Flaschenpost

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Flaschenpost

Eine Flaschenpost ist eine leere Flasche oder ein anderes schwimmfähiges Gefäß, das mit einem Dokument und eventuell anderen kleineren Gegenständen gefüllt wird, um – wasserdicht verschlossen – in ein Gewässer (meist ein Fluss oder ein Ozean) geworfen zu werden. Der Sender hat dabei die Hoffnung, dass die Strömung die Botschaft an einem anderen Ort an Land spült, wo sie dann von einem Finder entdeckt werden kann.

Gebrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flaschenpoststart (Hurtigruten, 2011)

Der Volksmund verbindet mit der Flaschenpost hauptsächlich Hilferufe von Schiffbrüchigen, denen keine andere Möglichkeit bleibt, um Rettung zu erbitten.

Angeblich hat bereits Christoph Kolumbus auf seiner Fahrt nach Westen 1493 von einer Art Flaschenpost Gebrauch gemacht, indem er während eines schweren Sturmes ein Zedernfässchen mit Nachrichten für den Katholischen König (Ferdinand II. und dessen Ehefrau Isabella I.) den Wellen übergab. Allerdings hat diese Post den Empfänger nicht erreicht.[1]

In früheren Zeiten wurde die mit einem Hilfeersuchen aufgefundene Flaschenpost bei den lokalen Behörden abgegeben, die das Schriftstück an den zuständigen Konsul des Landes weiterleiteten. Auf langen Schiffsreisen wurden z. B. von Auswanderern Briefe an die Daheimgebliebenen mit Geld für Porto in einer Flasche im Meer ausgesetzt, in der Hoffnung, dass die Nachricht gefunden wird und vom Finder per Briefpost an die Adressaten weitergeleitet wird.

Von Bewohnern einsamer Inseln werden Flaschenposten auch als Verkehrsmittel benutzt. Beispielsweise ist dies auf den Westmännerinseln bekannt, die vor der Südküste Islands liegen. Wollten die Bewohner dieser Inseln Briefe an Bekannte an der Südküste Islands abschicken, so legten sie sie in eine Flasche und fügten für den Finder und Weiterbeförderer der Briefe etwas Tabak bei. Die Flasche wurde bei Südwind ins Meer geworfen, so dass sie nach Island herüber getrieben werden konnte.[2]

Wird heute eine Flaschenpost versandt, so geschieht dies meist aus Neugierde: In der Flasche befindet sich eine kurze Nachricht des Absenders sowie seine Postadresse. Ziel ist es in diesem Fall, eine kurze Nachricht von einem möglichst weit entfernten Ort zu bekommen, an dem die Flasche angespült wurde. Nicht selten geschieht es auch, dass Briefmarkensammler eine Flaschenpost mit einer Postkarte und der Erwartung losschicken, die Karte mit einer ausländischen Briefmarke zurückzubekommen.

Wissenschaftlicher Gebrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Hilfsmittel der Wissenschaft hat die Flaschenpost wesentlich zur Erforschung der Richtung und Geschwindigkeit der Meeresströmung beigetragen. Erstmals 1802 zur Auskundung des Golfstromes. Später bei den Untersuchungen des Fürsten Albert von Monaco, der Deutschen Seewarte in Hamburg welche zu dem Zweck seit 1878 Vordrucke verwendete und des amerikanischen Marinedepartements in Washington. Die Flaschen waren mit einem Flaschenfindezettel versehen die die genaue Zeit und geographische Lage des Ortes enthielt, an dem die Flachenpost dem Meer übergeben wurde. Der Finder wurde in mehreren Sprachen aufgefordert, seinerseits Ort und Zeit zu vermerken und dann den Zettel an das hydrographische Institut seines Landes abzuliefern. Über die Wege solcher Flaschenposten wurden seit 1842 in sogenannten Flaschenkarten eingetragen, die teilweise erhebliche Weglängen und überraschende Geschwindigkeiten hatten.[3] Beispielsweise hat eine im Bereich des Äquatorialstroms ausgeworfene Flasche in 154 Tagen 2700 Seemeilen, also 17 Seemeilen pro Tag zurückgelegt.[4]

Ein weiteres Beispiel ist die der deutschen Brigg Marco Polo. Welche am 23. August 1873 bei 48° 11’ nördlicher Breite und 6° 56’ westlicher Länge um 8 Uhr eine Flasche aussetzte. Diese wurde am 26. Oktober 1873 um 16 Uhr bei Oudeschild auf Texel (Niederlande) aufgefunden (53° 3’ nördliche Breite, 4° 11’ östliche Länge). Täglich wurden also etwa 8,3 Seemeilen zurückgelegt.

Insbesondere in der Arktis wurde die Flaschenpost mit Erfolg verwendet, um Nachrichten von Polarexpeditionen zu übermitteln.

Als moderner Nachfolger der Flaschenpost übernahm die Treibboje die Tätigkeit um die Richtungen der Meeresströmungen zu ermitteln. Im Jahr 2008 waren auf den Weltmeeren etwa 3000 dieser Geräte ausgesetzt.[5] siehe auch: Argo (Programm).

Zu einem unfreiwilligen wissenschaftlichen Gebrauch entwickelte sich eine Ladung Quietscheentchen, welche über Bord gegangen sind, siehe: Friendly Floatees.

Rekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste erhaltene Flaschenpost wurde am 14. Juli 1864 von Georg von Neumayer am Kap Horn ins Wasser geworfen, gefunden wurde diese am 9. Juni 1867. Heute ist sie Teil der Flaschenpostsammlung des Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg.[6][7] Die Sammlung umfasst 661 Flaschen und dürfte damit die wohl größte ihrer Art auf der Welt sein. In fünf Büchern sind die Auffindezettel chronologisch von 1864 bis 1933 zusammengefasst, wobei die Jahrgänge 1901 bis 1927 in Folge des Zweiten Weltkrieges verlorgen gingen.[8]

Einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde als unmöglichste Flaschenpost erhielt 1998 eine Weinflasche, die 1993 als Flaschenpost bei Hennef in die Sieg geworfen wurde und 1996 in Falmouth (Maine) gefunden wurde.

Ein Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde 2001 als kleinste postversandfähige Flaschenpost der Welt erfolgte für eine Flasche mit 25 mm Durchmesser und 95 mm Höhe. Präsentiert wurde sie von Rainer Krempel aus Remscheid am 16. März 2000.

Die Flaschenpost mit der bis dahin längsten nachgewiesenen Zustelldauer war ein Brief, der 1903 von einer deutschen Südpol-Expedition bei Tasmanien ausgesetzt, und am 19. März 1955 in Neuseeland angespült wurde.[9]

Ende August 2012 wurde die bis dahin am längsten im Meer getriebene Flaschenpost vor den Shetland-Inseln nördlich von Schottland von einem Fischer gefunden. Forscher aus Glasgow hatten die Flasche im Juni 1914 mit fast 2000 weiteren Flaschen ins Meer geworfen. In der Flasche steckte eine Postkarte und eine Aufforderung an den Finder, die Karte an die Fischereibehörde zurückzuschicken. Dafür wurde ein kleines Belohnungsgeld versprochen. Ziel war es, eine Karte der Meeresströmungen vor Schottland zu schaffen. Das Guinness-Buch der Rekorde bestätigte, dass keine bislang bekannte Flaschenpost länger im Meer war.[10][11]

Im März 2014 wurde gemeldet, dass der Fischer Konrad Fischer aus Heikendorf in Schleswig-Holstein in der Kieler Förde die bislang älteste Flaschenpost als Beifang in seinem Netz vorgefunden hat. Die Bierflasche enthielt eine Postkarte, die mit zwei Briefmarken aus dem deutschen Kaiserreich beklebt war und das Datum vom 17. Mai 1913 trug. Der Absender bittet den Finder, er möge die Karte an seine Adresse zurückschicken.[12] Sie wird heute im Internationalen Maritimen Museum Hamburg ausgestellt.[13]

Jedoch schrieb Carl Weyprecht 1874, als er die Mannschaft der Österreichisch-Ungarischen Nordpolexpedition zum Durchhalten bewegte, eine Flaschenpost, in der er die Ereignisse beschrieb, und übergab sie auch zu diesem Zeitpunkt dem Meer. Diese Flasche wurde 104 Jahre später, im Jahr 1978, von einem russischen Forscher, Wladimir Serow, auf der Insel Lamont im Franz-Josef-Land gefunden. Sie kam auf diplomatischem Weg im Jahr 1980 nach Wien und befindet sich heute im Besitz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.[14][15]

Im April 2015 fand eine Spaziergängerin am Strand von Amrum eine Flaschenpost, die George Parker Bidder III von der MBA im britischen Plymouth am 30. November 1906 ins Meer gelassen hatte. Bidder hatte seinerzeit ungefähr 1.000 Flaschen in die Nordsee gesetzt, um in ihrem Tiefenbereich die Ost-West-Strömung beweisen zu können. Die Flaschen waren durch Bleigewichte bzw. Sandballast so getrimmt, dass sie nur knapp über dem Meeresboden trieben. Die Finderin hatte die der Flasche beigelegte Postkarte wunschgemäß an die MBA zurückgesandt und erhielt dafür den auf der Postkarte als Finderlohn versprochenen Schilling aus der damaligen Zeit. Im März 2016 wurde diese Flaschenpost, die damit 108 Jahre und 138 Tage im Meer gewesen war, von den Guinness World Records als älteste Flaschenpost der Geschichte bestätigt.[16]

Ähnliche Verfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ballonpost ist das analoge Verfahren ungerichtete Botschaften durch die Luft zu schicken. Ballonpost hat den Vorteil, dass sie von jedem Ort der Erde gestartet werden kann und prinzipiell auch jeden Ort der Erde erreichen kann. Auch ist der Start einer Ballonpost leichter durchführbar, da es in der Luft kein der Brandung vergleichbares Problem gibt.

Auch in den Weltraum wurden der Flaschenpost vergleichbare Botschaften schon geschickt. So besitzen die Raumsonden Pioneer 10 und 11 sowie Voyager 1 und 2 eine goldene Plakette bzw. die Voyager-Raumsonden eine goldene Datenplatte an Bord für den Fall, dass sie einmal von Außerirdischen gefunden werden sollten.

Mit einer Zeitkapsel werden Botschaften oder Dinge (Münzen, Chroniken, Zeitungen etc.) an einen unbekannten, zukünftigen Finder hinterlegt bzw. eingemauert.

Flaschenpost als Markenzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Flaschenpost ist eine eingetragene, geschützte Marke. Die ersten Schutzrechte wurden 1990 beim deutschen Patent- und Markenamt eingetragen.[17] Weitere Marken für weitere Waren- und Dienstleistungsklassen folgten in den Jahren 1991 bis 2006.

Flaschenpost in der Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Flaschenpost dient oft als stilistisches Mittel, um den bislang unbeteiligten Finder in ein Abenteuer zu verstricken, oder als letztes Rettungsmittel aus hoffnungsloser, allein nicht zu bewerkstelligen Lage der Hauptperson.

Ausstellungen und Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flaschenpostautomat der Künstlerin Kirsten Kaiser stellte Flaschen, Korken Formular und Bleistift im Museum für Kommunikation Hamburg zur Verfügung.

Der Kölner Künstler Joachim Römer sammelt seit 1998 am Kölner Rheinstrand Botschaften aus Flaschen, Gläsern, Dosen oder sogar Luftballonaus dem Rhein. Die Sammlung umfasste 2015 rund 1400 Objekte die er für seine Installation »1000 und 1 Flaschenpost« benutzt. Diese Wanderausstellung war unter anderem im Museum am Strom in Bingen am Rhein[18] sowie anschließend im Duisburger Museum der Deutschen Binnenschifffahrt zu sehen.[19]

Im Museum für Kommunikation Frankfurt ist vom 16. Mai bis 4. September 2016 die Ausstellung »Mit dem Strom und gegen die Zeit. Treibgut Flaschenpost« zu sehen.

Flaschenpost als Metapher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theodor W. Adorno benutzte die Metapher „Flaschenpost“ zunächst in Bezug auf Neue Musik: „keiner will mit ihr etwas zu tun haben, sie verhallt ungehört, ohne Echo“ und später im Exil in Hinblick auf seine eigene Theorie. Theorie als Flaschenpost bedeutet in diesem Sinne etwas ins Ungewisse zu senden, ohne Adressaten in der Hoffnung dass in einer Zukunft dieser Adressat geboren wird.[20] Manchmal wird die Metapher auch im Sinne eines Vermächtnisses gebraucht, wie in "Friedrich Kittlers Flaschenpost an die Zukunft" von Till Nikolaus von Heiseler.

In der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sandra Lüpkes: Wiegand Wattwurm und die geheimnisvolle Flaschenpost, Kindermusical

Weitere Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Scholl: Die Flaschenpost der Seewarte; 1898
  • Archiv für Post und Telegraphie. Herausgegeben im Auftrage des Reichspostministeriums. Verlag Postzeitungsamt Berlin W.:
    • 1901; S. 598
    • 1911; S. 252
  • Handwörterbuch des Postwesens
    • 1. Auflage; S. 236 (Aufsatz von: Heinrich Herzog, Präsident der OPD Frankfurt (Oder))
    • 2. Auflage; S. 272
  • Das Archiv; Heft 2/2016 ISSN 1611-0838 (Schwerpunktthema: Flaschen- und Raketenpost)
    • Jürgen Bräunlein: Vom Zufall in die Hand gespült – Kleine Geschichte der Flaschenposten; S. 6–9 und 11–13
    • Jürgen Bräunlein: Flaschenposten – Handreichung für die Praxis; S. 10
    • Thomas Seibert: Der Künstler als Flaneur – Die Flaschenpostsammlung Joachim Römers im Kunstkontext; S. 14–21
    • Julia Bastian im Gespräch mit Joachim Römer: Mit dem Strom gegen die Zeit – Eine Flaschenpostsammlung im MKF; S. 49–51
    • Stefan Frank: Mit der Strömung über die Meere – Die Flaschenpostsammlung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie; S. 62–67
    • Margret Baumann: Post-Art-Museum – Ein Flaschenpostobjekt des Künstlers Rolf Sturm; S. 80

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Flaschenpost – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Flaschenpost – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Handwörterbuch des Postwesens; 1. Auflage; S. 236
  2. Handwörterbuch des Postwesens; 1. Auflage; S. 236
  3. Handwörterbuch des Postwesens; 2. Auflage;
  4. Handwörterbuch des Postwesens; 1. Auflage;
  5. Spiegel-online, 13. April 2008
  6. Die Norddeutsche Tageszeitung für Vegesack, Blumenthal, Burglesum … usw. vom 11. November 2012 (im Archiv)
  7. homepage des BSH, Flaschenpost-Sammlung
  8. Das Archiv 2/2016; S. 65
  9. http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/1783/fernweh_zum_anfassen.html
  10. http://www.bild.de/news/ausland/guinness-rekorde/auf-shetlandinseln-25987828.bild.html
  11. Ausgegraben - Neues aus der Archäologie . Spiegel Online, 16. September 2012, abgerufen am gleichen Tage.
  12. Nach geplatzter Versteigerung: Berliner Flaschenpost bleibt im Museum. In: www.tagesspiegel.de. Abgerufen am 3. Juni 2015.
  13. Der Tagesspiegel: Flaschenpost aus Berlin bleibt im Museum, 31. Juli 2014
  14. Carl Weyprecht-Ausstellung abgerufen am 5. November 2011
  15. Weyprecht Ausstellung (PDF; 108 kB) Flyer zum 125. Jahrestag Weyprechts von 2006 abgerufen am 5. Oktober 2011
  16. Älteste Flaschenpost, auf:guinnessworldrecords.de vom 17. März 2016, abgerufen am 20. April 2016
  17. Registernummer: 1166165. Deutsches Patent- und Markenamt, abgerufen am 16. Juni 2012.
  18. Ausstellung "1000 und 1 Flaschenpost" in Bingen Poetische Schätze des Rheins von Manuela Hübner auf swr.de vom 17. April 2015
  19. Joachim Römer macht Flaschenpost zur Kunst … Alles im Fluss von Gerd Michalek auf wdr.de vom 16. November 2015
  20. http://www.diss.fu-berlin.de/docs/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDOCS_derivate_000000001184/workingpaper103.pdf