Fischbach-Göslikon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fischbach-Göslikon
Wappen von Fischbach-Göslikon
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Bremgarten
BFS-Nr.: 4067i1f3f4
Postleitzahl: 5525
Koordinaten: 665582 / 24718347.3722198.306948380Koordinaten: 47° 22′ 20″ N, 8° 18′ 25″ O; CH1903: 665582 / 247183
Höhe: 380 m ü. M.
Fläche: 3.07 km²
Einwohner: 1580 (31. Dezember 2014)[1]
Einwohnerdichte: 515 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 11,5 % (31. Dezember 2014)[2]
Website: www.fischbach-goeslikon.ch
Göslikon

Göslikon

Karte
Flachsee Hallwilersee Kanton Luzern Kanton Zürich Bezirk Baden Bezirk Brugg Bezirk Kulm Bezirk Lenzburg Bezirk Muri Arni AG Berikon Bremgarten AG Büttikon Dottikon Eggenwil Fischbach-Göslikon Hägglingen Islisberg Jonen Niederwil AG Oberlunkhofen Oberwil-Lieli Rudolfstetten-Friedlisberg Sarmenstorf Tägerig Uezwil Unterlunkhofen Villmergen Widen Wohlen AG ZufikonKarte von Fischbach-Göslikon
Über dieses Bild
w

Fischbach-Göslikon (schweizerdeutsch: ˈfɪʃpɑχ ˈɡøːslikχə, auch Figö genannt)[3][4] ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Bremgarten und liegt im Reusstal.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den zwei Ortsteilen Fischbach (im Südosten) und Göslikon (im Nordwesten), die in den letzten Jahrzehnten zusammengewachsen sind. Diese liegen am flachen östlichen Abhang des Wagenrains, rund einen halben Kilometer vom westlichen Ufer der Reuss entfernt. Ein hufeisenförmiger Altwasserlauf reicht fast bis nach Fischbach. Im Süden hat die Gemeinde einen Anteil am Bremgarterwald, einem der grössten zusammenhängenden Waldgebiete im Aargauer Mittelland. Dort befindet sich das Fischbacher Mösli, ein 280 Meter langer und bis zu 100 Meter breiter Weiher, der von einem Schilfgürtel umgeben ist.

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 307 Hektaren, davon sind 60 Hektaren bewaldet und 52 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 445 Metern im Gebiet Obermatten, die tiefste Stelle liegt auf 354 Metern an der Reuss.

Nachbargemeinden sind Künten im Norden, Eggenwil im Osten, Bremgarten im Südosten, Wohlen im Südwesten und Niederwil im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Zwei Gräber mit Beigaben weisen darauf hin, dass die Gegend bereits während der Hallstattzeit besiedelt war. Aus der Römerzeit stammen die Überreste eines Gebäudes. Die erste urkundliche Erwähnung von Visbach (vom althochdeutschen Fiscbah abgeleitet) erfolgte im Jahr 1048 im Rahmen der Einweihung der Kirche.[3] Diese gelangte 1159 in den Besitz des Klosters Muri und 1360 an das Agnesspital in Baden. Der Ortsname Cohelinchon erschien erstmals 1159, er stammt vom althochdeutschen Gozilinghofun und bedeutet «bei den Höfen der Sippe des Gozilo».[4]

Weitere Grundbesitzer im Mittelalter waren die Klöster Gnadenthal und Hermetschwil. Die hohe und die niedere Gerichtsbarkeit lagen in den Händen der Habsburger. 1415 eroberten die Eidgenossen; Fischbach und Göslikon lagen nun im Amt Hermetschwil (auch Krummamt genannt) in den Freien Ämtern, einer gemeinen Herrschaft. Im Jahr 1529 traten die Einwohner beider Dörfer zur Reformation über, mussten aber nach dem Zweiten Kappelerkrieg von 1531 zum alten Glauben zurückkehren.

Am 26. Mai 1712 fand südlich von Fischbach im Rahmen des Zweiten Villmergerkriegs die Staudenschlacht statt. Berner Truppen, die sich auf dem Weg von Mellingen nach Bremgarten befanden, gerieten in einen Hinterhalt der Innerschweizer, konnten den Angriff allerdings zurückschlagen. Bei dem zweistündigen Gefecht kamen 87 Berner und mehr als 400 Innerschweizer Soldaten (mehrheitlich Luzerner) ums Leben.[5] Am 24. Juli 1712 kam es bei Villmergen schliesslich zur Entscheidungsschlacht, bei der die katholischen Orte eine verheerende Niederlage erlitten.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Beide Dörfer wurden vereinigt und bildeten zusammen eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden, seit 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wanderte fast ein Drittel der Bevölkerung wegen zunehmender Armut aus, meist in die grossen Schweizer Städte, aber auch nach Nordamerika. Danach stagnierte die Bevölkerung bis etwa 1960. Seither hat sich die Bevölkerungszahl aufgrund einer regen Bautätigkeit mehr als verdreifacht.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche Göslikon

Prägend für den Ortsteil Göslikon ist der denkmalgeschützte Kirchenbezirk mit der katholischen Pfarrkirche Maria Himmelfahrt, der Rochuskapelle, dem Pfarrhaus und dem Friedhof. Die Stadt Baden, seit dem Übergang der Kollatur an das dortige Spital im Jahr 1360 der zuständige Bauherr, beschloss 1669 einen frühbarocken Neubau, der 1676 vollendet werden konnte. 1757/60 wurde das Innere vollständig im Rokoko-Stil neu gestaltet[6].

Die Rochuskapelle stammt aus dem Jahr 1709, das Pfarrhaus aus dem späten 16. Jahrhundert. Im Ortsteil Fischbach ist insbesondere das Bauernhaus «Zum Rittersaal» von Bedeutung; ein gedrungener Fachwerkbau aus der Zeit um 1800 mit stark vorkragendem Satteldach.[7]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot gekrümmter weisser Fisch.» 1915 hatte der Historiker Walther Merz ein Wappen vorgeschlagen, das in Rot einen Schrägfluss und zwei Fische zeigte. Der Vorschlag fand jedoch keinen Anklang. Anlässlich einer Fahnenweihe präsentierte der örtliche Turnverein das heutige Motiv, welches der Gemeinderat sogleich übernahm und für offiziell erklärte.[8]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[9]

Jahr 1798 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 341 569 392 381 389 399 511 633 963 1254 1439

Am 31. Dezember 2014 lebten 1580 Menschen in Fischbach-Göslikon, der Ausländeranteil betrug 11,5 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 56,5 % römisch-katholisch, 28,1 % reformiert und 1,9 % muslimisch; 1,0 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[10] 96,4 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 1,0 % Französisch.[11]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bremgarten zuständig. Fischbach-Göslikon gehört zum Friedensrichterkreis Niederwil.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Fischbach-Göslikon gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 280 Arbeitsplätze, davon 10 % in der Landwirtschaft, 60 % in der Industrie und 30 % im Dienstleistungssektor.[12] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in Wohlen, Bremgarten oder in der Agglomeration Zürich.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch die Gemeinde führt die Hauptstrasse zwischen Brugg und Bremgarten. Fischbach-Göslikon ist durch eine Postautolinie mit den Bahnhöfen von Bremgarten und Baden verbunden, wo Anschlüsse an die Bremgarten-Dietikon-Bahn bzw. die SBB bestehen.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule und die Sekundarschule können im benachbarten Niederwil absolviert werden, die Bezirksschule in Bremgarten. Standort der nächstgelegenen Kantonsschule (Gymnasium) ist Wohlen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Felder: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band IV: Der Bezirk Bremgarten. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 54). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1967, DNB 457321962.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fischbach-Göslikon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2014, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2014, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 152–153.
  4. a b Beat Zehnder, Gemeindenamen des Kantons Aargau, S. 178–179.
  5. Diplomarbeit DLG.pdf. In: villmergerkriege.ch. Abgerufen am 7. September 2012 (PDF; 3,5 MB).
  6. Ludwig Stadelmann: Pfarrkirche Maria Himmelfahrt. Fischbach-Göslikon. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 76). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1989, ISBN 978-3-85782-076-2.
  7.  Peter Felder, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band IV: Bezirk Bremgarten, Birkhäuser Verlag, Basel 1967, ISBN 3-906131-07-6, S. 195–209.
  8.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 155.
  9. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  12. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.