Flensburger Segel-Club

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FSC
Burgee of Flensburger Segel-Club.svg
Vereinsstander
Voller Name Flensburger Segel-Club e. V.
Gegründet 17. Mai 1890 in Flensburg
Vereinssitz Quellental (Glücksburg)
Vorsitzender Jochen Frank
Commodore Enno Brink
Mitglieder 811 (2020)
Clubanlagen Quellental (Glücksburg)
Homepage www.fsc.de

Der heutige Flensburger Segel-Club e. V. (FSC) wurde am 17. Mai 1890 als Flensburger Segel-Klub im Bahnhofshotel (heute: Europahaus am ZOB) in Flensburg gegründet. 12 Gründungsväter wählten in der Gründungsversammlung den Schiffsreeder und Stadtrat Heinrich Schuldt zu dem ersten Vorsitzenden des FSC.

Revier und Stander[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das unmittelbare Revier des FSC ist die Flensburger Innen- und Außenförde. In den Anfangsjahren des Clubs wurde überwiegend auf der Innenförde gesegelt. Wer aber auf die Außenförde segeln wollte, musste die Zollgrenze passieren, die damals von Holnis Drei in Angeln durch die Flensburger Förde nach Brunsnis in Sundewitt (Broager) verlief. Die Zollstelle auf der Halbinsel Holnis überwachte den ein- und ausgehenden Schiffsverkehrs und war von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geöffnet. Zur Zollabfertigung mussten alle Schiffe – auch Sportyachten – in der Nähe der Dienststelle vor Anker gehen und warten, bis die Zöllner herausgerudert kamen. Yachten, die ein Clubmitglied an Bord hatten und eine Clubflagge zeigten, waren von dieser zeitraubenden Prozedur befreit. Um ihren Clubmitgliedern ein „Freipassieren“ der Zollstelle zu ermöglichen, wurde auf der Generalversammlung des FSC am 6. Juni 1897 die Einführung eines dreieckigen hellblauen Clubstanders mit stehendem weißen Kreuz beschlossen und erstmals bei der Regatta am 11. Juli 1897 auf allen Booten gezeigt. Das „Freipassieren“ konnte allerdings erst ab 1901 nach erfolgreichem Antrag beim preußischen Finanzministerium realisiert werden, das der erste Kommodore des FSC, Herzog Friedrich Ferdinand (Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg) maßgeblich bewirkt hatte.

Bootshafen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flensburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der FSC ist ursprünglich ein Flensburger Klub und die Boote lagen im ersten Jahrzehnt seines Bestehens ohne fest zugewiesenen Platz verstreut an Brücken und Pfählen vor der Ballastbrücke im Flensburger Hafen. 1901 erhielt der FSC eine Land- und Wasserfläche wie gewünscht an der Nordseite des Hakens bei Vith nördlich der Ziegeleibrücke im Hafen.[1] 1922 wurde der Beschluss zum Bau eines eigenen Clubhauses mit der Finanzierung auf dem Wege der Umlage gefasst und 1924 eingeweiht. 1945 wurde es bei einer Explosion des alten Marinemunitionslagers schwer beschädigt, aber wieder aufgebaut und konnte nach Beendigung der Noteinquartierung von Flüchtlingen 1949 wieder als Clubhaus genutzt werden.[2]

Glücksburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1934 wurde in Quellental mit dem Bau eines Bootshafens durch die Stadt Flensburg im Rahmen von Notstandsarbeiten begonnen, an die ein Gedenkstein im Hafen erinnert. 1935 wurde der erste Hafenabschnitt mit einer 80 Meter Längsbrücke eingeweiht. 1937 umfasste der fertige Bootshafen eine 220 Meter lange Längsbrücke, eine 80 Meter lange Querbrücke mit Schwellbrettern, Flaggenmast und einer inneren Querbrücke. 1939 mussten die unkonservierten Festmacherpfähle wegen Bohrwurmbefall durch Eichenstämme ersetzt werden. Hochwasser und Eisgang beschädigten die Hafenanlagen, die bis 1941 zweimal ersetzt werden mussten.[3] Der Hafen in Glücksburg war ursprünglich als Schutzhafen gedacht, er entwickelte sich in den 1950er Jahren immer mehr zum eigentlichen Segelhafen. Im Flensburger Hafen konnten die Yachten wegen der ständigen Dünung nicht mehr gefahrlos an ihren Festmachertonnen liegen. Im Herbst 1956 wurde der Yachthafen Glücksburg durch einen schweren NNO-Sturm fast vollständig zerstört, aber wieder aufgebaut. Die Stadt Flensburg kündigte den Pachtvertrag der Vereinsanlagen am Ballastkai im Flensburger Hafen, um diesen zu erweitern, und so kaufte der Flensburger Segel-Club 1960 den Yachthafen Quellental (Glücksburg)[4] und ein 15.000 m² großes Gelände neben der Hanseatischen Yachtschule, auf dem 1961 eine Bootshalle und 1965/1966 ein neues Clubhaus entstanden.[5] 1980 wurde das Clubhaus durch einen Anbau eines modernen Sanitärgebäudes mit Dusch-Wasch- und Regattaräumen erweitert. 1988 wurde erneut umgebaut und in der Folge zog das Büro nach Glücksburg um. 2010 erfolgte als vorerst letzte Maßnahme die Grundrenovierung, Modernisierung und Erweiterung des Clubhauses.[6] 2016 fand zwischen Ende April und Oktober Abbruch und Neubau der Bootshallen auf dem Clubgelände statt.

Regattasegeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiederkehrende offene Regatten nach Handicap-Verfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1890–1898 interne Wettfahrten für Lust- und Fischerboote
  • 1899–1914 Offene Wettfahrten nach DSV-Meßverfahren
  • 1920–1939 Verbands- und Nordmarkwettfahrten, Nordmarkwochen FSC und SVF
  • 1947 Regatta der Flensburger Segler
  • 1948 Erstes Blaues Band der Flensburger Förde für die schnellste einheimische Einrumpf-Yacht nach gesegelter Zeit[7]
  • 1948–1954 Wettfahrten auf der Flensburger Förde
  • 1955–1972 Flensburger Woche
  • 1968 Erstes Blau-Gelbes Band der Flensburger Förde für die schnellste auswärtige Einrumpf-Yacht nach gesegelter Zeit[8]
  • 1965–1972 Light-Vessel Race
  • ab 1973 jährlich Flensburger Fördewoche (im Herbst)[9]

Wiederkehrende Regatten für Klassenboote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Segel-Bundesliga[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der FSC gehört zu den 17 Gründungsmitgliedern der Segel-Bundesliga am 7. April 2013 in Hamburg. Nach dem Abstieg aus der 1. Liga in die 2. Liga im Jahr 2017 erfolgte 2018 der Rückaufstieg in die 1. Liga.[10]

Endplatzierungen für den FSC in der Deutschen Segel-Bundesliga[11]
Jahr 1. Bundesliga 2. Bundesliga
2013 11
2014 10
2015 9
2016 15
2017 1[12]
2018 10
2019 8
2020[13] 9
2021[14] 3

Die Qualifikationsregatten fanden von 2014 bis 2019 vor Glücksburg auf der Flensburger Förde statt und wurden durch den Deutschen Hochseesportverband HANSA (DHH) und den Flensburger Segel-Club ausgerichtet.

Der FSC startete auch im Deutschen-Segel-Liga-Pokal (kurz DSL-Pokal), der 2017 als parallele Veranstaltung zu den zwei Bundes-Ligen sowie als Qualifikation zur Zweiten Liga ins Leben gerufen wurde.[15] Im Gründungsjahr 2017 und 2019 stellte der FSC neben dem Senioren-Team ein Junioren-Team.

Endplatzierungen für den FSC im Deutsche-Segel-Liga-Pokal[16]
Jahr Senioren-Team Junioren-Team Teilnehmerzahl
2017 1 6 30
2018 15 24
2019 7 4 20
2020[17] 3 16
2021[18] 7 11 20

Der FSC ist seit 2017 mit seinem Junioren-Team auch in der Deutschen Junioren Segel-Liga vertreten. Diese Liga orientiert sich an ihrem großen Bruder, der Deutschen Segel-Bundesliga. Sie ist die Liga für den Vereins-Nachwuchs und bietet eine attraktive und alternative Perspektive für talentierte Regattasegler.

Endplatzierungen für den FSC in der Deutschen Junioren Segel-Liga
Jahr Junioren-Team Teilnehmerzahl
2017[19] 11 12
2018[20] 5 22
2019[21] 2 26
2020[22] 12 (Team 1)
23 (Team 2)
27
2021[23] 10 34

Sailing Champions League[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flensburger Segel-Club konnte sich erstmals im Jahr 2021 für die Final-Regatten der Sailing Champions League in Porto Cervo (Costa Smeralda) qualifizieren. In einer Regattaserie von insgesamt 50 Rennen waren die besten 25 Segelvereine aus 14 europäischen Nationen in Kiel angetreten. Der Flensburger Segel-Club erreichte in dieser Qualifikation den zweiten Platz der 15 besten Vereine.[24] Im Sailing Champions League Finale beim in Porto Cervo beim Yacht Club Costa Smeralda (YCCS) wurde das Team des FSC punktgleich Dritter hinter dem Zweiten SV Kreuzlingen aus der Schweiz.[25]

One-Ton-Cup[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der One-Ton-Cup (OTC) war 1978 das segelsportliche Großereignis und der Höhepunkt der bisherigen Wettfahrtgeschichte des FSC. Aus vier Erdteilen kamen 36 Yachten nach Glücksburg zum OTC. Sieger wurde die Yacht Tilsalg aus dem FSC mit dem Skipper und FSC-Mitglied Klaus Lange.[26]

Fahrtensegeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine ansehnliche Zahl von Yachten unter dem Stander des FSC hat weite Ziele westwärts der jütländischen Halbinsel besucht, sei es, um an großen Regatten in anderen Ländern und anderen Kontinenten teilzunehmen oder als eigentliches, zweckfreies Segeln in fremden Revieren.

Jugendabteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 20. Februar 1909 gründeten Schüler der beiden Flensburger Oberschulen den Flensburger-Modell-Segel Club (FMSC), der völlig unabhängig vom FSC bestand. Das Revier für die Wettfahrten mit Modellyachten waren die Bucht von Sandacker und die Munkmühlenbucht bei Randershof. 1921 erfolgte die Aufnahme in den FSC unter der Bezeichnung "Jugend Abteilung: Flensburger Modell-Segel-Club". Seit 1954 ist die Jugendabteilung selbständig mit einer eigenen Satzung und eigenem Vorstand. Rund 150 Jugendliche bilden heute die Jugendabteilung, die von einem hauptamtlichen Trainer und einem Zivildienstleistenden in der Ausbildung unterstützt werden.[27]

Vorsitzende des FSC[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1890–1897 Heinrich Schuldt
  • 1898–1905 Louis Meyer
  • 1906–1921 Dr. Hermann Todsen
  • 1922–1933 Herman Schuldt
  • 1934–1936 Dr. Ludwig Gerber
  • 1937–1939 Harry Wustrau
  • 1940–1945 Otto Brink
  • 1946–1949 Andreas Christiansen
  • 1950 Otto Brink
  • 1951–1970 Georg Christiansen
  • 1971–1973 Fritz Vogler
  • 1974–1990 Enno Brink
  • 1991–1998 Dr. Rainer Burkert
  • seit 1999 Jochen Frank

Kommodore des FSC[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kommodore führt als äußeres Zeichen einen viereckig gezackten Doppelstander in den FSC-Farben im Masttopp seiner Yacht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerd Kall (Red.): 125 Jahre Flensburger Segel-Club. FSC-Festschrift. FSC, Flensburg 2016, ISBN 978-3-943582-13-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 1901 Erster eigener Bootshafen, FSC-Chronik, abgerufen am 11. Februar 2020.
  2. 125 Jahre Flensburger Segel-Club, Flensburg 2016, S. 53 ff.
  3. Bau der Hafens in Glücksburg, FSC-Chronik, abgerufen am 11. Februar 2020.
  4. Foto: Luftbild des Yachthafens Quellental (Glücksburg), abgerufen am 11. Februar 2020.
  5. 125 Jahre Flensburger Segel-Club, Flensburg 2016, S. 56 ff.
  6. Bau des neuen Clubhauses, FSC-Chronik, abgerufen am 11. Februar 2020.
  7. FSC-Regatten: Wanderpreise Flensburger Fördewoche − Blaues Band der Flensburger Förde, abgerufen am 16. Februar 2020
  8. FSC-Regatten: Wanderpreise Flensburger Fördewoche − Blau-Gelbes Band der Flensburger Förde, abgerufen am 16. Februar 2020
  9. FSC-Regatten: Wanderpreise Flensburger Fördewoche, abgerufen am 16. Februar 2020
  10. Das ist die Segel-Bundesliga, Segel-Bundesliga, abgerufen am 14. Februar 2020.
  11. Deutsche Segel-Bundesliga - Gesamtergebnisse. Abgerufen am 14. Februar 2020.
  12. 2. Segel-Bundesliga, Finale 2017, Rangliste. In: hnv.sapsailing.com. SAP Sailing Analytics, 20. August 2017, abgerufen am 16. Februar 2020.
  13. 1. Segel-Bundesliga 2020: Gesamtrangliste. In: SAP Sailing Analytics. SAP, 10. Oktober 2020, abgerufen am 12. November 2020.
  14. 1. Segel-Bundesliga 2021: Gesamtrangliste. In: Segelbundesliga. SAP, 23. Oktober 2021, abgerufen am 25. Oktober 2021.
  15. DSL-Pokal 2017 in Glücksburg - Highlights. In: YouTube. 16. Oktober 2017, abgerufen am 16. Februar 2020.
  16. Deutsche Segel-Bundesliga - Gesamtergebnisse. Abgerufen am 14. Februar 2020.
  17. DSL Pokal 2020: Gesamtrangliste. In: SAP Sailing Analytics. SAP, 18. Oktober 2020, abgerufen am 12. November 2020.
  18. Deutsche Segel-Liga Pokal 2021. SAP Sailing, 7. November 2021, abgerufen am 8. November 2021.
  19. Deutsche Junioren Segel-Liga, Finale 2017. In: hnv.sapsailing.com. SAP Sailing Analytics, 5. November 2017, abgerufen am 14. Februar 2020.
  20. Deutsche Junioren Segel-Liga, Finale 2018. In: hnv.sapsailing.com. SAP Sailing Analytics, abgerufen am 14. Februar 2020.
  21. Deutsche Junioren Segel-Liga, Finale 2019. In: www.sapsailing.com. SAP Sailing Analytics, 13. Oktober 2019, abgerufen am 14. Februar 2020.
  22. Deutsche Junioren Segel-Liga 2020, Gesamtrangliste. In: www.sapsailing.com. SAP Sailing Analytics, 27. September 2020, abgerufen am 12. November 2020.
  23. Deutsche Junioren Segel-Liga 2021, Gesamtrangliste. In: www.sapsailing.com. SAP Sailing Analytics, 31. Oktober 2021, abgerufen am 9. November 2021.
  24. SWITZERLAND’S REGATTACLUB OBERHOFEN WINS SAILING CHAMPIONS LEAGUE QUALIFIER IN KIEL.SAILING.CITY. Sailing Champions League, 1. August 2021, abgerufen am 26. Oktober 2021 (englisch).
  25. Tatjana Pokorny: Finnland siegt, Flensburger Segel-Club erkämpft Platz drei. Yacht.de, 11. Oktober 2021, abgerufen am 26. Oktober 2021.
  26. FSC-Chronik: One Ton Cup 1978 im FSC, abgerufen am 11. Februar 2020
  27. FSC-Chronik: Die Jugendabteilung des FSC, abgerufen am 11. Februar 2020