Flaschenturm

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Flaschenturm
Flaschenturm
Flaschenturm im Jahr 2006
Basisdaten
Ort: Berlin-Friedrichshain
Bauzeit: 1929–1930
Sanierung: 2009
Status: Baudenkmal
Architekt: Bruno Buch
Nutzung/Rechtliches
Nutzung: Wohngebäude
Wohnungen: 99
Bauherr: Licon Wohnbau, Leipzig
Anschrift
Stadt: Berlin
Land: Deutschland

Der Flaschenturm der ehemaligen Engelhardt-Brauerei im Berliner Ortsteil Friedrichshain ist mit den in der Nähe gelegenen Überresten der Glashütte und dem Palmkernölspeicher eines der letzten Industriedenkmäler der Halbinsel Stralau.

Lage und Kurzgeschichte des Turmes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude befindet sich in der Krachtstraße 9/10 und wurde zwischen 1929 und 1930 nach Entwürfen des Berliner Architekten Bruno Buch als Flaschenabfüllgebäude erbaut. Der rote Klinkerbau besteht aus drei Baukörpern. Der Stahlbeton-Skelettbau gilt als besonderes Beispiel der Berliner Industriebauten aus den 1920er Jahren. Er ist das einzige erhaltene Bauwerk der in Stralau gegründeten Engelhardt-Brauerei.

Täglich wurden in dem Flaschenturm etwa 300.000 Bierflaschen abgefüllt. Von 1948 bis 1959 diente er zudem als Brennerei für Spirituosen wie Kornbrand und der Produktion von Kaffee-Edellikör.

Die Engelhardt-Brauerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktie über 1000 Mark der Engelhardt-Brauerei AG vom Februar 1918
Werbetafel für Engelhardt-Pils

Die Engelhardt-Brauerei wurde vor 1860 gegründet. Am 31. Oktober 1907 entstand die Brauerei Ernst Engelhardt Nachf. AG, Berlin-Pankow die am 1. Dezember 1907 in Engelhardt-Brauerei AG umbenannt wurde. Im Jahr 1887 hatte auf dem Stralauer Industriegelände die Schaarschuh’sche Brauerei eröffnet. Diese wurde 1897 von der Viktoria-Brauerei übernommen. Der dortige Standort der Engelhardt-Brauerei entstand 1917 durch eine Fusion des Engelhardt-Konzerns mit der Viktoria-Brauerei.

Weiter kaufte der Konzern unter anderem die Kaiser-Brauerei AG in Charlottenburg,[1] die Berliner Stadtbrauerei GmbH und die Königsberger Dampfbrauerei Hans Engelke GmbH in Königsberg in der Neumark.

Die Verwaltung und der Hauptstandort verblieben jedoch in Stralau. Der Direktor Ignatz Nacher führte eine technische Neuerung ein: er ließ das Bier für Flaschen pasteurisieren. Dadurch wurde es für lange Zeit haltbar und die Brauerei konnte große Absatzsteigerungen verzeichnen. Eine Mälzerei und ein Flaschenturm erweiterten nach einem Brand 1926 die Produktionsstätten. Die Brauerei entwickelte sich in den 1920er und 1930er Jahren zu einem der weltweit größten Malzbierproduzenten.

1933 wurde der Gründer, Mehrheitsaktionär und Generaldirektor der Engelhardt-Brauerei, Ignatz Nacher, der einer jüdischen Familie entstammte, durch den nationalsozialistischen Staatskommissar, Julius Lippert, und die Berliner Nationalsozialistische Partei zum Rücktritt von seinem Posten als Generaldirektor und zum Verkauf seiner Mehrheitsbeteiligung an die Dresdner Bank gezwungen. 1934 war die „Arisierung“ der Brauerei abgeschlossen.[2] Während der deutschen Teilung hieß das Unternehmen VEB Engelhardt. Sie war von 1951 bis 1990 die produktionsstärkste Brauerei Ost-Berlins und neben dem Glaswerk größter Arbeitgeber in Stralau. Die Brauerei ist Geburtsstätte des alkoholfreien Biers, das von Braumeister Ulrich Wappler entwickelt und 1972 auf der Leipziger Messe vorgestellt wurde. Die Produktion wurde 1990 eingestellt und die Fabrik geschlossen.[3] Das Unternehmen ging 1992 als Engelhardt-Brauerei Vertriebs-AG auf die Brau und Brunnen AG über.

Das Bier aus der West-Berliner Engelhardt-Brauerei (Danckelmannstraße in Charlottenburg) wurde als Charlottenburger Pilsener im ehemaligen Westteil der Stadt vertrieben. Es wird weiterhin, nun im Ostteil Berlins, gebraut. Die Radeberger-Gruppe, der das Engelhardt-Pils seit den späten 1990er Jahren gehört, denkt über die Zukunft dieses populären Pilses nach, da die „Ostbiere“ Berliner Pilsner und andere an Beliebtheit nachlassen.

Spätere Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Treppenhaus, 2002
Innenansicht, 2006

Im Jahr 1997 sollten verschiedene Ladengeschäfte im Erdgeschoss einziehen, es fand sich aber kein Nutzer.[4]

Für die Expo 2000 entstand als Außenprojekt im leergeräumten Werkstattgebäude der Brauerei die Ausstellung Wasser in der Stadt – Perspektiven einer neuen Urbanität. Diese wurde am 31. Mai durch den damaligen Stadtentwicklungssenator Peter Strieder, den Vorstand der Berliner Wasserbetriebe Ludwig Pawlowski und den Geschäftsführer der Wasserstadt GmbH, Uli Hellweg eröffnet. Sie zeigte die Geschichte der Halbinsel Stralau sowie deren private und gewerbliche Nutzung.[5][6] Der unter Denkmalschutz stehende Flaschenturm blieb nach der Schließung der Engelhardt-Brauerei seit 1990 ungenutzt.

Nach einer Ausschreibung des Liegenschaftsfonds erwarb der Leipziger Projektentwickler LICON den Flaschenturm. Er ließ ihn unter Berücksichtigung der Denkmalvorschriften sanieren und 2009–2012 zu einer Wohnanlage mit 99 Wohneinheiten umbauen.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieter Ziegler: Die Dresdner Bank und die deutschen Juden. Unter Mitarbeit von Maren Janetzko, Oldenbourg, München 2007, ISBN 3-486-57781-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Flaschenturm – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ehemalige Engelhardt-Brauerei auf www.berlin.de
  2. Der Revolver lag schon auf dem Tisch. In: Die Zeit, 21. April 1989, Nr. 17, abgerufen am 4. August 2015.
  3. Alkoholfreies Bier
  4. Dienstleister beziehen den Flaschenturm. In: Berliner Zeitung, 29. Mai 1997
  5. Ausstellungseröffnung Wasser in der Stadt – Perspektiven einer neuen Urbanität. Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Projektideen waren die Einrichtung eines Wohnparks und einer Begegnungsstätte mit Restaurants und verschiedenen Läden.
  6. Karin Schmidl: „Endspurt“ für die Halbinsel Stralau. In: Berliner Zeitung, 30. Oktober 2000
  7. Denkmaljuwelen Flaschenturm

Koordinaten: 52° 29′ 51″ N, 13° 28′ 11″ O