Fischerstechen

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Das Fischerstechen in Ulm am 19. Juli 2009

Mit Fischerstechen wird ein alter Fischerbrauch bezeichnet. Der gleiche Brauch ist auch als Schifferstechen bekannt, der seinen Ursprung meist in der Fluss-Transportschifffahrt hat, z. B. der Salzschifffahrt. Es stellt einen sportlichen Wettkampf zwischen zwei Mannschaften dar, die auf (Ruder-) Booten gegeneinander antreten. Ziel ist es in der Regel, die Mitglieder der anderen Mannschaften mit Hilfe eines Speers von ihren Booten ins Wasser zu stoßen. Fischerstechen wird hauptsächlich in Deutschland, Frankreich und der Schweiz praktiziert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fischerstechen war bereits im Alten Ägypten, vor allem im Alten Reich von 2700 bis 2200 v. Chr., ein sportliches Freizeitvergnügen.

Liste von Fischerstechen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fischerstechen in Agde, Frankreich
Fischerstechen in Frankfurt a.M., Mainfest

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Fischerstechen in Bamberg im Rahmen der Sandkerwa am letzten vollen Wochenende im August
  • Das traditionelle Fischerstechen in Bad Kreuznach
  • Das Fischerstechen in Besigheim beim Winzerfest seit 1999 alle 2 Jahre
  • Das Fischerstechen in Bischberg im Rahmen der jährlichen Kirchweih am ersten Wochenende im September
  • Das traditionelle Fischerstechen in Eddersheim (Hattersheim am Main) im Rahmen des jährlich stattfindenden Fischerfest
  • Das historische Fischerstechen in Frankfurt am Main im Rahmen des traditionellen Mainfestes wird vom DLRG veranstaltet
  • Das traditionelle Fischerstechen in Friedrichshafen, jedes Jahr am Seehasenfest ausgetragen seit 1952
  • Das traditionelle Fischerstechen in Gernsheim findet jährlich beim Rheinischen Fischerfest statt
  • Das Hallenser Fischerstechen im Rahmen des Laternenfestes
  • Das traditionelle Fischerstechen auf der Donau im Ingolstädter Klenzepark im Rahmen des Schanzer Donaufests
  • Das seit 1980 ausgetragene Fischerstechen auf dem Natursee in Inneringen (Stadtteil von Hettingen)
  • Das Fischerstechen in Iznang findet alle 3 Jahre im Untersee (Bodensee) statt
  • Das Ketscher Fischerstechen
  • Das traditionelle Fischerstechen in Langenargen am Bodensee, das jedes Jahr seit 1932 durch den Turnverein (Abt. Handball) und die Berufsfischer durchgeführt wird.
  • In Laufen (Salzach) und dem gegenüberliegenden, heute österreichischen Oberndorf bei Salzburg findet alljährlich zwischen den beiden Stadtgemeinden ein Schifferstechen statt, das an die Salzschifffahrt auf der Salzach erinnert.
  • Das Fischerstechen in Neuhaus am Inn findet seit 2009 jährlich zum traditionellen Grenzlandfest statt. Es treten Vereine aus Deutschland und Österreich gegeneinander an.
  • In Nürnberg im Rahmen des Altstadtfestes
  • Das traditionelle Fischerstechen in Seehausen am Staffelsee, jedes Jahr am 15. August.
  • Das traditionelle Fischerstechen in Seeshaupt am Starnberger See findet jährlich unterhalb der St. Michaels Kirche statt
  • Das Fischerstechen in Seligenstadt findet alle 5 Jahre auf dem Main statt.
  • Das "Prinzregent Luitpold Fischerstechen" findet seit 1907 alle 5 Jahre (mit einigen Ausnahmen während der Kriegsjahre) auf dem Starnberger See an der Seepromenade in Starnberg statt. Es werden 2 Stechen ausgetragen: das der Sportfischer (Privatpersonen) und das der Berufsfischer rund um den See, bei dem der Gewinner zum Fischerkönig ernannt wird.
  • Beim Fischerstechen in Stepperg wird jährlich im Juli vor dem Antonibergfes auf die französische Art gestochen.[1]
  • Das Fischerstechen in Stuttgart-Bad Cannstatt findet alle zwei Jahre in einem ungeraden Jahr Ende Juli auf dem Neckar statt (2017: 300jähriges Jubiläum)
  • Das seit 1982 alle 4 Jahre stattfindende Fischerstechen in Türkenfeld wird von der ansässigen Freiwilligen Feuerwehr ausgerichtet
  • Das Fischerstechen in Ulm (siehe Fischerstechen in Ulm)
  • Das traditionelle Fischerstechen in Worms im Rahmen des Backfischfestes
  • Ein traditionelles Fischerstechen ist auch in Würzburg bekannt.[2]

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Fischerstechen (französisch: les joutes) in Agde
  • Das Fischerstechen in Sète

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Zürich ist ein Schifferstechen auf der Limmat bereits 1576 auf dem Murerplan dargestellt, seit 1979 werden sie regelmässig alle drei Jahre durchgeführt.

Fischerstechen in Ulm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fischerstechen in Ulm am 26. Juni 1865
Fischerstechen Ulm, 1986: Bauer und Bäuerin

Das Ulmer Fischerstechen dürfte ins 14./15. Jahrhundert zurückreichen. Es lässt sich aber erst 1545 in den Ratsprotokollen belegen. Seit 1662 wurde das zunächst im Frühjahr stattfindende Fischerstechen regelmäßig am Dienstag nach dem Schwörmontag veranstaltet. Einer Lokalsage zufolge beobachteten zwei Ulmer Fischer ein Ritterturnier, das die in Ulm ansässigen Mönche des Klosters Reichenau veranstalteten. Die beiden meinten, dass sie das auch könnten, wobei sie dann mangels Pferden mit ihren Zillen gegeneinander starteten.

Heute findet es alle vier Jahre, bei besonderen Ulmer Anlässen auch in drei- bzw. fünfjährigem Abstand an den beiden Sonntagen vor dem Schwörmontag, dem zweitletzten Montag im Juli, statt. Am Vormittag ziehen traditionell die Mitglieder des Ulmer Schiffervereins durch die Ulmer Innenstadt, wobei an ausgewählten zentralen Plätzen zu schlichter Trommelmusik jeweils die historischen Tänze der Fischerzunft aufgeführt werden. Im Festzug mit dabei sind als wichtigste Gruppe die Stecherpaare, die am Nachmittag beim eigentlichen Fischerstechen gegeneinander antreten werden.

Das eigentliche Stechen findet vor Tausenden von Zuschauern am Nachmittag auf der Donau als Turnier nach strengen und komplizierten Regeln statt. Dabei fährt bei jeder Paarung je eine Zille vom Ulmer und vom Neu-Ulmer Ufer ab. Diese Holzboote sind rund zehn Meter lang und einen Meter breit. Die Stecher stehen am hinteren Ende der Zille auf dem Standplatz, drei Fahrer bewegen eine Zille, der vordere und der hintere steuern, während der mittlere für die nötige Geschwindigkeit sorgt. Die gegeneinander fahrenden, ihrer Rolle entsprechend kostümierten Stecher stellen Figuren dar, in denen sich die Geschichte des Ulmer Fischerstechens und der Zeitgeist verschiedener Epochen widerspiegelt. Vor allem aber leben die Ulmer Geschichte und seine Sagen in ihnen weiter. Dabei gibt es 15 feste Stecherpaare mit 30 Figuren sowie ein von Sonntag zu Sonntag wechselndes Überraschungspaar: zwei Gegenspieler aus dem aktuellen Zeitgeschehen.

Die 16 Stecherpaare treffen zunächst in der Hauptrunde aufeinander. Es gilt, „trocken“ zu bleiben und nicht „nass“ zu werden: Ein Stecher gilt als „nass“, wenn er ins Wasser fällt, vom Standpodest in die Zille tritt, seinen Speer verliert, nach dem Speer des Gegners greift, durch unfaires Handeln seinen eigenen Sturz verhindert oder den des Gegners provoziert.[3] Der Zunftmeister und das Schiedsgericht entscheiden in Zweifelsfällen, ob ein Stecher trocken geblieben ist. Der Speer ist ca. 2,80 Meter lang, an der Spitze durch eine ledergepolsterte Scheibe entschärft und am anderen Ende mit einem flachen Querholz versehen. Dieses wird an die Schulter gepresst und dient so zur Stabilisierung des Speers. Es gibt Hauptrunden, Zwischenrunden und das Finale. Da das Ulmer Fischerstechen an zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen stattfindet, stechen nach dem Tagesfinale am zweiten Sonntag die beiden Tagessieger um den Gesamtsieg.

Ausrichter des Ulmer Fischerstechens ist der Ulmer Schifferverein e. V. als Nachfolgeorganisation der Ulmer Schiffer- und Fischerzunft. Die Teilnehmer sind hauptsächlich Nachfahren von Angehörigen dieser Zünfte. Der Personenkreis, welcher am Stechen teilnehmen darf, wird streng nach überlieferten Regeln ausgewählt. Veranstalter ist die Stadt Ulm. Das letzte Fischerstechen, die Umzüge und die damit verbundenen Fischertänze fanden am 16. und 23. Juli 2017 statt.

Gesamtsieger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1981: Eugen Engel
  • 1986: Alexander Busch
  • 1990: Hans-Peter Pyttlik
  • 1994: Axel Engelhardt
  • 1997: Hans-Peter Pyttlik
  • 2001: Holger Beranek
  • 2004: Hans-Peter Pyttlik
  • 2009: Holger Beranek
  • 2013: Holger Beranek
  • 2017: Florian Frey

Die Stecherpaare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Weißfischer: Die Uniform 2 rote Schärpen kreuzen ihre Brust und der randlose Filzzylinder ist grün. Dies war die Handwerkstracht früherer Jahrhunderte.
  • Narren: Sie gehören zu den ältesten Stecherfiguren, und sie sind vermutlich seit den Anfängen des Fischerstechens nach der Fastnachtszeit dabei. Sie eröffnen das Stechen auf der Donau mit dem von Tambours gespielten "Narrenmarsch".
  • Bauer und Bäuerin: Das Stecherpaar der ersten Stunde, bei anderen Fischerstechen werden sie "Hänsel und Gretel" genannt, sie stellen das "Landvolk" dar.
  • Ulmer Spatz und Schneider von Ulm: Diese Figuren sind seit 1877 beim Stechen dabei und stellen alte Ulmer "Figuren" dar.
  • Kuhhirt und Ratsherr: Diese Figuren sind seit 1890 beim Stechen dabei und durch eine lokale Sage entstanden. Der Kuhhirt belauschte eine Ratssitzung durch ein Ofenrohr und erfuhr dadurch, dass er gekündigt werden sollte. Dieser Kündigung kam er zuvor in dem er durch das Ofenrohr selber kündigte.
  • Krätten-Weber und Bollezei: Sie sind seit 1950 beim Stechen dabei. Jakob Weber war Gemüse- und Antiquitätenhändler und transportierte seine Wertgegenstände im Krätten (Korb) unter dem Gemüse. Das hauptsächliche Opfer seiner Schimpfattacken war die "Bollezei" (Ordnungshüter). Durch diese "Attacken" hatte er eine besondere Stellung in der Bevölkerung.
  • Schwanenwirtin und Max Emanuel: sie sind seit 1970 dabei. Die Wirtin hielt den bayrischen Offizieren im Wirtshaus zum Schwanen stand, als sie sie zwangen ebenfalls auf den bayrischen Kurfürsten Max Emanuel anzustoßen. Sie hob ihr Glas und trank auf den deutschen Kaiser Leopold I. und warf ihr Glas auf den Weinhof, wo es nicht zerbrach.
  • Karl V. und Moritz von Sachsen: Sind seit 1950 beim Stechen dabei. Sie hatten sich im Markgrafenkrieg von 1522 feindlich gegenüber gestanden, als Ulm auf der Seite Karl V. stand.
  • Wallenstein und Bernhard von Weimar / Gustav Adolf: Seit 1954 als Wallenstein und Weimar, ab 1970 als Wallenstein und Gustav Adolf dabei. Beide beeinflussten zu ihrer Zeit das Schicksal Ulms stark.
  • Türkenlouis und Großwesir: Sie sind seit 1958 dabei. "Türkenlouis" war der Spitzname des badischen Markgrafen Ludwig Wilhelm I. Türkenlouis und Großwesir erinnern an die Türkenkriege des späten 17. Jahrhunderts. Von Ulm aus wurden Militärkontingente zu den Schlachtfeldern transportiert.
  • Ober- und Unterländler: Seit 1870 dabei. Sie verkörpern die Bewohner unterschiedlicher Landschaften im württembergischen Schwaben und vertreten die Charaktere der dortigen Bewohner.
  • Tell und Geßler: Seit 1832 sind Tell, seit 1855 Geßler dabei. Keine typischen Ulmer Figuren, sondern Repräsentanten der romantischen Freiheitsbegeisterung, die auch im Fischerstechen vielerlei Ausdruck fand.
  • Faust und Mephisto: Seit 1877 beim Stechen dabei. Klassische Gestalten, die anlässlich der 500-Jahr-Feier der Grundsteinlegung des Ulmer Münsters aufgenommen wurden.
  • Spatzameez und Griesbadmichel: Der Griesbadmichel war ein verlässlicher und geschätzter Dienstknecht und Mädchen für alles im Gasthaus zum Griesbad. Der Ausscheller Kaspar Rau hatte einen Sprachfehler und die besondere Vorliebe für "Spatzag’schmeez" (mehrfach benutztes Garwasser der Spätzle – mit Gemüse auch als Suppe verwertbar). Leider konnte Kaspar Rau sein Leibgericht nicht richtig aussprechen und so war er schließlich überall als "Spatzameez" bekannt.
  • Graf Eberhard v. Württemberg und Heinrich Besserer: Graf Eberhard v. Württemberg war gegen den Verbund der Reichsstädte 1379. Heinrich Besserer zog als Führer der Reichsstädte gegen den Grafen an und wurde vernichtend geschlagen.
  • König v. Württemberg und König v. Bayern: Da Ulm abwechselnd bayrisch und württembergisch wurde, treten die beiden Könige Friedrich I von Württemberg (1806–1815) und Maximilian I Joseph, König von Bayern (1806–1825) gegeneinander an.
  • Überraschungspaar: Wechselnde Paarungen, die aktuelle Themen verkörpern.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nachricht vom Fischerstechen in Ulm, in: Schwäbisches Archiv, 1. Band, 4. Stück, 1790, S. 527–535 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fischerstechen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.fischerstecher-stepperg.de
  2. Erich Wimmer: Geselligkeit, Feste und Feiern. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 1055–1080; hier: S. 1075 und 1360, Anm. 104.
  3. Die Regeln des Ulmer Fischerstechens