Flönz

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Himmel un Ääd mit Flönz

Flönz (auch Flöns) ist der Name für eine schwach geräucherte Blutwurst aus dem Rheinland, die aus hellem Brät mit kleinen Fettstücken besteht.[1] Daneben ist Flönz im Rheinländischen die allgemeine Bezeichnung für Blutwurst.

Das rheinische Wort „Flönz“ wird [flønːts] ausgesprochen, mit einem relativ geschlossen gesprochenen, kurzen „ö“ gefolgt einem langen „n“.[2][3] Beide Sprachlaute gibt es im Standarddeutschen nicht. Nur die umgekehrte Längenverteilung kommt – bei minimal abweichender Artikulation – vor.

Geschützte geographische Angabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Europäischen Kommission wurde im Jahr 2014 ein Antrag auf Eintragung einer geschützten Herkunftsbezeichnung zum Schutz der Bezeichnung Flönz eingereicht, der am 22. März 2016 veröffentlicht wurde[4] und dem am 29. Juli 2016 stattgegeben wurde.[5]

Wortherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut dem etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache ist das Wort Flönz etymologisch mit Blunze oder Blunzen verwandt, das eine dicke Blutwurst bezeichnet. Das Wort Blunze ist bereits vor dem 16. Jahrhundert belegt und stammt vom mittelhochdeutschen Verb blunsen („aufblähen“, „aufblasen“). Ebenso wahrscheinlich ist eine lautmalerische Komponente im Sinne von plump und plumpsen. Im Frankfurter Dialekt bezeichnet das Wort Bluntz Blutwurst ohne Grieben oder einfach geronnenes Blut, das man beim Metzger als Abfallprodukt billig erwerben konnte.[6]

Noch im neunzehnten Jahrhundert war „Flönz“ der gängige Name für alle möglichen Wurstenden (Zipfel), die als Reste beim Aufschnitt in Metzgereien abfielen und billig als Hundefutter, aber auch als Armeleuteessen verkauft wurden.[3] Es ist möglich, dass der Name auf die gesamten Würste übertragen wurde, als in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten vor und im Ersten Weltkrieg die billigste Sorte Blutwurst den größten Anteil der Reste stellte; jedenfalls ist der heutige Gebrauch von „Flönz“ in der Kölner Gastronomie spätestens ab 1920 belegt.[3]

Kölsche Flönz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kölsche Flönz ist eine eingetragene Marke der Schutzgemeinschaft Kölner Wurstspezialitäten e.V. Sie ist eine schnittfeste Blutwurstvariante der einfachen Qualität, die in Köln und den östlich und westlich unmittelbar angrenzenden Städten Leverkusen, Bergisch Gladbach, Rösrath, Wesseling, Brühl, Hürth, Frechen und Pulheim hergestellt wird. Zutaten sind Schwarten, Schweinefleisch, Schweinekopffleisch, Schweineblut, Salz und Gewürze. Die Verwendung von Gewürzextrakten und Aromen ist untersagt. Die sichtbare Speckeinlage besteht aus Stücken zwischen 5 mm und 10 mm.

Gerichte mit Flönz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flönz-Pokal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle zwei Jahre schreibt die Kölner Fleischer-Innung anlässlich der Allgemeinen Nahrungs- und Genussmittel-Ausstellung den „Flönz-Pokal“[8] als bundesweit ausgeschriebenen Blutwurst-Wettbewerb aus. Eine Jury aus Vertreterinnen des Hausfrauen-Bundes, Metzgermeistern, Veterinären der Lebensmittelaufsichtsbehörden und Berufsschulfachlehrern bewertet die eingereichten Wurstprodukte nach verschiedenen Qualitätsrichtlinien, deren Zusammensetzung und dem Geschmack der Blutwurst.

„Sach ens Blootwoosch – Flönz!“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort „Flönz“ wird in einem scherzhaften Kölner Schibboleth benutzt: Typischerweise wird eine der kölschen Sprache nicht mächtige Person aufgefordert: „Sach ens Blootwoosch!“ (Sag mal Blutwurst!). Wer die Kölner Gebräuche nicht kennt, wird sich zum Vergnügen der Einheimischen bemühen, „Blootwoosch“ nachzusprechen, während Eingeweihte wissen, dass „Flönz“ als Synonym für die Kölner Blutwurst die „richtige“ Antwort wäre.[9]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alfred Täufel: Lebensmittel-Lexikon. Behr, Hamburg 2005, ISBN 3-89947-165-2
  2. zum Beispiel laut dem Wörterbuch auf http://www.koelsch-akademie.de/
  3. Veröffentlichung eines Eintragungsantrags gemäß Artikel 50 Absatz 2 Buchstabe a der Verordnung (EU) Nr. 1151/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates über Qualitätsregelungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel (2016/C 107/07)
  4. Bekanntgabe durch die EU
  5. Frankfurter Wörterbuch, herausgegeben von Wolfgang Brückner, Bd. IV (Litze-qui vive), Frankfurt am Main, 1972
  6. Seite 15, linke Spalte in „Marionetten-Ensemble Krieewelsche 'pappköpp' - Portrait einer erfolgreichen Amateurtruppe“, Kieewelsche Pappköpp, Krefeld, 1982.
  7. Rahmenprogramm der Anuga
  8. Dagmar Schmauks: Semiotische Streifzüge: Essays aus der Welt der Zeichen, LIT Verlag Berlin-Hamburg-Münster, 2007, S. 158

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]