Flache Erde

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Die Erschaffung der Welt. Auf den Außenflügeln seines Triptychons Der Garten der Lüste (entstanden um 1500) stellte der niederländische Maler Hieronymus Bosch die Erde als Scheibe dar.[1]

Die Vorstellung einer flachen Erde (auch: Erdscheibe) findet sich in vielen frühen Kulturen. Die Erdoberfläche wird hierbei als flach und oft in Gestalt einer Erdscheibe gedacht. In gebildeten Kreisen gilt seit der Antike ein Modell des Globus oder der Erdkugel, und Eratosthenes errechnete im 3. Jahrhundert v. Chr. nach präziser Erdmessung den Erdumfang. Der Globus als Erdmodell blieb seitdem die vorherrschende Lehrmeinung im europäischen Mittelalter und in der Neuzeit.

Die Legende, die mittelalterliche Christenheit habe an eine Erdscheibe geglaubt, wird von der Historical Association of Britain als historischer Irrtum aufgelistet.[2] Untersuchungen seit den 1990er Jahren[3] zeigten, dass „außer sehr wenigen Ausnahmen seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. gebildete Personen in der Geschichte des Westens nicht annahmen, die Erde sei flach“ und dass die Kugelgestalt der Erde die dominante Lehrmeinung blieb.[2]

Zur Verbreitung der im 19. Jahrhundert aufgekommenen Legende, der mittelalterliche Mensch habe an eine Scheibengestalt geglaubt, trug die Erzählung Das Leben und die Reisen des Christoph Columbus (1828) von Washington Irving bei.[2]

Geodäten und Kartografen entwickelten ab dem 19. Jahrhundert aus dem Kugelmodell einen noch genaueren Geoiden als Erdfigur.

Die Vorstellung von der Scheibenform der Erde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rekonstruktion der „Weltkarte des Hekataios von Milet“, 6. Jhdt v. Chr.

Uneinheitliche Scheibenmodelle finden sich in vielen Ursprungsmythen, z.B. in Mesopotamien und bei den frühgriechischen Philosophen Anaximander und Hekataios. Ein Schöpfer oder elementare Naturgewalten (Wasser, Feuer) bilden letztlich die Welt als Insel auf einem Urozean, oft mit den bekannten Weltmeeren verbunden. In einigen Bildern gibt es einen zum Himmel reichenden zentralen Weltenberg und in der iranischen Mythologie ein Ringgebirge Qaf am äußeren Rand der Scheibe.

Im Alten Testament finden sich unter den Varianten älterer Mythen auch Fragmente des mesopotamischen Scheibenbilds, die sich offensichtlich zum Teil widersprechen.[4]

Die Ablehnung der Scheibenform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altertum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits der Prophet Jesaja schreibt im gleichnamigen Buch der Bibel im Kapitel 40, Vers 22: "Er ist es, der da thront über dem Kreise der Erde,..." (Elberfelder Bibel, 1998). Das hebräisch Wort chugh, das hier mit Kreis wiedergegeben wird, kann auch Kugel bedeuten.

Im Weltbild der homerischen Epen war die Erde eine von Wasser des Okeanos umflossene Scheibe, die von der Halbkugel des Himmels überwölbt ist. Von dieser Vorstellung lösten sich bereits die kosmologischen Spekulationen der vorsokratischen Philosophen.

Das Globus-Modell der Erdkugel wurde in der Antike Pythagoras, der im 6. Jahrhundert v. Chr. lebte, oder dem mythischen König Atlas von Mauretanien zugeschrieben. Auch Platon ging von der Kugelgestalt aus. Sein Schüler Aristoteles gab in seiner Schrift Über den Himmel aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. folgende Gründe für die Kugelgestalt der Erde an:[5]

  • Sämtliche schweren Körper streben zum Mittelpunkt des Alls. Da sie dies von allen Seiten her gleichmäßig tun und die Erde im Mittelpunkt des Alls steht, muss sie eine kugelrunde Gestalt annehmen.
  • Bei von der Küste wegfahrenden Schiffen wird der Rumpf vor den Segeln der Sicht verborgen.
  • In südlichen Ländern erscheinen südliche Sternbilder höher über dem Horizont.
  • Der Erdschatten bei einer Mondfinsternis ist stets rund.

Die erste Messung des Erdumfangs wird Eratosthenes im späten 3. Jahrhundert v. Chr. zugeschrieben. Er nutzte die Beobachtung, dass die Sonne im Syene (heute Assuan in Südägypten) zur Sommersonnenwende mittags im Zenit steht und gleichzeitig in Alexandria (Nordägypten) unter einem Winkel von etwa 7° einfällt. Die Rechnung ergab aus dem Abstand zwischen Syene und Alexandria (5000 Stadien, knapp 800 Kilometer) und dem Einfallswinkel (1/50 des Vollkreises) einen Erdumfang von 50×5000 = 250.000 Stadien, knapp 40.000 km, was der wahren Größe von 40.007,76 km (Erdumfang über die Pole) nahekommt.[6]

Im Mittelmeerraum und Orient war seit dem 1. Jahrhundert die Kugelgestalt unter Gelehrten generell akzeptiert und wurde allmählich auch im Volk bekannt.

Auf Ptolemäus im 2. Jahrhundert n. Chr. geht die Erstellung eines Globus und die Ortsangabe durch geographische Länge und Breite zurück. In seinem Modell eines geozentrischen Weltbildes ging Ptolemäus auch von einer kugelförmigen Erde aus und errechnete als Umfang 30.000 km (richtig sind 40.075 km Äquatorumfang).

Eine Besonderheit ist die Beschreibung des Erdglobus aus der Sicht von oben, von einem Standpunkt im (geozentrisch gedachten) Kosmos, bei Cicero.[7]

Allerdings führten alle Versuche, die kugelgestaltige Erdoberfläche – mit den zum Teil nur rudimentär bekannten drei Kontinenten – kartographisch[8] wiederzugen, zu mehr oder weniger scheibenartigen Darstellungen einer zusammenhängenden Landmasse. Aus bloßer Ansicht dieser Erdkarten ohne Kenntnis der einschlägigen Texte ergibt sich die irrtümliche Annahme, es handle sich um die Darstellung einer von Wasser umgebenen Erdscheibe. Weil dann viele mittelalterliche Erdkarten nicht genordet, sondern nach Jerusalem oder der vermuteten Richtung des Paradieses ausgerichtet sind, lag die Annahme nahe, dem Glauben an die Scheibengestalt lägen religiöse Anschauungen zugrunde.

Spätantike Kritik an der Kugelform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltbild des Kosmas Indikopleustes: flache Erde in einem Tabernakel, 6. Jahrhundert

Folgende spätantike christliche Autoren vertraten von der Kugelform abweichende Positionen:

Der Einfluss dieser Autoren war gering: Lactantius fand mit seiner Meinung zur Erdgestalt erst im Zeitalter des Humanismus Beachtung; das auf Griechisch abgefasste Werk des Kosmas Indikopleustes wurde erst im frühen 18. Jahrhundert im Abendland bekannt. Theodor von Mopsuestia und Kosmas waren als Nestorianer bzw. Monophysit für orthodoxe und katholische Christen nicht akzeptabel.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Möglicherweise Ansicht des Erdballs, auf dem gleichzeitig verschiedene Jahreszeiten herrschen (12. Jahrhundert), aus Hildegard von Bingens Liber Divinorum Operum (12. Jahrhundert)
Illustration der kugelförmigen Erde in einem L’Image du monde – Manuskript des Gossouin de Metz (14. Jahrhundert)
Künstlerische Darstellung einer runden Erde aus John Gowers Vox Clamantis (um 1400)
Behaimscher Erdapfel, ältester noch erhaltener Erdglobus, 1490/1493 Nürnberg.

Entgegen der Legende des 19. Jahrhunderts war die Kugelgestalt der Erde im europäischen Mittelalter Lehrmeinung.

  • Aristoteles als Vertreter der Kugelgestalt galt im Hoch- und Spätmittelalter als Autorität in Fragen der Naturwissenschaft. Seine Werke wurden ab dem 12. Jahrhundert populär durch direkte Wiederentdeckung des Griechischen[9] und Übersetzungen aus dem Arabischen.
  • Das einflussreiche Buch der Naturgeschichte von Plinius dem Älteren († 79), der die Auffassung von Aristoteles übernahm und aus eigener Beobachtung ergänzte, war im Mittelalter in mehr als 300 Handschriften verbreitet.
  • Im 5. Jahrhundert verfasste Martianus Capella seine im europäischen Mittelalter noch lange studierten Werke; in der Geografia führte er aus: „Die Gestalt der ganzen Erde ist nicht flach, so wie manche meinen, die sie mit einer ausgebreiteten Scheibe (discus) vergleichen, und sie ist auch nicht konkav, wie andere annehmen, die vom Regen sprachen, der in den Schoß der Erde falle, sondern rund, sogar kugelförmig, wie Dikaearchus klar bezeugt“.[10]
  • Isidor von Sevilla (ca. 570–636 n. Chr.) geht in seiner Enzyklopädie Etymologiae sowie in der Schrift De natura rerum (‚Über die Natur der Dinge‘) mehrfach auf die Erdgestalt ein. Er verwendet hier Ausdrücke wie orbis (‚Erdkreis‘) und rota (‚Rad‘), die bisweilen als Hinweis auf ein Erdscheiben-Weltbild interpretiert wurden. Offenkundig geht es ihm dabei aber nur um die „Rundheit“ der Erdgestalt, da er zugleich den Begriff pila (‚Ball‘) verwendet, wenn er vom Reichsapfel als Bild der Erde spricht. In einem Begleitschreiben zu De natura rerum bezeichnet er die Erde geradewegs als globus („Kugel“). Zudem gab er die Länge des Äquators mit 800.000 Stadien an, was eine Kugelgestalt impliziert.[11]
  • Beda Venerabilis (672–735) in De natura rerum lehrte ebenso.
  • Spätere mittelalterliche Enzyklopädien in der Nachfolge des Honorius Augustodunensis (12. Jahrhundert) lehrten ausdrücklich die Kugelgestalt und prinzipielle Umrundbarkeit der Erde.
  • Der Lucidarius, ein Ende des 12. Jahrhunderts entstandenes Lehrwerk, bezeichnete die Gestalt der Erde als kugelförmig (sinewel), und das ebenfalls volkssprachlich gehaltene und in vielen Sprachen verbreitete Buch Sidrach (13. Jh.) vergleicht sie mit einem Apfel. Auch in der – vor allem auf Johannes de Sacroboscos Computus ecclesiasticus (um 1230) beruhenden – Mainauer Naturlehre (um 1300),[12] einer Zusammenfassung des naturwissenschaftlichen Wissens, findet sich die Kugelform der Erde.
  • Der Reichsapfel, eine der Reichsinsignien des Heiligen Römischen Reiches, symbolisiert die Weltkugel.
  • Thomas von Aquin (1225–1274), der einflussreichste Theologe und Kirchenlehrer des Hochmittelalters, vertrat ebenfalls die kugelförmige Erdgestalt: „Astrologus demonstrat terram esse rotundam per eclipsim solis et lunae“ (der Sternenkundige beweist durch Sonnen- und Mondfinsternis, dass die Erde rund ist) (Summa theologica I q1 a 1 ad 2).

Autoren, die die Lehre von einer kugelförmigen Erde vertraten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter anderem vertraten folgende Autoren die Lehren einer kugelförmigen Erde:[13]

Könige und Politiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brunetto Latini, Westgotenkönig Sisebut, König Alfred von England, Alfons X.

Kirchenväter, Päpste, Bischöfe, Ordensleute und Priester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Basilius von Caesarea,[14] Ambrosius von Mailand,[14] Aurelius Augustinus,[14] Paulus Orosius,[14] Jornandes (oder Jordanes) von Ravenna, Cassiodor, Isidor von Sevilla, Beda Venerabilis,[14] Theodulf von Orléans,[14] Virgilius von Salzburg, der irische Mönch Dicuil, Rabanus Maurus, Remigius von Auxerre, Johannes Scotus Eriugena, Erzpriester Leo von Neapel, Gerbert d’Aurillac (Papst Silvester II.), Notker der Deutsche von Sankt-Gallen, Hermann der Lahme, Hildegard von Bingen,[14] Petrus Abaelardus, Honorius Augustodunensis, Gautier de Metz, Adam von Bremen,[14] Albertus Magnus,[14] Thomas von Aquin, Berthold von Regensburg,[14] Meister Eckehart,[14] Enea Silvio Piccolomini (Papst Pius II.)

Theologen, Naturphilosophen und Enzyklopädiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ampelius,[14] Calcidius,[14] Macrobius,[14] Martianus Capella,[14] Boethius,[14] Wilhelm von Conches, Philippe de Thaon, Abu-Idrisi, Bernardus Silvestris, Petrus Comestor, Thierry de Chartres, Walter von Châtillon, Alexander Neckam, Alanus ab Insulis, Ibn Ruschd, Moshe ben Maimon, Lambert de Saint-Omer, Gervasius von Tilbury, Robert Grosseteste, Johannes de Sacrobosco, Thomas von Cantimpré, Peire de Corbian, Vinzenz von Beauvais, Robertus Anglicus, Juan Gil de Zámora, Perot de Garbelei, Roger Bacon, Ristoro d’Arezzo, Cecco d’Ascoli, Fazio degli Uberti, Levi ben Gershon, Konrad von Megenberg, Nikolaus von Oresme, Pierre d’Ailly, Alfonso de la Torre, Paolo dal Pozzo Toscanelli, Daniel von Morley, Gottfried von Viterbo, Herrad von Landsberg, Ramon Llull

Dichter, Reisende, Buchdrucker, Seefahrer, Händler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Snorri Sturluson, Marco Polo, Dante Alighieri, Brochard der Deutsche, Jean de Meung, Jean de Mandeville, Christine de Pizan, Geoffrey Chaucer, William Caxton, Martin Behaim, Christoph Kolumbus

Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Zeit von Christoph Kolumbus (ausgehendes 15. Jahrhundert) wurde die Kugelgestalt der Erde nicht hinterfragt.

Die Weltumsegelungen von Ferdinand Magellan (1519–1522) und Francis Drake (1577–1580) (→ Weltumsegelung des Francis Drake) bestätigten das Globusmodell und die Kugelgestalt der Erde war nun unumstritten.

Der viel spätere Disput Galileo Galileis mit der katholischen Kirche ging nicht um die Gestalt der Erde sondern um deren Stellung im Universum, nämlich ob die Erde (→ geozentrisches Weltbild) oder die Sonne (→ heliozentrisches Weltbild) im Mittelpunkt stehen. Galileo trat für letzteres ein.

Moderne Rezeption des „Mythos der flachen Erde“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Forscher räumten mit der Legende auf, im europäischen Mittelalter habe die Kirche die Scheibengestalt der Erde gelehrt:

  • Der Historiker Jeffrey Burton Russell von der University of California, Santa Barbara, vertritt die Ansicht, die „scheibenförmige Erde“ des Mittelalters sei ein neuzeitliches Märchen (myth), das im 19. Jahrhundert ab etwa 1830 auftauche und die Absicht verfolge, das kirchlich geprägte Mittelalter als „primitiv“ und die Kirche als wissenschaftsfeindlich darzustellen (vgl. Politischer Mythos). Zu den Autoren, die das aus antikirchlichen Motiven betrieben hätten, zählt er Thomas Paine (1737–1809), Jean Antoine Letronne (1787–1848), Washington Irving (1783–1853) und Andrew Dickson White (1832–1918).
  • Ähnlich der Bonner Skandinavist Rudolf Simek, der für Skandinavien um das Jahr 1000 die Vorstellung einer Kugelerde nachwies.[15]
  • Dem Stuttgarter Romanistikprofessor Reinhard Krüger zufolge soll die Polemik, die dem Mittelalter ein Weltbild mit scheibenförmiger Erde zuschrieb, bereits vor der Aufklärung eingesetzt haben. Er verortet die „mindestens drei [bekannten] Erdscheibentheoretiker“ außerhalb des Hauptstroms des mittelalterlichen Denkens, das auf der Symbiose christlicher Glaubenslehre und griechisch-römischer Wissenschaft fuße: „Weder Laktanz noch Kosmas Indikopleustes oder Bonifatius sind charakteristisch für das mittelalterliche kosmologische Denken. Und auch der eine oder andere kleinasiatische Kirchenmann wie Severianus von Gabala oder andere, die man hier noch nennen könnte, bleiben Randfiguren angesichts des breiten Stroms antiken kosmologischen Wissens, der sich nun genau in der Tradition der Kirchenväter ausfindig machen lässt. Die genannten Gestalten bleiben Außenseiter, deren Texte noch nicht einmal mehr gelesen oder zitiert werden.“[16] Die Ansichten von Laktanz und Kosmas Indikopleustes wurden überhaupt erst nach der Weltumsegelung Magellans wieder in der europäischen Literatur zitiert, und Bonifatius wurde bereits vom damaligen Papst Zacharias die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema untersagt.[16]

Eine in Zusammenarbeit mit dem Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung durchgeführte Studie, die deutsche und österreichische Geschichtsschulbücher aus dem ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts untersuchte (Stichjahr 2009), kam zu dem Ergebnis, dass in einem großen Teil der Lehrwerke bis heute die These des mittelalterlichen Glaubens an eine Erdscheibe verbreitet wird. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts sei demnach, so der Historiker Roland Bernhard, in den Schulbüchern der Umschwung zu immer fiktiveren, in der Tradition von u. a. Washington Irvings Erzählungen stehenden Darstellungsweisen vollzogen worden. Hingegen sei in den letzten Jahrzehnten aus vielen US-amerikanischen Schulbüchern der Mythos vom Glauben an die flache Erde entfernt worden.

Moderne Vertreter der Scheibenform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA vertrat die Flat Earth Society die Lehre einer scheibenförmigen Erde als einzig konform mit der Bibel. Das Bestehen der Organisation ist jedoch seit dem Tod ihres letzten Präsidenten ungewiss. Webseiten, die sich als zur Flat Earth Society gehörig ausgeben, sind satirisch angelegt. Einige Prominente in den USA sind Anhänger dieser Theorie, wie z.B. Tila Tequila[17] und B.o.B.[18] Seit etwa 2015[19] erlebt die Theorie von der flachen Erde wieder eine gewisse Verbreitung durch diverse Verschwörungsideologen im Internet.[20]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Aufgebauer: „Die Erde ist eine Scheibe“ – Das mittelalterliche Weltbild in der Wahrnehmung der Neuzeit. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, Heft 7/8, 2006, S. 427–441.
  • Roland Bernhard: Geschichtsmythen über Hispanoamerika. Entdeckung, Eroberung und Kolonisierung in deutschen und österreichischen Schulbüchern des 21. Jahrhunderts. (= Eckert. Die Schriftenreihe. Studien des Georg-Eckert-Instituts zur internationalen Bildungsmedienforschung 134) V&R Unipress, Göttingen 2013.
  • Roland Bernhard: Der Eingang des „Mythos der flachen Erde“ in deutsche und österreichische Geschichtsschulbücher im 20. Jahrhundert. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, 64/2013, S. 687–701.
  • Anna-Dorothee von den Brincken. Fines Terrae. Die Enden der Welt und der vierte Kontinent auf mittelalterlichen Weltkarten. Hannover 1992 (= Monumenta Germaniae Historica. Schriften, Bd. 36).
  • Brigitte Englisch: „…navigemus contra occidentalem plagam ad insulam que dicitur terra repromissionis. Die Entdeckung Amerikas aus dem Weltbild des Mittelalters“. (= Paderborner Universitätsreden 81, hrsg. v. Peter Freese), Paderborn 2002.
  • Paul Huber, Heilige Berge. Benziger Verlag, 1980. ISBN 3-545-25047-4. (S. 48–115: Das byzantinische Weltbild)
  • Reinhard Krüger: Das Überleben des Erdkugelmodells in der Spätantike (ca. 60 v. u. Z.–ca. 550) (Eine Welt ohne Amerika II), Berlin 2000.
  • Reinhard Krüger: Das lateinische Mittelalter und die Tradition des antiken Erdkugelmodells (ca. 550–1080). (Eine Welt ohne Amerika III), Berlin 2000.
  • Reinhard Krüger: Ein Versuch über die Archäologie der Globalisierung. Die Kugelgestalt der Erde und die globale Konzeption des Erdraums im Mittelalter. (PDF; 831 kB), Wechselwirkungen, Jahrbuch aus Lehre und Forschung der Universität Stuttgart, 2007, S. 28–52
  • Uta Lindgren: Warum wurde die Erde für eine Kugel gehalten? Ein Forschungsbericht. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 41 (1990), S. 562–574.
  • Jeffrey Burton Russell: Inventing the Flat Earth. Columbus and modern historians, Praeger, New York, Westport, London 1991.
  • Rudolf Simek: Erde und Kosmos im Mittelalter. Das Weltbild vor Kolumbus, München 1992.
  • Rudolf Simek: Kugel oder Scheibe? Das Bild von der Erde im Mittelalter. In: Spektrum der Wissenschaft Spezial 2/2002, S. 20–24.
  • Klaus Anselm Vogel: online Sphaera terrae: Das mittelalterliche Bild der Erde und die kosmographische Revolution, phil. Diss., Göttingen 1995.
  • Jürgen Wolf: Die Moderne erfindet sich ihr Mittelalter – oder wie aus der ‚mittelalterlichen Erdkugel‘ eine ‚neuzeitliche Erdscheibe‘ wurde (= Colloquia academica Nr. 5), Stuttgart 2004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erdscheibe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Erdkugel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich Goertz, Hieronymus Bosch in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek 1977, S. 61.
  2. a b c Jeffrey B. Russell: The Myth of the Flat Earth. American Scientific Affiliation. Abgerufen am 14. März 2007.
  3. Vgl. u. a. Klaus Anselm Vogel (1995), Jeffrey Burton Russell (1997), Reinhard Krüger (1998)
  4. Vgl. Cornelis Houtman: Der Himmel Im Alten Testament: Israels Weltbild und Weltanschauung. (Old Testament Studies, Bd. 30) Brill, Leiden 1993, S. 290f
  5. J. L. Stocks: Aristoteles: On the Heavens (engl.)
  6. Wie Eratosthenes um 200 v. Chr. die Erde als Kugel vermessen hat
  7. Cicero, De re publica 6.16 f.; 6.20 f.
  8. Die Projektion der dreidimensionalen Erdoberfläche in die zweidimensionale Ebene ist grundsätzlich nicht einwandfrei lösbar. Die dazu angewendete Zylinderprojektion führt stets zu Verzerrungen, so dass die Ergebnisse nicht unter allen Gesichtspunkten und für alle Erfordernisse brauchbar sind.
  9. Sylvain Gouguenheim: „Aristote au mont Saint-Michel : Les racines grecques de l'Europe chrétienne“
  10. nach Klaus Anselm Vogel: Sphaera terrae – das mittelalterliche Bild der Erde und die kosmographische Revolution, S. 65
  11. Umberto Eco: Die Geschichte der legendären Länder und Städte. Hanser, München 2013, S. 12.
  12. Francis B. Brévart: Die ‚Mainauer Naturlehre‘. Ein astronomisch-diätetisch-komputistisches Lehrbuch aus dem 14. Jahrhundert. Mit einer Quellenuntersuchung. In: Sudhoffs Archiv 71, 1987, 2, S. 157–179; ergänzt durch Sabine Kleine: Die Mainauer Naturlehre. In: Sudhoffs Archiv 79, 1995, S. 101–114.
  13. Reinhard Krüger (2007), S. 36
  14. a b c d e f g h i j k l m n o p Reinhard. Krüger: Ein Versuch über die Archäologie der Globalisierung. Universität Stuttgart. Abgerufen am 6. Dezember 2015.
  15. GEO Magazin 02/2003, S. 172 f.: Interview mit Rudolf Simek: Zu flach gedacht
  16. a b Reinhard Krüger (2007), S. 47
  17. Tila Tequila Truly Believes the Earth Is Flat and Won't Stop Yelling About It on Twitter. In: Observer. Abgerufen am 18. Februar 2016 (amerikanisches englisch).
  18. Ellen Brait: 'I didn't wanna believe it either': Rapper BoB insists the Earth is flat. In: The Guardian. 26. Januar 2016, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 18. Februar 2016]).
  19. NOZ: Und Hitler lebt hinter der Eis-Mauer bei den Reptiloiden..., veröffentlicht am 25. März 2016, abgerufen am 31. Oktober 2016
  20. Krude Theorien um 9/11 "Verschwörungsglaube - eine Ideologie aus der Mitte der Gesellschaft", Interview: Bastian Brinkmann, Süddeutsche Zeitung 10. September 2011