Finkenkrug

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Finkenkrug
Stadt Falkensee
Koordinaten: 52° 33′ 48″ N, 13° 2′ 33″ O
Höhe: 32 m
Postleitzahl: 14612
Vorwahl: 03322

Finkenkrug ist ein Ortsteil der Stadt Falkensee westlich von Berlin. Der Ortsteil hat seinen Namen vom Alten Finkenkrug, einem Teerofen im Bredower Forst. Der Ort entstand ab 1850 um den neuen Bahnhof Finkenkrug. Besonders in der Gegend um den Lindenweiher zeichnet sich ein Stadtbild aus alten Villen und grün umsäumten Straßen. Um die Jahrhundertwende war Finkenkrug ein beliebtes Ausflugsziel der Berliner.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet des heutigen Ortsteils Finkenkrug war bis Mitte des 19. Jahrhunderts weitgehend unbesiedelt. Es bestand aus Waldgebieten, Bruchlandschaft und landwirtschaftlich genutzten Feldern. Diese waren in Besitz des Rittergutes Seegefeld. Zum Vorwerk gehörten ein Jägerhaus und eine Schäferei. In der Nähe befand sich die 1710 erstmals genannte Teerofen­siedlung „Alter Finkenkrug“.

Bahnhof Finkenkrug 2006, Luftbild

Am 12. Dezember 1846 wurde die Bahnstrecke Berlin–Hamburg eröffnet, die durch das Gebiet führt. 1850, nach Einführung des Berliner Vorortverkehrs, wurde zunächst die Sonntagsbedarfshaltestelle Finkenkrug eingerichtet. 1852 wurde ein Bahnhof gebaut. In der Gründerzeit kamen ab 1870 sonntags bis zu 25.000 Berliner Ausflügler. Es entstanden Ausflugslokale und Restaurants. Ab 1891 hielten Personenzüge regelmäßig in Finkenkrug.

Der Kaufmann Bernhard Ehlers (1848–1919), der Gründer Finkenkrugs, erwarb 1888 das Rittergut Seegefeld mit den dazugehörigen 657 Hektar großen Ländereien um die Bahnhöfe Seegefeld und Finkenkrug. 1892 wurde Ehlers Bebauungsplan für ein 90 Hektar großes Gebiet südlich der Bahnlinie in Neu-Finkenkrug von den Behörden gebilligt. 1893 wurde die erste Genehmigung zur Anlegung einer Kolonie mit 30 Villen in Bahnhofsnähe erteilt. Die ersten Häuser entstanden 1895.

Von 1895 bis 1898 stagnierte das Besiedlungskonzept. Weil Ehlers Probleme mit dem Grundwasser befürchtete, verkaufte er am 5. Mai 1898 das Rittergut Seegefeld und den Grundbesitz (657,42 ha, davon 400 ha Laubwald) an die Deutsche Ansiedlungsbank in Halensee für rund eine Million Mark. 1899 waren bereits zwei Drittel der Siedlungsfläche verkauft. Die Ansiedlungsbank arbeitete 1900 für Neufinkenkrug einen auf 258 ha erweiterten Siedlungsplan aus, der am 5. September 1903 genehmigt wurde und auch Plätze für einen Friedhof, für die Schule, die Kirche und für den Fall einer eigenständigen Ortsverwaltung auch Platz für ein Rathaus, ein Gefängnis, und ein Feuerwehrhaus vorsah. Ein Verein zur Förderung von Neufinkenkrug wurde 1903 gegründet. Im gleichen Jahr war Baubeginn der Schule und die Pflasterung des Rohrbecker Weges wurde genehmigt. 1905 zählte Neufinkenkrug 163 Einwohner. 1913 hatte der Ort 650 Einwohner.

Anna von Gierke und Martha Abicht gründeten 1921 die GmbH Landjugendheim Finkenkrug am Havelländer Weg. Bereits ein Jahr später wurde die erste Baracke aufgestellt, die zunächst Kindern sowie Schülerinnen und Angestellten des Verein Jugendheim Erholung bot. Das Landjugendheim, das sich schnell zu einer großen allumfassenden sozialpädagogischen Einrichtung entwickelte, wurde zuerst von Alice Bendix und später von Isa Gruner geleitet. Die Finkenkruger Kirche wurde 1926 fertiggestellt.

Im September 2000 wurde der Bürgervein Finkenkrug gegründet. Ziel des Vereins ist die Pflege, der Erhalt und der Ausbau des Ortsteils Finkenkrug unter besonderer Beachtung der geschichtlichen, kulturellen und denkmalgerechten Behandlung der alten Siedlung Kolonie Finkenkrug von 1899.[1] Im Jahr 2009 wurde der Bahnhof erneuert.[2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Finkenkruger Kirche

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Voigt, evangelischer Pfarrer in Finkenkrug von 1926 bis 1961
  • Hermann Lüddecke (* 1938), Architekt und Maler
  • Franz Haferland, Maler
  • Gertrud Kolmar (1894–1943), jüdische Lyrikerin, Tochter des Juristen Chodziesner aus Kolmar/Posen, wohnte in Finkenkrug, Feuerbachstraße 13, sie kam mit dem 32. Transport im Jahr 1943 nach Auschwitz und wurde unmittelbar nach der Ankunft dort ermordet
  • Ottilie Ehlers-Kollwitz (1900–1963), Grafikerin und Malerin
  • Felix Jacoby (1876–1959), Klassischer Philologe

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Wagner: Finkenkrug in seinem Jahrhundert, hrsg. v. Förderverein des Heimatmuseums Falkensee e. V., 2001.
  • Richard Wagner: Illustrierte Geschichte von Falkensee, hrsg. v. Förderverein des Heimatmuseums Falkensee e. V., 2003.
  • Verein zur Förderung von Neufinkenkrug (Hrsg.): Neufinkenkrug und seine Entwicklung, 1914.
  • Festschrift des Alten Finkenkrugs, Lehrer Rehfeld, 1927.
  • Kurt Ruppin: Seegefeld, 1994.
  • Kulturamt der Stadt Falkensee (Hrsg.): Falkensee, wie es früher war, 1. Auflage 1994.
  • Chronik, 1961.
  • Hans-Ulrich Rhinow: Heimatgeschichte Falkensee und Region.
  • Erika Paul: Zwischen Sozialgeschichte und Fluchtort. Das Landjugendheim Finkenkrug und seine mutigen Frauen, Hentrich & Hentrich Verlag Berlin, Berlin 2013, ISBN 978-3-942271-84-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Finkenkrug – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zivilgesellschaft im Fokus: Der Bürgerverein Finkenkrug. Abgerufen am 19. Dezember 2014
  2. Bahnen im Berliner Raum: Finkenkrug
  3. Bredower Forst