Flensburger Tageblatt

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Flensburger Tageblatt
Redaktionssitz des Flensburger Tageblattes ist das Medienhaus vom Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (SHZ) an der Fördestraße (nahe des Twedter Placks und des KBAs). (Foto 2014)
Beschreibung Tageszeitung
Sprache deutsch
Verlag Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag (Schleswig-Holstein)
Erstausgabe 15. Juni 1865[1]
Erscheinungsweise werktags
Verkaufte Auflage
(IVW 4/2017, Mo–Sa)
27.140 Exemplare
Chefredakteur Stefan Hans Kläsener[2]
Herausgeber Werner F. Ebke und Jan Dirk Elstermann
Geschäftsführer Axel Gleie, Christian Arbien, Thomas Keßler, Joachim Liebler[2]
Weblink Flensburger Tageblatt

Das deutschsprachige Flensburger Tageblatt (Petuh: Tante Maaß)[3][4] ist neben der dänischen Flensborg Avis eine von zwei Tageszeitungen Flensburgs. Das unabhängige Blatt bringt Nachrichten für Flensburg und den Kreis Schleswig-Flensburg. Es erscheint sechs Mal wöchentlich, wird verlegt vom Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) und gedruckt im Druckzentrum Büdelsdorf bei Rendsburg. Die verkaufte Auflage beträgt 27.140 Exemplare, ein Minus von 30,5 Prozent seit 1998.[5]

Redaktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Redaktion setzt sich zusammen aus der Stadtredaktion in Flensburg und der Kreisredaktion in Schleswig. 25 Korrespondenten berichten aus dem Umland: Harrislee, Mittelangeln, Schafflund, Tarp, Lindewitt, Langballig, Handewitt, Gelting, Amt Eggebek und Hürup.[6] Redaktionssitz ist das Medienhaus des sh:z in der Fördestraße 20 in Mürwik. Das Kundencenter befindet sich in der Nikolaistraße 7 zwischen dem ZOB Flensburg und dem Holm in der Flensburger Innenstadt.

Bekannte Mitarbeiter waren Hugo Eckener, der als Kulturkritiker für die Zeitung schrieb, und Wolfgang Börnsen, der ab 1963 als „rasender Dorfreporter“ berichtete, so auch über die Schneekatastrophe in Norddeutschland 1978.[7] Bekannter Karikaturist ist der Comic-Zeichner Kim Schmidt.[8]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorläufer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flensburgs erste lokale Zeitung erschien 1766 und nannte sich „Flensburger Adresse-Comptoir-Nachrichten“. Von 1788 bis 1853 brachte das „Flensburg’sche Wochenblatt“ außer Nachrichten noch volkspädagogische Texte im Sinne der Aufklärung. Die ab 1840 veröffentlichende „Flensburger Zeitung“, erste Tageszeitung der Fördestadt, publizierte ab 1865 unter dem Titel „Flensburger Nachrichten“ und war Vorgänger des Flensburger Tageblattes.[9]

Flensburger Nachrichten 1865–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Herausgeber der Flensburger Nachrichten war 1865 der aus Kolding stammende Apotheker Ponton. Der Drucker und Expedient Ludolf P. H. Maaß aus Itzehoe übernahm ein Jahr später das Blatt. Nach der Enkeltochter des früheren Verlegers (ab 1866) und Redakteurs Ludolf Maaß ist die Zeitung in der Petuhsprache als Tanta Maaß benannt.[3][4][10] Johanna Maaß war die Tochter seines Sohnes, des Herausgebers Friedrich Maaß, der ab 1892 das Blatt übernahm. Johanna Maaß war auch die Ehefrau des Luftfahrtpioniers Hugo Eckener, der dort als Kulturkritiker arbeitete.[11][12] Später hieß es im Volksmund: „Hast du schon bei Tante Maaß gelesen, dass ..?“ und die Dame hielt als Kosename für die gesamte Zeitung her. Eine tägliche Kolumne der konstant Mitte 70-jährigen Tante Maaß auf der ersten Lokalseite erinnert seit 1987 an diese Frau, die jedoch kein Petuh spricht.[12][13]

Flensburger Kaufleute, die und deren Vorgänger zuvor schon die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft, die Reederei und die Flensburger Brauerei gegründet hatten, verhinderten nach der Weltwirtschaftskrise in den 1920er-Jahren den Konkurs der Zeitung, mussten in der NS-Zeit jedoch ihre Anteile verkaufen, und zwar an die Vera-Verlagsgesellschaft, eines vollständigen Tochterunternehmens des NSDAP-eigenen Franz-Eher-Verlages.[14] Redigiert und gedruckt wurde im Stammhaus an der Nikolaistraße.[12]

Zum Ende des Zweiten Weltkrieg erschien die Zeitung weiterhin regelmäßig – mit Ausnahme des 3. Mai 1945, als aufgrund eines Luftangriffes auf Flensburg in der Nacht zuvor die Stromversorgung unterbrach.[15] Am 8. Mai meldeten die Flensburger neben der Aachener Nachrichten als einzige Tageszeitungen Deutschlands die bedingungslose Kapitulation aller kämpfenden Truppen und druckten eine Rede von Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk ab, die einen Tag zuvor der Reichssender Flensburg übertrug.[16][17][18]

Flensburger Tageblatt seit 1945/1946[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch im Mai 1945 beschlagnahmten die britischen Besatzer 1945 den NS-Verlag der Flensburger Nachrichten und veröffentlichten die Zeitung fortan vom 11. Mai 1945 bis zum 28. März 1946 unter dem Titel Flensburger Nachrichtenblatt, bis die Militärregierung dem Flensburger Tageblatt mit Wirkung zum 4. April 1946 die Lizenz erteilten. Erster Erscheinungstag des neuen Flensburger Tageblattes war der 6. April 1946.[14]

Die Gesellschafter der 1953 gegründeten Flensburger Zeitungsverlag GmbH investierten 1965 in eine MAN-Rotationsdruckmaschine.[12] und weihten dazu einen neuen Technikbau in der Nikolaistraße ein, der 1997 wieder abgerissen wurde.[1][19]

Um Kosten zu sparen, integrierten die Schleswiger Nachrichten, das Sylter Tageblatt, das Südtondern Tageblatt, das Eiderstedter Tageblatt, der Insel-Bote und zuletzt die Husumer Nachrichten in den Flensburger Zeitungsverlag.[14] Die Gesellschaft kooperierte in den 1980er-Jahren mit der Rendsburger Zeitungsgruppe Möller, die zusammen den Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) gründeten.[12] Von 1987 bis März 2013 arbeiteten Geschäftsführung, Redaktion und kaufmännische Abteilungen in der Holmpassage, danach bezog man das neue Gebäude in der Fördestraße in Mürwik.[12]

Bis 2014 war Helge Matthiesen Chefredakteur, der danach zum Bonner General-Anzeiger wechselte. Im Dezember 2014 übernahm Stefan Hans Kläsener diesen Posten, der zuvor bei den Lübecker Nachrichten volontiert hatte.[20] 2015 feierte das Flensburger Tageblatt sein 150-jähriges Jubiläum mit einer Jubiläumsbeilage, die am 15. Juni 2015 erschien,[21] und einem Jubiläumsball zu Anfang Juli 2015[1] mit 400 Gästen in der Werfthalle der Robbe & Berking-Classics, wo der Bauchredner Jörg Jará und der Jazz-Pianist Joja Wendt auftraten und die Schauspielerin Sabine Kaack (Da kommt Kalle) durch das Programm führte.[22]

Am 24. Februar 2016 gab shz.de bekannt, dass das Unternehmen NOZ Medien die medien holding:nord GmbH übernehmen wird, zu der auch das Flensburger Tageblatt gehört.[23] Das Bundeskartellamt erteilte am 7. April grünes Licht für die Fusion. [24]

Auflage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Flensburger Tageblatt hat in den vergangenen Jahren erheblich an Auflage eingebüßt. Die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 30,5 Prozent gesunken.[25] Sie beträgt gegenwärtig 27.140 Exemplare.[26] Das entspricht einem Rückgang von 11.908 Stück. Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 90,1 Prozent.

Entwicklung der verkauften Auflage[27]


Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Tageblatt-Jubiläum: Zwei Torten zum Geburtstag. 15. Juni 2015, abgerufen am 16. Juni 2015.
  2. a b Impressum. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, abgerufen am 7. Mai 2015.
  3. a b W. L. Christiansen: Petuh ABC. 1. Auflage. Mohland Verlag, Goldebek 2003, ISBN 3-936120-46-3, S. 85.
  4. a b Renate Delfs: Ohaueha was'n Aggewars. oder wie ein ' zusieht un sprechen as die Petuhtanten. Schleswiger Druck- und Verlagshaus, Schleswig 1979, ISBN 3-88242-048-0, S. 59.
  5. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  6. 150 Jahre Flensburger Tageblatt. Eine Sonderveröffentlichung der sh:z. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag GmbH & Co. KG, Flensburg 15. Juni 2015, Das Team der Umland-Korrespondenten, S. 20.
  7. 150 Jahre Flensburger Tageblatt. Eine Sonderveröffentlichung der sh:z. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag GmbH & Co. KG, Flensburg 15. Juni 2015, Der rasende Dorfreporter, S. 17.
  8. Dietmar König: Flensburger Tageblatt. In: Marsch & Förde. , abgerufen am 10. Mai 2015.
  9. Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 167
  10. Julia Boecker: Tante Maaß – ein gut vernetztes Urgestein. In: Flensburger Tageblatt. 3. Juni 2013, abgerufen am 6. Januar 2015.
  11. 150 Jahre Flensburger Nachrichten: Tante Maaß feiert Geburtstag. In: Flensburger Tageblatt. 2. Januar 2015, abgerufen am 14. Mai 2015.
  12. a b c d e f Gerhard Nowc: 150 Jahre Flensburger Tageblatt: Als die Setzmaschinen klapperten. In: Flensburger Tageblatt. 26. Januar 2015, abgerufen am 6. Mai 2015.
  13. 150 Jahre Flensburger Tageblatt. Eine Sonderveröffentlichung der sh:z. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag GmbH & Co. KG, Flensburg 15. Juni 2015, Unsterblich: Tante Maaß, S. 46.
  14. a b c 150 Jahre Flensburger Tageblatt. Eine Sonderveröffentlichung der sh:z. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag GmbH & Co. KG, Flensburg 15. Juni 2015, Eigentümer, Drucker und Redakteur, S. 28.
  15. Gerhard Paul: Der Untergang 1945 in Flensburg (Vortrag vom 10. Januar 2012). Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein (Hrsg.), S. 11.
  16. Abdruck der ersten Seite der Flensburger Nachrichten mit der Meldung: „Bedingungslose Kapitulation aller kämpfenden Truppen. Sterne im Dunkel der Zukunft: Einigkeit, Recht, Freiheit. Reichsminister Graf Schwerin v. Krosigk an das deutsche Volk“ vom 8. Mai 1945 beispielsweise in: Eckardt Opitz: Schleswig-Holstein. Das Land und seine Geschichte in Bildern, Texten und Dokumenten. Hamburg 2002, Seite 231. Faksimile in https://books.google.de/books?id=T89-AAAAIAAJ&q=sterne
  17. Die AN-Schlagzeile vor 70 Jahren: „Der Krieg ist aus!“. In Aachener Nachrichten vom: 8. Mai 2015, abgerufen am 5. Mai 2015
  18. Vor 60 Jahren erschienen die Aachener Nachrichten als erste Zeitung nach dem Krieg Tausche Gänserich gegen Gans. In Berliner Zeitung vom: 24. Januar 2015, abgerufen am 5. Mai 2017
  19. 150 Jahre Flensburger Tageblatt. Eine Sonderveröffentlichung der sh:z. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag GmbH & Co. KG, Flensburg 15. Juni 2015, Eine Adresse mit Tradition, S. 15.
  20. Medien: Neuer Chefredakteur des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags. shz.de, 16. Dezember 2014, abgerufen am 8. März 2017.
  21. Rainer Fischer: Zeitungsgeburtstag: Zwölf Strandkörbe für Tante Maaß. In: Flensburger Tageblatt. 13. Juni 2015, abgerufen am 16. Juni 2015.
  22. Carlo Jolly: Flensburger Sommerball: Rauschender Ball mit besonderen Gästen. In: Flensburger Tageblatt. 4. Juli 2015, abgerufen am 17. Juli 2016.
  23. In eigener Sache: NOZ Medien erwirbt mh:n-Gruppe. In: shz.de. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, 24. Februar 2016, abgerufen am 23. November 2016.
  24. NOZ Medien darf mh:n-Gruppe übernehmen. shz.de vom 7. April 2016, abgerufen am 3. November 2016
  25. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  26. laut IVW, viertes Quartal 2017, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  27. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)