Fleischers Weidenröschen

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Fleischers Weidenröschen
Fleischers Weidenröschen (Epilobium fleischeri)

Fleischers Weidenröschen (Epilobium fleischeri)

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Myrtenartige (Myrtales)
Familie: Nachtkerzengewächse (Onagraceae)
Unterfamilie: Onagroideae
Gattung: Weidenröschen (Epilobium)
Art: Fleischers Weidenröschen
Wissenschaftlicher Name
Epilobium fleischeri
Hochst.

Fleischers Weidenröschen (Epilobium fleischeri Hochst., Syn.: Chamaenerion fleischeri (Hochst.) Fritsch, Chamerion fleischeri (Hochst.) Holub) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Weidenröschen (Epilobium) oder Chamaenerion bzw. Chamerion innerhalb der Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae). In Österreich wird diese Art auch Bergbach-Weidenröschen oder Kies-Weidenröschen genannt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fleischers Weidenröschen wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 30 Zentimetern. Es besitzt zahlreiche niederliegende bis bogig aufsteigende Stängel, die im unteren Teil leicht verholzen.

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind sitzend. Die einfache Blattspreite ist linealisch-lanzettlich und drüsig gezähnt.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blüte im Detail

Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Die gestielten Blüten stehen zu fünft bis zehnt in einem traubigen Blütenstand.

Die zwittrige Blüte besitzt einen doppelte Blütenhülle. Die Kelchblätter sind tiefrot und schmal. Die Krone besitzt einen Durchmesser von bis zu 3 Zentimetern mit vier rosaroten Kronblättern.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 36.[1]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fleischers Weidenröschen ist ein ausgesprochener Rohbodenpionier. Mit zahlreichen Ausläufern und den dank ihres Haarschopfs flugtüchtigen Samen erobert sie rasch neue Geröllflächen. Mit seinen auffallenden Blüten, die Insekten anlocken, kann es sogar das Risiko der Selbststerilität eingehen.

Vorkommen und Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fleischers Weidenröschen ist nur in den Alpen (besonders in den Westalpen) von den Tallagen bis in Höhenlagen von 2700 Metern verbreitet. In den Allgäuer Alpen steigt es von 900 Meter an der Ostrach bei Hinterstein bis zu einer Höhenlage von 1300 Metern auf. Diese kalkmeidende Art ist ein Erstbesiedler auf Kies(bänken), Geröll, Flussschotter, Moränen und feuchtem Schutt. Sie gilt in Mitteleuropa als Charakterart des Epilobietum fleischeri.[1]

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w+ (feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 5 (sehr hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 2 (subalpin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).[2]

In Österreich ist Fleischers Weidenröschen zerstreut in Tirol und Vorarlberg anzutreffen und gilt als gefährdet.

Fleischers Weidenröschen ist sowohl durch natürliche Veränderung der Standorte (Verbuschung) als auch durch menschliche Eingriffe bedroht. Ihre letzten Bestände verdienen Schutz.[3]

Systematik und botanische Geschicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Art wurde von Franz von Fleischer (1801–1878), dem späteren Professor in Stuttgart-Hohenheim, am Ortler in Südtirol entdeckt und nach ihm benannt.

Die Erstbeschreibung als Epilobium fleischeri erfolgte 1826 durch Christian Ferdinand Friedrich Hochstetter (1787–1860).[4]

Ergebnissen molekulargenetischer Studien zufolge wird diese Art als Chamaenerion fleischeri (Hochst.) Fritsch von Epilobium abgetrennt.[5][6] In nordamerikanischer Literatur ist häufig das Synonym Chamerion fleischeri (Hochst.) Holub zu finden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Xaver Finkenzeller, Jürke Grau: Alpenblumen. Erkennen und bestimmen (= Steinbachs Naturführer). Mosaik, München 2002, ISBN 3-576-11482-3.
  • Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Hrsg.: Manfred A. Fischer. Eugen Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 684.
  2. Epilobium fleischeri Hochst. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 18. März 2021.
  3. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching bei München, 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 246.
  4. Christian Ferdinand Friedrich Hochstetter: Ueber das Ergebniss der botanischen Reise des Pharmaceuten Fleischer nach Tyrol im Sommer 1825. In: Flora. Band 9, Nr. 1, 6, 1826, S. 81–86 (hier: S. 85).
  5. Warren L. Wagner, Peter C. Hoch, Peter H. Raven: Revised Classification of the Onagraceae (= Systematic Botany Monographs. Band 83). American Society of Plant Taxonomists, Ann Arbor, Mich. 2007, ISBN 978-0-912861-83-8 (PDF-Datei).@1@2Vorlage:Toter Link/si-pddr.si.edu (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. Alexander N. Sennikov: Chamerion or Chamaenerion (Onagraceae)? The old story in new words. In: Taxon. Band 60, Nr. 5, 2011, S. 1485–1488 (Abstract).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Fleischers Weidenröschen (Epilobium fleischeri) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien