Firmenwagen

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Dieser Artikel behandelt an Arbeitnehmer überlassene Dienst-Pkw. Dienstwagen im Schienenverkehr behandelt der Artikel Arbeitswagen.
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Die Begriffe Firmenwagen oder Dienstwagen sind gesetzlich nicht definiert. Üblicherweise werden die Begriffe im Steuerrecht in Verbindung mit der Privatnutzung eines betrieblich zur Verfügung gestellten Pkws verwendet. Ein Dienstwagen kann auch ein Pkw mit oder ohne Fahrer (Chauffeur) sein, welcher Staats-Repräsentanten (Ministern, Behördenleitern) für dienstliche (und private) Zwecke gestellt wird; die private Nutzung ist dabei in der Regel nachvollziehbar zu protokollieren.

Vertraglich wird regelmäßig vereinbart, dass Firmenwagen ab Freistellung oder Beendigung eines Arbeitsverhältnisses zurückzugeben sind. Wenn der Firmenwagen beschädigt wird, kann der Arbeitnehmer nach den Grundsätzen der Arbeitnehmerhaftung zum Kostenersatz verpflichtet sein.

Steuerliche Behandlung der privaten Firmenwagen-Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einkommensteuer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Allgemeinen wird das betriebliche Kraftfahrzeug nicht nur für betriebliche Fahrten zur Verfügung gestellt, sondern darf auch für private Fahrten sowie für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte genutzt werden. Die Nutzung eines betrieblichen Kraftfahrzeugs durch einen Arbeitnehmer für private Zwecke ist gemäß § 8 Abs. 2 S. 2 EStG iVm § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG bei diesem als geldwerter Vorteil zu versteuern. Der geldwerte Vorteil der privaten Nutzung kann bemessen werden

  • pauschal mit monatlich 1 % des Brutto-Listenpreises (= unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers) zum Zeitpunkt der Erstzulassung, oder
  • mit den tatsächlichen, durch Fahrtenbuch ermittelten Kosten.

Umsatzsteuer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Umsatzsteuer hat der Arbeitgeber die Überlassung des betrieblichen Kraftfahrzeugs an einen Arbeitnehmer als unentgeltliche Wertabgabe zu versteuern. Hierbei sind drei Varianten zulässig:

  • pauschal mit 1 % des Brutto-Listenpreises; Voraussetzung ist hierfür, dass der Nutzungswert für Zwecke der Lohnsteuer ebenfalls nach dieser Methode ermittelt wurde (siehe oben)
  • nach Fahrtenbuch
  • durch sachgemäße Schätzung (Beispiel: vereinfachtes Fahrtenbuch, andere nachvollziehbare Schlussfolgerungen)

Hinzu kommt die Nutzung für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Als Wertansatz für diese Fahrten kann entweder der nach Fahrtenbuch ermittelte Wert oder aber pauschal monatlich 0,03 % des Brutto-Inlands-Listen(neu)preises je Entfernungskilometer angesetzt werden. Umsatzsteuerlich ist insoweit nichts veranlasst, da keine unentgeltliche Wertabgabe für diese Fahrten.

Zu versteuern sind diese Fahrten beim Arbeitnehmer ebenfalls als geldwerter Vorteil.

Beispiel „Ein-Prozent-Regelung“:

Berechnung Betrag (Euro)
Brutto-Inlands-Listenpreis des Fahrzeuges (*) 23.270,00
auf volle 100 € abgerundet 23.200,00
davon 1 % pro Monat 232,00
+ 0,03 % pro km Entfernung zur Arbeit (hier: 30 km) 208,80
= geldwerter Vorteil 440,80
Berechnung Betrag (Euro)
Gehalt (brutto) 2.000,00
+ geldwerter Vorteil aus PKW-Gestellung (s. u.) 440,80
= steuerpflichtiger Lohn 2.440,80

(*) Im Zeitpunkt der Erstzulassung, zzgl. der Kosten für Sonderausstattungen und einschließlich Umsatzsteuer.

Mit dieser Regelung werden die Gesamtkosten des Fahrzeugs abgegolten. Hierzu gehören die Abschreibungen (AfA), Zinsen, Unfallschäden, Kfz-Steuer, Versicherung, Kraftstoffe, Öle, Wartungen, Reparaturen und Garagenmieten am Wohnort.

Minderung des geldwerten Vorteils:

1. Der als Werbungskosten anzurechnende Teil der Fahrtkosten zur Arbeit kann wie ein Fahrtkostenzuschuss pauschal versteuert werden – insoweit sind hierauf keine Sozialversicherungsbeiträge zu entrichten. Die pauschale Lohnsteuer kann entweder vom Arbeitgeber übernommen oder auf den Arbeitnehmer abgewälzt werden.

2. Eine Beteiligung des Arbeitnehmers an den Anschaffungskosten des Fahrzeugs mindert den geldwerten Vorteil. Dagegen wirkt sich die laufende Übernahme von Unterhaltungskosten (die an Dritte zu zahlen sind, z. B. Betanken des Fahrzeugs) nicht mindernd auf den geldwerten Vorteil aus.

Gesamtbeispiel:

Berechnung Betrag (Euro)
Brutto-Inlands-Listenpreis des Fahrzeuges (*) 23.270,00
auf volle 100 € abgerundet 23.200,00
davon 1 % pro Monat 232,00
+ 0,03 % pro km Entfernung zur Arbeit (hier: 30 km) 208,80
= geldwerter Vorteil 440,80
./. pauschal versteuerte Fahrtkosten
(30 km * 0,30 * 15 Tage (üblich))
−135,00
./. private Kostenbeteiligung −100,00
= zu versteuernder geldwerter Vorteil 205,80

(*) Im Zeitpunkt der Erstzulassung, zzgl. der Kosten für Sonderausstattungen und einschließlich Umsatzsteuer.

Auf den Fahrtkostenanteil entfallen 15 % pauschale Lohnsteuer + Solidaritätszuschlag + ggf. Kirchensteuer. Im Gegenzug sparen sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer je ca. 21 % Sozialversicherungsbeiträge, sofern der Arbeitslohn des Arbeitnehmers unter der Beitragsbemessungsgrenze liegt.

Sonderregelung für Elektrofahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für rein batteriebetriebene Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge reduziert sich der Listenpreis um einen gewissen Betrag pro kWh Batteriekapazität bis zu einem definierten Maximalbetrag. Um dem Entwicklungsfortschritt der Batterietechnologie Rechnung zu tragen, reduziert sich die abzugsfähige Summe je Jahr um 50 € pro kWh sowie der Maximalbetrag um 500 € [1]:

Jahr der Erstzulassung 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022
Nachteilsausgleich pro kWh Batteriekapazität 500 € 450 € 400 € 350 € 300 € 250 € 200 € 150 € 100 € 50 €
Maximalbetrag 10.000 € 9.500 € 9.000 € 8.500 € 8.000 € 7.500 € 7.000 € 6.500 € 6.000 € 5.500 €

Bei einem Elektrofahrzeug mit einer Batteriekapazität von 30 kWh ergäbe sich nach oben stehenden Beispiel für das Jahr 2016 die folgende Berechnung:

Berechnung Betrag (Euro)
Brutto-Inlands-Listenpreis des Fahrzeuges (*) 23.270,00
auf volle 100 € abgerundet 23.200,00
Abzüglich Nachteilsausgleich für Elektrofahrzeuge -8.500,00
Berechnungsgrundlage 14.700,00
davon 1 % pro Monat 147,00
+ 0,03 % pro km Entfernung zur Arbeit (hier: 30 km) 132,30
= geldwerter Vorteil 279,30
./. pauschal versteuerte Fahrtkosten
(30 km * 0,30 * 15 Tage (üblich))
−135,00
./. private Kostenbeteiligung −100,00
= zu versteuernder geldwerter Vorteil 44,30

Lohnabrechnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wert der KFZ-Nutzung (Sachbezug) erhöht das vereinbarte Bruttogehalt und unterliegt der laufenden Lohnsteuer und ggf. der Sozialversicherungspflicht (soweit keine Pauschalbesteuerung stattfindet). Der Wert der KFZ-Nutzung wird dann als Nettobezug wieder abgezogen und damit innerhalb der Gehaltsabrechnung neutralisiert. Damit wird erreicht, dass (1) der Nettolohn des Arbeitnehmers um die LSt und SV-Beiträge (Arbeitnehmeranteil) auf den Wert der KFZ-Nutzung gemindert wird und dass (2) die KFZ-Nutzung beim Arbeitgeber als umsatzsteuerpflichtiger Ertrag („verrechnete Sachbezüge“) behandelt wird. Der Sachbezug wird als „Personalaufwand“ im Soll erfasst, der Netto-Abzug als „verrechneter Sachbezug“) im Haben, aus dem USt abzuführen ist. Damit wird der Sachbezug beim AG ergebnismäßig neutralisiert. Der tatsächliche Aufwand entsteht durch Abschreibung und die laufenden Unterhaltskosten des Fahrzeugs und nicht in der Lohnabrechnung.

Kritik an der steuerlichen Behandlung von Firmenwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insbesondere Umweltverbände kritisieren die aktuellen Regelungen zu Besteuerung von Firmenwagen als unsozial und ökologisch bedenklich. Moniert wird, dass durch volle Absetzbarkeit der Anschaffungs- und Betriebskosten für Unternehmen kein Anreiz besteht, klimaschonende Fahrzeuge anzuschaffen. Außerdem könnten Nutzer von Firmenwagen durch die 1-%-Regelung und der häufig praktizierten kompletten Übernahme aller Betriebskosten durch den Arbeitgeber quasi zum Festpreis Auto fahren. Dies führe zu einer übermäßigen Nutzung mit entsprechenden Belastungen für die Umwelt.[2] Da die höchste Steuerersparnis Arbeitnehmern mit den höchsten Steuersätzen zugutekommt („Dienstwagenprivileg“), sieht unter anderem auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung die Besteuerungspraxis unter Verteilungsaspekten kritisch und empfiehlt eine entsprechende Reform.[3]

In einer Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums werden die aktuellen Regeln als „größte Steuervergünstigung in Deutschland“ beschrieben und verschiedene Reformmodelle diskutiert, die die Subventionen um 3,3 bis 5,5 Mrd. Euro reduzieren könnten.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Diekmann, L., E. Gerhards, S. Klinski, B. Meyer, S. Schmidt und M. Thöne (2011): Steuerliche Behandlung von Firmenwagen in Deutschland, FiFo-Berichte, Nr. 13, Köln: FiFo.
  • Johannes Urban: Aktuelle Probleme der Besteuerung von Dienst- und Firmenwagen, in: NJW 2011, 2465–2470.
  • Ratgeber Dienstwagen- und Mobilitätsmanagement 2014, hrsg.von Ebner Stolz, EcoLibro, LeasePlan Deutschland, Volkswagen Automobile Stuttgart und F.A.Z.-Institut für Management-, Markt- und Medieninformationen, Frankfurt 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Dienstwagen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dienstwagen, 1-%-Regelung, Nachteilsausgleich für Elektrofahrzeuge
  2. Klimaallianz Deutschland, 2011, die-klima-allianz.de: Positionspapier: Reform der Firmenwagenbesteuerung
  3. Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, 2011, sachverstaendigenrat-wirtschaft.de: Verantwortung für Europa wahrnehmen. Jahresgutachten 2011/12. S. 212.
  4. L. Diekmann, E. Gerhards, S. Klinski, B. Meyer, S. Schmidt, M. Thöne, 2011, foes.de: Steuerliche Behandlung von Firmenwagen in Deutschland, FiFo-Berichte, Nr. 13, Köln: FiFo.
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