Floskel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Floskel (lateinisch flosculus: ‚Blümchen‘) bezeichnet in der Rhetorik der Antike einen Denkspruch oder eine Sentenz, später eine rein formale Redewendung oder Redensart.

In der Umgangssprache werden viele Floskeln verwendet, ohne sich dessen bewusst zu sein. Oft wird eine ernsthafte, bedeutungsvolle Antwort erwartet. Das Gesagte wird durch Floskeln und andere Sprachschablonen so sehr aufgeladen, dass eine eindeutige Stellungnahme nicht mehr zu erkennen ist. Dies stößt beim Rezipienten auf Missfallen. Daher und aus Unkenntnis der eigentlichen Definition von Floskel wird der Begriff im Alltag oft mit negativer Konnotation verwendet.

Nicht zuletzt durch Funk- und Fernsehmedien verbreiten sich Floskeln in der deutschen Sprache überaus rasch und sind bei ihren Verwendern subliminal. Durch ihre permanente Wiederholung entwickelt sich das Deutsch ihrer Anwender zum „Papageien-Deutsch“ (Schenk). „Dabei macht jede Floskel für sich noch kein schlechtes Deutsch aus. Allein ihr unablässiger, zwanghafter und unbewusster Gebrauch weist ihre Verwender als Menschen aus, die sich kaum, nicht hinreichend oder gar nicht mehr der Mühe sorgfältiger und präziser Formulierung unterziehen.“[1] Gleichwohl können Floskeln durchaus sowohl Bestandteile der Höflichkeit als auch genereller Kommunikation bleiben, ohne als störend wahrgenommen zu werden; im Gegenteil: sie vereinfachen das menschliche Miteinander in der Regel bedeutend. Weil sie aufgrund der gesellschaftlich etablierten sozialen Konventionen, die mit der jeweiligen Floskel zusammenhängen, ohne Unsicherheit als das verstanden werden, was der Sprechende ausdrücken möchte bzw. wie er denkt, sich verhält oder fühlt, werden viele Floskeln – wie insbesondere etwa solche zum Gruß oder zur Ermunterung – im Allgemeinen positiv aufgenommen.

Beispiele für solche meist sinnleeren Floskeln sind: halt eben, sag ich jetzt mal, wie schon gesagt, an der/dieser Stelle, sozusagen, dementsprechend, diesbezüglich, so gesehen, letztendlich (statt letztlich oder endlich), im Endeffekt, ein Stück weit, gesetzt den Fall, nicht wirklich, eh, ich würde meinen, in der Hinsicht, in der Situation vor Ort, ist ja nicht an dem, mehr oder minder/weniger, (ich sage) nochmal/noch einmal, vom Prinzip/Grundsatz/Ding her, von daher gesehen, von der Sache her, ich denke, wie gesagt (wobei der hierauf genannte Inhalt nicht zwangsweise bereits gesagt wurde), wenn man so will / wenn Sie so wollen, quasi.

Eine weitere Form der sinnleeren und floskelhaften Worthülsen stellen antiquierte Begriffe aus dem Bürokratendeutsch dar, die zusehends Eingang in die Umgangssprache finden und zur sinnfreien Ausschmückung eigentlich einfacher Zusammenhänge gern verwendet werden. So findet sich in der geschriebenen wie auch der gesprochenen Sprache offensichtlich infolge des Bemühens der Sprecher um eine möglichst gestelzte und schmückende Wortwahl immer mehr Begriffe meist völlig sinnleerer Bedeutung, für die es in aller Regel kurze, deutliche und weniger verschwurbelte Worte gibt, oder die ohne jeden Bedeutungsverlust einfach weggelassen werden können:

Hinsichtlich, was das angeht, dementsprechend, im Hinblick auf…, in Bezug auf…; zeitnah, erlebnisorientiert, fernmündlich, verbringen, Behältnis, Sachverhalt, in Erinnerung gebracht, einer Prüfung unterzogen, Einvernahme von Zeugen, es wurden Maßnahmen ergriffen, die Zahnärzteschaft, Einvernehmen erzielen, zwecks Vermeidung, Ablichtung, fernmündlich, in Sachen…, Versagung, das entzieht sich meiner Kenntnis, von daher, und ähnlichen Worthülsen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Floskel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Otto Schenk: Deutsch als Papageiensprache. Floskel-Deutsch – und wie man ihm empirisch auf die Schliche kommt. In: Wortschau Nr. 10/2010, S. 8–11, ISBN 978-3-9812928-5-5