Flugabwehrraketengeschwader 1

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Flugabwehrraketengeschwader 1
— FlaRakG 1 —
III
FlaRakG 1.jpg
Wappen der FlaRakG 1
Aufstellung 1. Juni 1959
Land Deutsche FlaggeDeutsche Flagge Deutschland
Streitkräfte Bundeswehr
Teilstreitkraft Luftwaffe Luftwaffe
Truppengattung Flugabwehr
Unterstellung Luftwaffentruppenkommando
Garnison Fliegerhorstkaserne Husum

(Schleswig-Holstein)

Auszeichnungen Prinz-Heinrich-Preis
Führung
Kommodore Oberst Arnt Kuebart

Das Flugabwehrraketengeschwader 1 (FlaRakG 1) ist ein Verband der Luftwaffe mit Standorten in Husum, Sanitz, Bad Sülze, Panker und El Paso. Das Geschwader ist mit dem Flugabwehrraketensystem Patriot, dem Nächstbereichschutzsystem MANTIS und dem Leichten Flugabwehr System (LeFlaSys) Ozelot ausgestattet.

Seit dem 1. Juli 2015 ist das Flugabwehrraketengeschwader 1 dem Luftwaffentruppenkommando in Köln-Wahn unterstellt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Flugabwehrraketengeschwader 1 wurde 1959 als Flugabwehrregiment 3 in Essen-Kupferdreh aufgestellt. Im gleichen Jahr erfolgte die Verlegung nach Bocholt, 1960 nach Osnabrück. 1965 wurde es mit Einführung des Waffensystems Hawk in Flugabwehrraketenregiment 3 umbenannt und nach Krummenort bei Rendsburg verlegt. 1967 zog der Verband nach Heide um. Dort wurde es 1989 zum Flugabwehrraketenkommando 1 und 1992 zum Flugabwehrraketengeschwader 1 umgegliedert. 1994 verlegte das Geschwader an seinen heutigen Standort. 2001 wurde das Waffensystem HAWK außer Dienst gestellt.

Am 1. Januar 2011 übernahm das Geschwader offiziell die Verantwortung für das Nächstbereichschutzsystem MANTIS, das Leichte Flugabwehr System (LeFlaSys) Ozelot und das Luftraumüberwachungsradar LÜR von der in Auflösung befindlichen Flugabwehrtruppe des Heeres. Zum Betrieb dieser Systeme durch den Flugabwehrraketendienst der Luftwaffe wurde am 25. März 2011 die Flugabwehrgruppe am Standort Husum in Dienst gestellt.[1]

Den Beinamen „Schleswig-Holstein“ hatte der Verband seit 1989. Zum 1. Oktober 2014 legte der Verband aufgrund der Integration weiterer, überregional gelegener Verbände, den Beinamen ab.

Das Flugabwehrraketengeschwader 1 war bis zum 30. Juni 2013 ein Verband der 4. Luftwaffendivision. Seit dem 1. Juli 2013 untersteht das Geschwader direkt dem Kommando Einsatzverbände Luftwaffe.

Dem Kommodore sind die Flugabwehrraketengruppen 21 (Sanitz), 24 (Bad Sülze), 26 (Husum) und 61 (Todendorf/Panker) unterstellt.[2] Im Rahmen der Umgliederung des Flugabwehrraketengeschwaders 1 „Schleswig-Holstein“ übergab Generalmajor Robert Löwenstein am 12. April 2013 auch das Kommando aller noch verbleibenden FlaRak-Verbände der Bundeswehr, des Taktischen Aus- und Weiterbildungszentrum FlaRakLw USA (TaktAusbWbZ FlaRakLw USA) El Paso, USA sowie des Ausbildungszentrums FlaRak an den Kommodore des FlaRakG 1.[3]

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Startgerät des Flugabwehrraketensystems Patriot

Die Aufgabe des Verbands ist, mit dem Waffensystem MIM-104 Patriot zugewiesene Räume und Objekte gegen die Bedrohung durch Luftfahrzeuge und ballistische Flugkörper zu schützen. Seit der Aufstellung der Flugabwehrraketengruppe 61 (frühere Bezeichnung: Flugabwehrgruppe) besteht eine weitere Aufgabe des Verbands darin, mit dem Nächstbereichschutzsystem MANTIS den Feldlagerschutz eigener Truppen sicherzustellen.

Einsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Januar 2013 bis Dezember 2015 beteiligte sich der Verband mit dem Waffensystem Patriot an der NATO-geführten Operation Active Fence im südtürkischen Kahramanmaraş. Für diesen Einsatz erhielt das Geschwader am 19. Juli 2016 den Prinz-Heinrich-Preis.

Unterstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flugabwehrraketengruppe 21[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der
FlaRakGrp 21

Die Flugabwehrraketengruppe 21 (FlaRakGrp 21) ist eine von drei Patriot-Gruppen des Flugabwehrraketengeschwader 1 (FlaRakG 1) der Bundeswehr.

Geschichte und Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Patriot-System der Bundeswehr; hier ein Startgerät der 4./21 bei der Hanse Sail in Hohe Düne
Ehemaliger Abschussbereich für Nike Hercules Raketen der Flugabwehrraketengruppe 21 in Soest. Heute Nutzung verschiedener Art wie Polizeigelände und Viehstall.

Die Flugabwehrraketengruppe 21 hat ihren Ursprung im Flugabwehrraketenbataillon 21, das im April 1959 in Fort Bliss, Texas und auf dem Fliegerhorst Köln-Wahn in Dienst gestellt wurde. Köln-Wahn war der erste deutsche Aufstellungsort, doch bereits 1959 strebte man eine Dislozierung des Verbandes in den Räumen Iserlohn, Soest, Warendorf und Dülmen an. Als erster Verband der Luftwaffe erhielt das neu aufgestellte Flugabwehrraketenbataillon 21 das neue Waffensystem „Nike Hercules“. Im Sommer 1959 waren bereits Zwischenstandorte in Gelsenkirchen-Buer und Bocholt bezogen. Bemerkenswert war Ende 1959 die Übernahme der „Burg Erwitte“ bei Soest, nachdem die Bundeswehr dieses Anwesen für 1,6 Millionen DM erworben hatte.

In den folgenden Jahren entstanden die Einsatzstellungen an den Standorten in Westkirchen (Münsterland, 1./21), Datteln (4./21) und Holzwickede (Ruhrgebiet, 3./21). Die Einsatzstellungen waren in den FlaRak-Gürtel der NATO integriert, der von der Nordsee bis nach Bayern zur Abwehr eines potentiellen Angriffs aus dem Osten entstand. Auf sieben bis neun Nike Hercules Raketen waren Nukleargefechtsköpfe der US Army montiert. Für Wartung und Bewachung waren US-Soldaten im Abschussbereich bzw. in einer Kaserne in Büecke stationiert.

1970 kam der Standort Möhnesee-Echtrop hinzu, nachdem die kanadischen Streitkräfte von dort abgezogen waren. In Möhnesee befanden sich das FlaRak-Bataillon 21, Stab, Stabsstaffel, Versorgungsstaffel, Luftwaffensanitätsstaffel und die 2./21. Die als Fort York bezeichnete Kaserne erhielt 1973 den Namen Graf-Yorck-Kaserne; trotz Ähnlichkeit haben beide Namen keinen Bezug zueinander.

Im zweiten Teil der 1980er Jahre kamen die Standorte Sauerlandkaserne (Lennestadt-Oedingen im Sauerland, 5./21) und Waldbröl (Bergisches Land, 6./21) aus dem Bereich des FlaRakBtl 22 dazu. Mit ihren nunmehr sechs Einzelstandorten galt die Flugabwehrraketengruppe 21 Ende der 1980er Jahre als der weiträumigst dislozierte FlaRak-Verband der Luftwaffe. Alle Standorte lagen im Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Das Waffensystem NIKE prägte die Identität des Flugabwehrraketenbataillons 21 bis 1986. Zahlreiche Überprüfungen (ORE, NWTI) und der Schichtdienst waren für viele Angehörige des Verbandes fast 30 Jahre lang militärischer Alltag. Daran konnte auch eine Umstrukturierung im Jahre 1987 nichts ändern, als das Flugabwehrraketenbataillon 21 kurzfristig zum Geschwader avancierte.

Mit der Einführung des Waffensystems PATRIOT war 1990 das Flugabwehrraketengeschwader 21 wiederum Pionier in Sachen Flugabwehr. Als erste Staffel wurde in Westkirchen die 1./21 mit dem neuen Waffensystem ausgerüstet. Bereits im Juli 1990 meldete das Flugabwehrraketengeschwader 21 die Einsatzbereitschaft des ersten Halbgeschwaders (1./-, 2./- und 3./21) nach abgeschlossener Umrüstung. Eine Reorganisierung brachte schließlich 1993 die Flugabwehrraketengruppe 21 mit ihren sechs Standorten in NRW hervor, so wie sie bis zum Jahr 2002 existieren sollten.

Mit der weiteren Anpassung der Luftwaffenstruktur 5 bildete Bad Arolsen nur einen Übergangsstandort in der inzwischen über 40 Jahre zählenden Geschichte der Flugabwehrraketengruppe 21. Im Januar 2004 wurde ein Vorauskommando am neuen Standort in Sanitz in Mecklenburg-Vorpommern aufgestellt. Soldaten aus den verschiedensten Bereichen bereiteten in Zusammenarbeit mit den Soldaten der aufzulösenden Flugabwehrraketengruppe 12 die Aufnahme des Waffensystems PATRIOT vor. Im April 2004 löste ein personell stark verstärktes Vorkommando das Vorauskommando ab. Mit einem großen Abschlussappell in Möhnesee-Echtrop endete am 25. Juni 2004 die lange Ära der bodengebundenen Luftverteidigung in Nordrhein-Westfalen.

Die Flugabwehrraketengruppe 21 war bis zum 17. Dezember 2003 dem Flugabwehrraketengeschwader 4 (aufgelöst) in Burbach zusammen mit der Flugabwehrraketengruppe 25 unterstellt, danach zusammen mit der Flugabwehrraketengruppe 24 dem Flugabwehrraketengeschwader 2 in Bad Sülze.

Am 1. Juni 2004 wurde am Standort Sanitz in der Siebenbuche-Kaserne der Stab, die Stabsstaffel sowie die 1. und 2. Staffel, in der Kaserne Prangendorf die Versorgungsstaffel sowie die 4. und 5. Staffel neu aufgestellt. Für eine Übergangszeit wurde die 3. Staffel in Bad Sülze in der Recknitztal-Kaserne aufgestellt und zum 30. Juni 2006 aufgelöst.

Die heutige Flugabwehrraketengruppe 21 wurde im Rahmen eines feierlichen Appells am 30. Juni 2004 in Sanitz (Mecklenburg-Vorpommern) als erster Patriot-Verband in den neuen Bundesländern aufgestellt. Hierbei wurde das Personal der alten FlaRakGrp 21, das an den Standorten Möhnesee (Nordrhein-Westfalen) und Bad Arolsen (Nordhessen) disloziert war, an den Standorten Sanitz und Prangendorf mit der dort befindlichen FlaRakGrp 12 zusammengeführt.

Am 1. Juli 2006 wurde die 5. Staffel in 3. Staffel umbenannt. Somit war für die Flugabwehrraketengruppe 21 die Einnahme der Luftwaffenstruktur 5 abgeschlossen. Die FlaRakGrp 21 ist somit aus der FlaRakGrp 21 (alt) und der FlaRakGrp 31/12 hervorgegangen.

Im Dezember 2006 wurde der Verband zusammen mit dem Flugabwehrraketengeschwader 2 und der Flugabwehrraketengruppe 24 im Rahmen einer „Operational Evaluation“ (OpEval) durch die NATO für die vom 1. Juli 2007 bis 18. Januar 2008 dauernde NRF-9-Standby-Phase zertifiziert.

Am 27. Juni 2007 erfolgte die Umbenennung der Kaserne Prangendorf in Graf-Yorck-Kaserne im Beisein des ehemaligen Botschafters Graf Yorck von Wartenburg. Im April 2009 wurde die Flugabwehrraketengruppe 21 als ältester Flugabwehrraketenverband der Luftwaffe 50 Jahre alt. Am 8. März 2013 wurde das Flugabwehrraketengeschwader 2 aufgelöst. Seine beiden Gruppen 21 und 24 wurden dem Flugabwehrraketengeschwader 1 unterstellt.

Flugabwehrraketengruppe 24[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der
FlaRakGrp 24

Die Flugabwehrraketengruppe 24 (FlaRakGrp 24) ist eine der drei Patriot-Gruppen des Flugabwehrraketengeschwaders 1 (FlaRakG 1) der Bundeswehr. Ihr Standort ist Bad Sülze in Mecklenburg-Vorpommern.

Auftrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Starter des Flugabwehrraketensystems Patriot

Die Flugabwehrraketengruppe 24 trägt als Verband der Luftverteidigung primär zum Schutz des deutschen Luftraums gegen Flugzeuge und Flugkörper bei. Des Weiteren kann die Einheit auch außerhalb des deutschen Hoheitsgebietes zur Krisenbewältigung und Konfliktverhinderung auf Befehl der NATO eingesetzt werden sowie Personal für humanitäre Maßnahmen bis hin zu militärischen Einsätzen im Rahmen der UN bereitstellen. Darüber hinaus kommt die Gruppe im Rahmen des Katastrophenschutzes zum Einsatz.

Geschichte und Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flugabwehrraketengruppe 24 wurde ursprünglich als Flugabwehrraketenbataillon 24 am 12. Januar 1961 in Schwarmstedt aufgestellt. Zur Erstausstattung des Bataillons gehörten Flugabwehrraketen des Typs Nike Hercules. Auf sieben bis neun Nike Hercules Raketen waren Nukleargefechtsköpfe der US Army montiert. Für Wartung und Bewachung waren US-Soldaten im Abschussbereich bzw. in einer Kaserne stationiert. Unterstellt war das Bataillon dem Flugabwehrraketenregiment 4, dem späteren Flugabwehrraketengeschwader 2. Die 3. Staffel zog am 1. Mai 1964 auf den Fliegerhorst Oldenburg um, während der Stab und die 1. Staffel schon 1961 nach Delmenhorst verlegt wurden. Am 1. Januar 1989 wurde das Flugabwehrraketenbataillon 24 in Flugabwehrraketengeschwader 24 umbenannt. Von 1991 bis 1993 erfolgte die Umrüstung des Verbandes auf das Flugabwehrraketensystem Patriot. In diesen Zeitraum fiel auch die erneute Umbenennung in die heutige Flugabwehrraketengruppe 24. Einhergehend damit wurde die restliche Gruppe zwischen 1993 und 1994 auf dem Fliegerhorst Oldenburg zusammengezogen. Zu einem größeren Einsatz der Gruppe kam es beim Oderhochwasser 1997. In den Jahren 2003 und 2004 wurden die 5. und 6. Staffel aufgelöst. Zu Beginn des Jahres 2006 wurde die komplette Gruppe an den neu ausgebauten Standort Bad Sülze verlegt. Von November 2009 bis Juli 2010 beteiligte sich die Einheit mit einem Operativen Mentoren- und Verbindungsteam am ISAF-Einsatz in Afghanistan. Seit Januar 2013 steht die Flugabwehrraketengruppe mit ihren Patriot-Raketen im Einsatz im Rahmen der Operation Active Fence.[4] Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr wechselte am 8. März 2013 die Unterstellung der Gruppe vom Flugabwehrraketengeschwader 2 zum Flugabwehrraketengeschwader 1 mit Wirkung zum 1. April 2013. Gleichzeitig damit wurde das Flugabwehrraketengeschwader 2 aufgelöst.[5] Im Juni 2013 kam es zu einem erneuten Hochwassereinsatz, diesmal im Bereich der Elbe. Im Dezember 2015 endete der Einsatz in der Türkei. Die letzten Soldaten des Verbandes kamen am 23.12.2015 wieder in der Heimat an.-->

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm von Spreckelsen, Wolf-Jochen Vesper: Blazing Skies: Die Geschichte der Flugabwehrraketentruppe der Luftwaffe. Isensee Verlag, Oldenburg. ISBN 3-89995-054-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Luftwaffe: Unikatverband Flugabwehrgruppe in voller Verantwortung. www.luftwaffe.de, 27. März 2012, abgerufen am 30. Dezember 2012.
  2. Das Flugabwehrraketengeschwader 1 „Schleswig-Holstein“. www.luftwaffe.de, 13. März 2013, abgerufen am 14. März 2013.
  3. Informationsveranstaltung FlaRak I/2013. www.luftwaffe.de, 8. Mai 2013, abgerufen am 10. Mai 2013.
  4. Presse- und Informationszentrum der Luftwaffe: „Active Fence Turkey“ verlegt in die Türkei. Bundeswehr, 8. Januar 2013, abgerufen am 26. Januar 2014.
  5. Stefan Büttner: Auflösungsappell in Bad Sülze. Bundeswehr, 8. März 2013, abgerufen am 26. Januar 2014.