Flint (Michigan)

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Flint
Spitzname: The Vehicle City, Buick City, Flint Town, Bedrock, The 810
Ansicht des Stadtzentrums (vom Flint River aus gesehen)
Ansicht des Stadtzentrums (vom Flint River aus gesehen)
Lage von Flint im Genesee County
Genesee County Michigan Incorporated and Unincorporated areas Flint Highlighted.svg
Basisdaten
Gründung: 1819 / 1855 Stadtrechte
Staat: Vereinigte Staaten
Bundesstaat: Michigan
County:

Genesee County

Koordinaten: 43° 1′ N, 83° 41′ WKoordinaten: 43° 1′ N, 83° 41′ W
Zeitzone: Eastern (UTC−5/−4)
Einwohner: 102.434 (Stand: 2010)
Bevölkerungsdichte: 1.176,1 Einwohner je km²
Fläche: 88,2 km² (ca. 34 mi²)
davon 87,1 km² (ca. 34 mi²) Land
Höhe: 229 m
Postleitzahlen: 48501-48507, 48532
Vorwahl: +1 810
FIPS:

26-29000

GNIS-ID: 0626170
Website: www.cityofflint.com
Bürgermeister: Karen Weaver

Flint ist mit 102.434 Einwohnern (Stand 2010) die viertgrößte Stadt im US-Bundesstaat Michigan. Die Stadt liegt rund 95 Kilometer nordwestlich von Detroit am Flint River und ist County Seat des Genesee County. Sie war über einen langen Zeitraum der größte Produktionsstandort von General Motors. In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde die Produktion z. T. ins Ausland verlegt, was eine Schließung der Flinter Standorte bewirkte. Mit dem damit einhergehenden Verlust an Arbeitsplätzen wurde der Niedergang der Stadt Flint eingeleitet, nachdem die Automobilindustrie die Umwelt in Flint zuvor schon durch ihre Aktivitäten stark geschädigt hatte. Über 26 % der Einwohner leben heute unterhalb der Armutsgrenze, fast 38 % der unter 18-Jährigen gehören zu den Armen und 40 % der Immobilien stehen Mitte 2009 leer.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde 1819 von einem Pelzhändler gegründet und erhielt im Jahr 1855 die Erhebung zur Stadt. Der spätere Gouverneur von Michigan, Josiah Williams Begole, gründete eine Wollspinnerei.

„Vehicle City“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeinwesen wurde im Laufe der Zeit von verschiedenen Branchen geprägt: dem Handel, der Bauholzerzeugung, der Kutschenfertigung und der Automobilindustrie. Schon bevor Flint ein Zentrum des Automobilbaus wurde, war es eines für Kutschen- und Wagenbau und trug schon vor 1905 den Zusatz Vehicle City (Fahrzeugstadt).[1] Die Durant-Dort Carriage Company war der weltgrößte Kutschenbauer mit einem Ausstoß von 50.000 Einheiten im Jahr 1901.[2][3]

Flint war der erste Sitz von General Motors (GM), für kurze Zeit von Chevrolet und wurde jahrzehntelang geprägt von Buick. Das Unternehmen wurde 1904 von James H. Whiting (1842–1919), dem Besitzer der Flint Wagon Works, nach Flint geholt. Whiting war ein Konkurrent von William C. Durants Durant-Dort Carriage Company und mit diesem dennoch befreundet. Er verkaufte Durant noch 1904 seine Buick-Anteile und stellte so die Verbindung des Unternehmens mit der 1908 gegründeten General Motors Company her. Die Marke Marquette wurde 1912 von der Buick-Tochtergesellschaft Marquette Motor Company[4] und 1929–1930 als Division von Buick (nicht von GM) geführt.[3] Buicks Zentrale wurde erst vor wenigen Jahren nach Detroit verlegt. Indirekt verbunden mit GM waren die Autohersteller Dort Motor Car Company, Monroe Motor Company und Whiting Motor Car Company. Durant gründete nach seiner zweiten Entmachtung bei GM in Flint die Durant Motors Corporation mit mehreren Marken, darunter Durant und Flint.[5]

Jüngere Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1936/37 fand hier der so genannte Flint-Streik statt, in dessen Folge die gewerkschaftliche Organisation in der US-Automobilindustrie massiv zunahm.

Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt wegen der vorhandenen Schwerindustrie ein bedeutsamer Produzent von Panzern, Flugzeugteilen und anderem Kriegsmaterial.

Am 8. Juni 1953 wurde Flint von einem der schwersten Tornados in den Vereinigten Staaten heimgesucht, der 115 Menschen das Leben kostete und 844 Verletzte forderte.[6]

Flint wird seit der Schließung der großen Automobilwerke und vieler Zulieferbetriebe immer wieder in den Medien als warnendes Beispiel einer verfehlten industriellen Monokultur dargestellt. Einer der bekanntesten Söhne der Stadt ist der Filmemacher Michael Moore, der Flints Armut in seinen Filmen Roger & Me, The Big One und Bowling for Columbine erwähnt.

Out of date clock icon.svg Dieser Artikel beschreibt ein aktuelles Ereignis. Informationen können sich deshalb rasch ändern.

Für die Stadt war von 2011 bis 2015 der „state of financial emergency“ erklärt worden.[7] Im April 2014 wurde die Wasserversorgung umgestellt, um Kosten zu sparen. Statt aus dem nahe gelegenen Detroit kam das Wasser nun aus dem Flint River – einem durch die Autoindustrie verseuchten Fluss.[8] Die staatlich verordneten Sparmaßnahmen im Bereich der Trinkwasserversorgung führten Anfang 2016 zu einem Gesundheitsnotstand durch Bleivergiftungen, Verkeimung des Trinkwassers und weitere gravierende Verunreinigungen – die sogenannte „Flint water crisis“.[9] Um (auf 90 Tage befristete) Hilfe durch die Federal Emergency Management Agency zu ermöglichen, rief auch US-Präsident Barack Obama am 16. Januar 2016 über das betroffene Gebiet den Umwelt-Notstand aus.[10] Bei einem Besuch im Mai 2016 versprach Obama, die Wasserrohre würden ersetzt werden.[8]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die in Flint wirkten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

David Dunbar Buick

Klimatabelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flint, Michigan
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
35
 
-2
-10
 
 
33
 
0
-9
 
 
55
 
6
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75
 
13
2
 
 
67
 
20
8
 
 
82
 
25
13
 
 
69
 
28
15
 
 
89
 
26
14
 
 
90
 
22
11
 
 
55
 
15
5
 
 
66
 
8
0
 
 
54
 
1
-6
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: National Weather Service, US Dept of Commerce
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Flint, Michigan
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −1,8 −0,4 5,7 13,3 20,0 24,9 27,5 26,2 22,0 15,4 8,1 1,0 Ø 13,6
Min. Temperatur (°C) −9,9 −9,1 −3,6 2,2 7,6 12,6 15,4 14,4 10,6 4,7 0,1 −6,3 Ø 3,3
Niederschlag (mm) 35,3 32,5 54,9 74,7 67,3 81,5 68,8 88,6 90,4 55,4 66,0 53,6 Σ 769
Regentage (d) 7,3 6,3 9,0 9,7 7,7 8,4 7,2 7,9 8,6 7,9 8,9 9,3 Σ 98,2
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
−1,8
−9,9
−0,4
−9,1
5,7
−3,6
13,3
2,2
20,0
7,6
24,9
12,6
27,5
15,4
26,2
14,4
22,0
10,6
15,4
4,7
8,1
0,1
1,0
−6,3
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
35,3
32,5
54,9
74,7
67,3
81,5
68,8
88,6
90,4
55,4
66,0
53,6
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gustin/Kirbitz: David Buick's Marvelous Motor Car (2011), S. 85
  2. Gustin/Kirbitz: David Buick's Marvelous Motor Car (2011), S. 86
  3. a b gmheritagecenter.com: Former Divisions
  4. Kimes (1985), S. 1125
  5. DMAC: The Durant Motors Automobile Club
  6. History of Flint (Memento vom 22. August 2008 im Internet Archive), abgefragt am 7. Juni 2009
  7. Flint's finances in better shape; no more emergency managers. In: Associated Press, 29. April 2015. Abgerufen am 1. Mai 2015. 
  8. a b Beruhigungsmaßnahme in US-Stadt Flint: Obama trinkt Wasser, Bericht in Spiegel Online, abgerufen am 5. Mai 2016
  9. Governor declares state of emergency over lead in Flint water The Flint Journal, 5. Januar 2016
  10. President Obama signs emergency declaration over Flint's water crisis MLive.com. – Blei im Trinkwasser: Obama ruft Notstand in Michigan aus, Spiegel Online. – Nun auch Legionärskrankheit, DiePresse.com

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Axel Madsen: The Deal Maker: How William C. Durant made General Motors, John Wiley & Sons, Inc., ISBN 0-4713-9523-4(pbck) (Englisch)
  • Lawrence R. Gustin, Kevin M. Kirbitz, Robert A. Lutz (Einleitung): David Buick's Marvelous Motor Car: The Men and the Automobile that Launched General Motors, 2. ergänzte und erweiterte Auflage (2011); RateSpace Independent Publishing Platform; ISBN 1-466-26367-9 ISBN 978-1466-26367-3; soft cover (Englisch)
  • Beverly Rae Kimes (Herausgeberin), Henry Austin Clark jr.: Standard Catalogue of American Cars 1805–1942. 2. Auflage. Krause Publications, Iola WI (1985), ISBN 0-87341-111-0. (Englisch)
  • Gordon Young: Teardown: Memoir of a Vanishing City. [Nach 15 Jahren San Francisco kehrt der Journalist Gordon Young in seine Heimatstadt Flint zurück.] University of California Press, 2013. ISBN 978-0-520-27052-7 (Print); ISBN 978-0-520-95537-0 (eBook)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]