Fisibach

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Fisibach
Wappen von Fisibach
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zurzach
BFS-Nr.: 4306i1f3f4
Postleitzahl: 5467
Koordinaten: 673033 / 268322Koordinaten: 47° 33′ 42″ N, 8° 24′ 33″ O; CH1903: 673033 / 268322
Höhe: 382 m ü. M.
Fläche: 5,77 km²
Einwohner: 510 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 88 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
30,6 % (31. Dezember 2018)[2]
Website: www.fisibach.ch
Fisibach

Fisibach

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Fisibach (schweizerdeutsch: ˈfɪʓiˌbɑχ)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Zurzach und liegt am Hochrhein an der Grenze zu Deutschland sowie zum Kanton Zürich.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt rund einen Kilometer südlich des Rheins. Es ist nach dem gleichnamigen Bach benannt, der von Süden nach Norden fliesst und in den Fluss mündet. Das Tal des Fisibachs, das Bachsertal, ist knapp zweihundert Meter breit und wird auf beiden Seiten durch Hügel des Tafeljuras begrenzt, dem Sanzenberg (552 m ü. M.) im Osten und dem Berg (601 m ü. M.) im Westen. Beide sind im unteren Bereich äusserst steil und gehen in lang gestreckte Hochebenen über. Am Hang des Sanzenbergs befindet sich eine Tongrube. Nördlich und östlich des Dorfes erstreckt sich die weite Rheinebene, die im Westen durch den Rietbuck (461 m ü. M.) begrenzt wird und sich zu einem schmalen Streifen verengt. Fisibach kennt keinen eigentlichen Dorfkern, die Häuser stehen rund um eine grosse Wiese im Zentrum. Rund anderthalb Kilometer südlich des Dorfes liegt der Weiler Hägelen (405 m ü. M.), südwestlich davon, auf einer kleinen Terrasse direkt an der Kantonsgrenze, der Weiler Waldhausen (495 m ü. M.).[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 577 Hektaren, davon sind 264 Hektaren bewaldet und 50 Hektaren überbaut.[5] Der höchste Punkt liegt auf 601 Metern auf der Hochfläche des Bergs, der tiefste auf 334 Metern am Rhein. Nachbargemeinden sind Hohentengen im Norden, Kaiserstuhl im Nordosten, Weiach im Osten, Bachs im Südosten, Siglistorf im Südwesten, Wislikofen im Westen und Rümikon im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelne Funde zeugen von einer Besiedlung der Gegend während der Bronzezeit vor etwa 4000 bis 2800 Jahren. Am Rhein errichteten die Römer um das Jahr 370 einen Wachtturm, nachdem der Fluss als Nordgrenze des Imperiums festgelegt worden war. Die Römer gaben die Grenzbefestigungen jedoch bereits im ersten Jahrzehnt des 5. Jahrhunderts auf, als sie sich über die Alpen zurückzogen. Später besiedelten die Alamannen die Gegend. Die erste Erwähnung von Fusibach erfolgte im Jahr 1050. Später wurde der Ort Nider-Visibachs genannt und von Obervisibachs (heute Teil der Gemeinde Bachs im Kanton Zürich) unterschieden. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Funsinbah und bedeutet «Bach des Funso».[3]

Die Edlen von Waldhausen besassen beim gleichnamigen Weiler eine kleine Burg, die aber bereits 1471 als Burgstall bezeichnet wurde und von der heute nichts mehr erhalten geblieben ist. Die Edlen stifteten 1113 die Propstei Wislikofen und schenkten dem Kloster St. Blasien zu diesem Zweck umfangreichen Grundbesitz. Auf einer Insel im Rhein stand die Burg Schwarzwasserstelz, deren Ruinen allerdings 1875 abgebrochen worden sind. Die Herren von Wasserstelz übten die niedere Gerichtsbarkeit über Fisibach aus, ab 1363 das Bistum Konstanz. Die Blutgerichtsbarkeit war ebenfalls im Besitz der Bistums.

Die Eidgenossen eroberten 1415 den Aargau und Fisibach gehörte nun zum Amt Kaiserstuhl der Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft. Der Landvogt zog die niedere Gerichtsbarkeit über Waldhausen und Hägelen an sich, jene über Fisibach gelangte 1589 zur Familie Tschudi aus Glarus. Obwohl bereits seit dem 17. Jahrhundert eine Kapelle bestand, waren die Bewohner Fisibachs bis 1842 nach Hohentengen kirchgenössig, seither nach Kaiserstuhl. Im März 1798 nahmen die Franzosen die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Fisibach war zunächst eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden, seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau.

Am 1. August 1876 eröffnete die Schweizerische Nordostbahn die Bahnstrecke Winterthur–Koblenz. Die Gemeinde profitierte aber nur indirekt, da der nächstgelegene Bahnhof Weiach-Kaiserstuhl über zwei Kilometer entfernt lag. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Bevölkerungszahl um über 40 Prozent ab, da viele verarmte Bewohner wegzogen oder gar nach Übersee auswanderten. Bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts hatte Fisibach weniger Einwohner als im Jahr 1850. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieb die Gemeinde landwirtschaftlich geprägt, der einzige nennenswerte Industriebetrieb ist die Ziegelei.

Das seit 2014 laufende Fusionsprojekt «Rheintal+», welches einen Zusammenschluss zur Gemeinde Zurzach vorsieht, war in Fisibach stets umstritten. Am 6. April 2017 lehnte es die Gemeindeversammlung ab, sich finanziell an einer vertieften Prüfung der Gemeindefusion zu beteiligen und nahm sogar einen Antrag an, der die Prüfung eines Wechsels zum Kanton Zürich verlangte. Man befürchtete, in Zukunft die Schulkinder nicht mehr in die zürcherische Nachbargemeinde Weiach schicken zu können.[6] Die Aargauer Kantonsregierung lehnte den Wunsch nach einem Kantonswechsel kategorisch ab, sicherte aber zu, dass der Schulbesuch in Weiach in Zukunft weiterhin möglich sei.[7] Daraufhin stimmte die Gemeindeversammlung am 6. September 2017 dem Anteil am Prüfungskredit doch noch zu, wenn auch sehr knapp mit nur vier Stimmen Unterschied.[8] Während die neun anderen beteiligten Gemeinden am 23. Mai 2019 dem Zusammenschlussvertrag zustimmten, resultierte in Fisibach eine Ablehnung (31 zu 136 Stimmen). Aufgrund der Deutlichkeit des Ergebnisses (mehr als die Hälfte aller Stimmberechtigten stimmten Nein) ist der Entscheid definitiv.[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Restaurant Bären
Hägelen

Auf dem Gebiet der Gemeinde liegt im Rhein eine kleine Insel. Auf dieser stand einst die Burg Schwarzwasserstelz, die 1875 abgebrochen wurde. Im Zweiten Weltkrieg errichtete das Militär dort einen Bunker, der heute noch erhalten ist. Die kürzlich restaurierte Dorfkapelle von Fisibach stammt aus dem 17. Jahrhundert, der Altar ist im Rokoko-Stil, die Chorfresken im frühbarocken Stil.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau gelber Balken, mit drei blauen, rot bewehrten Bachstelzen.» Hierbei handelt es sich um das Wappen der Ministerialadligen von Wasserstelz, das 1939 von der Gemeinde übernommen wurde.[10]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[11]

Jahr 1799 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 157 404 246 256 309 284 301 319 375 361 386

Am 31. Dezember 2018 lebten 510 Menschen in Fisibach, der Ausländeranteil betrug 30,6 %. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 37,7 % als römisch-katholisch und 27,0 % als reformiert; 35,3 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[12] 91,7 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an, 1,9 % Italienisch und 1,7 % Französisch.[13]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Zurzach zuständig. Fisibach gehört zum Friedensrichterkreis XVII (Zurzach).[14]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Fisibach gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 130 Arbeitsplätze, davon 26 % in der Landwirtschaft, 32 % in der Industrie und 42 % im Dienstleistungssektor.[15] Wichtigstes Unternehmen ist eine Ziegelei, der Lehm für die Herstellung von Backsteinen stammt aus der Tongrube südlich des Dorfes. Daneben gibt es ein Tiefbau-Unternehmen, eine Schreinerei und andere kleine Betriebe. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in Bad Zurzach und Umgebung oder in der Region Baden.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fisibach ist über die Hauptstrasse 7 zwischen Basel und Winterthur leicht erreichbar, wobei das Dorf nicht unmittelbar vom Durchgangsverkehr betroffen ist. Die Kantonsstrasse 283 führt nach Siglistorf, die Kantonsstrasse 429 in Richtung Dielsdorf. Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch eine Postautolinie von Kaiserstuhl über Niederweningen zum Bahnhof Baden. An Wochenenden verkehrt ein Nachtbus von Oberglatt über Kaiserstuhl nach Bachs. Der nächstgelegene Bahnhof liegt einen Kilometer entfernt in Kaiserstuhl.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fisibacher Schulhaus musste aufgrund rückläufiger Schülerzahlen und der Regionalisierung der Schulorganisation im Sommer 2016 geschlossen werden. Seither werden Kindergarten und Primarschule in der zürcherischen Nachbargemeinde Weiach geführt, die Oberstufe kann in Stadel absolviert werden. Das nächstgelegene Gymnasium ist die Kantonsschule Zürcher Unterland in Bülach.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Steigmeier: Fisibach. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • H. Bucher, C. Oertli-Cajacob: Fisibach – ein Dorf und seine Geschichte. Fisibach 1995, DNB 947671773.
  • M. Hintermann: Rund um Kaiserstuhl. Kaiserstuhl, Fisibach, Bachs, Weiach, Hohentengen, Herdern, Günzgen, Stetten, Lienheim. Zurzach/ Oberglatt 1955, DNB 574003975. (Abdruck der Artikelserie «Von Rheinau bis Waldshut» in der Beilage «Grenzheimat» im «Zurzacher Volksblatt» 1952–1953)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fisibach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 154–155.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1050 und 1051, Swisstopo.
  5. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 18. Juni 2019.
  6. Andreas Fretz: Zürich statt Aargau? Fisibach prüft Kantonswechsel. Aargauer Zeitung, 19. April 2017, abgerufen am 18. Juni 2019.
  7. Daniel Weissenbrunner: Gescheiterter Kantonswechsel: Der Alleingang dürfte für Fisibach keine Option sein. Aargauer Zeitung, 21. Juni 2017, abgerufen am 18. Juni 2019.
  8. Die Wogen gingen hoch: Fisibach sagt knapp Ja zur Fusions-Prüfung. Aargauer Zeitung, 7. September 2017, abgerufen am 18. Juni 2019.
  9. Philipp Zimmermann, Andreas Fretz, David Rutschmann: Grossfusion im Zurzibiet: 9 Gemeinden sagen Ja zu «Zurzach»– Fisibach lehnt Beitritt ab. Aargauer Zeitung, 24. Mai 2019, abgerufen am 18. Juni 2019.
  10. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 156.
  11. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom Original am 8. Oktober 2018; abgerufen am 18. Juni 2019.
  12. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, abgerufen am 18. Juni 2019.
  13. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom Original am 12. August 2018; abgerufen am 18. Juni 2019.
  14. Friedensrichterkreise. Kanton Aargau, abgerufen am 18. Juni 2019.
  15. Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, abgerufen am 18. Juni 2019.