Fischingen TG

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TG ist das Kürzel für den Kanton Thurgau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Fischingenf zu vermeiden.
Fischingen
Wappen von Fischingen
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Thurgau Thurgau (TG)
Bezirk: Münchwilen
Postleitzahl: 8376
BFS-Nr.: 4726 (Politische Gemeinde)
frühere BFS-Nr.: 4728 (Ortsgemeinde)
UN/LOCODE: CH AUU
Koordinaten: 715308 / 252884
Höhe: 625 m ü. M.
Höhenbereich: 548–991 m ü. M.
Fläche: 30,58 km² (Pol. Gemeinde)[1]
3,43 km² (Ortsgemeinde)[2]
Einwohner: 2836 (31. Dezember 2020)[3]
Einwohnerdichte: 93 Einw. pro km²
Website: www.fischingen.ch
Fischingen mit Kloster im Hintergrund

Fischingen mit Kloster im Hintergrund

Lage der Gemeinde
BichelseeGlotner WeierHasenloo WeierBettenauer WeierKanton St. GallenKanton ZürichBezirk FrauenfeldBezirk WeinfeldenAadorfBettwiesenBichelsee-BalterswilBichelsee-BalterswilBraunau TGEschlikonFischingen TGLommisMünchwilen TGRickenbach TGSirnachTobel-TägerschenWängiWilen TGKarte von Fischingen
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Fischingen ist eine Gemeinde und eine Ortschaft[4] im Bezirk Münchwilen und die südlichste Gemeinde des Schweizer Kantons Thurgau, dem Hinterthurgau, pop. "Tannzapfenland".

Die politische Gemeinde entstand 1972 durch die Vereinigung der Munizipalgemeinde Fischingen mit deren Ortsgemeinden Au, Dussnang, Fischingen, Oberwangen und Tannegg zur Einheitsgemeinde Fischingen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hohgrat (991 m ü. M.) höchster Punkt des Kantons Thurgau

Das Gemeindegebiet liegt am Nordfuss des Hörnli im Übergangsgebiet vom Schweizer Mittelland zu den Voralpen. Es wird von der Murg durchflossen und bildet die grösste Thurgauer Gemeinde, wobei die Hälfte der Fläche aus Waldgebiet besteht. Der südlichste Punkt der Gemeinde Fischingen und somit auch des Kantons Thurgau ist der Dreiländerstein auf dem Silberbüel beim Naturschutzgebiet Ergeten. Er bildet die innerschweizerische Kantonsgrenze zwischen den Kantonsgebieten von Thurgau, St. Gallen und Zürich. Etwas östlich davon, auf dem Fischinger Grat, auch Hohgrat oder Groot genannt, befindet sich auf 991 m ü. M. die höchste Erhebung auf thurgauischem Kantonsgebiet neben dem Dreiländerstein Zürich, St.Gallen, Thurgau, 992 m, am Chlihörnli, zu Fuss erreichbar von Allenwinden aus.[5]

Die Gemeinde Fischingen hat zahlreiche Aussenhöfe und ein je rund 90 km langes Strassen- und Gewässernetz zu unterhalten. Die Verwaltung hat ihren Sitz in Dussnang im Gemeindehaus in der Nähe des Kurhauses.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die um 1240 erbaute Burgruine Tannegg war Verwaltungssitz des Tannegger Amts.
Fischingen im Jahr 1934

Das Dorf Fischingen entstand nördlich des kurz vor 1138 gegründeten Klosters, da damals als nova cella Vishina bezeichnet wurde. Es bildete mit Bichelsee, Balterswil, Ifwil und vermutlich Au das sogenannte alte Fischinger Gericht (Offnung 1432) und war mit dem Tannegger Amt, welches das Kloster 1693 erwarb, eng verbunden. Kirchlich wurde Fischingen vom Kloster aus versorgt. Die reformierte Minderheit gehörte zu Dussnang.[6]

Auf dem Weg nach Einsiedeln gelegen, entwickelte sich Fischingen mit dem Iddakult im 16. und 17. Jahrhundert zum Wallfahrtsort, was den bescheidenen Markt, das Gastgewerbe und das Handwerk belebte. 1803 erfolgte die Schaffung der Munizipal- und der Ortsgemeinde. 1848 wurde das Kloster aufgehoben und die Klosterkirche der nunmehr selbstständigen Pfarrei übergeben.[6]

Im 19. Jahrhundert war die Weberei, um 1900 die Stickerei verbreitet, da Viehzucht und Holzwirtschaft kein genügendes Einkommen boten. Das ehemalige Kloster wurde ab 1852 als Buntweberei genutzt. 1879 richtete der Verein St. Iddazell darin eine Waisenanstalt ein, aus der das 1976 neu erstellte Sonderschulheim Chilberg hervorging.[6]

Die heutige politische Gemeinde entstand 1972 aus der Fusion der Ortsgemeinden Au, Dussnang, Fischingen, Oberwangen und Tannegg. Mit dem Gemeindezusammenschluss konnten die Finanzlage verbessert und die Abwanderung aus der wirtschaftlich schwachen Randregion gestoppt werden.[6]

Das dem Kloster angegliederte Kinderheim in Fischingen kam 2013 in die öffentliche Kritik, weil Heimkinder Anfang der 1970er Jahre im Zusammenhang mit der staatlichen Psychiatrischen Klinik Münsterlingen illegalen Medikamentenversuchen ausgesetzt waren.[7]

→ siehe auch Abschnitte Geschichte in den Artikeln Au TG, Dussnang, Oberwangen TG und Tannegg

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fischingen-blazon.svg

Blasonierung: In Blau zwei übereinander vorbeischwimmende weisse Fische.[8]

Das Wappen der früheren Ortsgemeinde Fischingen und der politischen Gemeinde Fischingen wurde vom Kloster Fischingen übernommen.[8]

Bevölkerung und Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2016 bot Fischingen 1062 Personen Arbeit (umgerechnet auf Vollzeitstellen). Davon waren 13,6 % in der Land- und Forstwirtschaft, 40,5 % in Industrie, Gewerbe und Bau sowie 45,9 % im Dienstleistungssektor tätig.[1] In der Wirtschaft der Gemeinde dominieren zahlreiche kleinere und mittlere Betriebe und rund 90 Landwirtschaftsbetriebe,[9] Im dritten Wirtschaftssektor ist das Kurhaus Dussnang von Bedeutung. Fischingen mit dem Wandergebiet aufs Hörnli und der renovierte Klosteranlage ist ein Ziel für Pilger und Wanderer des Jakobsweges. In der Klosteranlage befindet sich die hochbarocke Grabstätte der heiligen Idda als kultisches Zentrum.

Bevölkerungsentwicklung im Gebiet der heutigen Gemeinde Fischingen[10]
Bevölkerungsentwicklung der einzelnen Gemeinden
1850 1900 1910 1950 1970 1980 2000 2010 2018
Politische Gemeinde 2100 2605 2581 2783
Munizipalgemeinde 2125 2570 2665 2484 2248
Ortsgemeinde 405 717 812 643 588
Quelle [6] [10]

Von den insgesamt 2783 Einwohnern der Gemeinde Fischingen im Jahr 2018 waren 225 bzw. 8,1 % ausländische Staatsbürger. 1306 (46,9 %) waren römisch-katholisch und 838 (30,1 %) evangelisch-reformiert. Die Ortschaft Fischingen zählte zu diesem Zeitpunkt 418 Bewohner.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Schmitte

Fischingen ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgeführt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Fischingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Thurgau in Zahlen 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (PDF-Datei; 1,8 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  2. Schweizerische Arealstatstik. Abgeschlossen auf 1. Juli 1912. Herausgegeben vom Eidg. Statistischen Bureau. (Memento vom 12. April 2016 im Internet Archive)
  3. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  4. a b Ortschaften und ihre Wohnbevölkerung. Ausgabe 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabelle; 0,1 MB), abgerufen am 20. Juni 2022.
  5. Neuer höchster Punkt des Kt. Thurgau hikr.org, abgerufen am 11. Mai 2016.
  6. a b c d e Gregor Spuhler: Fischingen (Gemeinde). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  7. Menschenversuche – Wie viel Skrupel braucht die Forschung?, Bericht des SWR2 vom 30. Mai 2015.
  8. a b Gemeindewappen. Auf der Webseite des Staatsarchivs des Kantons Thurgau, abgerufen am 8. Dezember 2019.
  9. Wissenswertes. Fischingen – attraktiver ländlicher Lebensraum nahe an grossen Zentren. Auf der Webseite der Gemeinde Fischingen, abgerufen am 25. Oktober 2019.
  10. a b Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden. Kanton Thurgau, 1850–2000 (Excel-Tabelle; 0,1 MB),
    Wohnbevölkerung – Wohnbevölkerung der Gemeinden 1990, 2000, 2010 und 2011 (PDF; 1,3 MB) und
    Ortschaften und ihre Wohnbevölkerung. Ausgabe 2019 (Excel-Tabelle; 0,1 MB). Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau, abgerufen am 20. Juni 2022.
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