Naturdenkmal

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Der Brunnenpark in Hofgeismar ist als flächenhaftes Naturdenkmal ausgewiesen

Ein Naturdenkmal ist ein natürlich entstandenes Landschaftselement, das unter Naturschutz gestellt ist. Es kann ein einzeln stehendes oder vorkommendes Gebilde wie eine Felsnadel oder ein einzeln stehender Baum sein, undefinierten Umfangs wie eine Höhle oder auch ein Gebiet oder Gebilde mit einer beschränkten Fläche und einer klaren Abgrenzung von seiner Umgebung wie ein Felsengarten oder eine Wiese; letztere werden als flächenhaftes Naturdenkmal oder Flächennaturdenkmal bezeichnet.

Definition[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Kennzeichnung eines Naturdenkmals in Österreich nach dem Reichsnaturschutzgesetz 1935

Das Naturdenkmal – ein Begriff, den Alexander von Humboldt in der Beschreibung seiner Amerikareise „Relation historique“[1] benutzt: „monuments de la nature“,[2] dennoch konnte der Begriff „Naturdenkmal“ in Wörterbüchern oder Lexika vor 1900 nicht nachgewiesen werden – wird oft als Naturschöpfung bezeichnet, kann jedoch gleichzeitig Zeuge der historischen Kulturlandschaft sein (markante gepflanzte Einzelbäume oder Aufschlüsse mit besonderen geologischen Bildungen).

Schon im Jahre 1904 hatte Hugo Conwentz eine Denkschrift mit dem Titel Die Gefährdung der Naturdenkmäler und Vorschläge zu ihrer Erhaltung verfasst, die er bei dem Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten einreichte.

Kategorie der IUCN: Natural Monument or Feature[Bearbeiten]

In der 1978 erstellten Schutzgebiets-Systematik der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN), der als internationaler Vergleichsmaßstab dient, bildet Natural Monument or Feature (deutsch meist Naturdenkmal) die Kategorie III.

“Protected areas set aside to protect a specific natural monument, which can be a landform, sea mount, submarine cavern, geological feature such as a cave, or even a living feature such as an ancient grove. They are generally quite small protected areas and often have high visitor value.”

„Gebiete, die besondere Naturerscheinungen schützen, etwa eine Geländeformation, einen untermeerischen Berg, eine Unterwasserhöhle, ein Geotop wie eine Höhle oder sogar ein lebendiges Gebilde wie ein alter Hain. Diese Gebiete sind meist recht klein und haben hohe Besucherwirksamkeit.“[3]

Wie bei allen IUCN-Kategorien liegt der Fokus der Klassierung auf der Gestaltung von Schutzziel und Management (Maßnahmen von Eingriffen und Verboten). Sie sind nicht darauf ausgerichtet, Ökosysteme zu bewahren, Biodiversität wird aber indirekt begünstigt.[4] Außerdem ist es eine Klasse, die beispielsweise auch in dicht bebautem Gebiet ausgewiesen werden kann und daher Naturreste schützen kann. Sonst gelten aber Naturdenkmäler insbesondere als „Botschafter“ des Umweltgedankens, da sie Schutzgut in seiner Vielfalt sehr eindrücklich darstellen (daher der deutsche Ausdruck Denkmal). Im Unterschied etwa zu Nationalparks tritt also der Erholungsgedanke in den Hintergrund, der didaktische Zweck in den Vordergrund.

Zur IUCN-Kategorie III gehören die Naturdenkmäler mitteleuropäischen Gepräges, aber auch zahlreiche andere Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz als ganze Klasse oder einzelne Schutzobjekte je nach nationalem Schutzziel und -ausmaß.

Nationales[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland ist der Schutz von Naturdenkmälern in § 28 des Bundesnaturschutzgesetzes und in den Länder-Naturschutzgesetzen verankert.

Der Schutz begründet sich durch die Seltenheit, Eigenart oder Schönheit des Naturdenkmals sowie seinen Wert für Wissenschaft, Heimatkunde und Naturverständnis und umfasst ein weitgehendes Veränderungsverbot. Näheres regeln Rechtsverordnungen auf der Grundlage des jeweiligen Landesrechtes.

Japan[Bearbeiten]

In Japan können Tiere, Pflanzen, geologische Formationen und Naturschutzgebiete zum Naturdenkmal (天然記念物, Tennen Kinenbutsu) deklariert werden. Die Einteilung erfolgt in Abgrenzung zum Kulturdenkmal (文化記念物, Bunka Kinenbutsu), das vom Menschen im Rahmen kultureller Aktivitäten geschaffen wird. In Japan erfolgt die amtliche Klassifikation von Naturdenkmälern nach dem Kulturgutschutzgesetz und den Kulturgutschutzbestimmungen der Gebietskörperschaften (地方自治体). Die Ernennung erfolgt durch den Minister für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie, die Klassifikation obliegt dem Amt für kulturelle Angelegenheiten. Die Ernennung zum Naturdenkmal kann durch den Zusatz „besonderes Naturdenkmal“ um eine Ernennungsstufe und damit auch in der Wertschätzung erhöht werden.[Anm. 1] Die Idee des Schutzes von Naturdenkmälern geht auf westliches Vorbild, insbesondere Deutschland, die Schweiz und Amerika, zurück und umfasst anders als in westlichen Breiten auch Lebewesen.

Der japanische Begriff für Naturdenkmal „Tennen Kinenbutsu“ geht auf einen Vorschlag des Botanikers Miyoshi Manabu (三好学, 1862-1939) der Kaiserlichen Universität Tokio zurück. Er ist eine analoge Nachbildung des deutschen Begriff „Naturdenkmal“ von Alexander von Humboldt. In einem Aufsatz von 1906 über die Notwendigkeit alte Bäume vor der Abholzung[Anm. 2] zu schützen, führte er den Gedanken des Erhaltes von Naturdenkmälern in Japan ein und vertiefte ihn ein Jahr später mit zwei weiteren Schriften[Anm. 3], in denen er bereits den Begriff „Tennen Kinenbutsu“ verwendete. 1911 brachte er einen Antrag zum Erhalt von Naturdenkmälern, landschaftlich schönen Orten und historischen Stätten im japanischen Oberhaus ein, das 1919 das „Gesetz zum Erhalt historischer Stätten, landschaftlich schöner Orte und Naturdenkmäler“ verabschiedete und den Schutz administrativ verankerte. 1933 wurde das System zum Erhalt von Naturdenkmälern auch in Korea und Taiwan, die unter japanischer Herrschaft standen, ein- und nach dem Krieg bis heute fortgeführt. 1950 wurde das Gesetz von 1919 zu Gunsten des Kulturgutschutzgesetzes abgeschafft.

Gegenwärtig (Stand: 29. Juli 2014) sind 1012 Naturdenkmäler deklariert, darunter 75 als „besondere Naturdenkmäler“.

siehe: Liste der besonderen Naturdenkmäler Japans

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich können Naturgebilde, besondere Einzelbäume oder Baumgruppen, Felsen, Höhlen und Wasserfälle, wegen ihrer Eigenart, Schönheit, Seltenheit oder ihres besonderen Gepräges, ihrer wissenschaftlichen oder kulturellen Bedeutung von der Bezirksverwaltungsbehörde zu Naturdenkmalen erklärt werden. Die Objekte werden von den Naturschutzabteilungen der Landesregierungen registriert und sind mit Tafeln mit Landeswappen gekennzeichnet. Sie sind in den Landesnaturschutzgesetzen definiert, da Naturschutz Ländersache ist, und in allen neun Bundesländern vorhanden.

Zur IUCN-Kategorie III gehören neben der Klasse Naturdenkmal auch geschützter Landschaftsteil und diverse Spezialklassen der Landesebene, wie geschütztes Naturgebilde (Salzburg), Naturdenkmal von örtlicher Bedeutung (Vorarlberg) oder Örtliches Naturdenkmal (Kärnten) und diverser ex-lege-Schutz (nicht explizit ausgewiesene Naturgebilde, die prinzipiell unter Schutz stehen), wie der Höhlenschutz (sofern es zugängliche Schauhöhlen sind, sonst gilt Betretungsverbot für die Öffentlichkeit, womit sie in eine höhere Schutzkategorie fallen), oder die Baumschutzverordnung (Stadt Salzburg, für alle Bäume eines gewissen Alters/Stammdurchmessers).

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz ist das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG) maßgebend und die Schutzobjekte sind im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) aufgeführt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhard Piechocki: Stichwort: Naturdenkmal. Naturwissenschaftliche Rundschau 59(4), S. 233 - 234 (2006), ISSN 0028-1050

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Naturdenkmäler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Grundlage für die Ernennung sind die „Bestimmungen zur Ernennung von Naturdenkmälern, landschaftlich schönen Orten und historischen Stätten, die Bestimmungen zur Ernennung besonderer historischer Stätten und Naturdenkmäler und die Bestimmungen zur Ernennung zum Wichtigen Kulturgut und Nationalschatz“ (「国宝及び重要文化財指定基準並びに特別史跡名勝天然記念物及び史跡名勝天然記念物指定基準」) von 1951.[5]
  2. Genauer Titel des Aufsatzes: 「名木の伐滅幷びに其保存の必要」.
  3. Die Titel der beiden Schriften lauten: 「天然記念物保存の必要竝びに其保存策に就いて」, etwa: „Die Notwendigkeit des Erhaltes von Naturdenkmälern nebst einem Plan zum Erhalt derselben“ und 「自然物の保存及び保護」, etwa: „Schutz und Erhalt der Natur“.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neudruck, hrsg. v. Hanno Beck, Stuttgart 1970, Bd. 1, S. 617.
  2. dt. Übersetzung: „Reise in die Aequinoctial-Gegenden des neuen Continents“, dt. v. Hermann Hauff, Bd. 2, Stuttgart 1859, S. 199: „Naturdenkmale“
  3. Zitat IUCN Protected Areas Categories System, iucn.org, abgerufen 3. August 2013;
    Übersetzung Wikipedia, folgt Artenschutz: Naturdenkmäler (IUCN Kategorie III), animalright.org, abgerufen 3. August 2013
  4. Artenschutz: Naturdenkmäler (IUCN Kategorie III), animalright.org
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format昭和二十六年文化財保護委員会告示第二号(国宝及び重要文化財指定基準並びに特別史跡名勝天然記念物及び史跡名勝天然記念物指定基準). MEXT, o.J., abgerufen am 17. Januar 2015 (japanisch).