit einem ersten Blick nicht zufrieden. Sie schauen noch ein zweites und drittes Mal hin und gewähren Einsichten, die gewöhnliche Nachrichtenbilder nicht geben.
  • Voilà!: Voilà! präsentiert Spielfilme, die entweder aus Frankreich oder französischsprachigen Regionen stammen.
  • Vitrina: Das Schaufenster für aktuelle Filmproduktionen aus spanisch- und portugiesischsprachigen Ländern zeigt einen Ausschnitt des filmischen Schaffens der iberischen Halbinsel und Lateinamerikas.
  • Asia Express: Wirft faszinierende, frische und ungewöhnlich Blicke in die verschiedensten asiatischen Filmkulturen und bereichert gängige Vorstellungen vom Filmraum Asien um einige überraschende Facetten.
  • Eurovisuell: Diese Sektion stellt die größten Publikumserfolge aus verschiedenen europäischen Ländern vor.
  • Transatlantik: Transatlantik ist die Sektion für das nordamerikanische Kino. Es durchspannt die USA von New York über Pittsburgh bis Minnesota und South Dakota und umschließt das englischsprachige Kanada.
  • Große Freiheit: Filme aus Deutschland mit Lust an neuen Themen und Narrationen. Als Spezialprogramm innerhalb der Sektion: Produktionen made in Hamburg in der „Hamburger Filmschau“.
  • Kaleidoskop: Bietet vielschichtige Einblicke ins aktuelle Filmschaffen verschiedener Länder und Kontinente. Im Fokus: Menschenbilder in unterschiedlichen Kulturen und politischen Situationen.
  • Televisionen: Fernsehen mit Format. Unter dem Titel Televisionen werden aktuelle deutsche Fernsehproduktionen präsentiert, die Mehrzahl davon als Welturaufführung.
  • MICHEL Kinder und Jugend Filmfest: Die Kinder- und Jugendsektion MICHEL zeigt deutsche und internationale Spiel- und Animationsfilme in Originalversion, die im Kinosaal live auf Deutsch eingesprochen werden.

Preisverleihungen und Preisträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen des Filmfests Hamburg werden folgende Preise verliehen:

Douglas Sirk Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser nach dem Filmschaffenden und gebürtigen Hamburger Douglas Sirk benannte Preis wird jedes Jahr an eine Persönlichkeit verliehen, die sich um Filmkultur und Filmbranche verdient gemacht hat. Der Preis ist ein vom Hamburger Designer Georg Plum entworfener Kristall. Im Jahr 2005 wurde der Preis erstmals nicht an eine Person, sondern an eine Firma verliehen. Es handelt sich dabei um die Filmproduktionsfirma „Zentropa“ aus Dänemark, deren Gründer unter anderem der Regisseur Lars von Trier ist.

Bisherige Preisträger

Hamburger Produzentenpreis für Europäische Kino-Koproduktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 wurde erstmals der Hamburger Produzentenpreis, der mit insgesamt 50.000 Euro dotiert ist, verliehen. Damit werden sowohl deutsch-europäische Kinoproduktionen (Hamburger Produzentenpreis für Europäische Kino-Koproduktionen) als auch deutsche Fernsehproduktionen (Hamburger Produzentenpreis für Deutsche Fernsehproduktionen) ausgezeichnet. Das Preisgeld verteilt sich auf insgesamt zwei Sektionen mit jeweils 25.000 Euro.

Der Hamburger Produzentenpreis für Europäische Kino-Koproduktionen wird in der Sektion Freihafen vergeben. Hier werden deutsch-europäische Koproduktionen gezeigt. Der deutsche Koproduzent des Gewinnerfilms erhält 25.000 Euro, die von der Hamburger Kulturbehörde zur Verfügung gestellt werden. Der ausländische Koproduzent desselben Gewinnerfilms erhält von der Hamburger Postproduktionsfirma Optical Art ein Kino-Grading im Wert von rund 15.000 Euro.

Bisherige Preisträger

Hamburger Produzentenpreis für Deutsche Fernsehproduktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie in den vergangenen Jahren wird dieser Preis (vormals: TV-Produzentenpreis) beim Filmfest Hamburg in der TV-Sektion 16:9 vergeben. Hierfür werden zehn bis zwölf deutsche Fernsehfilme nominiert. Der Produzent des Gewinnerfilms erhält 25.000 Euro. Das Preisgeld wird erstmals von der VFF, Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten mbH, gestiftet.

Bisherige Preisträger

Filmfest Hamburg Kritikerpreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmkritiker*innen und Kulturredakteur*innen von deutschen Nachrichtenmagazinen, Onlinemedien, Radiosendern und Tageszeitungen vergeben den Preis an einen Film aus dem Programm, der sich durch eine originelle Sichtweise auszeichnet. Der Filmfest Hamburg Kritikerpreis löst den seit 2004 vergebenen Preis der Hamburger Filmkritik ab.

Bisherige Preisträger

Der Politische Film der Friedrich-Ebert-Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Friedrich-Ebert-Stiftung vergibt seit 2013 diesen Preis beim Filmfest Hamburg. Filme, die sich durch einen politischen Anspruch auszeichnen, konkurrieren um das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro. Prämiert wird die beste Regiearbeit.

Bisherige Preisträger

Art Cinema Award[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2008 wurde der 1969 eingerichtete Art Cinema Award des internationalen Verbands der Filmkunsttheater (C.I.C.A.E.) erstmals auch in Hamburg vergeben. Die Jury besteht aus drei Kinobetreibern. Nominiert sind alle Filme, die einen deutschen Verleih haben. Das große Netzwerk des Verbands unterstützt die Distribution des Gewinnerfilms europaweit. Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein begleitet den Preis mit einer Summe von 5.000 Euro und fördert damit PR-Maßnahmen des deutschen Verleihs.

Bisherige Preisträger

NDR Nachwuchspreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2012 löste der NDR Nachwuchspreis Die Elfe ab, die seit 2008 vergeben wurde. „Mit dem NDR Nachwuchspreis wollen wir junge Regisseure ermutigen, auch in Zukunft anspruchsvolle Filme zu produzieren“, begründet Lutz Marmor, Intendant des NDR, sein Engagement. Der Nachwuchspreis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Bisherige Preisträger

Commerzbank Publikumspreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zuschauer entscheiden per Stimmzettel, welcher der teilnehmenden Filme der Sektion Eurovisuell zum Siegerfilm prämiert werden soll. Der Publikumspreis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird seit 2015 gestiftet von der Commerzbank.

Bisherige Preisträger

MICHEL Filmpreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Filmpreis der Kinder- und Jugendsektion wird seit 2003 vergeben. Zunächst als Emil, ab 2004 als MICHEL wird er seit 2013 von der Hamburgischen Kulturstiftung und der Rolner Stiftung gemeinsam vergeben. Das Preisgeld für den besten Kinder- und Jugendfilm beträgt 5.000 Euro. Eine Kinder- und Jugendjury wählt unter allen gezeigten Filmen des internationalen Wettbewerbs vom MICHEL Kinder und Jugend Filmfest ihren Favoriten.

Bisherige Preisträger

Nicht mehr vergebene Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Montblanc Drehbuch Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinsam mit dem Hamburger Unternehmen Montblanc vergab das Filmfest Hamburg den mit 10.000 Euro dotierten Montblanc Drehbuch Preis. Der Preis wurde unter den Spielfilmen der Sektion Nordlichter vergeben. Diese Sektion präsentierte Filme, in denen „Nordlichter“ und der Norden eine Rolle spielen und/oder die im Norden gedreht wurden.

Foreign Press Award[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum ersten Mal verliehen 2009 vier Vertreter des Vereins der ausländischen Presse in Deutschland (VAP e.V.) einen eigenen Preis, den Foreign Press Award. Der Foreign Press Award wurde 2012 zum letzten Mal vergeben.

Rahmenprogramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bundesverband Schauspiel (BFFS) veranstaltet im Rahmen des Filmfestes seit 2012 die Interviewreihe Klappe auf![3][4] Der Fokus der Gesprächsreihe liegt auf der Zusammenarbeit von Schauspielern und Regisseuren. Themen sind: Equal Pay, Diversity, Genderthematik, Arbeitsbedingungen, Mindestlohn, Filmförderpolitik und Gagenverfall. Des Weiteren geht es um kulturpolitische Themen und die Reflexion über die Möglichkeiten, die Verantwortung und die Wichtigkeit des Deutschen Films in der Gegenwart.[5] Die Interviewreihe wird jährlich jeweils in der Nr. 3 der Hamburger Fachzeitschrift aufblende der Körperschaft Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein programmtechnisch und zweisprachig erwähnt.[6]

Zu den bisherigen Teilnehmern gehörten Christian Alvart, Lars Kraume, Lars Becker, Theresa von Eltz, Cate Shortland, Hendrik Handloegten, Marc Brummund, Andre Erkau, Katrin Gebbe, Monika Treut, Sherrry Hormann, Christian Zübert, Stephan Rick, Lars Jessen und Johannes Fabrick.

2012 und 2013 hat der BFFS die Videos der Reihe veröffentlicht.[7] 2014 wurden alle Interviews in Zusammenarbeit mit der SAE Hamburg aufgezeichnet und von Spiegel TV online veröffentlicht.[8] 2015 hat Klappe auf! mit der Medienakademie Hamburg kooperiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Patricia Batlle auf ndr.de: Frauenpower beim Filmfest Hamburg (Memento vom 4. Oktober 2015 im Internet Archive) vom 6. Oktober 2015 (abgerufen am 7. Oktober 2015)
  2. Siehe die Kurzbeschreibung im Programm des Filmfests Hamburg.
  3. Bundesverband Schauspiel Website. Abgerufen im 10. Juni 2016.
  4. tbauer: Klappe auf! BFFS-Talkreihe beim Filmfest Hamburg. In: www.castmag.de. Abgerufen am 20. April 2016.
  5. Volker Behrens und Karolin Jacquemain: Hamburg feiert und vergibt zwei neue Filmpreise. In: www.abendblatt.de. Abgerufen am 24. Mai 2016.
  6. short cuts. In: aufblende. Jg. 13, Nr. 3. Hamburg 2013, S. 22 (Online [PDF]).
  7. Alle Videos KLAPPE AUF. Abgerufen im 7. Juni 2016.
  8. Spiegel TV | Messeblog von SAE Institute. In: www.saemesseblog.de. Abgerufen am 24. Mai 2016.