Flachs-Seide

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Flachs-Seide
Flachs-Seide (Cuscuta epilinum), Illustration

Flachs-Seide (Cuscuta epilinum), Illustration

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: Windengewächse (Convolvulaceae)
Gattung: Seide (Cuscuta)
Art: Flachs-Seide
Wissenschaftlicher Name
Cuscuta epilinum
Weihe

Die Flachs-Seide (Cuscuta epilinum), auch Lein-Seide genannt, ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Windengewächse (Convolvulaceae). Dieser blattgrünlose Vollschmarotzer parasitiert fast ausschließlich den Gemeinen Lein, ist aber mit dem fast vollständigen Rückgang dessen Anbaus in seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet Europa ausgestorben.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration
Samen

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Flachs-Seide handelt es sich um eine einjährige, krautige Pflanze. Sie hat weder Wurzeln noch Blätter, der Stängel ist 30 bis 50 Zentimeter lang und 0,5 bis 1 Millimeter dick, un- oder schwach verzweigt und, da vollständig ohne Chlorophyll, von blassgelblicher Farbe.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ungestielten Blüten bilden dichte, 10 bis 12 Millimeter breite Knäuel.

Die relativ kleinen, zwittrigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch und die Blütenkronröhre sind von gleicher Länge, die Kelchzipfel sind breit dreieckig bis eiförmig, spitz und überlappen einander am Grunde. Die Krone ist 2,5 bis 3 Millimeter lang und von grünlicher bis gelblichweißer Farbe. Die Blütenkronröhre ist annähernd doppelt so lang wie die eiförmig bis dreieckigen, spitzen und meist aufrechten Blütenkronzipfel. Die Schlundschuppen sind breit-zungenförmig, kurz gefranst, und dicht an der Kronröhre anliegend, die sie nicht verschließen. Die beiden unverwachsenen Griffel sind rund ebenso lang wie die fadenförmigen, verdickten Narben. Griffel und Narben gemeinsam sind kürzer als der Fruchtknoten und jeweils kürzer als die Blütenkrone.

Die Kapselfrüchte sind abgeflacht und anderthalbmal breiter als hoch. Die Samen sind 1 bis 2 Millimeter groß und häufig paarweise vorzufinden.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 42.[1]

Haustorium der Flachs-Seide

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Flachs-Seide handelt es sich um einen Therophyten und Holoparasiten.

Als Bestäuber wirken Wespen, besonders Grabwespen, aber auch Selbstbestäubung ist möglich. Die Diasporen werden häufig durch den Menschen ausgebreitet (Hemerochorie).

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprüngliche Heimat der Flachs-Seide soll das Gebiet zwischen Iran und Zentralasien sein.[2]

Flachs-Seide war eine in Europa vorkommende Pflanzenart. In Deutschland, Österreich, Schweiz, Slowenien, Tschechien, Slowakei, Niederlande, Polen, Finnland, Schweden und Norwegen wird sie als verschollen oder ausgestorben geführt. Einzelmeldungen finden sich aus Dänemark, dem Baltikum oder Polen, beruhen aber auf gemeinhin als eingeschleppt betrachteten Pflanzen. Insbesondere in Nordamerika kommt die Art jedoch noch als eingeführte Art vor.

Grund für den Rückgang ist das fast vollständige Ende des Flachsanbaus in Europa, denn Flachs-Seide parasitierte ausschließlich den Gemeinen Lein (Linum usitatissimum), nur selten auch den Leindotter (Camelina sativa).

Flachs-Seide war collin bis montan verbreitet und eine Charakterart der Assoziation Sileno linicolae-Linetum aus dem Verband Lolio remotae-Linion.[1]

In manchen Botanischen Gärten finden sich Erhaltungskulturen, die das vollständige Erlöschen der Art verhindern sollen.

Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Flachs-Seide bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Chrugel (Schweiz), Cipergras (Siebenbürgen bei Randol), Deiwelszwirn (Siebenbürgen), Doter (mittelniederdeutsch), Dotter, Feldseide, Filzkraut (Elsass, Salzburg), Wilder Flachs, Flachsdottern, Flachsdotterstangen, Flachsseiden, Flasssid (Altmark), Falsches Frauenhaar (Thüringen), Unser Frauen Haar, Unser lieben Frauen Blumenhaar, Grind (Schweiz), Hopfenseide (Schlesien), Künelschorft, Jungfernhaar (Kärnten), Leindotter, Leinwolle, Leithaar (Sachsen), Rang (Westerwald), Range, Ringel (Schweiz, Tirol, Memmingen), Schorft, Seide (Mark), Seidenkraut (Elsass), Sid, Side, Siden (Unterweser), Sie (Göttingen), Sied (Mecklenburg), Sien (Unterweser), Siren (Unterweser), Stolzkraut (Schlesien), Teufelszwirn (Hessen, Werra, Ostpreußen), Timseiden (Siebenbürgen), Timtochter, Todter als in Flachs (bereits 1482 erwähnt), Todtern, Tother (althochdeutsch), Tottern, Viltcruyt (mittelniederdeutsch, holländisch), Vilzkraut, Vogelseide, Werbeschmaren (Siebenbürgen bei Zuckmantel), Wilder Flachs, Wranghe und Zipepras (Siebenbürgen im Rauthal).[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. CD-ROM, Version 1.1. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2002, ISBN 3-494-01327-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 774.
  2. Rafaël Govaerts (Hrsg.): Cuscuta epilinum - Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 3. Februar 2016.
  3. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 122 f. (online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Flachs-Seide (Cuscuta epilinum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien