Fimo

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Fimo-Blöcke in Verkaufsverpackung

Fimo (Eigenschreibweise FIMO) ist der Markenname einer selbsthärtenden Modelliermasse, die von dem Nürnberger Unternehmen Staedtler Mars GmbH & Co. KG in verschiedenen Varianten hergestellt und vertrieben wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erfindung von Fimo geht zurück auf 1939 unternommene Versuche im Unternehmen der Puppenmacherin Käthe Kruse, den damals neu erfundenen Kunststoff Igelit zur Herstellung von Puppenköpfen zu verwenden. Das Material erwies sich jedoch als ungeeignet, da die Bemalung zu schlecht haftete. Während des Zweiten Weltkriegs und des dadurch verursachten Rohstoffmangels begann Kruses Tochter Sofie Rehbinder-Kruse 1941 mit den Restbeständen des Materials zu experimentieren und entdeckte seine Verwendbarkeit als Modelliermasse. 1954 brachte sie das weiterentwickelte Produkt unter dem Namen Fimoik (zusammengesetzt aus dem Spitznamen der Erfinderin Fifi, Modelliermasse und Mosaik) als „Käthe Kruses Ofenknete“ auf den Markt. Es handelte sich hierbei um die erste Modelliermasse, die wie Knete verarbeitet und anschließend in einem haushaltsüblichen Backofen, also ohne Verwendung eines Brennofens, gehärtet werden konnte.

1964 wurden die Rechte an das Unternehmen Eberhard Faber verkauft, das einen Relaunch der Marke vornahm: Ab 1966 wurde das Produkt mit veränderter Rezeptur und neuem Logo unter dem kürzeren Namen FIMO international vermarktet. In der Bundesrepublik Deutschland wurde es mit dem Spiel-gut-Zeichen ausgezeichnet.

1978 übernahm Staedtler die Eberhard Faber GmbH und damit auch alle Rechte an Fimo. Seit dem Weiterverkauf von Eberhard Faber an Faber-Castell 2009 wird Fimo unter der Herstellermarke Staedtler vertrieben.

In den 80er Jahren erreichte das Produkt den Höhepunkt seiner Popularität, so dass „Fimo“ zu einem Gattungsnamen für ofenhärtende Knete wurde. Dem rückläufigen Kaufinteresse in den 90er Jahren suchte der Hersteller mit der Einführung von neuen Farben, Effekten (wie Glitzer und Phosphoreszenz) und Produktvarianten zu begegnen. 1996 wurde mit FIMO soft eine leichter zu verarbeitende Knete für Kinder eingeführt und 1999 das bisherige FIMO in FIMO classic umbenannt. 2003 kam mit FIMO liquid eine flüssige Form für Applikationen und Verzierungen auf den Markt. 2008 wurden die Effektfarben in eine eigene Produktlinie FIMO effect ausgelagert und 2014 wurde FIMO classic in FIMO professional umbenannt und eine weitere Variante FIMO kids für kleinere Kinder auf den Markt gebracht.[1]

Nach der Trennung von Eberhard Faber wurde die dort entwickelte, an der Luft trocknende Knetmasse EFA Plast 2010 unter dem Namen FIMOair in das Fimo-Sortiment übernommen, während sie von Eberhard Faber weiter unter dem ursprünglichen Namen vertrieben wird.

2021 umfasste die Produktpalette die ofenhärtenden Varianten FIMO kids (besonders weich, für Kinder, 24 Farben), FIMO soft (weich, für Einsteiger, 24 Farben), FIMO effect (36 Farben, 8 Effekte wie Metallic, Glitzer, Perlglanz usw.), FIMO leather-effect (bleibt nach dem Aushärten flexibel, optisch und haptisch lederähnlich, 12 Farben), FIMO professional (härter, mit höherer Stabilität für feine Details, 24 Farben), FIMO professional doll art (speziell für Puppenmacher, 12 Farben, darunter 6 Hauttöne mit Porzellanglanz) und FIMO liquid (fließfähig, 3 Farben und transparent) sowie die lufttrocknenden Varianten FIMOair basic (tonähnlich, 3 Farbtöne), FIMOair natural (mit Zellulosefasern, nach dem Aushärten von holzähnlicher Konsistenz, 6 Holzfarben) und FIMOair light (besonders leicht und weich, 2 Farben), dazu Bearbeitungswerkzeuge und weiteres Zubehör.[2]

Zusammensetzung und Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Fimo hergestellte Ohrringe

Nach Herstellerangaben bestehen die ofenhärtenden Sorten aus PVC-Pulver, phthalatfreien Weichmachern und Zusatzstoffen, die lufttrocknenden Sorten (außer FIMOair light) aus Kaolin, Wasser und Zusatzstoffen. Innerhalb jeder der beiden Produktgruppen sind die Sorten untereinander mischbar.

Nach dem Modellieren härtet Fimo im Backofen bei 110 °C in 30 Minuten aus. FIMOair benötigt je nach Objektgröße Stunden bis Tage zum Durchtrocknen bei Raumtemperatur; FIMOair light kann zur Beschleunigung des Trocknungsvorgangs auch in der Mikrowelle getrocknet werden (10 Minuten bei 600 Watt). Nach dem Härten lassen sich die Modelle durch Bemalen und Lackieren sowie je nach Sorte in unterschiedlichem Maße durch Sägen, Schnitzen, Drechseln, Bohren, Schleifen und Polieren weiterbearbeiten.

Produktsicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Konformität der Fimo-Produkte mit den geltenden Sicherheitsbestimmungen wird innerhalb der Europäischen Union durch das CE-Zeichen, in den Vereinigten Staaten durch das AP-Siegel des Arts and Creative Materials Institute bescheinigt.[3]

Bei einem Test von Modelliermassen durch die Zeitschrift Öko-Test im Jahre 1993 wurden alle dauerhaft aushärtenden Produkte, darunter auch Fimo, als „nicht empfehlenswert“ eingestuft. Seitdem wurde die Rezeptur geändert; im Vorgriff auf das 2007 erlassene Verbot von phthalathaltigen Weichmachern in Kinderspielzeug durch die EU ersetzte der Hersteller sie 2006 durch nicht-phthalathaltige Weichmacher.

Laut Herstellerempfehlung darf beim Härten die Temperatur von 130 °C nicht überschritten werden, da ansonsten gesundheitsschädliche Salzsäuredämpfe entstehen können.[4]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der DDR wurde ein vergleichbares Produkt unter dem Namen SURALIN hergestellt und vertrieben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 50 years of FIMO. Abgerufen am 7. Juli 2021 (englisch, auf der Website von Staedtler).
  2. Die verschiedenen FIMO-Arten. Abgerufen am 7. Juli 2021 (auf der Website von Staedtler).
  3. Liste der zertifizierten Produkte auf der ACMI-Website
  4. FIMO-Gebrauchsanleitung (Memento vom 21. März 2014 im Internet Archive) (PDF, 44 KB)